Burn-out lauert überall 
Mittwoch, 26. Oktober 2011 - Studien
Das Instituts für angewandte Innovationsforschung der Ruhr-Universität Bochum und Gesundheitsexperten der Kliniken Essen-Mitte schlagen Alarm: In einer Studie zum Thema Innovationsstress stellen die Forscher fest, dass jede vierte Führungskraft sich bereits auf einen Zustand der vitalen Erschöpfung zubewegt. Untersucht wurden 229 Personen. Die Forscher erkennen vor allem systemische Risiken, die die Arbeitenden immer weiter in eine Stressspirale hineintreiben. So werden in ihren Augen Kreativität, Kompetenzentwicklung und die Suche nach Verbesserungen zu Daueraufgaben, die neben dem eigentlichen Tagesgeschäft erledigt werden sollen. Innovation wird damit zum puren Stressfaktor. Die Wissenschaftler fordern nicht nur eine Verbesserung des betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Selbstvorsorge der Betroffenen, sondern mahnen an, dass der Faktor Stress auch in den gängigen Businessmethodiken berücksichtigt werden müsse. So könne man das magische Dreieck des Projektmanagements, das bisher nur Zeit, Kosten und Qualität umfasst, um den Faktor der Gesundheit der Projektdurchführenden ergänzen. Auch müssten sich die Unternehmenskulturen verändern, denn wer dem Chef erklärt, dass 150 Prozent Leistung auf Dauer nicht machbar sind oder gar Entspannungskurse besucht, riskiert meist, dass seine Karriere damit zu Ende ist.
Jeder vierte Manager ist Burn-out-Kandidat, FTD 13.10.11

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Verunsicherung hemmt Zufriedenheit 
Freitag, 14. Oktober 2011 - Studien
Stefan Bergheim, Gründer des Zentrums für gesellschaftlichen Fortschritt, hat eine neue Studie vorgelegt, in der er auf die Bedeutung des subjektiven Sicherheitsempfindens für die Lebenszufriedenheit eingeht. Bergheim diagnostiziert neben objektiven Unsicherheitsfaktoren wie prekären Beschäftigungsverhältnissen ein "Gefühl diffuser Bedrohung", das beispielsweise durch die Angst, den eigenen Status nicht halten zu können, hervorgerufen werde. Charakteristisch für die Selbstwahrnehmung vieler Deutscher sei dabei, dass dieses Gefühl auch bei Menschen auftritt, die in formal gesicherten Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind und in einem finanziell stabilen Haushaltskontext leben. Die allgemeinen Veränderungen der Arbeitswelt, der Wandel des Sozialstaates (und damit verbunden ein wahrgenommener Abbau sozialstaatlicher Fürsorge) sowie wachsende Einkommensspreizungen nähren dieses Gefühl. Bergheim rät deshalb, wenngleich er mit Vorschlägen an die Politik vorsichtig sein möchte, dazu, dass die notwendigen Veränderungsprozesse die deutsche Sicherheitskultur berücksichtigen müssten. Radikalkuren wie der Ruf nach mehr Mut zum Risiko seien hier keine Lösung, denn Wandel müsse die Bedürfnisse und Sorgen der Bevölkerung berücksichtigen. Obwohl die Arbeitslosigkeit gegenwärtig auf einem vergleichsweise niedrigen Stand ist, dürften die Bemühungen um den weiteren Abbau der offenen und auch verdeckten Arbeitslosigkeit nicht nachlassen Zudem müssten die prekäre Beschäftigung eingedämmt und die wachsende Ungleichheit eingegrenzt werden. Darüber hinaus propagiert Bergheim eine "moderne Lebenslaufpolitik", die der Dynamik der Arbeitswelt Rechnung trägt.
Studie "Sicherheit macht zufrieden"

