Was bedeutet eigentlich Scheitern? 
Dienstag, 9. August 2016 - Management
In regelmäßigen Abständen wird in den Wirtschaftsmedien die Diskussion aufgerollt, dass wir eine neue Kultur des Scheiterns brauchen. So auch jüngst im Handelsblatt. "Nur etwa jeder Zweite steht nach einer repräsentativen Umfrage der Universität Hohenheim dem unternehmerischen Scheitern positiv oder überwiegend positiv gegenüber. Geschäftliche Misserfolge werden dabei deutlich kritischer eingeschätzt als Fehlschläge im sonstigen Leben", so die Zeitung. Gerne wird dann mit dem Vorbild Amerika argumentiert - dort sehe man das Scheitern wesentlich entspannter, stehe einfach auf und mache weiter. Die Schlussfolgerung: Wir brauchen eine Kultur des Scheiterns, die Fehlschläge nicht verdammt. Ich würde lieber einmal fragen: Was bedeutet es eigentlich zu scheitern? Eine Firma in den Sand zu setzen, Ziele nicht zu erreichen, bei einer Aufgabe zu versagen? All diese Beispiele beinhalten etwas, dass wir nur schwer in den Blick nehmen: eine Vorstellung davon, wie die Dinge sein sollten. Einen Normalfall, an dem wir messen. Was aber, wenn wir das Leben einmal als das nehmen, was es ist? Als einen in großen Teilen unberechenbaren Prozess. Woran ließe sich hier noch ein Scheitern messen? Gar nicht! Es geht nicht darum, Ziele oder Ambitionen völlig aufzugeben. Eher darum zu erkennen, dass in dem Moment, wo etwas nicht funktioniert, das Leben zur weißen Leinwand wird. Dann grämen wir uns vielleicht weniger über das, was schief gelaufen ist - und richten unsere Energie ganz darauf, welches Bild auf der Leinwand als nächstes gemalt werden könnte ...
Neue Chance nach der Pleite, HB 30.7.16

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Wirtschaft muss wieder Werte schaffen 
Montag, 25. Juli 2016 - Management
Die Wirtschaftswoche hat in einem Interview mit dem Philosophen und Unternehmer Friedrich Glauner die Frage eruiert, ob Nachhaltigkeit gegenwärtig für Unternehmen nicht nur nice-to-have ist, sondern eher sogar die Basis für ihr künftiges überleben. "Die Gewinner, die wie Uber oder Amazon, komplette Märkte dominieren, treiben die Abwärtsspirale aus Konzentration, Preisdruck und Ressourcenraubbau voran. Es kommt zu immer größeren Chancen und Wohlstand – aber nur für einige Wenige. Nämlich den sogenannten Einhörnern, also den Milliarden schweren Start-ups. Gleichzeitig fällt eine breite Basis von bestehenden Unternehmensmodellen einfach weg. Folgen dieser Entwicklung sind eine Zunahme der Ungleichheit und gesellschaftliche Verwerfungen, wie wir sie im Amerika von Donald Trump oder bei den Brexitiers sehen können", beschreibt Glauner den disruptiven Ist-Zustand der Business-Welt. Eine Überlegensstrategie könne es sein, "Geschäftsmodelle zu entwickeln, die diese Abwärtsspirale durchbrechen, indem sie die Marktteilhabe vieler ermöglichen und Mehrwert für alle schaffen". Die Frage, welche Werte für eine nachhaltige Wirtschaft leitend sein könnten, hebt der Philosoph auf die Ebene "universeller Werte des Weltethos", beispielsweise Wahrhaftigkeit, Gewaltfreiheit, Fairness und Partnerschaftlichkeit. "Ich spreche in dem Zusammenhang von ethikologischen Geschäftsmodellen. Also Unternehmen, die diesen Ethos im Umgang mit Menschen achten und die im umfassenden Sinn natürlicher Ressourcenschöpfung ökonomischen, sozialen und ökologischen Mehrwert stiften", so Glauner.
"Unternehmen müssen Nutzen stiften", WiWo 14.7.16


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Was "Balance" für Investment Banker bedeutet 
Donnerstag, 9. Juni 2016 - Management
Das Investment Banking gilt seit jeher als Hochburg der Höchstleister. Arbeiten rund um die Uhr ist in der Branche Teil der Job Description. Doch immer mehr Arbeitgeber versuchen, der Dauerarbeit zumindest etwas Einhalt zu gebieten. So fordert die Credit Suisse jetzt ihre Investment Banker auf, freitags um 19 Uhr Feierabend zu machen. Durcharbeiten bis in den frühen Samstag und oft auch über das Wochenende war bisher eher an der Tagesordnung. Der Schritt zu etwas mehr Work-Life-Balance soll den Angestellten erlauben, Zeit für ihre Familien zu haben. Zuvor hatte bereits JP Morgan die Mitarbeiter animiert, an Wochenenden nicht mehr zu arbeiten. Bei UBS sollen sie sich pro Woche zwei Stunden freinehmen. Bei allen Arbeitgebern gilt dieser neue Blick auf mehr Freizeit allerdings nur, sofern gerade keine größeren Deals anstehen.
Credit Suisse schickt Investmentbanker freitagabends heim, Karrierespiegel 2.6.16

