Für eine Ökonomie mit Zukunft 
Freitag, 24. Juli 2020 - Wissenschaft, Arbeit, Management
Das Netzwerk Economists for Future, eine weltweite Initiative von Ökonomen und Change-Aktivisten, fordert in einem Aufruf: „Ökonomische Bildung reformieren“. Ziel der Initiative ist es, Themen wie Ungleichheit, Biodiversität und Klima stärker in der Wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung zu etablieren. "Allein in Deutschland lernen über 600.000 Studierende Semester für Semester hochgradig abstrakte, einseitige und weltanschaulich problematische Vorstellungen über Ökonomie", so Lukas Bäuerle, Sprecher von Economists for Future, gegenüber der taz. Der Aufruf wird noch deutlicher: "Was hier über Wirtschaft beigebracht wird, hat keinerlei Bezüge zu realen ökonomischen Prozessen oder Erfahrungen." Die im Fach verbreiteten abstrakten Denkmethoden verhinderten, dass Studierende Wirtschaft wirklich verstehen lernten.
Eine andere Ökonomik nach Corona, taz 16.7.20

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Ein Drittel der Vermögen in den Händen von einem Prozent 
Mittwoch, 22. Juli 2020 - Lebensart, Studien, Arbeit
In Deutschland geben wir uns gerne der Illusion hin, dass bei uns die finanzielle Ungleichheit deutlich geringer ausgeprägt ist als im internationalen Vergleich. Doch neue Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sprechen eine andere Sprache. Ihnen zufolge liegen 35 Prozent der deutschen Vermögen in den Händen von lediglich einem Prozent der Bevölkerung. Bisher war man von 22 Prozent ausgegangen. Für die reichsten zehn Prozent wurden die Zahlen ebenfalls korrigiert - sie besitzen nicht, wie bisher angenommen, 59 Prozent der Vermögen, sondern sogar zwei Drittel. Am unteren Ende der Vermögensskala zeigt sich, dass die Hälfte der Bevölkerung gar kein Vermögen hat oder maximal 22.800 Euro, der Durchschnitt liegt bei 3.700 Euro. In Krisenzeiten, in denen die Arbeitslosigkeit steigt und Löhne beispielsweise durch Kurzarbeit geringer ausfallen, wird deutlich, wie prekär diese Ungleichheit ist, denn finanziell leiden unter der Krise vor allem jene, die ohnehin schon wenig oder gar nichts besitzen.
Vermögen in Deutschland viel ungleicher verteilt als bisher angenommen, spiegel.de 14.7.20

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Es lebe das Home Office 
Dienstag, 21. Juli 2020 - Studien, Arbeit, Management
Die Pandemie hat selbst in Unternehmen mit eher starren Strukturen dazu geführt, dass das Home Office eine neue Blüte erlebt, denn: Lieber zu Hause arbeiten als gar nicht. Die Massenmigration vom Büro in die eigenen vier Wände hat viele Firmen zu spontanen Investments veranlasst, so dass nun bereits ganz andere Rahmenbedingungen bestehen als vor der Corona-Krise. Und viele Mitarbeiter haben die damit verbundene Flexibilität zu schätzen gelernt - genauso wie ein großer Teil der Arbeitgeber. In einer Umfrage des Ifo-Instituts bekräftigten 54 Prozent der befragten Unternehmen, auch in Zukunft auf Home Office setzen zu wollen. Eine Erhebung des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) bei 500 Unternehmen ergab, dass 42 Prozent von ihnen beabsichtigen, die Möglichkeiten der Arbeit von zu Hause aus künftig auszuweiten.
Mehrheit der deutschen Unternehmen setzt dauerhaft auf Homeoffice, zeit.de 13.7.20

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Pausen machen produktiver 
Montag, 20. Juli 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit
Es ist immer wieder dasselbe - vor allem, wenn wir glauben, besonders viel zu tun zu haben, verkneifen wir uns oftmals eine Pause, in der Hoffnung, dann schneller alles Nötige erledigt zu haben. Doch das ist ein Trugschluss, denn die Forschung zeigt immer wieder: Wer zu lange durcharbeitet, ohne mal zu verschnaufen, wird nicht nur müde, sondern auch deutlich unproduktiver. Pausen hingegen sind keine verlorene Zeit, sondern können zum Performance-Booster werden. Und doch hat die Unsitte des Durcharbeitens bei vielen Methode. In einer Umfrage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) mit 17.000 Befragten gaben ganze 26 Prozent an, die gesetzlich vorgesehenen Arbeitspausen (30 Minuten bei einer Arbeitszeit von sechs Stunden, 45 Minuten bei neun Stunden) ausfallen zu lassen, weil zu viel zu tun ist. Arbeitspsychologen raten sogar zu mehr Pausen - fünf Minuten pro Stunde oder bei längerwierigen Tätigkeiten alle zwei Stunden zehn Minuten. Solche Kurzpausen sind wie ein Reset für Körper und Geist und Studien belegen, dass nach einer kleinen Pause die Arbeit leichter und schneller von der Hand geht.
Mach mal Pause!, spektrum.de 13.7.20

