Ab wann wird Meditation zum Ego-Trip? 
Freitag, 30. Juli 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In einer Kultur, die wie die westliche stark auf Leistung und Wohlbefinden ausgerichtet ist, wirkt Achtsamkeit wie ein Wundermittel. Sich besser konzentrieren können, wacher und dabei zugleich entspannter zu sein, ist für viele Menschen ein guter Grund, sich dem Meditieren zuzuwenden. Doch die Vereinnahmung der Methoden spiritueller Traditionen zum persönlichen Nutzen hat auch Schattenseiten. In einem interessanten Talk auf seinem Youtube-Channel untersucht der bekannte Moderator Gert Scobel gemeinsam mit dem Mediziner Tobias Esch, welche Fallstricke hier lauern. Esch schätzt natürlich die positiven gesundheitlichen Wirkungen des Meditierens, äußert aber auch die Sorge, dass im Zuge der Funktionalisierung von Achtsamkeit viele subtilere Aspekte dieses Ansatzes übersehen werden oder gar verloren gehen. Sein klares Plädoyer: "Meditation darf nicht zum Ego-Kult werden!"
Meditation darf nicht zum Ego-Kult werden!, Scobel 15.7.21

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Meditations-Apps boomen - aber nur wenige sind wirklich gut 
Donnerstag, 29. Juli 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Der Achtsamkeits-Boom weckt viele Begehrlichkeiten und so mancher Anbieter hofft, hier ein gutes Geschäft zu machen. So sind in den vergangenen Jahren unzählige Meditations-Apps auf den Markt gekommen, die viele Versprechen mit sich bringen. Mit wenigen Minuten der Achtsamkeit am Tag soll man entspannter sein, kreativer werden und sich besser konzentrieren können. Doch was ist dran an all diesen Versprechen? Die Stiftung Warentest hat zehn Meditations-Apps getestet und dabei vor allem darauf geschaut, ob die Programme eine methodische Qualität mit sich bringen, psychologisch fundiert sind und die Wirksamkeit der Übungen wissenschaftlich belegt ist. Von zehn getesteten Apps erhielten dabei lediglich zwei eine gute Bewertung, die App Headspace sowie die in Deutschland entwickelte App 7Mind. Die beiden Programme "bieten qualitativ gute, mit profunder wissenschaftlicher Kennt­nis konzipierte Kurse und Übungen, die den Einstieg in die Welt der Entspannungs­techniken begleiten können, aber auch für Fort­geschrittene interes­sant sind", urteilt Stiftung Warentest.
Meditations-Apps: Diese ist laut Stiftung Warentest die beste, familie.de 21.7.21

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Der Ouzo zur Rechnung macht spendabel 
Mittwoch, 28. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit
Zeigen sich Menschen spendabel, animieren sie damit oft ihre Mitmenschen ebenfalls zu Großzügigkeit. Dies zeigt ein Experiment, bei dem für 400 Tische in einem griechischen und 200 Tische in einem deutschen Restaurant die Handhabung der Freigetränke mit dem gegebenen Trinkgeld der Gäste verglichen wurde. Dabei wurde deutlich: Insbesondere wenn die Gabe, beispielsweise ein Ouzo, direkt mit der Rechnung serviert wird, sind die Gäste am Großzügigsten. Hier gaben sie im Schnitt 8,6 Prozent Trinkgeld. Wurde bereits während des Essens ein Freigetränk gereicht, waren es immerhin 7,8 Prozent. Kommt der Ouzo hingegen erst, nachdem die Rechnung bereits beglichen ist, wurden 7,1 Prozent Trinkgeld gegeben. Im gutbürgerlichen deutschen Restaurant führte der Schnaps zur Rechnung sogar zu 8,8 Prozent Trinkgeld. Es hat den Anschein, dass die Nähe zum Zeitpunkt der Gegengabe durch die Restaurantgäste die finanzielle Impulskraft des Freigetränks hebt. Doch unter dem Strich dürfte dies mehr als eine Rechenaufgabe sein. Denn eine kostenlose Gabe durch den Wirt signalisiert ja auch Wertschätzung und schafft eine Beziehung. Vielleicht sollte man auch einmal untersuchen, was geschieht, wenn der Ouzu missmutig zur Rechnung angeboten wird.
Spendierfreude zahlt sich aus, spektrum.de 16.7.21

