IG Metall fordert gezielte Stressprävention 
Donnerstag, 13. Oktober 2011 - Arbeit
Die IG Metal springt mit der Forderung in die Bresche, den geltenden Arbeitsschutz auch auf das Themenfeld der Stressbelastungen auszudehnen. In einer Blitzumfrage unter 4.000 Betriebsräten hatte die Gewerkschaft akute Problemlagen eruiert. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass in ihren Unternehmen eine starke oder sogar sehr starke Zunahme von psychischen Erkrankungen zu verzeichnen sei. 69 Prozent bemängeln fehlende oder unzureichende Hilfen für Erkrankte und 73 Prozent fordern mehr Gesundheitsschutz. 68 Prozent melden zudem, dass seit der Krise Stress und Leistungsdruck in den Unternehmen erheblich gestiegen seien. Die Behandlungskosten für psychische Erkrankungen belaufen sich jährlich auf etwa 27 Milliarden Euro, der Produktionsausfall liegt bei 26 Milliarden Euro. Die IG Metall fordert nun, ähnlich wie in Frankreich, Italien und einigen skandinavischen Ländern Vorschriften zum Arbeitsschutz gegen Stress zu erlassen und so die Arbeitnehmer vor überlangen Arbeitszeiten, Über- oder Unterforderung, schlechtem Führungsverhalten durch Vorgesetzte oder auch einem zu hohen Arbeitspensum zu schützen.
"Hier tickt eine gesellschaftliche Zeitbombe" SZ 27.9.11

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Zwischen Pragmatismus und Dogmatismus 
Mittwoch, 12. Oktober 2011 - sonstiges
Die taz lässt in einem spannenden Dialog die Initiatorin des Projekts Halbzeitvegetarier Katharina Rimpler und den überzeugten Veganer Christian Vagedes darüber diskutieren, welcher Weg sinnvoll ist, um Menschen zu einer Veränderung ihres Ernährungsverhaltens - und damit zu einer Minimierung der schädlichen Auswirkungen desselben auf die Welternährungslage und ökologische Aspekte - zu bewegen. Rimpeler, die selbst auf den Genuss von Fleisch verzichtet, geht davon aus, dass eine eher dogmatische Alle-oder-Nichts-Forderung, nämlich die Forderung eines hundertprozentigen Verzichts auf tierische Produkte, eher abschreckende Wirkung hat, da Menschen eher dazu neigen, ihr Verhalten langsam und im Rahmen kontinuierlicher Lernprozesse zu verändern. Vagedes hingegen betrachtet diese Perspektive eher als Halbheit und setzt auf hundertprozentiges Commitment. Er betrachtet den eher legeren Umgang mit dem Thema als grundlegend falsches Signal. Ich finde an dem Beitrag spannend, wie Rimpeler - aus meiner Sicht sehr treffend - beschreibt, dass man sich so großen Entscheidungen wie dem Fleischverzicht auch in kleinen Schritten annähern kann. Sicherlich haben manche Menschen ein initiales Erlebnis oder eine Erkenntnis, die es ihnen leicht macht, ihr Leben von hier auf jetzt um 180 Grad zu wenden. Aber häufig sind es gerade die - auch selbstauferlegten - Verbote, die uns mental in die Enge treiben. Ein "nie wieder" wirkt da leicht blockierend und mobilisiert unseren Widerstand. Mein persönliches Fazit: Auch kleine Schritte in die richtige Richtung sind ein wichtiger Beitrag.
"Man muss einen Cut machen!" taz 25.9.11

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Psychopathen an der Börse 
Dienstag, 11. Oktober 2011 - Studien
Wir haben es schon immer geahnt - um an der Börse erfolgreich zu spekulieren, ist eine gewisse Skrupellosigkeit hilfreich. Eine Studie der Schweizer Forensiker Thomas oll (der das größte Schweizer Gefängnis leitet) und Pascal Scherrer zeigt, dass Trader sogar egoistischer handeln als Psychopathen. Die Forscher verglichen das Verhalten von 27 Tradern mit 24 Psychopathen aus deutschen Hochsicherheitskliniken und 24 als gesundheitlich "normal" klassifizierten Menschen. Im Rahmen des Zwei-Personen-Nullsummenspiels "Gefangenendilemma" konnten die Untersuchungsteilnehmer entweder auf Kooperation setzen (so dass beide Spieler profitieren, was aber Vertrauen voraussetzt) oder auf den eigenen Vorteil setzen, was potentiell höhere Gewinne bringt, aber auch ein höheres Risiko beinhaltet. Das ernüchternde Ergebnis: Im Test zeigten sich die Börsenhändler deutlich egoistischer als die Psychopathen. Von 40 Entscheidungen waren bei ihnen 12 unkooperativ, bei den Psychopathen 4,4 und bei der Kontrollgruppe 0,2. Im Schnitt lag der Gewinn der Trader höher als der der anderen Spieler, jedoch blieben sie in ihren Ergebnissen hinter den Psychopathen zurück. Die Untersuchung zeigt: Rücksichtsloses Konkurrenzdenken zeitigt nicht die besten Ergebnisse - und die Vorstellung eines Homo oeconomicus, der rational nach einem für sich guten Ergebnis sucht, bröckelt, denn nüchtern betrachtet, verspricht das Prinzip der Kooperation, wie der Test untermauert hat, deutlich bessere Ergebnisse.
Zocken Psychopathen an der Börse? Telepolis 26.9.11

