Selbstständigkeit oft ein finanzieller Überlebenskampf 
Donnerstag, 27. Oktober 2011 - Arbeit
Die taz betrachtet in einem Beitrag die zum Teil niederschmetternde Situation von Selbstständigen. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn hat sich die Zahl der Aufstocker unter den Selbstständigen zwischen 2005 und 2010 verdreifacht auf heute 127.000. Mehr als ein Viertel der Selbstständigen kam 2010 auf ein Nettoeinkommen unterhalb von 1.100 Euro, sieben Prozent verdienten sogar weniger als 500 Euro. Vor allem Frauen, Einzelunternehmer und Selbstständige in kreativen Berufen gehören zu den Geringverdienern.
Von wegen Mittelstand, taz 16.10.11

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Flow ist leichter als man denkt 
Donnerstag, 20. Oktober 2011 - Arbeit
Der Managementtrainer Gerhard Huhn erklärt im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass Flow, das Glücksgefühl, das sich einstellt, wenn man mit dem, was man tut, im Einklang ist, für jeden Menschen lernbar ist. Huhn zufolge ist es egal, was man tut. Lediglich ein paar Randparameter müssen stimmen. So ist Multitasking in den Augen des Beraters der Feind des Flows, denn nur wenn man Zeit hat, sich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren, kommt man wirklich in den Fluss. Langeweile oder Überforderung sind ebenfalls kontraproduktiv, denn beide Emotionen bauen Widerstände gegenüber dem eigenen Tun auf. Huhns Rat an Arbeitgeber: "Als Erstes müssten die Führungskräfte umdenken. Ziele werden zu häufig geändert, oder der Chef erkennt nicht, wer unter- oder überfordert ist. Vorbildliche Unternehmen räumen ihren Angestellten bestimmte Zeiten ein, in denen sie sich ganz ungestört ihrer Arbeit widmen können. Alles zu kontrollieren, Druck und Angst zu erzeugen, hat eher dazu geführt, dass immer weniger Flow möglich ist."
"Flow kann man lernen", SZ 8.10.11

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Sich weiter entwickeln wollen 
Mittwoch, 19. Oktober 2011 - Arbeit
In einem Interview mit Spiegel online erklärt Buchautorin Bettina Wündrich, warum viele Frauen vor einer konsequenten Karriere zurückschrecken. Die Medienfrau, die mehr als 20 Jahre im Verlagswesen in Führungspositionen aktiv war und seit zwei Jahren selbstständig ist, erkennt bei vielen Frauen einen Hang zur Selbstbeschränkung. Überstunden, Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit und Ellbogen-Mentalität sind laut Wündrich nach wie vor für viele Frauen ein guter Grund, keine exponierten Positionen anzustreben. Sie selbst plädiert hingegen dafür, auch die positiven Seiten der Karriere bewusster wahrzunehmen: "Man muss auch mal mit dem ganzen Karrierethema anders umgehen. Es geht ja nicht nur ums Hartsein und Entscheidungen fällen. Es geht auch darum, Gestalter des eigenen Lebens zu sein. Und das ist großartig. ... Ich habe das Bedürfnis, etwas zu tun, für das ich brenne. Und mich selbst zu fordern, auszuprobieren, an meinen Schwächen zu arbeiten: Mein Weg ist da, wo die Angst sitzt. Und natürlich Ehrgeiz. Ich versteh' gar nicht, warum diese Eigenschaft so negativ besetzt ist. Ehrgeiz bedeutet doch einen starken Drang, sich weiterzuentwickeln." An dieser Einschätzung ist natürlich viel dran, aber: Die in den letzten Wochen exorbitant gewachsene Diskussion über das Thema Burn-out und zahllose Studien zu den Systemzwängen im Business illustrieren auch, dass die von Wündrich erwähnten Gestaltungsfreiheiten oft kaum vorhanden sind. Und dann bedeutet Karriere oft auch Selbstaufgabe oder der Kampf gegen Windmühlenflügel. Ich finde es ansatzweise sogar gefährlich, immer wieder auf der individuellen Schiene zu argumentieren, denn das lenkt von der Frage ab, wie sich das Wirtschaftssystem insgesamt verändern müsste, um menschlicher zu werden. Gegen Einsatz und Ehrgeiz ist nichts einzuwenden, aber oft werden diese von Arbeitgebern nur allzu leicht missbraucht.
"Männer zu Erziehungsurlaub verdonnern", Spiegel online 7.10.11

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Bilanz zum Gemeinwohl 
Dienstag, 18. Oktober 2011 - Arbeit
Die taz berichtet über eine neue Unternehmensinitiative, die sich gezielt mit der Bilanzierung der gesellschaftlichen Auswirkungen unternehmerischen Handelns auseinandersetzt. Angeregt durch die von Attac-Österreich-Mitbegründer Christian Felber entwickelte Idee der Gemeinwohlbilanz wollen neun Unternehmen aus Süddeutschland künftig genau solche Bilanzen erstellen. Ein Bewertungssystem mit 18 Aspekten, darunter Kohlendioxidausstoß in der Produktion, Gehaltsunterschiede zwischen Management und Mitarbeitern oder Familienfreundlichkeit wird bei der Bilanzierung zugrunde gelegt. Punktabzüge gibt es beispielsweise für die Verletzung von Arbeitsnormen, die Standortverlagerung zur Gewinnmaximierung oder Verstöße gegen Umweltauflagen. Die Bilanzen sollen von externen Auditoren geprüft werden. Rund 100 Betrieb aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben bereits angekündigt, sich zu beteiligen. Die Mitmacher verstehen die neue Form der Bilanzierung als Transformationsmodell, das langfristig dabei hilft, die Rahmenbedingungen in der Wirtschaft konstruktiv zu verbessern.
Bilanz für Nachhaltigkeit statt Rendite, taz 6.10.11
Informationen zur Gemeinwohlbilanz

