Beim Erfolg auch an Niederlagen denken 
Freitag, 20. Mai 2011 - Arbeit
Nichts ist im Business unbeliebter, als über das Scheitern nachzudenken - oder es sogar zuzugeben. Diese Angst vor dem Eingestehen einer Niederlage ist es aber, die das Scheitern nur umso schlimmer werden lässt, denn wer vor sich selbst nicht zugeben kann, dass seine Pläne nicht den gewünschten Erfolg haben, läuft Gefahr, sich in eine Sackgasse zu manövrieren. "Wer gut scheitert, der akzeptiert seine Situation, findet also die Kraft, seinen eingeschlagenen Weg abzubrechen. Das ist schwierig, weil man an dem eigentlichen Vorhaben hängt, Zeit und Geld investiert hat. Aber diese Einsicht ermöglicht eine neue Zielorientierung. Im Gegensatz zum schlechten Scheitern, bei dem eine neue Weichenstellung zum Erfolg nicht möglich ist. Die Situation wird einfach geleugnet", meint der Philosoph Hans-Jürgen Stöhr, der in Rostock eine Agentur für "gescheites Scheitern" leitet. Frauen sind dabei, so der Berater, deutlich besser gewappnet als Männer: "Männer gehen ganz anders mit dem Scheitern um als Frauen. Männer sind verbissener, haben den Eindruck, dass sie als Männer nicht scheitern dürften. Eigentlich sollten mehr Frauen Unternehmerinnen werden und Führungspositionen übernehmen. Frauen sind bedächtiger, ganzheitlicher und wägen mehr ab. Sie verhalten sich eben klug auf ihrem Weg zum Erfolg und scheitern damit weniger." Da fühlen wir uns doch an Altmeister Beckett erinnert - des irischen Dramatikers Devise war: "Einmal versuchen, scheitern. Wieder versuchen, wieder scheitern. Besser scheitern."
"Männer scheitern schlechter als Frauen", FAZ 12.5.11

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Zwischen Luxus und sozialer Balance 
Freitag, 1. April 2011 - Arbeit
Während sich in den vergangenen Monaten die Berichte darüber mehrten, dass die sozialen Unterschiede in China immer stärker wachsen, weil nicht zuletzt aufgrund der hohen Teuerungsrate die Einkommenskluft immer größer werde, hat die chinesische Regierung nun eine erstaunliche Gegenoffensive eingeleitet. So sollen in Peking bestimmte Worte bei der Plakatwerbung für Luxusgüter im öffentlichen Raum künftig verboten sein, darunter "königlich", "Luxus" oder "hochwertig" - Begriffe, die beispielsweise bei der Werbung für Häuser, Autos oder Weine gerne verwendet werden. Die Behörden in Chongqing haben bereits ein ähnliches Verbot erlassen - hier trifft es in der Immobilienwerbung Begriffe wie "bestes", "einzigartig" und "unersetzlich". Ob sich die sozialen Verwerfungen in China auf dieser semantischen Ebene lösen lassen, darf bezweifelt werden. Die chinesische Regierung verspricht jedoch, im Zuge eines Fünfjahresplans gegen die hohe Inflation anzugehen, die vor allem die einkommensschwache Bevölkerung trifft.
Peking verbietet Plakatwerbung für Luxusgüter, Die Zeit 21.3.11

