Achtsamkeit oder Selbstoptimierungs-Totalitarismus? 
Donnerstag, 23. Juli 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Je mehr Achtsamkeit zu einem Trend geworden ist, umso eher wird sie auch zu einem kommerziellen Markt. In einem Artikel für den Humanistischen Pressedienst betrachtet die Schriftstellerin Nadine Pungs sehr kritisch die Auswüchse der Branche. Mit Ratgebern, Kursen und Beratungen werde Menschen oft genug nicht zu mehr Entspannung verholfen. Im Gegenteil: "Statt Stress zu reduzieren, führt Achtsamkeit häufig zu Stress, indem sie einen Totalitarismus der Selbstoptimierung erschafft. Das Problem: Die Anti-Stress-Kurse sind auf Erfolg ausgerichtet, und somit bestätigen sie am Ende das System." Punge kritisiert den immer mehr um sich greifenden "Bewusstseinszirkus", in dem der starke Fokus auf persönliche Psychohygiene dazu führe, dass systemische Mängel außen vor bleiben: "Mindfulness und Neoliberalismus sind Geschwister. Die eigentlichen Ursachen für den Stress sind hingegen meistens irrelevant. Anstatt Arbeitsbedingungen kritisch zu beleuchten und artgerechte Verhältnisse zu installieren, richten die Unternehmen lieber betriebsinterne Fitnessstudios ein oder schicken ihre Leistungsträger in steuerlich absetzbare Achtsamkeitstrainingscamps. Wenn der Job schon jeglichen Sinn entbehrt, so soll er wenigstens lohnend ausgeglichen werden." Der Autorin geht es nicht darum, Achtsamkeit per se zu verdammen. Doch warnt sie davor, wie instrumentalisierte Mindfulness vielleicht unsere Isolation fördert und Solidarität untergräbt: "Das Gefühl für gemeinschaftliche Werte verliert dagegen an Bedeutung. Kein Wandel wird mehr vorangetrieben, keine Utopien entwickelt. Denn das Individuum ist mit sich selbst beschäftigt, um reibungslos zu funktionieren, um stressresistenter zu agieren."
Fuck you, carpe diem! Humanistischer Pressedienst, 14.7.20

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Ein Drittel der Vermögen in den Händen von einem Prozent 
Mittwoch, 22. Juli 2020 - Lebensart, Studien, Arbeit
In Deutschland geben wir uns gerne der Illusion hin, dass bei uns die finanzielle Ungleichheit deutlich geringer ausgeprägt ist als im internationalen Vergleich. Doch neue Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sprechen eine andere Sprache. Ihnen zufolge liegen 35 Prozent der deutschen Vermögen in den Händen von lediglich einem Prozent der Bevölkerung. Bisher war man von 22 Prozent ausgegangen. Für die reichsten zehn Prozent wurden die Zahlen ebenfalls korrigiert - sie besitzen nicht, wie bisher angenommen, 59 Prozent der Vermögen, sondern sogar zwei Drittel. Am unteren Ende der Vermögensskala zeigt sich, dass die Hälfte der Bevölkerung gar kein Vermögen hat oder maximal 22.800 Euro, der Durchschnitt liegt bei 3.700 Euro. In Krisenzeiten, in denen die Arbeitslosigkeit steigt und Löhne beispielsweise durch Kurzarbeit geringer ausfallen, wird deutlich, wie prekär diese Ungleichheit ist, denn finanziell leiden unter der Krise vor allem jene, die ohnehin schon wenig oder gar nichts besitzen.
Vermögen in Deutschland viel ungleicher verteilt als bisher angenommen, spiegel.de 14.7.20