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Kleine Heldentaten im Alltag 
Montag, 10. Oktober 2011 - Studien
Nachdem ich in den letzten Wochen ja wieder fleißig Studien rezipiert habe, stelle ich mir mal wieder die Sinnfrage. Wer hier im Blog aufmerksam liest, hat sicherlich auch schon festgestellt, dass Erhebungen, die meist von Firmen im Zuge des eigenen Agenda-Settings erstellt werden, zutiefst subjektiv gefärbt sind und meist auch gar nicht offen kommunizieren, welche Fragen eigentlich gestellt wurden. Eine verheißungsvolle Umfrage des Ökostrom-Anbieters Polarstern bringt mich nun richtig zum Schmunzeln. Hier heißt es, dass im Hinblick auf die Energiewende 70 Prozent der Deutschen sich nicht auf die Politik verlassen, sondern auf persönliches Engagement setzen. Immerhin 18 Prozent der befragten Haushalte beziehen bereits Ökostrom, 20 Prozent planen nach eigenen Angaben den Wechsel. Was sagt uns das? Nun ja, dass 18 Prozent es ernst meinen - und die 50 Prozent Diskrepanz eher dem Reich der Luftnummern zuzuordnen sind. Wechselwilligkeit ist hier im Zweifel nicht mehr als gesellschaftlich erwünschtes Antwortverhalten, denn was hält die 20 Prozent vom Wechsel ab? Zwischen dem Verbraucher und einem neuen Anbieter steht ja nur 1x Stromzähler ablesen und das Ausfüllen eines Formulars (was man meist sehr einfach online erledigen kann). Dennoch sagen 70 Prozent, der Beitrag des Einzelnen sei wichtig. 60 Prozent finden Menschen interessant, die mit ihren Taten die Welt ein wenig besser machen. "Ob soziales Engagement im Verein (64 Prozent), Müll trennen und Energie sparen (57 Prozent), Fair Trade Produkte kaufen (40 Prozent) oder Ökoenergie beziehen (39 Prozent) – es geht um die kleinen Heldentaten im Alltag. Immer gefragter sind Ökostrom und Ökogas. Im ersten halben Jahr achteten einer Verivox-Analyse zufolge fast zwei Drittel beim Anbieterwechsel auf ökologisch erzeugten Strom oder legten bei ihrer Angebotsrecherche Wert darauf", so die Pressemitteilung von Polarstern. Hier wird ein Ökostrom-Hype ausgerufen, der gar nicht existiert. Was heißt denn bitte, "auf ökologisch erzeugten Strom achten"??? Ich lasse mir die Angebote anzeigen und wechsele dann doch zum günstigsten Atomstromanbieter??? Denn, erinnern wir uns: 18 Prozent der Befragten beziehen tatsächlich Ökostrom. Eines zeigt diese nette PR-Umfrage allemal: Mit solchen Selbstbeweihräucherungstaktiken wiegen wir uns in falschem Fortschrittselan. Denn 82 Prozent sind eine ganz schön große Mehrheit ... Begnügen wir uns also nicht damit, uns an "Heldentaten des Alltags" zu erfreuen und uns im Sessel zurückzulehnen ... Und nur damit hier kein falscher Eindruck entsteht: All die Studien zu Arbeitszufrieden- und -unzufriedenheit, zu Motivation, Burn-out und ähnlichen Themen kranken oft an ähnlichen Schwächen wie diese Umfrage hier.
Pressemitteilung Polarstern


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Zufriedener als gedacht 
Freitag, 7. Oktober 2011 - Studien
Sind wir so glücklich, dass wir es gar nicht merken? Die Studien, in denen die Unzufriedenheit der Deutschen zum Thema gemacht wird, sind Legende - über viele davon habe ich auf diesem Blog in den letzten Wochen berichtet. Fragt man sie hingegen nach ihrem Glück, sieht die Sache ganz anders aus. Im Auftrag der Post entwickelten das Institut für Demoskopie Allensbach und das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg einen Glücksatlas. Auf einer Skala von 0 (völlig unzufrieden) bis 10 (totale Glückseligkeit) sind die Deutschen mit 7 so glücklich wie zuletzt 2001. Daraus schließen die Studienautoren, dass die Wirtschaftskrise sich kaum auf die Stimmung der Deutschen auswirke. Doch das Glück hat Risse, denn wer mit dem Job nicht zufrieden ist oder erst gar keinen hat, dümpelt auf der Glücksskala vor sich hin. 90 Prozent der Berufstätigen ist ihre Arbeit wichtig bis sehr wichtig. Wer mit der Arbeit zufrieden ist, ist auch mit dem Rest seines Lebens eher im Einklang. So erreichen die Erwerbstätigen auf dem Glücksindex 7,1, während Arbeitlose bei 4,7 hängen bleiben.
Was einen glücklichen Deutschen ausmacht, Spiegel online 20.9.11