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Psychopathen an der Börse 
Dienstag, 11. Oktober 2011 - Studien
Wir haben es schon immer geahnt - um an der Börse erfolgreich zu spekulieren, ist eine gewisse Skrupellosigkeit hilfreich. Eine Studie der Schweizer Forensiker Thomas oll (der das größte Schweizer Gefängnis leitet) und Pascal Scherrer zeigt, dass Trader sogar egoistischer handeln als Psychopathen. Die Forscher verglichen das Verhalten von 27 Tradern mit 24 Psychopathen aus deutschen Hochsicherheitskliniken und 24 als gesundheitlich "normal" klassifizierten Menschen. Im Rahmen des Zwei-Personen-Nullsummenspiels "Gefangenendilemma" konnten die Untersuchungsteilnehmer entweder auf Kooperation setzen (so dass beide Spieler profitieren, was aber Vertrauen voraussetzt) oder auf den eigenen Vorteil setzen, was potentiell höhere Gewinne bringt, aber auch ein höheres Risiko beinhaltet. Das ernüchternde Ergebnis: Im Test zeigten sich die Börsenhändler deutlich egoistischer als die Psychopathen. Von 40 Entscheidungen waren bei ihnen 12 unkooperativ, bei den Psychopathen 4,4 und bei der Kontrollgruppe 0,2. Im Schnitt lag der Gewinn der Trader höher als der der anderen Spieler, jedoch blieben sie in ihren Ergebnissen hinter den Psychopathen zurück. Die Untersuchung zeigt: Rücksichtsloses Konkurrenzdenken zeitigt nicht die besten Ergebnisse - und die Vorstellung eines Homo oeconomicus, der rational nach einem für sich guten Ergebnis sucht, bröckelt, denn nüchtern betrachtet, verspricht das Prinzip der Kooperation, wie der Test untermauert hat, deutlich bessere Ergebnisse.
Zocken Psychopathen an der Börse? Telepolis 26.9.11

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Kleine Heldentaten im Alltag 
Montag, 10. Oktober 2011 - Studien
Nachdem ich in den letzten Wochen ja wieder fleißig Studien rezipiert habe, stelle ich mir mal wieder die Sinnfrage. Wer hier im Blog aufmerksam liest, hat sicherlich auch schon festgestellt, dass Erhebungen, die meist von Firmen im Zuge des eigenen Agenda-Settings erstellt werden, zutiefst subjektiv gefärbt sind und meist auch gar nicht offen kommunizieren, welche Fragen eigentlich gestellt wurden. Eine verheißungsvolle Umfrage des Ökostrom-Anbieters Polarstern bringt mich nun richtig zum Schmunzeln. Hier heißt es, dass im Hinblick auf die Energiewende 70 Prozent der Deutschen sich nicht auf die Politik verlassen, sondern auf persönliches Engagement setzen. Immerhin 18 Prozent der befragten Haushalte beziehen bereits Ökostrom, 20 Prozent planen nach eigenen Angaben den Wechsel. Was sagt uns das? Nun ja, dass 18 Prozent es ernst meinen - und die 50 Prozent Diskrepanz eher dem Reich der Luftnummern zuzuordnen sind. Wechselwilligkeit ist hier im Zweifel nicht mehr als gesellschaftlich erwünschtes Antwortverhalten, denn was hält die 20 Prozent vom Wechsel ab? Zwischen dem Verbraucher und einem neuen Anbieter steht ja nur 1x Stromzähler ablesen und das Ausfüllen eines Formulars (was man meist sehr einfach online erledigen kann). Dennoch sagen 70 Prozent, der Beitrag des Einzelnen sei wichtig. 60 Prozent finden Menschen interessant, die mit ihren Taten die Welt ein wenig besser machen. "Ob soziales Engagement im Verein (64 Prozent), Müll trennen und Energie sparen (57 Prozent), Fair Trade Produkte kaufen (40 Prozent) oder Ökoenergie beziehen (39 Prozent) – es geht um die kleinen Heldentaten im Alltag. Immer gefragter sind Ökostrom und Ökogas. Im ersten halben Jahr achteten einer Verivox-Analyse zufolge fast zwei Drittel beim Anbieterwechsel auf ökologisch erzeugten Strom oder legten bei ihrer Angebotsrecherche Wert darauf", so die Pressemitteilung von Polarstern. Hier wird ein Ökostrom-Hype ausgerufen, der gar nicht existiert. Was heißt denn bitte, "auf ökologisch erzeugten Strom achten"??? Ich lasse mir die Angebote anzeigen und wechsele dann doch zum günstigsten Atomstromanbieter??? Denn, erinnern wir uns: 18 Prozent der Befragten beziehen tatsächlich Ökostrom. Eines zeigt diese nette PR-Umfrage allemal: Mit solchen Selbstbeweihräucherungstaktiken wiegen wir uns in falschem Fortschrittselan. Denn 82 Prozent sind eine ganz schön große Mehrheit ... Begnügen wir uns also nicht damit, uns an "Heldentaten des Alltags" zu erfreuen und uns im Sessel zurückzulehnen ... Und nur damit hier kein falscher Eindruck entsteht: All die Studien zu Arbeitszufrieden- und -unzufriedenheit, zu Motivation, Burn-out und ähnlichen Themen kranken oft an ähnlichen Schwächen wie diese Umfrage hier.
Pressemitteilung Polarstern


