Die dunklen Seiten hoher Identifikation mit dem Arbeitgeber 
Mittwoch, 8. Februar 2017 - Studien, Arbeit, Management
Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass eine hohe Identifikation mit dem Arbeitgeber positive Folgen hat. Die Mitarbeiter fühlen sich wohl, arbeiten engagiert, oft zeigen beliebte Arbeitgeber auch eine überdurchschnittliche Performance. Nun haben Wissenschaftler der Colorado-State-Universität 40 Studien zum Thema genauer unter die Lupe genommen - und dabei herausgefunden, dass besonders große Verbundenheit im Job auch deutlich erkennbare dunkle Seiten hat. So neigen besonders commitete Angestellte leichter dazu, Verfehlungen des Unternehmens zu ignorieren - oder sogar selbst unethisch zum Wohle der Firma zu handeln. Änderungen im Unternehmen führen bei sehr verbundenen Mitarbeitern leicht zu einer "Bedrohung ihrer Identität". Wird die Verbundenheit zur Gemütlichkeit, leiden auch Leistung und Kreativität, da Mitarbeiter leicht in bestehenden Strukturen gefangen sind, ohne diese noch sehen zu können. Die Verbundenheit nach Innen könne außerdem in eine stärkere Abgrenzung nach Außen münden oder gar in Misstrauen gegenüber anderen Firmen und Feinddenken gipfeln. Und gerät das eigene Unternehmen in Schwierigkeiten oder unter Beschuss, leiden die sehr treuen Mitarbeiter besonders stark. Gewinnt der Job im Leben eine zu große Bedeutung, könne das Wohlbefinden leiden, weil es zu Konflikten, beispielsweise mit dem Partner, komme. Selbst im Traumjob und bei aller Liebe - es kann nicht schaden, das eigene Arbeitsumfeld nicht nur aus emotionaler Eingebundenheit heraus wahrzunehmen, sondern die Dinge auch mit wachem Verstand zu betrachten.
Zu viel Identifikation mit der Firma schadet, WiWo 27.1.17

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Unsicherheit schlägt aufs Wohlbefinden - auch nach Jahren 
Montag, 6. Februar 2017 - Lebensart, Studien, Arbeit
Die Folgen von Stress, der durch Überlastung im Job entsteht, werden bereits vielfach untersucht. Seine "Vorstufen", beispielsweise das unterschwellige Unbehagen, das vielen Menschen aufgrund unsicherer werdender Arbeitsverhältnisse immer öfter zum ständigen Begleiter wird, haben indes erst wenige auf dem Schirm. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) geht davon aus, dass dieser Druck auf die Betroffenen wirken kann wie körperliche Leiden. Und eine Studie des Helmholtz-Zentrums München: Die Sorge um den Job kann Langzeitfolgen haben. Die Wissenschaftler hatten 1.800 Arbeitnehmer in Süddeutschland befragt - einmal, während sie noch im Berufsleben standen, und 20 Jahre später im Ruhestand. Diejenigen, die als Berufstätige in Sorge um den eigenen Job lebten, zeigten selbst nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben noch ein deutlich geringeres Wohlbefinden als jene, die diese Sorge nicht erlebten. Für die Forscher ein Risikofaktor für die seelische und körperliche Gesundheit.
Wenn Arbeit krank macht, SZ 16.1.17

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Globalisierung löst nicht die großen Fragen der Zeit 
Dienstag, 31. Januar 2017 - Studien
Der Glaube an das Wachstum der Wirtschaft scheint in den weltweiten Führungsetagen zwar nicht ungebrochen, doch ein gewisser Optimismus ist immer noch erkennbar. In der PwC Global CEO Survey gaben 29 Prozent der knapp 1.400 weltweit befragten Firmenlenker an, zuversichtlich zu sein, dass die globale Wirtschaft in diesem Jahr wachse. Allerdings zeigt sich in den Führungsetagen auch Skepsis, denn immer weniger Führungskräfte glauben, dass die Globalisierung auch den großen Herausforderungen der Zeit konstruktiv begegnen kann. 44 Prozent haben Zweifel im Hinblick auf die Schließung der Lücke zwischen Arm und Reich, 35 Prozent vermissen Fairness im globalen Steuerwettbewerb und 28 Prozent sehen es kritisch, ob die globale Wirtschaft zur Bekämpfung von Klimawandel und Ressourcenknappheit beitragen kann. Wirklich positiv hingegen sehen die Top-Manager die universelle Vernetzung, die heute möglich ist.
PwC Global CEO Survey, 16.1.17

