Flow ist leichter als man denkt 
Donnerstag, 20. Oktober 2011 - Arbeit
Der Managementtrainer Gerhard Huhn erklärt im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass Flow, das Glücksgefühl, das sich einstellt, wenn man mit dem, was man tut, im Einklang ist, für jeden Menschen lernbar ist. Huhn zufolge ist es egal, was man tut. Lediglich ein paar Randparameter müssen stimmen. So ist Multitasking in den Augen des Beraters der Feind des Flows, denn nur wenn man Zeit hat, sich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren, kommt man wirklich in den Fluss. Langeweile oder Überforderung sind ebenfalls kontraproduktiv, denn beide Emotionen bauen Widerstände gegenüber dem eigenen Tun auf. Huhns Rat an Arbeitgeber: "Als Erstes müssten die Führungskräfte umdenken. Ziele werden zu häufig geändert, oder der Chef erkennt nicht, wer unter- oder überfordert ist. Vorbildliche Unternehmen räumen ihren Angestellten bestimmte Zeiten ein, in denen sie sich ganz ungestört ihrer Arbeit widmen können. Alles zu kontrollieren, Druck und Angst zu erzeugen, hat eher dazu geführt, dass immer weniger Flow möglich ist."
"Flow kann man lernen", SZ 8.10.11

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Sich weiter entwickeln wollen 
Mittwoch, 19. Oktober 2011 - Arbeit
In einem Interview mit Spiegel online erklärt Buchautorin Bettina Wündrich, warum viele Frauen vor einer konsequenten Karriere zurückschrecken. Die Medienfrau, die mehr als 20 Jahre im Verlagswesen in Führungspositionen aktiv war und seit zwei Jahren selbstständig ist, erkennt bei vielen Frauen einen Hang zur Selbstbeschränkung. Überstunden, Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit und Ellbogen-Mentalität sind laut Wündrich nach wie vor für viele Frauen ein guter Grund, keine exponierten Positionen anzustreben. Sie selbst plädiert hingegen dafür, auch die positiven Seiten der Karriere bewusster wahrzunehmen: "Man muss auch mal mit dem ganzen Karrierethema anders umgehen. Es geht ja nicht nur ums Hartsein und Entscheidungen fällen. Es geht auch darum, Gestalter des eigenen Lebens zu sein. Und das ist großartig. ... Ich habe das Bedürfnis, etwas zu tun, für das ich brenne. Und mich selbst zu fordern, auszuprobieren, an meinen Schwächen zu arbeiten: Mein Weg ist da, wo die Angst sitzt. Und natürlich Ehrgeiz. Ich versteh' gar nicht, warum diese Eigenschaft so negativ besetzt ist. Ehrgeiz bedeutet doch einen starken Drang, sich weiterzuentwickeln." An dieser Einschätzung ist natürlich viel dran, aber: Die in den letzten Wochen exorbitant gewachsene Diskussion über das Thema Burn-out und zahllose Studien zu den Systemzwängen im Business illustrieren auch, dass die von Wündrich erwähnten Gestaltungsfreiheiten oft kaum vorhanden sind. Und dann bedeutet Karriere oft auch Selbstaufgabe oder der Kampf gegen Windmühlenflügel. Ich finde es ansatzweise sogar gefährlich, immer wieder auf der individuellen Schiene zu argumentieren, denn das lenkt von der Frage ab, wie sich das Wirtschaftssystem insgesamt verändern müsste, um menschlicher zu werden. Gegen Einsatz und Ehrgeiz ist nichts einzuwenden, aber oft werden diese von Arbeitgebern nur allzu leicht missbraucht.
"Männer zu Erziehungsurlaub verdonnern", Spiegel online 7.10.11

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Bilanz zum Gemeinwohl 
Dienstag, 18. Oktober 2011 - Arbeit
Die taz berichtet über eine neue Unternehmensinitiative, die sich gezielt mit der Bilanzierung der gesellschaftlichen Auswirkungen unternehmerischen Handelns auseinandersetzt. Angeregt durch die von Attac-Österreich-Mitbegründer Christian Felber entwickelte Idee der Gemeinwohlbilanz wollen neun Unternehmen aus Süddeutschland künftig genau solche Bilanzen erstellen. Ein Bewertungssystem mit 18 Aspekten, darunter Kohlendioxidausstoß in der Produktion, Gehaltsunterschiede zwischen Management und Mitarbeitern oder Familienfreundlichkeit wird bei der Bilanzierung zugrunde gelegt. Punktabzüge gibt es beispielsweise für die Verletzung von Arbeitsnormen, die Standortverlagerung zur Gewinnmaximierung oder Verstöße gegen Umweltauflagen. Die Bilanzen sollen von externen Auditoren geprüft werden. Rund 100 Betrieb aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben bereits angekündigt, sich zu beteiligen. Die Mitmacher verstehen die neue Form der Bilanzierung als Transformationsmodell, das langfristig dabei hilft, die Rahmenbedingungen in der Wirtschaft konstruktiv zu verbessern.
Bilanz für Nachhaltigkeit statt Rendite, taz 6.10.11
Informationen zur Gemeinwohlbilanz