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Zufriedener als gedacht 
Freitag, 7. Oktober 2011 - Studien
Sind wir so glücklich, dass wir es gar nicht merken? Die Studien, in denen die Unzufriedenheit der Deutschen zum Thema gemacht wird, sind Legende - über viele davon habe ich auf diesem Blog in den letzten Wochen berichtet. Fragt man sie hingegen nach ihrem Glück, sieht die Sache ganz anders aus. Im Auftrag der Post entwickelten das Institut für Demoskopie Allensbach und das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg einen Glücksatlas. Auf einer Skala von 0 (völlig unzufrieden) bis 10 (totale Glückseligkeit) sind die Deutschen mit 7 so glücklich wie zuletzt 2001. Daraus schließen die Studienautoren, dass die Wirtschaftskrise sich kaum auf die Stimmung der Deutschen auswirke. Doch das Glück hat Risse, denn wer mit dem Job nicht zufrieden ist oder erst gar keinen hat, dümpelt auf der Glücksskala vor sich hin. 90 Prozent der Berufstätigen ist ihre Arbeit wichtig bis sehr wichtig. Wer mit der Arbeit zufrieden ist, ist auch mit dem Rest seines Lebens eher im Einklang. So erreichen die Erwerbstätigen auf dem Glücksindex 7,1, während Arbeitlose bei 4,7 hängen bleiben.
Was einen glücklichen Deutschen ausmacht, Spiegel online 20.9.11

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Zwischen Burn-out und Bore-out 
Dienstag, 4. Oktober 2011 - Studien
Viele Unternehmen tun sich schwer damit, ihre Mitarbeiter mit den für sie richtigen Aufgaben zu betrauen. So zeigt eine Erhebung der Deutschen Universität für Weiterbildung zum Kompetenz- und Talentmanagement, für die 1.000 Erwerbstätige befragt wurden, dass die Diskrepanzen groß sind. Elf Prozent der Befragten fühlen sich im Job unterfordert, weitere elf Prozent überfordert. Unter den Unterforderten wünschen sich fast 50 Prozent mehr Verantwortung und 37 Prozent mehr Abwechslung. Jeder dritte Überforderte hingegen wünscht sich mehr Routine, ein weiteres Drittel würde gerne Verantwortung abgeben. 73 Prozent der Überforderten leiden unter einem zu hohen Arbeitspensum.
Jeder fünfte Mitarbeiter fühlt sich fehl am Platz, Spiegel online 15.9.11

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Ungleiche Bezahlung auch Resultat von Diskriminierung 
Freitag, 30. September 2011 - Studien
Frauen verdienen in Deutschland etwa 23 Prozent weniger als Männer. In verschiedenen Studien wird diese Diskrepanz auf die häufig schlechter zahlenden Branchen, in denen Frauen beschäftigt sind, auf ihre geringere Arbeitszeit oder auch auf Erwerbsbiographien mit Lücken zurückgeführt. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut hat diese Faktoren nun herausgerechnet und kommt zu dem Schluss, dass bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter und Beruf immer noch eine Gehaltslücke von etwa zwölf Prozent bleibe, die auf Diskriminierung zurückgeführt werde. Um diesen "Gender Pay Gap" zu überwinden, hat das Bundesfamilienministerium nun ein Programm für Lohngleichheit im Betrieb entwickelt, mit dem sich Lohnstrukturen in Unternehmen analysieren lassen, um Entgeltunterschiede transparent zu machen. Bei den ersten Unternehmen, die die Software getestet haben, traten Gehaltsunterschiede von zwei bis neun Prozent zutage. In der Schweiz wird das Verfahren bereits seit 2006 genutzt und Firmen müssen bei der Bewerbung um öffentliche Aufträge nachweisen, dass es bei ihnen keine Ungleichheit bei der Bezahlung gibt.
Kampf der Lohnlücke, SZ 16.9.11

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Industrienationen im Motivationsloch 
Donnerstag, 29. September 2011 - Studien
Im weltweiten Motivationsvergleich bleiben die klassischen Industrienationen deutlich hinter den aufstrebenden Volkswirtschaften zurück. Die Management-Beratung Kienbaum erstellte gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen ORC International einen Mitarbeiter-Engagement-Index. Am höchsten motiviert sind demzufolge die Inder mit 74 Punkten, gefolgt von China mit 67 und Brasilien mit 64 Punkten. Die Deutschen liegen mit einem Wert von 57 auf Platz 9 und damit im Mittelfeld. Schlusslicht bildet Japan mit lediglich 41 Punkten. Wichtige Kritikpunkte der Deutschen: ein zu geringes Gehalt, fehlende Anerkennung und Unterstützung vom Chef und zu wenig Fairness und Respekt.
Fleißige Inder, faule Japaner, WiWo 16.9.11

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