Ungleichheit wächst und wächst 
Donnerstag, 1. Juli 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit
Die Pandemie hat zu Beginn auch die Vermögenden getroffen. Doch inzwischen ist für sie nicht nur wieder alles beim Alten, sie sind sogar reicher geworden. Und damit geht laut Global Wealth Report die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Im vergangenen Jahr stieg der Wert privater Vermögen um 7,4 Prozent auf 418 Billionen Dollar, zieht man Wechselkurseffekte ab, bleibt ein Plus von 4,1 Prozent. Würde man diese globalen Vermögen auf die 5,2 Milliarden Erwachsenen der Weltbevölkerung verteilen, kämen jeder Person rund 80.000 Dollar zu. Die Wirklichkeit ist eine andere. 1,1 Prozent der erwachsenen Bevölkerung besitzen nämlich knapp 46 Prozent der privaten Vermögen, insgesamt 192 Billionen Dollar. 2,9 Milliarden Menschen (55 Prozent der Bevölkerung) verfügen hingegen jeweils über weniger als 10 .000 Dollar. Ihnen gehören nur 1,3 Prozent des Weltvermögens. In der Pandemie sind jene an der Spitze der Pyramide noch etwas reicher geworden, während die Menschen an der Basis finanziell noch weiter zurückfielen.
Die Pandemie hat die Schere zwischen Arm und Reich weiter geöffnet, FAZ 22.6.21

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Je besser das Zuhören, umso besser das Gespräch 
Mittwoch, 30. Juni 2021 - Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
In Businesskontexten steht bei der Gesprächskultur häufig im Vordergrund, wie man die eigene Message am besten rüberbringt. Allzu oft wird der Dialog sogar zur Arena, um sich durchzusetzen. Wirklich gute und hilfreiche Gespräche entstehen dadurch eher selten. Die Management-Expertin rät dazu, dem richtigen Zuhören mehr Aufmerksamkeit zu geben. "Wer nicht bis zum Ende zuhört, der hat keine Ahnung, wohin der andere will. Wir glauben, es zu wissen. Aber so ist es nicht. Wenn man zu früh ins Wort fällt, dann kann kein gutes Gespräch entstehen", sagt sie in einem Interview mit Business Insider. Hilfreich sei es auch, sich darüber klar zu werden, dass in jedem Dialog sich wirklich neues zeigen könne und die Gesprächspartner so miteinander etwas lernen: "Ein gutes Gespräch ist für mich ein Austausch über Dinge, die ich vorher noch nicht wusste. Es sind Gespräche, in denen man gesagt hat: Ach echt? Das wusste ich noch gar nicht. Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Erst dann begibt man sich in eine neue Welt und kann etwas lernen. Es gibt auch gute Gespräche, die sind ein Austausch über das, was wir schon wissen. Und das macht Spaß! Aber wir lernen dadurch nichts und wir kommen dadurch auch nicht weiter." Gerade im Businessalltag ist diese Perspektive des Neuen eine oft unterschätzte Dimension der Dialogkultur. Vielleicht brauchen wir gar keine tollen Innovationsseminare, wenn wir uns einfach besser zuhören.
Das Geheimnis des richtigen Zuhörens, Business Insider 22.6.21

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Positive Gehirnwäsche 
Dienstag, 29. Juni 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Auf Social-Media-Kanälen ist das Leben immer poliert - Fotos von lächelnden Menschen, tollen Klamotten, knackigen Bodys gaukeln uns vor, wie schön es andere haben. Diese aufgehübschte Selbstdarstellung hat Folgen. Psychologen sprechen bereits von einer "Toxic Positivity", die im Leben immer weniger Raum für die realen Grautöne lässt. "Immer so zu tun, als hätte ich gute Laune, ist aber anstrengend und auf Dauer ungesund. Ich deckle damit etwas in mir ab, und das kostet psychische Energie", sagt etwa die Psychologin Doris Röschmann in einem Beitrag in der Welt. Der so entstehende Zwang, immer nur die guten Seiten des Lebens zu zeigen, könne sogar zu Schlafmangel und Depressionen führen und langfristig negative Wirkungen auf das Immunsystem haben. Die Feedback-Mechanismen von Social Media fördern geradezu solche Stressspiralen, denn wer viele Likes für seine schönen Bilder bekommt, wird animiert, noch mehr davon zu posten - und den nicht so tollen Teil seines Lebens immer mehr auszublenden. "Echte gute Laune entsteht nur durch ein Leben, in dem man nicht abhängig ist von Äußerlichkeiten. Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, alle Gefühle wahrzunehmen. Dafür müssen wir mit uns selbst verbunden sein", so Röschmann.
Diese Instagram-Lüge kostet Lebensenergie, welt.de 21.6.21