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Achtsamkeit als Management-Kompetenz 
Freitag, 3. Juni 2016 - Management
Achtsamkeit ist gegenwärtig in aller Munde. Der Harvard Business Manager widmet ihr sogar einen "Management-Tipp des Tages". So empfiehlt das Magazin, morgens nach dem Aufwachen noch zwei Minuten liegenzubleiben und auf den eigenen Atem zu achten. E-Mails beim Frühstück? Besser nicht. Auch am Arbeitsplatz sollte man es langsamer angehen lassen - mit zehn Minuten Entspannung und innerer Fokussierung, bevor man sich ans Tagewerk macht. Im Tagesverlauf wird stündlich eine einminütige Achtsamkeitspause empfohlen. Es ist faszinierend zu sehen, wie in den letzten Jahren der Bezug zur Achtsamkeit, der für viele lange einen eher esoterischen Beigemschmack hatte, immer salonfähiger geworden ist.
Gehen Sie achtsamer durch Ihren Arbeitsalltag, HBM 27.5.16

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Innovationen brauchen mutige Führung 
Dienstag, 31. Mai 2016 - Management
Ein Fleischwarenhersteller, der vegetarische Produkte auf den Markt bringt? Für die gestandenen Metzger der Rügenwäler Mühle war es schlicht ein Unding, als Marketing- und Entwicklungschef Godo Röben mit dieser Idee vor einigen Jahren im Unternehmen an den Start ging. Heute tragen die fleischlosen Würste und Schnitzel bereits 20 Prozent zum Unternehmensumsatz bei. "Bedenkenträger haben in der Regel Angst. Deshalb rate ich, genau das zu nutzen und aufzuzeigen, was passiert, wenn man eben gerade nicht handelt und sich an die geänderten Umstände anpasst", erklärt Röben, wie er den anfänglichen Widerstand im Unternehmen überwand. Er zeigte mit Studien, wie sich das Essverhalten über die Jahre verändert hat, und weckte bei den Mitarbeitern auch den Sportsgeist. Immerhin kommen, obwohl die Auswahl an Fleischersatzprodukten in den letzten Jahren bereits immens gewachsen ist, nicht allzu viele dieser Lebensmittel geschmacklich an das heran, was Verbraucher bei Wurst und Fleisch gewohnt sind. "Schließlich wissen wir seit über 180 Jahren, wie man leckere Wurst macht, und wir möchten ja nicht branchenfremden Unternehmen einfach den Markt überlassen", sagt Röben.
"Bedenkenträger haben in der Regel Angst", Zeit online 23.5.16

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Unvoreingenommenes Denken will gelernt sein 
Mittwoch, 25. Mai 2016 - Management
Gute Ideen im Job oder scheitern an Sachzwängen? Viele Menschen stecken im Business in der Denkfalle, weil sie zu leicht am Business as usual festhalten, so der Wirtschaftspsychologe Martin Sauerland in einem Interview mit der FAZ. Die üblichen Denkroutinen haben dabei durchaus Vorteile. "Denkmuster entstehen bei jedem mit der Zeit: Sie nehmen aus der Erfahrung heraus die Zukunft vorweg und leiten aus ihr eine Daumenregel ab. Das Muster hilft, sich rasch zu entscheiden, und schützt vor Fehlern", so Sauerland. Um nicht immer wieder auf den selben Pfaden zu landen, könne es helfen, das eigene Denken bewusst zu beobachten, so dass man die eigene Art der Entscheidungsfindung klarer erkennt und gegebenenfalls verändern kann: "Das ist ungefähr so, als würde man eine neue Sprache lernen: Der Kopf schlägt einen vertrauten Begriff vor, und der muss nun jedes Mal beim Denken ersetzt werden. Das kostet Zeit. Andererseits gibt es den Aha-Effekt: Wer plötzlich erkennt, dass er unbewusst nach der Idee 'ich muss bei allen beliebt sein' handelt und ihn das eingeschliffene Muster immer wieder am Vorankommen hindert, sagt, genau das ist es. Am nächsten Tag ist der Betreffende hochmotiviert, das Muster aufzulösen und es künftig anders anzugehen."
Mitarbeiter in der Denkfalle, FAZ 12.5.16

