Vertrauen ist gut 
Freitag, 9. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie
In unseren volatilen Zeiten widmet die NZZ eine wunderbare Betrachtung dem Thema Vertrauen. "Gemeinhin gilt Vertrauen als etwas, was aus guten Erfahrungen in der Vergangenheit und der Hoffnung auf das Gute im Menschen entsteht", heißt es in dem Artikel und wenn man das liest und sich die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Monate anschaut, kommt einem diese Einschätzung leicht vor wie aus einer anderen Zeit. Für den Autor Paul Jandl ist das Misstrauen, dass sich in vielen Kontexten im Zuge der Pandemie so deutlich gesteigert hat, nicht einfach das Gegenteil von Vertrauen. Im Gegenteil, es wird zum Sog, der jedes Vertrauen verschlingt: "Sind wir erst einmal im Zustand des Misstrauens, können wir uns nicht mehr dafür entscheiden, zu vertrauen. Der Zweifel hat ein Loch ins dünne Eis geschlagen, das wir Wirklichkeit nennen. Bei jedem Schritt hören wir, wie dieses Eis unter uns knackt. Wer politisch Gespenster sieht, sieht sie bald überall. Er verbindet sich mit anderen Gespenstersehern und hofft, damit wieder festen Boden unter den Füssen zu haben." Hört sich an, als bräuchten wir an vielen Stellen eine neue Vertrauensoffensive.
Der Mensch ist dem Menschen kein Wolf, NZZ 30.6.21

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Wenn die Geringverdiener die größeren Lasten tragen 
Donnerstag, 8. Juli 2021 - Lebensart, Arbeit
Wer viel verdient, zahlt auch viel in die Sozialsysteme ein, möchte man meinen. Eine Anfrage der Linken beim Bundesarbeitsministerium zeigt jedoch: Dank der Beitragsbemessungsgrenze ist das nicht wirklich so. Besserverdiener mit einem Jahreseinkommen zwischen 70.000 und 100.000 Euro tragen elf Prozent der Sozialabgaben, haben aber einen Anteil von 13 Prozent an allen Einkommen. Bei Großverdienern ab 110.000 Euro geht die Schere noch weiter auseinander - auf sie entfallen 23 Prozent der Einkommen, aber nur neun Prozent der Sozialabgaben. Am unteren Ende der Skala ist das Bild genau umgekehrt. Menschen mit einem Jahreseinkommen von bis zu 30.000 Euro zahlen nämlich 36 Prozent der Sozialabgaben, obwohl auf sie nur 24 Prozent der Einkommen entfallen. Verkehrte Welt ...
Geringverdienende zahlen überproportional viel Geld in Sozialkassen, zeit.de 29.6.21

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Die Augenwischerei mit der Achtsamkeit 
Mittwoch, 7. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Der Deutschlandfunk hat in einem Beitrag den Achtsamkeitstrend in den Blick genommen und kommt zu sehr differenzierten Einschätzungen. Der Artikel stellt ausführlich vor, wie typische MBSR-Kurse einen Einstieg in Achtsamkeit vermitteln und welche positiven gesundheitlichen Wirkungen sich aus der Praxis ergeben können. Gleichzeitig lässt er auch Kritiker zu Wort kommen, die davor warnen, dass die Meditationspraxis auch dazu beitragen könne, dass gesellschaftliche Strukturprobleme einmal mehr aufs Individuum verlagert werden, dass sich dann eben selbst helfen soll. Der Soziologe Hartmut Rosa etwa sagt: "Ein Problem, das ich dabei sehe ist eben, dass man die Problemlage auf die Individuen verschiebt. Dass man damit sagt, wenn du nur genügend Achtsamkeit trainieren würdest oder dein Leben richtig ausrichtest, dann hättest du kein Problem mehr und die Problemlagen, von denen ich als Soziologe unbedingt sagen will und auch sagen kann, dass sie in ganz hohem Maße gesellschaftlich verursacht sind, strukturell bedingt sind, die werden eben dem Individuum angelastet – du musst lernen damit zurechtzukommen. Und deshalb halte ich Achtsamkeit als politische Lösung für problematisch." Hier wird Achtsamkeit mehr und mehr auch zu einem Politikum.
Achtsamkeit ist politisch – und problematisch, Deutschlandfunk 28.6.21