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Die Freiräume innerhalb der Grenzen entdecken 
Montag, 28. Juni 2021 - Bewusstsein, Wissenschaft
Nachdem die Klimakrise nun auf der politischen Agenda wieder ein Stück nach vorne gerückt ist, wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich die Ambitionen, die Klimaneutralität zu erreichen, in Gesetzen und Verboten niederschlagen. Doch wie für all die vielen konkreten Lebensbereiche, um die es hier geht, geeignete Regelungen finden? Der Klimaforscher Anders Levermann macht in einem Interview mit der Zeit einen interessanten Vorschlag, der durch Einfachheit überzeugt. Warum nicht einfach im Großen die Grenzen setzen, die nicht mehr überschritten werden dürfen, aber im Kleinen im Hinblick auf die konkrete Umsetzung möglichst viele Freiräume lassen? "Dahinter steht das Prinzip des Wachsens in die Vielfalt: dass die Dinge nicht immer höher, schneller oder weiter werden, sondern besser. Und dieses 'besser' ändert sich mit der Zeit. ... In der Physik erkennen wir dieses Prinzip immer dann, wenn wir unendliches Wachstum im endlichen Raum erzeugen: das Prinzip der Faltung. Man setzt einem System klare Grenzen, nicht kleinteilig, sondern größtmöglich – wie etwa eine maximale Menge CO₂-Ausstoß oder ein Verbot von Plastik ab einem bestimmten Jahr. Solange das System diese klaren Grenzen erkennt, baut es sie ein. Die Dynamik sieht dann oft so aus, dass man erst auf einem bestimmen Pfad wächst, dann der Grenze nahekommt – und umbiegt und sich weiterentwickelt." Ich finde, der Vorschlag hat etwas Faszinierendes, denn er gibt Raum für Wahlmöglichkeiten, für die Entstehung von Innovationen und vermeidet gleichzeitig Verwirrung durch zu viele vorgegebene Details.
"Begrenzen, was wir nicht mehr wollen", zeit.de 16.6.21

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Reichtum ist vielen nicht so wichtig 
Freitag, 25. Juni 2021 - Lebensart, Studien
Wären Sie gerne reich? Falls Ihnen jetzt spontan ein Nein in den Sinn kommt, halten Sie es wie eine Mehrheit der Deutschen. Eine weltweite Studie zeigt: Hierzulande ist es vielen nicht so wichtig, vermögend zu sein. Als reich definiert die Erhebung dabei jene, die ein Haus besitzen und zusätzlich mindestens eine Million Euro. In Deutschland ist es 26 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen wichtig oder sogar sehr wichtig, reich zu sein. Dieser Geschlechterunterschied besteht auch in anderen Ländern, allerdings sind anderenort die Reichtumsambitionen deutlicher größer als hier. In Italien beispielsweise wünschen sich 40 Prozent der Männer und 34 Prozent der Frauen, vermögend zu sein. In den USA, Schweden, Spanien und Frankreich ist dieser Wunsch jeweils bei etwa einem Drittel der Männer und einem Viertel der Frauen gegeben. Noch weniger Interesse an Reichtum als die Deutschen zeigen die Briten - von ihnen wünschen sich ihn nur 22 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen.
Nur jeder vierte Deutsche will reich sein, FAZ 14.6.21

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Warum wir ein neues Verständnis von Freiheit brauchen 
Donnerstag, 24. Juni 2021 - Bewusstsein, Lebensart
Zum gestrigen Beitrag über die Mäßigung passt sehr gut ein Interview mit dem Ökonomen Till van Treeck aus der Zeit, in dem es darum geht, dass wir ein neues Verständnis von Freiheit kultivieren sollten. Gerade im Kapitalismus ist die Vorstellung von Freiheit stark mit Eigentum verbunden. Mit dem, was mir gehört, kann ich machen, was ich will. Van Treeck kritisiert, dass ein solcher Freiheitsbegriff die damit einhergehenden Unfreiheiten anderer ausblendet: "Wenn man Privateigentum – also das Recht an einer Sache – mit Freiheit gleichsetzt, unterschlägt man den Freiheitsentzug derer, die das Recht an dieser Sache nicht haben. Die Freiheit der Eigentümer*innen zählt, die der anderen nicht." Es gehört zu den großen Mythen des Kapitalismus, diesen Engpass dadurch überwinden zu wollen, dass man versucht, mit marktwirtschaftlichen Prinzipien mehr Sachen verfügbar zu machen, so dass mehr Menschen Zugang zu den von ihnen gewünschten Gütern erhalten. Aber trägt das wirklich zu mehr Freiheit aller bei? Zumindest begründet diese Denkweise den stetigen kapitalistischen Zwang zum Wachstum. Doch gerade dieser ist auf dem Weg, durch die Klimakrise unsere künftig mögliche Entfaltung drastisch zu beschneiden. "Wenn wir nicht schneller unsere Lebens- und Produktionsweise ändern, bedeutet das eine umfassende Freiheitsgefährdung in der Zukunft", so van Treeck. Freiheit in materialistischen Kontexten zu definieren, hat lange Zeit funktioniert. Doch heute macht dieser Freiheitsbegriff uns zu Gefangenen. Freiheit könnte auch bedeuten, uns von ihm zu befreien.
"Man kann nicht ganz Deutschland mit Eigenheimen zubauen", zeit.de 12.6.21