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Auslaufmodell Demokratie? 
Donnerstag, 6. Oktober 2011 - Bücher
Bürgerproteste, geringe Wahlbeteiligungen und eine in täglichen Umfragen dokumentierte wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung zeigen: Mit unserem System scheint einiges nicht zu stimmen. Doch woran es in der Gesellschaft hakt, darüber scheiden sich die Geister. FAZ-Redakteur Laslo Trankovits beispielsweise prescht mit seinem Buch "Weniger Demokratie wagen!" vor und vertritt die Ansicht, dass zu viel Bürgerbeteiligung das Staatswesen lähmt. Er fordert laut einem Bericht von German-Foreign-Policy.com mehr Zentralisierung, Machtkonzentration und Kontrolle, denn Mitbestimmung untergrabe die Effizienz von Staat und Wirtschaft. Trankovits meint, die Eliten sollten sich klar zu Kapitalismus und Profit bekennen und die Vermittlung politischer Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung bedürfe intelligenter Formen der PR. Kein Wunder, dass China da zum positiven Beispiel mutiert, wenn demokratische Teilhabe plötzlich ein Hindernis sein soll.
Weniger Demokratie wagen, German-Foreign-Policy.com 20.9.11

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Es muss nicht alles perfekt sein 
Mittwoch, 5. Oktober 2011 - Management
Das Pareto-Prinzip erklärt uns, warum Perfektionismus oft nicht nur ein beschwerlicher Weg ist, sondern uns sogar unnötige Ressourcen kostet. Meist erreichen wir mit 20 Prozent Aufwand 80 Prozent eines gewünschten Ergebnisses - die restlichen 20 Prozent auf dem Weg zur Vollkommenheit kosten uns dann hingegen 80 Prozent Energie. Allein deshalb ist es häufig strategisch unklug, immer die 100 Prozent vollmachen zu wollen. In einem Artikel über die Perfektionismusfalle geht Jochen Mai von der Wirtschaftswoche unserem Perfektionismuswahn auf den Grund. Er ist - natürlich - nicht zuletzt auch ein typisch deutsches Phänomen. Wo Amerikaner sich über 80 Prozent freuen, fragt sich der Deutsche bei 98 Prozent, warum es mit den fehlenden zwei Prozent nicht geklappt hat. Diese Kompromisslosigkeit führt im Tagesgeschäft dann leicht zu Verbissenheit, Kontrollwut und Rechthaberei, denn auf der Suche nach dem, was noch fehlt, verfallen wir in einen Tunnelblick. Wer ständig auf dem, was noch nicht perfekt ist, rumreitet, düpiert Kollegen und Mitarbeiter, macht sich selbst unbeliebt und andere unzufrieden und lähmt letztlich das Unternehmen. 80 Prozent als Ziel in Erwägung zu ziehen, bedeutet nicht, sich mit Halbheiten zufrieden zu geben, denn die gebotenen 80 Prozent müssen am Markt natürlich als echter Mehrwert wahrgenommen werden. Wer hingegen auf Biegen und Brechen an den 20 Prozent feilt, wird nur allzu leicht von der Konkurrenz, die sich schneller traut, abgehängt. Unter dem Strich könnte ein bisschen mehr Entspanntheit also ganz gut tun - vielleicht auch deshalb, weil jenseits der Verbissenheit meist die besseren Ideen keimen und so die 100 Prozent vielleicht fast von allein greifbar werden.
Raus aus der Perfektionismusfalle, WiWo 16.9.11

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Zwischen Burn-out und Bore-out 
Dienstag, 4. Oktober 2011 - Studien
Viele Unternehmen tun sich schwer damit, ihre Mitarbeiter mit den für sie richtigen Aufgaben zu betrauen. So zeigt eine Erhebung der Deutschen Universität für Weiterbildung zum Kompetenz- und Talentmanagement, für die 1.000 Erwerbstätige befragt wurden, dass die Diskrepanzen groß sind. Elf Prozent der Befragten fühlen sich im Job unterfordert, weitere elf Prozent überfordert. Unter den Unterforderten wünschen sich fast 50 Prozent mehr Verantwortung und 37 Prozent mehr Abwechslung. Jeder dritte Überforderte hingegen wünscht sich mehr Routine, ein weiteres Drittel würde gerne Verantwortung abgeben. 73 Prozent der Überforderten leiden unter einem zu hohen Arbeitspensum.
Jeder fünfte Mitarbeiter fühlt sich fehl am Platz, Spiegel online 15.9.11

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