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Volkssport pendeln 
Dienstag, 6. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie
Wer arbeiten geht, ist vielfach Pendler, denn immer seltener arbeiten die Menschen auch an dem Ort, an dem sie leben. Inzwischen sind es 59 Prozent aller Arbeitnehmer, also 18,4 Millionen Menschen, die nicht am Wohnort ihr Geld verdienen. Und die Pendelstrecken werden länger. So stieg die Zahl derer, die einen täglichen Arbeitsweg von mehr als 50 Kilometern haben, in den letzten 20 Jahren von 13 auf 21 Prozent. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien zeigt: Die Fahrerei nervt, frustriert, schlägt auf die Psyche und auch auf die körperliche Gesundheit. Doch der Traum vom Wohnen im Grünen und einem gut bezahlten Job in der nächsten großen Stadt wird weiterhin von vielen nicht nur geträumt, sondern auch in die Tat umgesetzt. Die Wirtschaftswoche beschreibt in einem Artikel, wie verschiedene Faktoren das Phänomen weiter anheizen. Neubaugebiete in den Speckgürteln sind verlockend für viele. Wer sich abends beim Chillen auf der eigenen Terrasse sieht, verdrängt gerne, dass er, wenn der Nahverkehr schlecht ist oder er im Stau steht, diese Komfortzone später erreicht, als einem lieb sein kann. Viele Kommunen unterstützen mit ihrer Verkehrspolitik die Begehrlichkeiten. Wenn es Pendlern leichter gemacht wird, mit dem öffentlichen Nahverkehr in die nächste Stadt zu kommen anstatt sich schnell in der eigenen Stadt zu bewegen, erscheint ein Arbeitsplatz weiter weg in attraktiverem Licht. Die Frage ist, wann hier wer bereit ist, den Teufelskreis als erstes zu durchbrechen.
Pendler betrügen sich selbst, WiWo 28.6.21

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Plaudern hilft, egal mit wem 
Montag, 5. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien
Mit Bekannten ist das Reden am erfreulichsten, möchte man meinen. Doch die Wissenschaft belehrt uns eines besseren. Verschiedene Studien zeigen nämlich: Wenn wir mit Fremden reden, hebt das deutlich die Stimmung. Gespräche mit uns noch nicht Bekannten mögen zwar bisweilen (aber nur in seltenen Fällen) etwas ruckeliger verlaufen als beispielsweise mit Partnern oder Freunden. Doch zeigen die Erfahrungen aus verschiedenen Untersuchungen auch: Die meisten Menschen fühlen sich richtig gut, wenn sie - sei es in der Bahn, im Supermarkt oder einem Café - mit Leuten ins Gespräch kommen, die sie gar nicht kennen. Am besten selbst einmal ausprobieren!
Mit Fremden zu reden, tut gut, spektrum.de 26.6.21

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Ernährung ist politisch 
Freitag, 2. Juli 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Was wir essen, hat Folgen - nicht nur für uns persönlich, sondern für die Gesellschaft im Ganzen. Der Ethikrat hat sich mit der Frage beschäftigt, wer für eine gesunde Ernährung verantwortlich ist, und dabei den Philosophen Thomas Mohrs auf seiner Jahressitzung zu Wort kommen lassen. Er findet, das Thema "Public Health" müsse mit all seinen demokratiepolitischen Grundsatzfragen betrachtet werden. So verweist er etwa auf die hohen Kosten im Gesundheitswesen, die aus Mangel- und Fehlernährung erwachsen. Gleichzeitig sei es unverantwortlich von Konsument.innen, die Folgen ihrer ungesunden Lebensweise der Allgemeinheit aufzubürden. "Es ist häufig eine Frage der Werte", sagt Mohrs im Deutschlandfunk. Sich kein besseres, gesünderes Essen leisten zu können, ist in seinen Augen häufig eine Ausrede. Gleichzeitig müsse die Politik sicherstellen, dass auch die Ärmeren die Möglichkeit haben, sich gesund zu ernähren. Betrachtet man den Zulauf, den beispielsweise die Tafeln mit ihrer kostenlosen Lebensmittelausgabe haben, wird deutlich, dass nicht wenigen ihre Werte nichts nutzen, wenn sie schon nach der Hälfte des Monats kein Geld mehr für Lebensmittel übrig haben.
Sorg‘ für dich selbst!, Deutschlandfunk Kultur 23.6.21