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Bescheidenheit in einer Zeit der Selbstdarstellung 
Mittwoch, 23. Juni 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Maßhalten und sich nicht den eigenen Bedürfnissen zu sehr ausliefern ist seit Jahrhunderten ein kulturelles Thema. Im Mittelalter eine Kardinaltugend, später vom Bürgertum als Abgrenzung gegenüber dem Adel genutzt, führt Mäßigung zu einer Freiheit gegenüber dem eigenen Verlangen. Eine Perspektive, die in der Pandemie stark an Bedeutung gewonnen hat. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk Kultur spricht die Philosophieredakteurin Catherine Newmark darüber, wie das selbstauferlegte Maßhalten Kontrolle über das eigene Leben ermöglicht. Diese Emanzipation von eigenen oder auch gesellschaftlich vermittelten Bedürfnissen ist jedoch in der heutigen Zeit, in der oft Selbstoptimierung und Selbstvermarktung gefragt sind, schwer durchzuhalten. Gemessen an diesen Erwartungshaltungen bringe Bescheidenheit einen nicht weiter, so Newmark. Gleichzeitig rufen die äußeren Lebensbedingungen, allen voran die Klimakrise, geradezu danach, dem Weniger höhere Priorität einzuräumen. "Es ist tatsächlich eine Tendenz da, dass wir diese Schubumkehr zu leisten haben", so Newmark. In den Augen der Philosophieexpertin zeichnet sich hier ein "fundamentaler mentaler Wandel" ab, der noch lange nicht abgeschlossen ist.
Die Wiederentdeckung der Mäßigung, Deutschlandfunk Kultur 12.6.21

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Yoga hat richtig Biss 
Dienstag, 22. Juni 2021 - Lebensart, Psychologie
Yoga ist was für "echte Kerle", glaubt man Patrick Broome, der seit 2005 die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit den sanften Bewegungen trainiert. Die praktischen Gründe, die für diese Bewegungskunst sprechen, liegen auf der Hand. "Yoga hilft, sich selbst zu spüren, Körpergefühl zu entwickeln und besser zu schlafen. Die Regeneration ist der Faktor, von dem man weiß, dass man noch am meisten herausholen kann. Wer sich schnell erholt, kann schnell wieder Höchstleistung bringen", so Broome im Interview mit der Wirtschaftswoche. Der Yogi ist in seiner Berufslaufbahn allerdings immer wieder auch mit Skepsis konfrontiert. Vor allem Männer hätten Angst, dass sie durch Yoga den Biss verlieren. Sie machen lieber Extremsportarten. Aber: "Yoga wirkt auf einer viel tieferen Ebene, auf der nervlichen und hormonellen, so dass man wirklich den Körper durch diese Arbeit viel länger leistungsfähig und gesund halten könnte." In Boomes Augen ist Yoga ein wahrer Booster: "Mit Yoga bist du bissiger und fokussierter, es gibt dir Kraft. Die meisten Leute denken, dass Yoga weich und beweglich macht, dass es um Mitgefühl und Liebe geht. Beim Yoga geht es vornehmlich darum, den Energiehaushalt unter Kontrolle zu halten, wenn man älter wird. Das weiß nur kaum jemand. ... Yoga hilft, dich auf die entscheidenden Dinge zu konzentrieren und dich nicht von Gefühlsgeplänkel beeinflussen zu lassen, das stattfindet, wenn Menschen miteinander arbeiten. Man lernt, einen kühlen Kopf zu behalten, auch wenn die sprichwörtliche Kacke am Dampfen ist." Wenn das mal keine Empfehlung ist.
Jogis Yogi: „Yoga macht bissig“, WiWo 11.6.21

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