[ 1 Kommentar ]     Permalink
Der Tunnelblick sozialer Netzwerke 
Dienstag, 22. März 2011 - Arbeit
Xing, Facebook, Twitter, Google - soziale Netzwerke und Suchmaschinen sind aus dem Businessalltag nicht mehr wegzudenken, doch nun lenkt der Spiegel das Augenmerk auf die negativen Begleiterscheinungen, die die Filterfunktionen solcher Internetangebote hervorrufen. Personalisierte Suche lautet das Stichwort - sie soll den Usern das Leben erleichtern, in dem ihnen möglichst passgenaue Inhalte vorgesetzt werden. So bilden nicht nur die Suchmaschinen, sondern erst recht die Netzwerke Profile ihrer Nutzer und filtern die Nachrichten, Informationen und Kontakte, die den Besuchern der jeweiligen Webseite angezeigt werden, anhand deren bekannter Vorlieben. Wer viel mit Marketing-Begriffen jongliert, bekommt weitere Informationen zu Marketing-Themen zugespielt - Beiträge zum Thema Ökologie wird er dagegen wahrscheinlich nur durch Zufall finden. Wer auf Facebook viele Freunde aus dem Kulturbereich hat, wird hauptsächlich Kulturnews auf seiner Startseite finden. So praktisch die Filterfunktionen sind, im Alltag vergisst man nur allzu leicht, dass man auf seinen Lieblingsseiten nicht auf die Welt blickt, wie sie ist, sondern nur auf die eigenen Interessen - und so wird der Tunnelblick zur unbewussten Selbstverständlichkeit.
Die ganze Welt ist meiner Meinung, Spiegel online 11.3.11

[ 1 Kommentar ]     Permalink
Perfektionismus essen Kreativität auf 
Donnerstag, 3. März 2011 - Arbeit
Die Süddeutsche Zeitung geht in einem Interview mit dem Psychologen Stephan Grünewald der Frage nach, warum es in Deutschland keine wirkliche Kultur der Selbstständigkeit gibt. Grünewald, der selbst nach seinem Studium ein Unternehmen gründete, sieht einen nicht zu unterschätzenden Bremsklotz im Bildungssystem: "In Amerika lernen Schüler und Studenten: Wie biete ich mich an, wie verkaufe ich mich gut. In Deutschland ist die Bildung dagegen schon darauf ausgelegt, eine intellektuelle Druckbetankung zu vollziehen. Möglichst viel Bildung effizient vermitteln. Das ist nicht kreativitätsfördernd." Gründer bauchen nach Ansicht des Psychologen Liebe und Besessenheit. Viele Kinder würden jedoch schon von früh auf von ihren Eltern verplant, auch weil es eben typisch deutsch sei, sich nach allen Richtungen mehrfach abzusichern. Die Folge: Nicht zuletzt ein Hang zum Perfektionismus, der in Bürokratiewahn gipfelt und Eigeninitiative lähmt: "Vor allem aber gibt es ein paar Kreativitätskiller in Deutschland, an denen die Unternehmen, der Staat und das Individuum etwas ändern könnten: Der Perfektionswahn - das erstickt die Idee nur. Außerdem müssten wir raus aus diesem Hamsterrad und auch mal innehalten. Wir Deutschen neigen dazu, unser Leben überzuprogrammieren. Damit betrügen wir uns um unsere schöpferischen Kräfte. Und jeder sollte sich die Liebe zu einer Sache zugestehen."
"Wir Deutschen werkeln lieber im Hobbykeller", SZ 23.2.11

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Freiheit braucht Verantwortung 
Montag, 28. Februar 2011 - Arbeit
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion nahm bei einer Podiumsdiskussion in Berlin zum Thema "Christliches Menschenbild und Soziale Marktwirtschaft" die Zusammenhänge zwischen Freiheit und Verantwortung ins Visier. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sah im Postulat absoluter Freiheit in grundsätzliches Potential zur Zerstörung angelegt, denn der Mensch brauche Grenzen, "da er fest in der Sünde verankert ist". Der Minister kritisierte den Wettlauf der Deregulierung, der zur Finanzkrise geführt habe, bemängelte aber auch, dass nun, wo die Wirtschaft sich erhole, die Bereitschaft zu weiteren Konsequenzen innerhalb der Bevölkerung nachlasse. Im Hinblick auf die Armutsdebatte und die Rolle des Sozialstaats wies Schäuble darauf hin, dass es hier nicht allein um eine materielle Komponente gehe, sondern auch um Entwurzelung und den Verlust an Teilhabe und Zugehörigkeit. Das Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft ist indes deutlich erschüttert, wenngleich wieder in leichtem Aufwind begriffen. Vertrauten im Jahr 2000 noch 55 Prozent der Bevölkerung dem System, waren es auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 lediglich 31 Prozent - mit der Erholung der Märkte stieg dieser Wert wieder auf 38 Prozent.
Freiheit braucht Regeln, CiW 16.2.11

