Werden nun die Männer diskriminiert? 
Donnerstag, 28. April 2011 - Management
Die Wirtschaftswoche geht in einem Beitrag den verstärkten Bemühungen großer Unternehmen nach, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen und kommt dabei zu der Erkenntnis, dass es wohl künftig die Männer sein werden, die im Job unter Diskriminierung zu leiden haben. Knapp die Hälfte der Dax-30-Unternehmen hat sich inzwischen intern eine Frauenquote verordnet. So will BMW den Frauenanteil im Top-Management von heute 9 auf 16 Prozent im Jahr 2020 erhöhen. Bayer plant, bis 2015 jede dritte Führungsposition mit Frauen zu besetzen und bis 2017 jeden fünften Aufsichtsratssitz. Die Allianz will mittelfristig im Top-Management 30 Prozent Frauen, im Aufsichtsrat 25 Prozent. Bei Barmer soll sich der Frauenanteil in der Führungsebene sogar von heute 20 Prozent auf 50 Prozent erhöhen. Der Nachholbedarf ist auch immens, denn in lediglich 17 der 160 börsennotierten deutschen Unternehmen sind Frauen bisher im Vorstand vertreten und nur 21 von 668 Spitzenpositionen sind mit Frauen besetzt. "Opfer" der aus Angst vor einer gesetzlichen Frauenquote selbstverordneten Aufholjagd könnten nun die hochqualifizierten Männer sein. "Eine Frauenquote bekämpft die Diskriminierung der Frauen nun mithilfe einer so genannten 'umgekehrten Diskriminierung' der Männer. In der Sache heißt das aber nichts anderes, als dass neue an die Stelle alter Ungleichbehandlungen treten", bemängelt der Jurist Jan Lüttringhaus vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht. Und Jürgen Schupp, Leiter des Sozioökonomischen Panels am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, kritisiert: "Unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten ist es wenig plausibel, warum jüngere Männer nun jahrelang für die fraglos vorhandenen Versäumnisse der Vergangenheit büßen sollen."
Frauenquote bedroht Männerkarrieren, WiWo 8.4.11

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Wohlergehen ist nicht allein eine finanzielle Dimension 
Mittwoch, 27. April 2011 - Management
In einem Interview mit der FAZ erklärt der britische Nachhaltigkeitsökonom Tim Jackson, warum wir unser Verständnis von Wohlstand und Wachstum verändern sollten. Für Jackson ist augenscheinlich, dass Wohlstand nicht nur eine finanzielle Kategorie ist, sondern eher die Dimension des Wohlergehens betrifft, die nicht zwingend an stetiges Wirtschaftswachstum gekoppelt sei. "Spricht man von Wohlstand nur als einem wachsenden volkswirtschaftlichen Einkommen, verwechselt man die Ziele mit den Mitteln", so Jackson. Der Nachhaltigkeitsökonom kritisiert nicht zuletzt, dass der bestehende Markt eine Korrektivfunktion vermissen lasse, die Wachstumsziele auch mit ökologischen Kriterien abgleiche: "Er hat zugelassen, dass Kapital bei wenigen Akteuren akkumuliert wurde, während die Risiken vom Staat getragen wurden. Wir haben eine Finanzkrise erlebt, die beinahe das ganze System zum Einsturz gebracht hätte. Sie hat die gesamte wachstumsorientierte Wirtschaft zeitweise zum Erliegen gebracht. Die Idee, dass der Markt alleine entscheiden sollte, überzeugt nicht. Ihm muss immer ein Rahmen gesetzt werden, der akkumulative Prozesse bestraft oder privilegiert. Wenn der Rahmen ressourcenintensives Wirtschaften mit hohen sozialen Kosten bestrafen soll, ist das eine gesellschaftliche Entscheidung – darum geht es beim Regieren: Freiheiten einzuschränken im Dienste des Allgemeinguts." Für Jackson ist klar, dass Prosperität auch ohne permanentes Wachstum auskommt, weil sich dann die Schwerpunkte einer Gesellschaft verschieben. "Wir haben uns inzwischen zu einer Gesellschaft entwickelt, in der wir uns den Luxus von Kunst und Unterhaltung leisten können. Sie haben auch schon in viel ärmeren Gesellschaften in der Vergangenheit existiert. Kreativität ist also nicht die göttliche Beigabe des Wachstums. Selbst wenn nur wohlhabende Menschen über die Probleme der Wachstumsgesellschaft nachdenken können, hält sie das nicht von der Pflicht ab, genau das zu tun. Es ist absolut notwendig, den zwei Milliarden Menschen, die mit weniger als 2 Dollar am Tag leben müssen, mehr materielle Güter zur Verfügung zu stellen. Ein Modell, das sie besser mit Kleidung und Nahrungsmitteln ausstattet, ist essentiell. In den reichen Volkswirtschaften ist es anders. Hier können wir darüber nachdenken, welche Art des sozialen Fortschritts wir wollen. Kann er bedeuten: immer mehr für immer?", so Jacksons kritische Anmerkung mit einer Prise visionärem Geist.
"Wohlstand besteht nicht nur aus Einkommen", FAZ 18.4.11