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Wie Meditation Menschen verbinden kann 
Mittwoch, 25. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien
Mit Meditation verbindet man gewöhnlich, alles loszulassen, in die Stille zu gehen, sich auf nichts mehr zu beziehen. Die Neurowissenschaftlerin Tania Singer erforscht mit ihrem ReSource-Projekt eine weitere Dimension des Meditierens und geht der Frage nach, wie Achtsamkeitsübungen dazu beitragen können, mehr Verbundenheit mit anderen Menschen zu entwickeln. In einer Übung, die "kontemplative Dyade" genannt wird, übten die Teilnehmer ihrer Studie an fünf Tagen pro Woche gemeinsam mit einem meist unbekannten Gegenüber. Die Teilnehmer wurden mit einer Smartphone-App zusammengebracht, die Gespräche verliefen meist virtuell. Ein Teilnehmer berichtete einige Minuten über ein unangenehmes Erlebnis, das ihn sehr beschäftigte, und danach über etwas, für das er dankbar war. Der andere hörte einfach aufmerksam zu, ohne auf das Gesprochene in irgendeiner Weise zu reagieren. Über die sechs Monate des Übens zeigte sich, dass die Probanden eine wachsende Verbundenheit untereinander erlebten. "Sie bauten damit eine emotionale Nähe zueinander auf – obwohl der Dialogpartner jede Woche aufs Neue wechselte und die Übungseinheiten meist statt von Angesicht zu Angesicht über eine eigens entwickelte Smartphone-App durchgeführt wurden", so Bethany E. Kok. Die Neurowissenschaftler ziehen daraus den Schluss, dass sich die Teilnehmer nicht nur ihrem direkten Partner innerhalb der Dyade näher fühlten, sondern den Menschen im Allgemeinen. Meditation ist also nicht nur etwas für "Eremiten", sie hat konkrete soziale Wirkungen.
Meditation: Zweisam statt einsam, Doc Check News 11.1.17

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Sehnsucht nach Stille 
Donnerstag, 19. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Stille ist das "Echo des ewigen Schweigens der unendlichen Räume jenseits unserer Welt", schreibt Maximilian Probst poetisch in einem Beitrag für die Zeit. Im Alltag ist es jedoch meist so laut, dass wir diese Stille kaum noch wahrnehmen können. Laut Umfragen fühlen sich 55 Prozent der Deutschen von Straßenlärm geplagt, 32 Prozent von Fluglärm und 20 Prozent von Bahnlärm. Von der täglichen Hektik im Großraumbüro ganz zu schweigen. Dabei könnte es so schön sein, einmal bewusst die Stille zu suchen und ihr nachzugehen. Ursula Hertewich, die seit zehn Jahren als Dominikaner-Schwester im Kloster Arenberg bei Koblenz lebt, beschreibt die mystische und heilende Dimension der Stille während der Kloster-Retreats: "Zehn Tage im Jahr schweigen wir Schwestern aus dem Kloster Arenberg. Ein Verzicht, ähnlich wie das Fasten. Die ersten zwei bis drei Tage fühlt sich das für mich wunderbar an. Die Stille ist so heilsam. Ich nehme Reize von außen viel deutlicher wahr und lerne mich selbst besser kennen. Da fällt mir auf, was im Alltag nicht reibungslos funktioniert. Ich hinterfrage: Welche Bedürfnisse habe ich? Was sagt mir mein Inneres? Und was sagt mir Gott?" Sie betont auch, wie das Schweigen das eigene Selbstbild herausfordert und zur Reflektion einlädt: "Es ist aber auch eine einsame, anstrengende Zeit. Denn für die Seele ist Schweigen wie ein Vollwaschgang. Es kommen Zweifel, Ängste, Fragen hoch. Da ich schweige, bin ich mit ihnen ganz alleine. Ich kann ihnen nicht entkommen. Auch Radio hören oder Bücher lesen ist für mich in dieser Zeit tabu. Es gibt nichts, was mich ablenken könnte." Klingt nach einem wunderbaren Weg, um wieder zu sich selbst und auch zur Welt zu kommen.
Himmlische Ruh? Zeit online 5.1.17
"Die Stille ist kostbar, ein Genuss", Zeit online 8.1.17