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Ungleichheit wächst und wächst 
Donnerstag, 1. Juli 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit
Die Pandemie hat zu Beginn auch die Vermögenden getroffen. Doch inzwischen ist für sie nicht nur wieder alles beim Alten, sie sind sogar reicher geworden. Und damit geht laut Global Wealth Report die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Im vergangenen Jahr stieg der Wert privater Vermögen um 7,4 Prozent auf 418 Billionen Dollar, zieht man Wechselkurseffekte ab, bleibt ein Plus von 4,1 Prozent. Würde man diese globalen Vermögen auf die 5,2 Milliarden Erwachsenen der Weltbevölkerung verteilen, kämen jeder Person rund 80.000 Dollar zu. Die Wirklichkeit ist eine andere. 1,1 Prozent der erwachsenen Bevölkerung besitzen nämlich knapp 46 Prozent der privaten Vermögen, insgesamt 192 Billionen Dollar. 2,9 Milliarden Menschen (55 Prozent der Bevölkerung) verfügen hingegen jeweils über weniger als 10 .000 Dollar. Ihnen gehören nur 1,3 Prozent des Weltvermögens. In der Pandemie sind jene an der Spitze der Pyramide noch etwas reicher geworden, während die Menschen an der Basis finanziell noch weiter zurückfielen.
Die Pandemie hat die Schere zwischen Arm und Reich weiter geöffnet, FAZ 22.6.21

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Je besser das Zuhören, umso besser das Gespräch 
Mittwoch, 30. Juni 2021 - Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
In Businesskontexten steht bei der Gesprächskultur häufig im Vordergrund, wie man die eigene Message am besten rüberbringt. Allzu oft wird der Dialog sogar zur Arena, um sich durchzusetzen. Wirklich gute und hilfreiche Gespräche entstehen dadurch eher selten. Die Management-Expertin rät dazu, dem richtigen Zuhören mehr Aufmerksamkeit zu geben. "Wer nicht bis zum Ende zuhört, der hat keine Ahnung, wohin der andere will. Wir glauben, es zu wissen. Aber so ist es nicht. Wenn man zu früh ins Wort fällt, dann kann kein gutes Gespräch entstehen", sagt sie in einem Interview mit Business Insider. Hilfreich sei es auch, sich darüber klar zu werden, dass in jedem Dialog sich wirklich neues zeigen könne und die Gesprächspartner so miteinander etwas lernen: "Ein gutes Gespräch ist für mich ein Austausch über Dinge, die ich vorher noch nicht wusste. Es sind Gespräche, in denen man gesagt hat: Ach echt? Das wusste ich noch gar nicht. Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Erst dann begibt man sich in eine neue Welt und kann etwas lernen. Es gibt auch gute Gespräche, die sind ein Austausch über das, was wir schon wissen. Und das macht Spaß! Aber wir lernen dadurch nichts und wir kommen dadurch auch nicht weiter." Gerade im Businessalltag ist diese Perspektive des Neuen eine oft unterschätzte Dimension der Dialogkultur. Vielleicht brauchen wir gar keine tollen Innovationsseminare, wenn wir uns einfach besser zuhören.
Das Geheimnis des richtigen Zuhörens, Business Insider 22.6.21

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