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Beim Home Office ginge vielerorts noch deutlich mehr 
Dienstag, 27. Juli 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Die pandemiebedingte Home-Office-Welle erweitert den Denkradius. So hat das ifo-Institut untersucht, dass vor allem in den Ballungsräumen deutlich mehr Arbeit von Zuhause aus denkbar wäre. Das Institut ermittelte, dass in Großstadtregionen wie Frankfurt, München, Stuttgart oder Berlin gut 57 Prozent aller Beschäftigten im Prinzip ganz oder zumindest größtenteils vom heimischen Schreibtisch aus für die Firma tätig werden könnten. Im Frühjahr wurde für die umliegenden Kreise von Großstädten wie Berlin oder München eine Home-Office-Quote von 31 Prozent erreicht. In ländlichen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein lag diese hingegen bei lediglich 21 Prozent, was auch den wirtschaftlichen Strukturen geschuldet sein dürfte. Im Juni arbeiteten bundesweit im Schnitt gut 28 Prozent der Angestellten von Zuhause. Insgesamt wäre also, zumindest was die theoretische Machbarkeit angeht, doch viel Luft nach oben. Ob das auch gewollt ist und aus welchen Motivationen heraus, ist natürlich eine weitere Frage.
Homeoffice-Möglichkeiten „unausgeschöpft“, FAZ 16.7.21

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Unternehmenskultur rechnet sich in barer Münze 
Montag, 26. Juli 2021 - Studien, Arbeit, Management
Kultur ist immer noch vielfach ein Nice-to-have, mit dem man sich gerne schmückt, aber dem man auch nicht zu viel Bedeutung gibt, zumindest, wenn es um handfestes Engagement geht. Das gilt nicht nur für den Kulturbetrieb, sondern auch für Unternehmen, wie eine Untersuchung von Heidrick Consulting mit 500 Firmenlenkern aus aller Welt zeigt. Viele Führungskräfte glauben durchaus, dass die Unternehmenskultur sehr wesentlich für den geschäftlichen Erfolg ist. Aber sie handeln nicht zwingend danach. Und verschenken damit auch wirtschaftliche Chancen, denn die Studie zeigt: Firmen, die sich um ihre Kultur aktiv kümmern, erwirtschaften deutlich höhere Gewinne. Danach gefragt, ob sie die Unternehmenskultur als bedeutsam erachten, antworten viele politisch korrekt natürlich mit einem Ja. Doch ihr Blick auf das Unternehmen ist ein anderer. So nannten 51 Prozent der Befragten weltweit die Strategie als wesentlichen Faktor für finanziellen Erfolg, gefolgt von Führung (39 Prozent) und Prozessen sowie Regeln (38 Prozent). Die Kultur landete bei den meisten nicht in der Top-3-Liste. Betrachtet man hingegen die Firmen genauer, die die Kultur als wesentlich erachten - in den USA 18 Prozent, in Kanada 16 Prozent und in Deutschland 14 Prozent -, dann zeigt sich: Diese Unternehmen erreichten über drei Jahre ein Wachstum von 9,1 Prozent, während es bei den kulturell eher Ignoranten lediglich 4,4 Prozent Wachstum gab. Vielleicht ein guter Grund, die Perspektiven und das eigene Führungshandeln wieder einmal zu überdenken.
Glückliche Mitarbeiter, Geld in der Kasse, spiegel.de 15.7.21

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Danke sagen - im Job spielt dabei auch die Form eine Rolle 
Freitag, 23. Juli 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Wie heißt das Zauberwort? Was man gerne zu kleinen Kindern sagt, um ihnen beizubringen, dass Danke zu sagen, im sozialen Miteinander eine wesentliche Kraft ist, spielt auch im Business eine Rolle. Peter Cardon, Professor für Unternehmenskommunikation an der University of Southern California, untersuchte in einer Studie mit 1.200 Teilnehmenden, welche Bedeutung das Danke im Berufsleben hat. Und machte eine erstaunliche Entdeckung. Oft möchten Menschen gar nicht vor versammelter Mannschaft gewertschätzt werden. So äußerte ein Viertel der 18- bis 29-Jährigen, dass sie eine Danksagung in Schriftform vorziehen. Wer hätte das von den digital Natives gedacht? Unter den 45- bis 60-Jährigen hat die Schriftform eine etwas geringere Bedeutung. Grundsätzlich hat ein Dankeschön einen hohen Einfluss auf die Motivation und Loyalität der Beschäftigten. Gut die Hälfte der Befragten äußerte, dass sie länger in einem Unternehmen bleiben würden, wenn ihre Vorgesetzten mehr Wertschätzung zeigten. Für 81 Prozent ist das Danke eine wesentliche Quelle ihrer Motivation. Und es braucht keine große Inszenierung. Unabhängig davon, ob ein Dankeschön im Gespräch oder vielleicht mit einer schönen Karte übermittelt wird, ist es zwei Dritteln der Befragten am Liebsten, wenn die Danksagung in persönlichem Rahmen geschieht und nicht in Anwesenheit der Kolleg.innen.
Ein Experte erklärt, warum ein handschriftliches „Danke“ der Schlüssel zu motivierten Mitarbeitern sein kann, Business Insider 13.7.21