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Selbst ausgeschaltete Smartphones stören 
Mittwoch, 18. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien
Störungen durch permanentes Daddeln mit dem Smartphone sind heute fast schon zur (Un)Kultur geworden. Japanische Wissenschaftler haben nun bewiesen, dass Smartphones nicht einmal aktiv benutzt werden müssen, um zu stören - ihre Anwesenheit allein reicht dazu schon aus. Die Forscher ließen 40 Studenten Aufgaben am Computer lösen, bei denen sie unter verschiedenen Zeichen ein besonderes finden sollten. Im Setting wurde die Aufgabe einmal mit einem neben dem Bildschirm liegenden Schreibblock bewältigt, ein anderes Mal lag neben dem Computer ein ausgeschaltetes Smartphone. Die Gruppe, die neben dem Smartphone arbeitete, brauchte dabei für das Bewältigen der Aufgabe länger.
Auch fremde Smartphones stören die Konzentration, spektrum.de 4.1.17

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Wissenschaftlicher Überblick zu Achtsamkeit im Business 
Montag, 16. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien, Wissenschaft, Arbeit, Management
Das Online-Portal "Leadership Insiders", das sich ganz der wissenschaftlichen Entwicklung in den Bereichen Führung und Organisationsentwicklung verschrieben hat, bietet auf seiner Webseite einen umfassenden Beitrag zu Achtsamkeit in der Arbeitswelt an. Es werden eine Fülle von Forschungsbefunden zur Wirkung von Achtsamkeit und Meditation präsentiert und Umsetzungsbeispiele in Unternehmen angesprochen. Auch finden sich viele Verweise darauf, wie Achtsamkeit in konkreten Führungskontexten wirkt, beispielsweise zur inneren Selbstregulation der Führenden wie auch im interpersonellen Bereich zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Einige der Erkenntnisse: Meditation erleichtert Führenden ein offenes, nicht-bewertendes Zuhören und sie entwickeln bessere Konfliktlösungskompetenzen. Außerdem kann Achtsamkeit emotionale Erschöpfung verringern, zu einer besseren Work-Life-Balance führen, eine allgemein höhere Arbeitsleistung ermöglichen, abweichende Verhaltensweisen verringern, zu einer gesteigerten Arbeitszufriedenheit führen, verbesserte Leistungen im jeweiligen Verantwortungsbereich mit sich bringen und ein höheres Engagement, zum Organisationserfolg beizutragen, bewirken. Für alle, die sich mit Achtsamkeit im Business beschäftigen, ist der Artikel eine wunderbare Ressource, da er zahlreiche wissenschaftliche Studien zitiert.
Achtsame Führung - Fakten für Führungskompetenz, Leadership Insiders 10.12.16

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Dankbarkeit macht gesund - und verbindet 
Mittwoch, 11. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien, Wissenschaft
Spiegel online präsentiert in einem ausführlichen Beitrag verschiedene Studien der Dankbarkeitsforschung und zeigt, welchen gesundheitlichen Nutzen es haben kann, im Alltag ein bisschen dankbarer zu sein. Eine Studie aus 2003 lies knapp 200 Probanden, aufgeteilt in drei Gruppen, über zehn Wochen entweder ein Dankbarkeitstagebuch führen, notieren, was in einer Woche schlecht gelaufen war oder neutral über die Erlebnisse reflektieren. Bei der anschließenden Auswertung zeigte sich, dass die Teilnehmer der Dankbarkeitsgruppe in den psychologischen Befragungen mehr Optimismus zeigten als die Teilnehmer der anderen Gruppen, mehr Lebensfreude verspürten und auch geringere körperliche Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen, Schwindel oder Muskelverspannungen aufwiesen. Als nicht unwesentlich für diese Verbesserung des Lebensgefühls stellte sich die soziale Dimension der Dankbarkeit heraus, denn durch das bewusste Dankbarsein intensivierten die Studienteilnehmer auch ihre sozialen Beziehungen. Medizinische Studien liefern bereits weitere Hinweise zu positiven Wirkungen der Dankbarkeit. So sollen Übungen zur Dankbarkeit das individuelle Glücksniveau um 25 Prozent heben und so bei leichten bis mittelschweren Depressionen Antidepressiva ersetzen können. Bei Versuchen mit Patienten, die an Herzinsuffizienz litten, scheinen Dankbarkeitsübungen dazu geführt zu haben, dass sich die Erkrankung nicht verschlimmerte. Die Forschungen schaffen eine interessante Verbindung - Zufriedenheit oder gar gesundheitliche Verbesserungen scheinen nicht nur eine individuelle Sache zu sein, sondern sich womöglich auch dadurch zu ergeben, dass Dankbarkeit Menschen wieder die eigene Eingebundenheit in etwas Größeres bewusster erleben lässt.
Dankmuskel bitte anspannen, Spiegel online 26.12.16

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