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Wachstum ist eine Frage der Entwicklung 
Mittwoch, 20. April 2011 - Management
Die FAZ geht in einem Interview mit Erich Harsch, dem Vorsitzenden von dm, wieder einmal der Frage nach, warum die von dem Anthroposophen Götz Werner gegründete Drogeriekette über die Maßen erfolgreich ist - und das, obwohl sie gängige Businessprinzipien auf den Kopf stellt. So wird Harsch nicht müde zu betonen: "Mit Geld motiviert man nicht." Deshalb hat das Unternehmen sich auch nicht etwa einen Wachstumskurs auf die Fahnen geschrieben, sondern spricht lieber von Entwicklung - ein Unterschied, der Folgen hat. "Unser Ziel heißt Entwicklung, Wachstum kommt dann meistens von selbst. ... Bei dm ist alles eine Frage der Haltung. Es geht nicht darum, den Gewinn zu maximieren, sondern den Kundennutzen. Man kann nur so oder so ticken. Wenn viele glückliche [Kunden] kommen, kommt auch der Erfolg", sagt Harsch. Auch zum Thema Mitarbeitermotivation äußert der dm-Mann sich kompromisslos: "Unmotivierte Mitarbeiter können Sie auch mit Geld nicht ändern. Wir glauben daran, dass die persönliche Freude daraus kommt, dass man gestalten kann. Bonussysteme, die unterstellen, dass sich einer nur bewegt, wenn man ihm eine Wurst vorhält, sind menschenverachtend." Mit dieser klaren Linie ist dm über die Maßen erfolgreich - allein 2011 soll der Umsatz auf mehr als sechs Milliarden Euro steigen. Auch was die Rendite angeht, grenzt dm sich von der Konkurrenz ab, denn das Unternehmen gibt sich mit einem Prozent Rendite zufrieden. "Die Frage ist doch, was mache ich mit dem Gewinn? Geht das Geld raus oder sorge ich dafür, dass sich der Überschuss infolge von sinnvollen Investitionen in Grenzen hält. Wir haben uns für den zweiten Weg entschieden", so Harsch.
"Mit Geld motiviert man nicht", FAZ 15.4.11

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Von Karrieristen und Idealisten 
Freitag, 15. April 2011 - Management
Die Selbstselektion an Universitäten und in der Wirtschaft führt dazu, dass sich das System kaum verändert, so die ernüchternde Erkenntnis des Wirtschafts- und Organisationspsychologen Lutz von Rosenstiel. Er hat in der Arbeitswelt drei Typen ausgemacht. Die - eher harmlosen - Freizeit-Könige, die möglichst wenig Engagement im Job bringen wollen, gibt es in allen Studienfächern. Die Idealisten zieht es vor allem in die Sozial- und Naturwissenschaften - mit dem Ergebnis, dass sie kaum Einfluss auf die Wirtschaft nehmen (können). Die Karriereristen wiederum fühlen sich vor allem von den Wirtschaftswissenschaften angezogen. Ihre Agenda: erfolgreich sein und viel Geld verdienen. Die dem System inhärenten Selektionsprozesse führen letztlich dazu, dass das business as usual sich selbst am Leben erhält. "Ein wirtschaftswissenschaftliches Studium ist vor allem für diesen Menschentypus interessant. Wir nennen das den Selektionseffekt. Hinzu kommt aber der so genannte Sozialisationseffekt: Wenn die Studierenden gelehrt bekommen, dass der Markt alles regelt, legitimiert das ihre Karriereambitionen und verstärkt ihre Verhaltensmuster. Man muss sich auch noch einmal vor Augen führen, wie die Volkswirte denken: Sie sagen, dass Wohlstand das Wohlbefinden stärkt. Das heißt im Umkehrschluss: Es ist legitim, wenn man alles tut, um Wachstum und Gewinn zu optimieren. Dabei ist aber schon die Annahme, dass Wohlstand glücklicher macht, falsch, das ist empirisch bewiesen", beschreibt von Rosenstiel das Dilemma. Seine Kritik: Einerseits werde an den Universitäten zu wenig auf soziale und humane Komponenten eingegangen. Andererseits suchen Unternehmen meist gezielt nach den Karriereristen - die dann zwar manchmal durch Korruptionsaffären für Negativschlagzeilen sorgen, aber eben dem System auch dienen. Zwar werde immer wieder propagiert, wie wichtig Querdenker für Unternehmen seien, doch die Praxis Lehre, dass diese, wenn die Unternehmenskultur auf Karriere getrimmt ist, entweder erst gar nicht eingestellt würden oder aber im Unternehmen auf der Strecke bleiben, so von Rosenstiel. Der Experte fordert daher ein radikales Umdenken: "Für die Unternehmen gilt immer noch das Sprichwort 'Der Fisch stinkt vom Kopfe her'. Will heißen: Wenn die Unternehmensleitung Gewinnmaximierung als einziges Ziel definiert, könnten im Unternehmen noch so viele ambitionierte und idealistische Menschen arbeiten - es würde sich nichts ändern. Gleichzeitig muss es überhaupt erst einmal anders denkende Absolventen geben, die Unternehmen einstellen könnten. Und um die zu kriegen, müsste man die Ausbildung reformieren. Denn mit den jetzigen Lehrinhalten können die Universitäten kaum Querdenker und Idealisten zu einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium bewegen."
"Den Job bekommt der Karrierist, nicht der Querdenker", Spiegel online 6.4.11