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Krise des Systems 
Montag, 17. Oktober 2011 - Arbeit
Der Rücktritt von Fußballtrainer Ralf Rangnick in Folge eines Burn-outs hat in den Medien eine neue Lawine von Berichten zur Folge gehabt. Die Zeit wiederum kritisiert nun in einem Kommentar, dass Erschöpfung aufgrund zu hoher Arbeitsbelastung nach wie vor als individualisiertes Phänomen betrachtet werde und nicht als grundlegende Schwäche des Gesellschafts- und Arbeitssystems. "Statt Volkskrankheit müsste man Systemkrankheit sagen, und das klänge sogleich nach Revolution, nach den richtig dicken Brettern der Kapitalismuskritik, nach Demonstrationen und Nasswerden, nach einem retardierenden Moment in Zeiten von Beschleunigung und Fortschritt, wo doch alles gerade wie geschmiert läuft in Deutschland", moniert Autor David Hugendick. Der wunde Punkt: Für systemische Probleme werde nach wie vor nach individuellen Lösungen gesucht. Dem Einzelnen werden Mittel an die Hand gegeben, um sich besser zu entspannen, die eigene Work-Life-Balance besser zu planen oder Krankheiten zu vermeiden. Die grundlegenden Rahmenbedingungen in Unternehmen und der Arbeitswelt, die grundsätzliche Beschleunigung der Lebensverhältnisse hingegen erfahren nach wie vor eher kaum Kritik, so dass letztlich das Individuum zur Selbstverantwortung aufgerufen wird, um nicht unter die Räder zu geraten. Eine Selbstverantwortung, die nur allzu oft an den Grenzen des Systems scheitert, ja scheitern muss.
Nein, wir können nicht mehr! Die Zeit 5.10.11

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IG Metall fordert gezielte Stressprävention 
Donnerstag, 13. Oktober 2011 - Arbeit
Die IG Metal springt mit der Forderung in die Bresche, den geltenden Arbeitsschutz auch auf das Themenfeld der Stressbelastungen auszudehnen. In einer Blitzumfrage unter 4.000 Betriebsräten hatte die Gewerkschaft akute Problemlagen eruiert. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass in ihren Unternehmen eine starke oder sogar sehr starke Zunahme von psychischen Erkrankungen zu verzeichnen sei. 69 Prozent bemängeln fehlende oder unzureichende Hilfen für Erkrankte und 73 Prozent fordern mehr Gesundheitsschutz. 68 Prozent melden zudem, dass seit der Krise Stress und Leistungsdruck in den Unternehmen erheblich gestiegen seien. Die Behandlungskosten für psychische Erkrankungen belaufen sich jährlich auf etwa 27 Milliarden Euro, der Produktionsausfall liegt bei 26 Milliarden Euro. Die IG Metall fordert nun, ähnlich wie in Frankreich, Italien und einigen skandinavischen Ländern Vorschriften zum Arbeitsschutz gegen Stress zu erlassen und so die Arbeitnehmer vor überlangen Arbeitszeiten, Über- oder Unterforderung, schlechtem Führungsverhalten durch Vorgesetzte oder auch einem zu hohen Arbeitspensum zu schützen.
"Hier tickt eine gesellschaftliche Zeitbombe" SZ 27.9.11

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Manager sahnen ab, der Staat schaut in die Röhre 
Mittwoch, 7. September 2011 - Arbeit
Eine US-Studie heizt die Diskussion um die Gehälter von Top-Managern erneut an. Das Washingtoner Institute for Policy Studies stellt ins einer Untersuchung fest, dass 25 der 100 höchbezahlten Manager in den USA ein höheres Gehalt erhalten, als ihre Arbeitgeber Steuern an den Bund zahlen. Betrachtet wurden lediglich die laufenden Ertragssteuern, die Steuern im Ausland, die an den Bundesstaat zu zahlen sind und an die Kommunen, wurden bei der Berechnung ausgeklammert. So flossen an den Boeing-Chef 13,8 Millionen Dollar Salär, während der Staat sich lediglich über 13 Millionen Dollar freuen konnte. Besonders drastisch fiel das Beispiel General Electric aus: Der CEO erhielt 15,2 Millionen Dollar, während GE zugleich eine Steuerrückzahlung von mehr als 3,3 Milliarden Euro verbuchte. Schuld an solchen Schieflagen sind die zahlreichen Schlupflöcher in der Steuergesetzgebung, die es vor allem Großkonzernen erleichtern, Bundessteuern zu vermeiden.
US-Firmen zahlen Chefs mehr als dem Staat, HB 31.8.11

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Scheuklappen vorprogrammiert 
Dienstag, 6. September 2011 - Arbeit
Die Süddeutsche Zeitung kritisiert in einem Kommentar, wie der "Tempowahn" des deutschen Bildungssystems die heutige Studentengeneration zu einer "Generation der Lebenslauf-Optimierer" mache. Turbo-Abi und Bachelor-Studium seien so eng getaktet, dass für Erfahrungen außerhalb der Lehrpläne, beispielsweise für längere Auslandsaufenthalte, kaum noch Raum bleibe. Und viele angehende Arbeitnehmer nehmen während ihrer Ausbildung die angenommenen Anforderungen ihrer späteren Arbeitgeber bereits vorweg, folgen strengen Bahnen und passen sich an. Scheuklappen sind da schon vorprogrammiert.
Generation der Lebenslauf-Optimierer, SZ 26.8.11

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