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Meditation im Mittendrin des Business 
Montag, 9. Mai 2016 - Management
Das bei Google entwickelte Achtsamkeitsprogramm "Search inside yourself" hat in den letzten Jahren nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass das Thema Meditation selbst in hochkompetitiven Arbeitsumgebungen immer mehr Interesse auf sich zieht. Eine eintägige Konferenz bei Google Berlin, organisiert vom Anbieter der Meditations-App 7Mind, ging diesem Trend nach. Neben Wissenschaftlern und Meditationslehrern, die über Grundzüge und Wirkungsweisen von Achtsamkeit informierten, gaben einige Unternehmensvertreter Einblicke in die Meditationsprogramme ihrer Firmen. Peter Bostelmann, Director Global Mindfulness Practice bei SAP, etwa führte an, dass Messungen einen spürbaren positiven Einfluss auf das Mitarbeiterengagement, das Vertrauen in Führungskräfte und die Anzahl der Fehltage zeigten. Er bildet inzwischen firmenintern Achtsamkeitstrainer aus - auf der Warteliste für die Trainings stünden bereits nahezu 5.000 der Angestellten. Ein Automobilzulieferer aus Ostdeutschland berichtete, wie hoch der Wettbewerbsdruck in der Branche sei. Der Geschäftsführer bietet deshalb seit drei Jahren Meditationstrainings an, damit seine Mitarbeiter zu mehr Balance finden. Und dann ist da natürlich noch Google selbst. Mounira Latrache, als Trainerin des "Search inside yourself"-Programms engagiert, führte die Konferenzteilnehmer durch eine Loving-Kindness-Meditation, die die zwischenmenschliche Verbundenheit stärkt. Doch wie passt das zusammen mit dem offensiven Wettbewerbsverhalten, das Google am Markt an den Tag legt? Alfred Tolle, als Gründer der Bewegung „wisdom together“ Speaker der Konferenz, räumte beispielsweise ein, dass er den Konzern verlassen habe, weil ihm der Verkaufsdruck zu hoch gewesen sei. Gegenwärtig scheint die Euphorie beim Thema Meditation in immer mehr Unternehmen sehr hoch zu sein. Doch Beispiele wie dieses zeigen auch, dass sich mit wachsender Achtsamkeit möglicherweise immer mehr Bruchstellen des bestehenden Systems zeigen. Und genau hier erwachsen neue Fragen. Wird Meditation in solchen Kontexten zu einem Tool, das Mitarbeitern hilft, das, was ist, schlicht besser auszuhalten? Oder trägt die durch das Meditieren geförderte Wachheit längerfristig dazu bei, dass sich die Arbeitswelt positiv verändert?
Die Gurus bei Google, HB 1.5.16



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Stille Revolution der Mitarbeiterkultur 
Dienstag, 3. Mai 2016 - Management
Für den Hotelchef Bodo Janssen war es ein Schock, als ihm eine Mitarbeiterbefragung offenbarte, wie unzufrieden seine Führungskräfte und Angestellten im Unternehmen sind. Der Besitzer von Upstalsboom zog die Notbremse und ging erst einmal ins Kloster, um sich innerlich den Tatsachen zu stellen. Zurück im Unternehmen beschloss er, die Dinge grundlegend zu ändern. Die Idee eines Kloster-Retreats kam nicht bei allen Führungskräften an. Heute haben die Upstalsboom-Mitarbeiter die Möglichkeit, Meditationskurse zu besuchen oder auch Potentialtrainings. Statt One-to-One-Mitarbeitergesprächen gibt es im Hotel nun offene Gesprächsrunden der gesamten Belegschaft. "Es melden sich jetzt Leute zu Wort, die sich früher nie getraut haben. In einer dieser Runden saß zum Beispiel eine Frühstückskraft, die wissen wollte, wie es sein kann, dass wir Schulen in Afrika bauen, sie aber kein Geld hat, um mit ihrer Tochter einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren. Da ist mir klar geworden, dass soziales Engagement wenig bringt, wenn die Grundbedürfnisse nicht gedeckt sind. Also haben wir begonnen, die Gehälter der Basis stärker zu entwickeln - und die Boni für Führungskräfte zu reduzieren und langfristig sogar zu streichen", erzählt Janssen im Interview mit Spiegel online. Der Change-Prozess des Hotels passte nicht für jeden. 10 Prozent der früheren Führungskräfte haben den Job inzwischen gewechselt. Der Rest der Belegschaft indes ist aufgeblüht. "Wir haben jetzt eine ganz andere Firmenkultur, ohne Macht, Druck und Kontrolle. Die Zufriedenheit ist seit damals um mehr als 80 Prozent gestiegen, die Mitarbeiter sind deutlich seltener krank, wir bekommen fünfmal so viele Bewerbungen und haben den Umsatz mehr als verdoppelt", so Janssen.
"Ich war ein Flop-Manager", Spiegel online 25.4.16

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