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Pausen machen produktiver 
Montag, 20. Juli 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit
Es ist immer wieder dasselbe - vor allem, wenn wir glauben, besonders viel zu tun zu haben, verkneifen wir uns oftmals eine Pause, in der Hoffnung, dann schneller alles Nötige erledigt zu haben. Doch das ist ein Trugschluss, denn die Forschung zeigt immer wieder: Wer zu lange durcharbeitet, ohne mal zu verschnaufen, wird nicht nur müde, sondern auch deutlich unproduktiver. Pausen hingegen sind keine verlorene Zeit, sondern können zum Performance-Booster werden. Und doch hat die Unsitte des Durcharbeitens bei vielen Methode. In einer Umfrage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) mit 17.000 Befragten gaben ganze 26 Prozent an, die gesetzlich vorgesehenen Arbeitspausen (30 Minuten bei einer Arbeitszeit von sechs Stunden, 45 Minuten bei neun Stunden) ausfallen zu lassen, weil zu viel zu tun ist. Arbeitspsychologen raten sogar zu mehr Pausen - fünf Minuten pro Stunde oder bei längerwierigen Tätigkeiten alle zwei Stunden zehn Minuten. Solche Kurzpausen sind wie ein Reset für Körper und Geist und Studien belegen, dass nach einer kleinen Pause die Arbeit leichter und schneller von der Hand geht.
Mach mal Pause!, spektrum.de 13.7.20

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Geld führt zu mehr Geld - zumindest vor der Pandemie 
Freitag, 17. Juli 2020 - Lebensart, Studien
Die Reichen werden immer reicher - was für manche wie das ewige Mantra unverbesserlicher Altlinker klingen mag, entspricht leider auch in Deutschland der Realität, zumindest jener, die der World Wealth Report für die Entwicklung im Jahr 2019 abbildet. Dieser zeigt, dass hierzulande 1,46 Millionen Menschen ein Vermögen von einer Million Dollar oder mehr besitzen, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 8,6 Prozent entspricht. Manche mag es wundern, zumal das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr gerade einmal bei 0,6 Prozent lag. Doch wer viel Geld hat, investiert in Zeiten, in denen es keine Zinsen mehr gibt, eben in Immobilien oder Aktien - und hier ging es 2019 eben weiter bergauf. Deutschland ist im Reichen-Ranking auf Platz drei - nach den USA und Japan. Was die Zunahme des Reichtums angeht, liegt es im internationalen Schnitt, denn weltweit stieg die Zahl der Dollarmillionäre um neun Prozent. Ob dieser Trend sich in der Pandemie hält, ist natürlich noch die Frage. Doch an den Aktienmärkten kehrt bereits wieder Bewegung ein ...
Zahl der deutschen Dollarmillionäre steigt weiter, spiegel.de 9.7.20

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Pandemie lässt uns beweglicher werden 
Dienstag, 14. Juli 2020 - Lebensart, Studien
Auch wenn das äußerliche Leben in der Corona-Krise teils zum Erliegen kam, die Menschen selbst sind durch die veränderten Umstände anscheinend beweglicher geworden. Eine Untersuchung der Deutschen Krankenversicherung zeigt: 22 Prozent der Befragten fuhren in ihrer Freizeit mehr mit dem Fahrrad. Eine vergleichbare Zahl von Menschen machte öfter Fitnesstraining zu Hause oder arbeitete mehr im Garten. Ein gutes Viertel der Befragten gehen oder zu Fuß oder nutzen das Fahrrad, statt ihre üblichen Wege mit dem Auto, dem Bus oder der Bahn zurückzulegen. Und sogar 37 Prozent berichten von einer gesteigerten Frequenz an Spaziergängen, die sie unternehmen. Bei 15 Prozent wurden Joggen und Walken beliebter. Dieser Schub für die körperliche Gesundheit hat jedoch eine Gegenseite, denn die mentale Gesundheit der Befragten leidet unter der Krise. 39 Prozent sagten, dass die Einschränkungen durch die Krise, wenn sie weiter andauern, einen eher oder sogar sehr negativen Effekt auf ihre mentale Verfassung haben.
Corona-Krise verändert Bewegungsverhalten der Deutschen, zeit.de 5.7.20