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Arbeitgeber wollen das letzte Wort haben 
Mittwoch, 15. Juli 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Die Pandemie hat uns gezeigt, wie flexibel arbeiten doch möglich sein kann. Und viele Menschen hoffen, auch nach der Krise mehr Freiheiten bei ihrer Arbeitsgestaltung zu haben. Für die Mitarbeiter der Allianz-Versicherung könnte dieser Wunsch aufgehen, denn der Vorstandsvorsitzende kündigte an, man wolle in Zukunft und strategisch das Thema Heimarbeit stärken. Ganz anders hingegen Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. "Die Idee, ein Recht auf Homeoffice zu schaffen, ist so angelegt, dass ich mich als Arbeitgeber entschuldigen muss, wenn ich das nicht einrichten kann", zitiert das Manager Magazin seine Kritik am Vorstoß der Bundesregierung zu einem Recht auf Arbeit im Home Office. Auf eine Kultur des Miteinanders mit den Mitarbeitern deutet eine solche Haltung nicht. Hier offenbart sich einmal mehr, wie sehr doch viele Unternehmen noch in Weisungsbefugnissen denken und nicht bereit sind, flexibel die eigenen Interessen mit denen ihrer Angestellten abzugleichen.
Arbeitgeberpräsident gegen Recht auf Homeoffice, Manager Magazin 5.7.20

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Wirtschaft lebt vom Gemeinsinn 
Donnerstag, 9. Juli 2020 - Wissenschaft, Arbeit, Management
In der Pandemie hat sich nicht nur gezeigt, wie verletzlich viele unserer wirtschaftlichen Lebensgrundlagen und Systeme sind, sondern auch, wie sehr sich durch Spontanität und Hilfsbereitschaft vieles bewirken und verbessern lässt. Für Silja Graupe, Professorin für Ökonomie an der Cusanus Hochschule ist das ein Indiz dafür, dass der Gemeinsinn eine wesentliche Rolle spielt für unsere Wirtschaft, was aber in der Ökonomie selten berücksichtigt werde. "Das Problem ist, dass der Gemeinsinn improvisierend ist, spontan, und von alleine keine Strukturen schaffen kann, um sich selber zu erhalten. Wir können ja nicht unbegrenzt weiter improvisieren, sondern müssen irgendwann zum Routinehandeln zurückkehren bzw. neues schaffen. Unsere heutigen Routinen aber schaden dem Gemeinsinn und begraben ihn unter Effizienz, Steuerungsideen, Diskursen von Sachzwängen und Stereotypen", so Graupe in einem Interview mit dem Freitag. Sie erhofft sich die Entfaltung eines "sinnstiftenden Erkennens, wodurch Zukunftsvisionen entwickelt und alte Routinen einer Prüfung unterzogen werden. Der Gemeinsinn muss hier mit Imagination zusammenkommen: Vorstellungen darüber, wie ein gutes Leben zukünftig aussehen soll. Wir müssen imaginieren können, was es noch gar nicht gibt, und dann Strukturen für dessen Realisation gestalten. So können wir alte Muster brechen und neue kreative Normalitäten entstehen lassen." In ihren Augen ist die ökonomische Zweckrationalität, die viele unserer Systeme bestimmt, ein verkrustetes Oberflächenphänomen, darunter jedoch liege "die Fülle aller noch unerkannten gesellschaftlichen und natürlichen Möglichkeiten". Graupe hofft: "Der Gemeinsinn schafft daraus die ersten sinnstiftenden Bilder und Praktiken und kann so grundlegenden Sinn- und Wertewandel initiieren; Imagination und praktische Urteilskraft schaffen daraus wiederum neue Strukturen."
„Viele wollen sich einmischen“, Der Freitag 24/2020