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Geld ist kein Gottersatz 
Montag, 14. Februar 2011 - Arbeit
Verehren wir die falsche heilige Kuh? Dieser Ansicht ist jedenfalls Prof. Peter Bofinger, einer der fünf Wirtschaftsweisen. Er meint: "Je mehr das Geld Gott ersetzt, umso anfälliger werden Menschen für das Virus des schnellen Geldes." Bofingers Ansicht nach brauche die Ökonomie ein starkes Gegengewicht, um nicht übermächtig zu werden - eines, das in der Seele, im Geist der Menschen verankert ist. Der Wirtschaftsweise plädiert deshalb dafür, dass es eine zentrale Aufgabe der Kirchen sei, ein solches Gegengewicht zu entwickeln.
Kath.net, 10.1.11

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Männer fast unter sich 
Donnerstag, 10. Februar 2011 - Arbeit
Der Bundestag hat eine Enquete-Kommission gebildet, die sich mit dem Thema "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" beschäftigen soll. Ziel ist es, sich der Frage zu widmen, wie Wachstum möglichst vielen Menschen nutzen kann und welche besseren Maßstäbe für Wohlstand es gibt als das Bruttoinlandsprodukt. Ein an sich hehres Anliegen, doch die Besetzung der Kommission wirft eine weitere Frage auf, nämlich die, warum unter den berufenen Experten keine einzige Frau ist. Von den 17 durch die Politik besetzten Posten fielen sogar acht an Frauen, doch unter den ebenfalls berufenen 17 Sachverständigen sucht man Frauen vergebens. Wissenschaftlerinnen laufen bereits Sturm gegen diese Entscheidung, da hier der weibliche Sachverstand einmal mehr systematisch ausgeblendet werde.
Mann bleibt Mann, SZ 1.2.11

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Banker in der Burn-out-Falle 
Donnerstag, 27. Januar 2011 - Arbeit
Die Finanzkrise hat viele Banker als Angehörige eines vielkritisierten Berufsstands ins gesellschaftliche Abseits befördert. Immer noch herrscht das Bild der Großverdiener vor, die den kleinen Mann rücksichtslos abzocken. Dass viele Banker dabei selbst Opfer systemimmanenter Zwänge sind, denen sie wenig entgegensetzen können, wird dabei selten wahrgenommen. Die Süddeutsche Zeitung widmet einen Artikel der wachsenden Burn-out-Rate der Finanzberater und zeigt in teils erschütternden Fallgeschichten, mit welchen Methoden die Führungsetagen ihre Mitarbeiter in die Zange nehmen, um den Anlegern Produkte anzudrehen, die möglichst hohe Provisionen bringen. Viele Banker brechen unter dem krassen Druck, der hierbei auf sie ausgeübt wird, zusammen - weil sie illusorische Zielvorgaben nicht erfüllen können, aber auch, weil sie ethische Bedenken haben und ihre Kunden lieber ehrlich und passgenau beraten würden. Der Fisch stinkt wieder einmal vom Kopf her und vielen Angestellten bleibt letztlich nur die Flucht in einen anderen Job. Die Banken reagieren bereits auf die wachsenden Skrupel ihrer Fachangestellten und weichen auf Quereinsteiger aus, die vom Bankenwesen kaum Ahnung haben. Sie beraten Anleger mit Hilfe computergestützter Programme - und die empfehlen natürlich Anlageprodukte, die für die Bank am besten sind.
"Schon wieder die Zielvorgaben verfehlt!", SZ 13.1.11

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter