Teams sind produktiver: Nicht zu Ende gedacht ... 
Montag, 12. Oktober 2009 - Arbeit
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beschreit den "Unsinn des Home Office", da verschiedene wissenschaftliche Studien den Eindruck erhärten, dass Mitarbeiter in Teams produktiver sind. Der Beitrag führt zwei Studien an, in denen sich zeigte, dass in Gruppen mit Mitarbeitern unterschiedlicher Leistungsfähigkeit der Kontrolldruck der Gruppe dazu führt, dass die schlechter performenden Mitarbeiter ihre Arbeitsleistung steigern, um zumindest ansatzweise mit den Hochperformern mitzuhalten. Alleine die Settings der Studien zeigen jedoch bereits, dass dieser Zusammenhang längst nicht für alle Kontexte gelten muss. Einmal wurden Studenten untersucht, die Briefe kuvertieren, ein anderes Mal wurde die Effizienz von Kassiererinnen betrachtet. In beiden Studien zeigte sich, dass langsamere Mitarbeiter dann schneller arbeiteten, wenn sie in einer Gruppe mit besseren Mitarbeitern arbeiten mussten, während sie alleine und unbeaufsichtigt ihrer Arbeit weniger schnell nachgingen. Die Forscher führen die Leistungssteigerung auf den Druck innerhalb der Gruppe zurück - die Langsameren bemühen sich gewissermaßen mehr, weil sie unter direkter Aufsicht und Kontrolle stehen. Daraus zu schließen, dass das Home Office der Produktivität schadet, ist meiner Meinung jedoch wenig gerechtfertigt. Ein wichtiger Punkt: Die in beiden Studien untersuchten konkreten Tätigkeiten waren manueller Natur. Durch positives Beispiel lassen sich manuelle Fähigkeiten recht schnell verbessern, wenngleich auch hier nur in einem bestimmten Maß, das der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit des Einzelnen geschuldet ist. Überspitzt formuliert: Ein Hinkender kann noch so oft mit einem Marathonläufer trainieren, seine Möglichkeiten zur Leistungssteigerung sind dennoch begrenzt. Ein zweiter Punkt: Mitarbeiter, die im Home Office arbeiten, stehen ebenfalls unter hohem Druck, da sie ihrem Arbeitgeber gegenüber stets beweisen müssen, dass sie in der Zeit, in der sie nicht unter Aufsicht stehen, mindestens ebenso produktiv sind. Täten sie das nicht, wäre ihre Sonderposition schnell dahin. Hinzu kommt: Bei viel komplexeren Tätigkeiten spielen neben der äußeren Kontrolle viele weitere Faktoren eine Rolle. Die Abgeschiedenheit des Home Office kann äußere Störungen reduzieren und damit die Konzentration und in Folge die Effizienz verbessern. Die Vorbildfunktion von Hochperformern ist in diesem Feld als eher eingeschränkt zu beurteilen, denn hohe Leistungsimpulse von außen können allenfalls einen geringen Beitrag leisten zur Verbesserung komplexer Fähigkeiten bei Leistungsschwächeren. Last but not least: Unternehmen, die sich allein auf die extrinsische Motivation, in diesem Fall Druck von außen, verlassen, haben immer ein Problem: Sie brauchen permanente Kontrolle. Und die ist alles andere als dazu geneigt, kreative Potenziale freizusetzen. Weiter gedacht: Wer unter steter Kontrolle im Akkord Briefe kuvertiert, wird niemals auf die Idee kommen, eine Kuvertiermaschine zu erfinden, die den Job noch viel schneller bewältigen kann.
Der Unsinn des Home Office, FAs 27.9.2009

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Immer wieder aufstehen 
Montag, 28. September 2009 - Arbeit
Scheitern als Chance- diese "Erfolgsformel" wirkt für sich betrachtet bisweilen eher wie eine Plattitüde, doch erweist sie sich dennoch im konkreten Leben häufig als äußerst treffend. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beispielsweise portraitiert den Dirigenten Christian Ludwig, der mit nur 31 Jahren dem Kölner Kammerorchester vorsteht. Was auf den ersten Blick wie eine kometenhafte Karriere wirkt, ist bei Ludwig jedoch nicht nur Resultat großer Begabung und harter Arbeit, sondern auch Ergebnis eines großen Scheiterns. Der ambitionierte Dirigent galt schon in jungen Jahren als großer Geiger mit noch größeren Zukunftsaussichten, bis der so genannte Musikerkrampf, Beschwerden in der linken Hand, seinen Aufstieg als Solist abrupt beendete. "Ich bin der Typ, der wieder aufsteht", sagt Ludwig über sich selbst und so bildete er sich an der Royal Academy in London zum Dirigenten weiter. In der Ausbildung wurde, so sagt Ludwig heute, seine Persönlichkeit dekonstruiert und neu zusammengesetzt. Sein Ziel: Nicht unbedingt das Diplom der Elite-Akademie, sondern zu wissen, was man lernen kann und wie man seinen Weg meistert. Gerade dieser Reifeprozess ist es, der im den Job bei den Kölner Kammermusikern verschafft, denn sein Vorgänger vertraut in die "Gesamtpersönlichkeit" des jungen Dirigenten. Heute ist Christian Ludwigs Motto: "Alles kann nur wachsen, wenn man entspannt ist."
Wenn plötzlich die Hand versagt, FAZ 19.9.2009

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Man muss nicht perfekt sein 
Dienstag, 22. September 2009 - Arbeit
Wie wird man erfolgreich? Diese Frage stellte die Autorin Andrea Sixt zwölf Prominenten wie der Schwimmerin Franziska von Almsick oder dem Schauspieler Michael Mendl und fand Verblüffendes heraus. "Alle Gesprächspartner hatten eines gemeinsam: Sie lieben das, was sie tun. Und kein Weg führt kerzengerade zum Erfolg. Auch erfolgreiche Leute haben mal einen falschen Weg eingeschlagen. Sie haben sich ausprobiert, bis sie gefunden haben, was sie wirklich glücklich macht - und darin sind sie nun gut", sagt Sixt. Ein wichtiger Aspekt auf diesem Weg zur Selbstverwirklichung: Immer noch besser werden wollen und nicht aufzugeben, sondern, wenn man eine falsche Entscheidung getroffen hat, sich dies einzugestehen und sich zu ändern. Sixt betrachtet es als Fehler, Erfolg mit Geld gleichzusetzen. Wichtiger sei es, dem inneren Ruf zu folgen und dadurch einen positiven Beitrag für die Welt zu leisten. Auch warnt die Autorin vor übertriebenen Perfektionsansprüchen und davor, Fehler als Niederlagen zu betrachten. "Man muss nicht perfekt sein, um Erfolg zu haben", so ihre Erkenntnis.
"Viele machen sich den Druck, perfekt zu sein", SZ 15.9.2009

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Kooperation in einer Weltgemeinschaft 
Dienstag, 14. Juli 2009 - Arbeit
Im aktuellen Kundenmagazin des Arzneimittel- und Naturkosmetikherstellers Weleda geht Alnatura-Gründer Götz Rehn auf ein neues Verständnis von Weltwirtschaft als Weltgemeinschaft ein. So arbeitet Alnatura seit vielen Jahren mit Sekem zusammen, einer Kooperative in Ägypten, die sich dem biologisch-dynamischen Anbau verschrieben hat. Während Sekem vor 20 Jahren noch 80 Prozent der in Ägypten produzierten Kräutern exportierte, verbleiben heute rund 65 Prozent der Produkte im eigenen Land - und kurbeln auf diesem Wege die einheimische Wirtschaft an. Der Trend zu Biolebensmitteln ist in den Augen von Rehn auch mit einem Bewusstseinswandel verbunden: "Für viele Menschen sind ökologisch erzeugte Produkte eine wirkliche Erkenntnis. Das geht über eine bloße Verankerung im Wertesystem hinaus. Was sie da erkannt haben und verfolgen, ist für sie Realität und mit sehr viel Empathie verbunden." Der Anthroposoph kritisiert auch eine einseitige Ausrichtung der Gesellschaft auf hauptsächlich wirtschaftliche Fragen und mahnt an, sich wieder mehr mit dem großen Ganzen zu beschäftigen: "Das muss und wird die Zukunft sein: eine Wirtschaftsweise, die dem Menschen dient und ihn weder benutzt noch bestimmt. Hier gibt es ganz individuell unterschiedliche Ansätze für Unternehmen aller Branchen. Als problematisch sehe ich die vorherrschende Sichtweise, die das Wirtschaftsleben noch immer als wichtigstes Glied des sozialen Organismus hochstilisiert. Eigentlicher Mittelpunkt ist jedoch das Kulturleben, das die Entwicklung zum freien Menschen ermöglicht. Der Wirtschaft kommt in diesem Organismus die wichtige Aufgabe zu, genau diesen Prozess zu ermöglichen."
Weleda Magazin Sommer 2009




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Gute Arbeit ist Mangelware 
Donnerstag, 2. Juli 2009 - Arbeit
Nur zwölf Prozent der deutschen Arbeitnehmer haben "gute Arbeit", so das ernüchternde Ergebnis des jährlich erhobenen Index des DGB. 55 Prozent der Angestellten haben mittelmäßige Arbeitsbedingungen, für 33 Prozent sind diese sogar schlecht. Auf der Skala des DGB stehen Indexwerte von 80 bis 100 für gute Arbeit, Werte zwischen 50 und 80 für Mittelmaß und Werte von 0 bis 50 für eine explizit schlechte Arbeitssituation. Der Durchschnittswert aller erhobenen Parameter lag in der Erhebung 2009 bei 58. Am zufriedensten sind die deutschen Arbeitnehmer mit dem Sinngehalt ihrer Arbeit (79), der Kollegialität am Arbeitsplatz (77) und der Gestaltung der emotionalen Anforderungen (71). Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten, Führungsqualität und die Betriebskultur rangieren dagegen im unteren Mittelfeld. Am schlechtesten beurteilen die Deutschen ihr Einkommen (40), gefolgt von Aufstiegsmöglichkeiten (47) und den beruflichen Zukunftsaussichten sowie der Arbeitsplatzsicherheit (48).
DGB Gute Arbeit 2009



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Burn-out kommt in den Unis an 
Dienstag, 16. Juni 2009 - Arbeit
Die Umstellung auf die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master fordert ihren Tribut. So leiden immer mehr Studenten unter totaler Überlastung. Die psychosozialen Beratungsstellen der Universitäten verbuchen eine steigende Nachfrage von Studenten, die mit den gewachsenen Belastungen nicht mehr zurecht kommen. Gab es 2004 noch 16.000 Hilfesuchende, waren es 2007 bereits über 21.000 und für 2008 wird eine weiter gestiegene Nachfrage gemeldet. Laut einer Sozialerhebung des Studentenwerks leiden bereits elf Prozent der Studierenden unter psychischen Erkrankungen. "Der Druck, der seit einiger Zeit in vielen Unternehmen entstanden ist und die Burnout-Quote hochgetrieben hat, scheint nun auch an der Uni angekommen zu sein", zitiert das Handelsblatt Steffen Laick von der Wirtschaftsberatung Ernst & Young.
Bachelor braucht dringend Hilfe, HB 8.6.2009


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Burn-out verursacht Milliarden-Schäden 
Montag, 15. Juni 2009 - Arbeit
Burn-out ist dabei, zur Quasi-Volkskrankheit gestresster Arbeitnehmer zu werden. Laut einer Studie der AOK stiegen die Ausfälle durch psychische Erkrankungen zwischen 1995 und 2008 um 80 Prozent. Inzwischen gehen 9,3 Prozent aller Fehltage von Arbeitnehmern auf psychische Beschwerden zurück. Auf der Rangliste der Krankheitsbilder nehmen sie inzwischen Platz 4 ein. Doch nicht nur Fehltage sind die Folge ständiger Überlastung, denn immer mehr Arbeitnehmer scheiden aufgrund seelischer Störungen und Depressionen als Frührentner vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus. 2007 galt dies für jeden dritten Arbeitnehmer, der von der Frühverrentung Gebrauch machte. Laut Statistischem Bundesamt entstand durch Burn-out-Erkrankungen 2006 ein wirtschaftlicher Schaden von 26,7 Milliarden Euro.
Kollaps am Schreibtisch, SZ 8.6.2009