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Glück weckt ein Gefühl von Gesundheit 
Montag, 13. Juli 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Glücklich lebt es sich leichter - und gesünder, wie eine neue Langzeitstudie zeigt. Psychologen teilten 155 Probanden in drei Gruppen ein - eine absolvierte ein dreimonatiges Glücks-Training mit einer wöchentlichen Sitzung von einer Stunde, eine machte ein Online-Training und eine diente als Kontrollgruppe. Zu den Übungen der Trainings gehörten Meditation oder Tagebuch-Notizen über Dinge, für die man dankbar ist. Die Trainingsteilnehmer entwickelten während des Programms mehr Lebenszufriedenheit und ihre negativen Gefühle nahmen ab, während die Befindlichkeit in der Kontrollgruppe sich kaum veränderte. Aus der Glücksbefindlichkeit der Teilnehmenden wiederum ließen sich Schlüsse über ihre Gesundheit ableiten. Nach zehn Wochen des Übens sank die Zahl der Tage, an denen sich die Studienteilnehmer krank fühlten, auf ein Drittel im Vergleich zu den Wartegruppen-Probanden - und dieser Effekt hielt auch nach Ende des Trainings noch an. Wichtig allerdings ist - objektive Gesundheitsparameter wie Blutdruck oder Übergewicht der Studienteilnehmer veränderten sich durch das Training nicht. Doch gefühlte Gesundheit dürfte für viele auch schon einen großen Wert haben. Auch interessant: Das Erleben von Sinnhaftigkeit hatte keinen Einfluss auf die gefühlte Gesundheit.
Glück macht gesund, spektrum.de 2.7.20

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Glück weckt ein Gefühl von Gesundheit 
Montag, 13. Juli 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Glücklich lebt es sich leichter - und gesünder, wie eine neue Langzeitstudie zeigt. Psychologen teilten 155 Probanden in drei Gruppen ein - eine absolvierte ein dreimonatiges Glücks-Training mit einer wöchentlichen Sitzung von einer Stunde, eine machte ein Online-Training und eine diente als Kontrollgruppe. Zu den Übungen der Trainings gehörten Meditation oder Tagebuch-Notizen über Dinge, für die man dankbar ist. Die Trainingsteilnehmer entwickelten während des Programms mehr Lebenszufriedenheit und ihre negativen Gefühle nahmen ab, während die Befindlichkeit in der Kontrollgruppe sich kaum veränderte. Aus der Glücksbefindlichkeit der Teilnehmenden wiederum ließen sich Schlüsse über ihre Gesundheit ableiten. Nach zehn Wochen des Übens sank die Zahl der Tage, an denen sich die Studienteilnehmer krank fühlten, auf ein Drittel im Vergleich zu den Wartegruppen-Probanden - und dieser Effekt hielt auch nach Ende des Trainings noch an. Wichtig allerdings ist - objektive Gesundheitsparameter wie Blutdruck oder Übergewicht der Studienteilnehmer veränderten sich durch das Training nicht. Doch gefühlte Gesundheit dürfte für viele auch schon einen großen Wert haben. Auch interessant: Das Erleben von Sinnhaftigkeit hatte keinen Einfluss auf die gefühlte Gesundheit.
Glück macht gesund, spektrum.de 2.7.20

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Genügend Schlaf sollte sein 
Freitag, 10. Juli 2020 - Lebensart, Wissenschaft
In einer Leistungskultur gehört es zum guten Ton, möglichst wenig Zeit zu verplempern und rund um die Uhr produktiv zu sein. Viele, die da mithalten möchten, versuchen dann, am Schlaf zu sparen. Doch das kann auf Dauer gefährlich werden. Nicht nur, dass man sich müde nicht besonders wohl fühlt - auch Fehler oder sogar Unfälle nehmen zu, wenn man nicht ausgeschlafen ist. Wer viel Adrenalin produziere, könne durchaus einige Wochen oder sogar Monate mit einem Schlafdefizit durchhalten, erklärt Ingo Fietze, Oberarzt für Innere Medizin und Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité, in einem Interview mit Business Insider. Doch empfehlenswert ist das nicht. "Fakt ist: Ein Schlafdefizit lässt sich nicht überspielen. Wie eine nicht bezahlte Schuld wird es auf Dauer immer größer", so Fietze. Zwischen sieben und acht Stunden pro Nacht sind etwa das Pensum, das man brauche, um gesund zu bleiben.
„Lasst eure Mitarbeiter im Büro einschlafen!“: Schlafmediziner erklärt, warum Schlafmangel unproduktiv macht, Business Insider 2.7.20

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