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Vielfalt kann die Führung bereichern 
Mittwoch, 13. April 2011 - Management
In einem Interview mit Spiegel online spricht Porsche-Chef Matthias Müller über seinen eigenen Werdegang, über Talente und die Frage, wie man diese erkennt. Müllers Vita hat - im Gegensatz zu vielen eher geradlinigen Karrieren - Schlenker. Er lernte Werkzeugmacher und unterbrach seinen Berufsweg, um zu studieren. "Ich frage mich tatsächlich, ob der geradlinige Weg der beste ist. Ich habe gerade von der Vielfalt meines Lebenslaufs enorm profitiert", weiß er aus Erfahrung. Dennoch komme es auch auf die Potentiale des Einzelnen an und wie er diese nutze. Bewerbungsgespräche sind für den Porsche-Boss jedenfalls kaum aussagekräftig genug, um die Spreu vom Weizen zu trennen. "Top-Talente erkennt man nicht im Bewerbungsgespräch. Man muss jemanden über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Problemsituationen erleben: Wächst er mit seinen Aufgaben? Ist er stabil, innerlich ausgeglichen und robust?", so der Mann an der Porsche-Spitze. Er selbst musste im Laufe seiner Tätigkeit manche Niederlage einstecken, blieb aber immer am Ball - und setzte sich durch. Nicht brachial, sondern mit Engagement und dem Glauben an seine Projekte. So wurde der A5 Sportback von Audi, den er propagierte, vier Mal in den Gremien abgelehnt - beim fünften Mal schließlich setzte Müller sich durch. Was zeigt, dass es für manches Projekt eben einen sehr langen Atem braucht. In Anbetracht der Tatsache, dass die Verweildauer von Top-Führungskräften in ihren Jobs immer kürzer wird, Grund genug zum Nachdenken.
"Top-Talente erkennt man nicht im Bewerbungsgespräch", Spiegel online 7.4.2011

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Klatsch ist gut fürs Unternehmen 
Mittwoch, 6. April 2011 - Management
Im Harvard Business Manager vertritt der Management-Professor Giuseppe Labianca die These, dass Unternehmen von Klatsch profitieren können. "Klatsch kann für Menschen in einem Unternehmen sehr hilfreich sein, vor allem wenn der Informationsfluss von der Spitze an die Basis unterbunden wird. Das ist oft der Fall, wenn Firmen sich in der Krise befinden oder einen Wandel durchmachen. Wenn nur wenige Menschen wissen, was vor sich geht, sorgt Gerede dafür, dass Informationen weitergegeben werden. Darüber hinaus zeigen Forschungsergebnisse, dass Tratsch hilft, individuelle Ängste abzubauen und mit Ungewissheit klarzukommen", so der Wissenschaftler. Einerseits könne zwar ungezügelter Flurfunk in Zeiten der Unsicherheit auch das Angstniveau in einer Organisation vorübergehend erhöhen, aber gleichzeitig führe der Tratsch auch dazu, dass Mitarbeiter sich sozial und emotional unterstützen. Hinzu komme, dass all die informellen Gespräche auch einen Prozess der Normenbildung vorantrieben, denn auch beim Tratschen werde laut Labianca ausgehandelt, welches Verhalten als korrekt gilt. Zudem könne der Flurfunk auch die Werte eines Unternehmens stärken, denn wer übereinander redet, beobachtet andere genau - und fühlt sich beobachtet, so dass immer mehr Mitarbeiter sich an die impliziten Leistungsnormen anpassen. Labianca hat in seinen Forschungen zudem herausgefunden, dass nicht immer nur über Negatives getratscht werde: "Klatsch ist lediglich der Austausch von Informationen zwischen zwei Personen über eine dritte, abwesende, Person. Überwiegend handelt es sich dabei um Lob. Wenn jemand länger bleibt, um Ihnen zu helfen, reden Sie vermutlich mit anderen darüber. Positiver Klatsch ist verbreiteter als negative Äußerungen. In 72 Prozent aller Klatschbeziehungen fanden wir einen ausgewogenen Mix aus positivem und negativem Gerede; positiver Tratsch überwog in 21 Prozent der Fälle, und nur bei 7 Prozent dominierte Negatives."
"Klatsch stärkt Unternehmen", Harvard Business Manager 28.3.11

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Geistig-moralische Wende des 21. Jahrhunderts 
Dienstag, 29. März 2011 - Management
Die FAZ widmet ein Portrait dem Gründer des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft Bonn Meinhard Miegel, der das Thema demographische Entwicklung im öffentlichen Diskurs salonfähig machte und heute für einen Wertewandel in Politik und Gesellschaft eintritt. Mit seiner Stiftung "Denkwerk Zukunft" engagiert er sich nun für eine "Erneuerung unserer Kultur" und fordert, so die FAZ, "eine Art geistig-moralische Wende des 21. Jahrhunderts". Miegel ist der Ansicht, dass die frühere Wachstumseuphorie und die Wohlstandsversprechen der Vergangenheit längst obsolet seien. „Die Länder mit dem höchsten Wachstum haben auch die höchsten unbeglichenen Rechnungen. Wir haben nie echte Preise für den Umweltverbrauch gezahlt. Seit wir zu Beginn des 19. Jahrhunderts vom Gebrauch zum Verbrauch übergegangen sind, gehen wir an die Substanz. Wir sitzen in einem Segelboot, dessen Segel falsch gesetzt sind, weil der Wind gedreht hat“, kritisiert Miegel. Der Wissenschaftler glaubt an den Wandel, wenngleich er nicht sicher ist, welche Ergebnisse die jüngsten Ansätze zu einem politischen Umdenken zeitigen werden: „Aber der Einstieg ist hoffnungsfroh: Keiner setzt heute mehr auf das Wachstumskonzept, das noch bis vor zwei Jahren vorherrschend war.“
Zwischen Ideen und Ideologien, FAZ 21.3.11

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Frauenquote? Es braucht Anreize ... 
Montag, 28. März 2011 - Management
In einem Interview mit dem Manager-Magazin erklärt die ehemalige Managerin und heutige Beraterin Barbara Schneider, warum weder den Frauen noch den Unternehmen mit einer Frauenquote gedient wäre, sondern das Setzen subtiler Anreize die bessere Strategie ist. "Frauen, die es in die Führungsetage schaffen, müssen das auch wollen. Wenn man seinen Job mit Leidenschaft angeht und ihn gut macht, kommt die Akzeptanz von ganz allein. Schafft ein Unternehmen dagegen ein Alibi-Vorstandsressort, in das eine Frau hineingepresst wird, wird sie natürlich einen schlechten Stand haben. Auch deshalb gilt: Es müssen Anreize geschaffen werden, zwingen kann man keinen - das gilt für Unternehmen wie für Frauen", so Schneider. Die Beraterin plädiert dafür, die gewünschte Frauenquote in den Zielvereinbarungen von Unternehmen zu verankern, denn wenn der Frauenanteil sich auf Gehalt und Boni der verantwortlichen Führungskräfte auswirke, sei die Chance am größten, dass die Aktivitäten nicht verpuffen. Darüber hinaus ermuntert Barbara Schneider Frauen aber auch, selbst forscher zu agieren: "Sie entschuldigen sich viel zu oft, anstatt einfach mal zu machen. Da gibt es eine Bremse im Kopf, die das nicht zulässt. Mein Appell an die Frauen lautet: Hört auf, euch für alles wortreich zu entschuldigen. Seid mutig und nehmt euch die Freiheiten."
"Zum Heulen gehe ich aufs Klo", Manager-Magazin 11.3.11

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