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Die Macht der Gefühle im Job 
Freitag, 12. Juni 2009 - Arbeit
Gefühle haben im Business nichts zu suchen – mit diesem durch Generationen von Wirtschaftswissenschaftlern vermittelten Bild eines Homo oeconomicus, der vorgeblich alleine rational handelt und sich nicht durch Emotionen beeinflussen lässt, ist die heutige Leistungs- und Informationsgesellschaft groß geworden, aber auch an ihre Grenzen gestoßen. Wenn aktuelle Studien untermauern, dass gerade die emotionale Komponente die Motivation und Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern in besonderem Maße beeinflusst, wenn die Bewegungen von Börsenkursen sich nicht mehr alleine sachlich begründen lassen, wird offensichtlich, dass der Faktor Gefühl im Geschäftsleben anscheinend wider viele Erwartungen eine zentrale Rolle spielt. Das Symposium Spirit in Leadership, das vom Kuratorium Wirtschaft und Spiritualität der Willigis Jäger Stiftung West-östliche Weisheit Ende Mai im Benediktushof in Holzkirchen bei Würzburg ausgerichtet wurde, stand in diesem Jahr unter dem Leitthema „Emotionen in der Wirtschaft“ und ging der Frage auf den Grund, wie der Gefühlsebene im Business angemessener Rechnung getragen werden kann. Zahlreiche ExpertInnen aus Wirtschaft, Unternehmensberatung und Coaching vermittelten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema und illustrierten, wie Unternehmen und Mitarbeiter diese in ihre tägliche Arbeit einbeziehen können. „Emotionen spornen zum Handeln an“, sagt auch Prof. Dr. Sven Max Litzcke, Professor für Human Resource Management und Wirtschaftspsychologie an der Fachhochschule Hannover. Sie können jedoch auch lähmen, beispielsweise wenn Mitarbeiter in einer Stressspirale gefangen sind und das Gefühl haben, nicht mehr handlungsfähig zu sein. Ein grundlegendes Problem der Wirtschaft, so Litzcke: „Das System lebt von der Überausbeutung des Einzelnen.“ Gipfelt diese Beanspruchung in einer Überforderungshaltung und erleben Mitarbeiter die täglichen Aufgaben nur noch als Fremdbestimmung, verlieren die Stimuli im Arbeitsleben ihr Aktivierungspotenzial und schlagen ins Gegenteil um. Ein erlebter Kontrollverlust oder auch Versagensängste können die Oberhand gewinnen. „Meditation kann dabei helfen, sich nicht so sehr seinen Emotionen auszuliefern und sie zu relativieren. Sie kann als Prophylaxe dienen, weil sie unsere Bewertung von potenziellen Stresssituationen verändert“, sagt Litzcke. Doch häufig ist das Individuum mit Kompensationsstrategien wie diesen überfordert beziehungsweise die systemischen Einflüsse sind zu stark, als dass der Einzelne noch auf der persönlichen Ebene die im Arbeitsleben abhanden gekommene Balance wiederherstellen könnte. So weist Prof. Dr. Johannes Siegrist, Leiter des Instituts für Medizinische Soziologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, darauf hin, dass prekäre Arbeitsverhältnisse, aber auch stabile Beschäftigungssituationen mit hohen Belastungen große psychosoziale und gesundheitliche Risiken bergen. „Downsizing-Prozesse in Firmen erhöhen selbst für die Angestellten, die ihren Arbeitsplatz nicht verlieren, das Mortalitätsrisiko um 40 Prozent“, so Siegrist. Die Forschungen legen auch nahe, dass bis zum Jahr 2020 Depressionen und Herzerkrankungen, die nicht zuletzt auch Folge arbeitsbedingter Belastungen sind, weltweit die häufigste Ursache für einen frühen Tod sein werden. Eine Studie der Harvard Business School zeigt auch, dass Unternehmen davon profitieren, wenn sie diese Belastungen gezielt in den Griff bekommen. So zeichneten sich die von den Wissenschaftlern untersuchten erfolgreichen Firmen gerade dadurch aus, dass sie ihren Mitarbeitern eine hohe Arbeitsplatzsicherheit boten, dezentrale Entscheidungsprozesse und transparente Informationsstrukturen schafften und somit die der Mitarbeitergesundheit abträglichen Risikofaktoren minimierten.
Noch mal mit Gefühl, inspire-news 2.6.2009


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