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Mitarbeiter finden Öko-Engagement wichtig 
Mittwoch, 8. Juli 2020 - Studien, Arbeit, Management
In den letzten Wochen ist immer wieder Kritik aufgeflammt an diversen politischen Förderprogrammen, weil diese dem Klimawandel in den Augen vieler nicht genug Rechnung tragen. Eine Umfrage des des Personalmarketing-Dienstleisters Königsteiner mit 3.000 Personen zeigt nun, wie wichtig Arbeitnehmern das Thema Ökologie im Hinblick auf die Wahl eines Arbeitgebers ist. 62 Prozent ist die Haltung einer Firma zur Umwelt wichtig, wenn sie eine Stelle suchen. Ein Drittel der Befragten könnte es sich vorstellen, im Stil von Fridays for Futures auch freitags für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren - in Bewerbungsgesprächen sprechen sie dies allerdings so gut wie nie an. Die Befragten glauben, dass allenfalls ein Drittel der Arbeitgeber wirklich ernsthaft für ökologische Belange engagiert sind, bei 15 Prozent sehen sie gar kein Engagement. Dennoch glauben sie, dass etwas die Hälfte der deutschen Firmen in Öko-Fragen gut aufgestellt sei.
Bewerbern ist Klima wichtig, FAZ 29.6.20

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Stress erst gar nicht entstehen lassen 
Dienstag, 7. Juli 2020 - Psychologie, Arbeit, Management
Unter Pandemie-Bedingungen hat sich unser Arbeitsleben innerhalb kürzester Zeit umgekrempelt. Viele Menschen empfinden es als entspannter, von zuhause aus arbeiten zu können, weil ihnen das Freiräume bei der Gestaltung ihrer Tätigkeiten gibt. Und weil das Arbeiten beispielsweise in Großraumbüros oft aufgrund der Umgebungsbedingungen schon einen gewissen Stresspegel setzt. Die Frage ist, ob positive Erfahrungen wie diese auch nach der Rückkehr in die Büros Spuren hinterlassen oder zu Änderungen führen. Die Zeit hat mit der Psychologin Amelie Wiedemann darüber gesprochen, welche Stressquellen Arbeitenden vor allem zu schaffen machen und wie Unternehmen Abhilfe leisten könnten. Wiedemann versucht dafür zu sensibilisieren, wie sehr körperlicher und geistiger Stress miteinander verbunden sind. Was die Ergonomie von Arbeitsplätzen angeht, sind die meisten Unternehmen gut aufgestellt - übersehen aber vielleicht, dass der beste Bürostuhl nichts nutzt, wenn Arbeitnehmende aufgrund geistiger Belastungen mit körperlichen Symptomen reagieren. "Körperliche und psychische Leiden kann man gar nicht getrennt betrachten. Der Körper wirkt auf die Psyche und andersherum. Wenn ich zu stark gestresst bin, verkrampfe ich, ziehe meine Schultern nach oben. Das kann zu Kopf- oder Rückenschmerzen führen. Oft kümmert sich der Arbeitgeber nur um den Rücken – und weniger um die Psyche", so Wiedemann. Ihrer Erfahrung stammen viele Faktoren, die Stress verursachen, vor allem aus dem Bereich der Arbeitsorganisation. Wer beim Arbeiten häufig unterbrochen werde oder regelmäßig mit unerwarteten Zusatzaufgaben konfrontiert wird, gerate beispielsweise leichter unter Druck. Aber auch respektloses Verhalten oder zu hohe Anforderungen begünstigen Stress. Wiedemann betrachtet es kritisch, dass viele Unternehmen, wenn sie sich um Stressprobleme kümmern, vor allem auf Verhaltensprävention setzen. Doch Yoga-Kurse und Meditation im Unternehmen bewirken wenig, wenn gleichzeitig die Arbeitsprozesse selbst immer neue Stressoren erzeugen. "Sinnvoller ist es, dafür zu sorgen, dass Stress gar nicht erst aufkommt. Zum Beispiel, indem man Unterbrechungen und unnötige Dokumentationen abschafft oder einander besser abstimmt und so Doppelarbeit vermeidet. Besonders erfolgreich ist die Stressbekämpfung übrigens, wenn Vorgesetzte mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Tag gut strukturieren, regelmäßig Pausen machen, sich gesund ernähren und rechtzeitig nach Hause gehen", so Wiedemann.
Wenn der Rücken schmerzt, liegt das nicht nur am falschen Stuhl, zeit.de 30.6.20


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