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Junge streben nach Sinn im Job 
Donnerstag, 22. Juli 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit
Arbeit soll nicht nur Geld bringen, sondern auch Sinn. Diese Haltung treibt immer mehr vor allem jüngere Menschen um. Eine vor zwei Jahren erstellte Studie des Zukunftsinstituts zeigt: Einem Großteil der Millenials, 87 Prozent, ist eine sinnvolle und erfüllende Berufstätigkeit wichtig. Hoher Verdienst ist hingegen nur für 55 Prozent von Bedeutung. Die deutsche Unternehmenslandschaft macht es dem Nachwuchs allerdings nicht immer leicht, denn hierzulande dominieren nach wie vor klassische Industrieunternehmen, die Themen wie Nachhaltigkeit und innovative Ansätze, die nicht nur zu Gewinnen, sondern auch einer besseren Welt beitragen, erst beginnen zu entdecken. Hippe Start-up-Kulturen, deren expliziter Fokus Gemeinwohl, ökologische Verträglichkeit und soziale Innovationen sind, kennt man hingegen eher aus den Vereinigten Staaten oder Aufsteiger-Ländern wie Israel. Für die junge Generation bedeutet das, häufig Kompromisse zu machen. Nur knapp ein Drittel der Millenials würden den Arbeitgeber wechseln, wenn sich seine Nachhaltigkeitsversprechen nicht erfüllen, im globalen Vergleich sind es zehn Prozent mehr. Bequemlichkeit und Sicherheit scheinen also auch eine bedeutende Rolle zu spielen.
Millenials und die Suche nach dem Sinn, FAZ 13.7.21

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Wie kommt wirklich Neues in die Welt? 
Mittwoch, 21. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Arbeit
Innovation ist eine vielbemühte Idee in der heutigen, sei es in Unternehmen oder auch, wenn es darum geht herauszufinden, wie wir der Klimakrise angemessen begegnen können. Doch vieles, was als vermeintlich innovativ gelabelt wird, stellt eigentlich nur eine eher marginale Erweiterung des Bestehenden dar. Anstatt Kraftstoff zu verbrennen, Autos mit Strom fahren lassen? Oder darauf hoffen, dass irgendeine Durchbruchstechnologie bestehende Engpässe einfach überwindet? Ein Kommentar in der NZZ analysiert auf eloquente Weise, dass der Durchbruch in wirkliches Neuland im heute beobachtbaren innovativen Denken kaum vorkommt. Vielleicht, weil wir aus dem falschen Blickwinkel auf die Welt schauen? Wo dieser beginnen könnte, formuliert der Beitrag so: "Die Normalität ist der Ausnahmefall, der Ausnahmezustand hingegen die Regel. Wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass sich die traute Vergangenheit linear in die Zukunft fortschreibt. Hingegen können wir darauf vertrauen, dass alles Erwartbare die Ausnahme bleibt, dass hingegen das Unvorhersehbare immer schon eine Normalität war, was wir nur leider zu verdrängen gelernt haben." Das Unvorhersehbare lässt sich nicht direkt adressieren oder gar erreichen. Es fragt nach einer tiefgreifenden Veränderung unserer Lebensart und unserer Weltbeziehung. Die NZZ meint deshalb: "Wir tun darum gut daran, uns auf das Unvorhergesehene einzustellen und uns im Umgang damit zu üben. Wir können dabei nicht in die Kristallkugel der Zukunft schauen, und wir werden nie punktgenau antizipieren, was die bösen Überraschungen von morgen sein werden. Aber wir können in die Schule der Vorstellungskraft gehen und ins Mentaltraining des Unerwarteten. Die Antwort auf die Unwägbarkeiten des Kommenden heisst Phantasie. Sie mag ebenso eine Antwort von gestern sein, aber sie hat den Vorzug, Vorstellungswelten plausibel zu machen, die jenseits des Vorstellungsvermögens liegen." Was wäre, wenn wir uns alle öfter in diesem Territorium jenseits des Vorstellbaren treffen? Und von dort aus unsere Fühler gemeinsam ausstrecken? Das Neue ist kein Ziel, dass wir einfach erreichen können. Es offenbart sich nur im Unerwarteten.
Innovation heißt oft noch mehr vom Gleichen, NZZ 13.7.21

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