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Krise des Systems 
Montag, 17. Oktober 2011 - Arbeit
Der Rücktritt von Fußballtrainer Ralf Rangnick in Folge eines Burn-outs hat in den Medien eine neue Lawine von Berichten zur Folge gehabt. Die Zeit wiederum kritisiert nun in einem Kommentar, dass Erschöpfung aufgrund zu hoher Arbeitsbelastung nach wie vor als individualisiertes Phänomen betrachtet werde und nicht als grundlegende Schwäche des Gesellschafts- und Arbeitssystems. "Statt Volkskrankheit müsste man Systemkrankheit sagen, und das klänge sogleich nach Revolution, nach den richtig dicken Brettern der Kapitalismuskritik, nach Demonstrationen und Nasswerden, nach einem retardierenden Moment in Zeiten von Beschleunigung und Fortschritt, wo doch alles gerade wie geschmiert läuft in Deutschland", moniert Autor David Hugendick. Der wunde Punkt: Für systemische Probleme werde nach wie vor nach individuellen Lösungen gesucht. Dem Einzelnen werden Mittel an die Hand gegeben, um sich besser zu entspannen, die eigene Work-Life-Balance besser zu planen oder Krankheiten zu vermeiden. Die grundlegenden Rahmenbedingungen in Unternehmen und der Arbeitswelt, die grundsätzliche Beschleunigung der Lebensverhältnisse hingegen erfahren nach wie vor eher kaum Kritik, so dass letztlich das Individuum zur Selbstverantwortung aufgerufen wird, um nicht unter die Räder zu geraten. Eine Selbstverantwortung, die nur allzu oft an den Grenzen des Systems scheitert, ja scheitern muss.
Nein, wir können nicht mehr! Die Zeit 5.10.11

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Verunsicherung hemmt Zufriedenheit 
Freitag, 14. Oktober 2011 - Studien
Stefan Bergheim, Gründer des Zentrums für gesellschaftlichen Fortschritt, hat eine neue Studie vorgelegt, in der er auf die Bedeutung des subjektiven Sicherheitsempfindens für die Lebenszufriedenheit eingeht. Bergheim diagnostiziert neben objektiven Unsicherheitsfaktoren wie prekären Beschäftigungsverhältnissen ein "Gefühl diffuser Bedrohung", das beispielsweise durch die Angst, den eigenen Status nicht halten zu können, hervorgerufen werde. Charakteristisch für die Selbstwahrnehmung vieler Deutscher sei dabei, dass dieses Gefühl auch bei Menschen auftritt, die in formal gesicherten Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind und in einem finanziell stabilen Haushaltskontext leben. Die allgemeinen Veränderungen der Arbeitswelt, der Wandel des Sozialstaates (und damit verbunden ein wahrgenommener Abbau sozialstaatlicher Fürsorge) sowie wachsende Einkommensspreizungen nähren dieses Gefühl. Bergheim rät deshalb, wenngleich er mit Vorschlägen an die Politik vorsichtig sein möchte, dazu, dass die notwendigen Veränderungsprozesse die deutsche Sicherheitskultur berücksichtigen müssten. Radikalkuren wie der Ruf nach mehr Mut zum Risiko seien hier keine Lösung, denn Wandel müsse die Bedürfnisse und Sorgen der Bevölkerung berücksichtigen. Obwohl die Arbeitslosigkeit gegenwärtig auf einem vergleichsweise niedrigen Stand ist, dürften die Bemühungen um den weiteren Abbau der offenen und auch verdeckten Arbeitslosigkeit nicht nachlassen Zudem müssten die prekäre Beschäftigung eingedämmt und die wachsende Ungleichheit eingegrenzt werden. Darüber hinaus propagiert Bergheim eine "moderne Lebenslaufpolitik", die der Dynamik der Arbeitswelt Rechnung trägt.
Studie "Sicherheit macht zufrieden"

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IG Metall fordert gezielte Stressprävention 
Donnerstag, 13. Oktober 2011 - Arbeit
Die IG Metal springt mit der Forderung in die Bresche, den geltenden Arbeitsschutz auch auf das Themenfeld der Stressbelastungen auszudehnen. In einer Blitzumfrage unter 4.000 Betriebsräten hatte die Gewerkschaft akute Problemlagen eruiert. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass in ihren Unternehmen eine starke oder sogar sehr starke Zunahme von psychischen Erkrankungen zu verzeichnen sei. 69 Prozent bemängeln fehlende oder unzureichende Hilfen für Erkrankte und 73 Prozent fordern mehr Gesundheitsschutz. 68 Prozent melden zudem, dass seit der Krise Stress und Leistungsdruck in den Unternehmen erheblich gestiegen seien. Die Behandlungskosten für psychische Erkrankungen belaufen sich jährlich auf etwa 27 Milliarden Euro, der Produktionsausfall liegt bei 26 Milliarden Euro. Die IG Metall fordert nun, ähnlich wie in Frankreich, Italien und einigen skandinavischen Ländern Vorschriften zum Arbeitsschutz gegen Stress zu erlassen und so die Arbeitnehmer vor überlangen Arbeitszeiten, Über- oder Unterforderung, schlechtem Führungsverhalten durch Vorgesetzte oder auch einem zu hohen Arbeitspensum zu schützen.
"Hier tickt eine gesellschaftliche Zeitbombe" SZ 27.9.11

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Zwischen Pragmatismus und Dogmatismus 
Mittwoch, 12. Oktober 2011 - sonstiges
Die taz lässt in einem spannenden Dialog die Initiatorin des Projekts Halbzeitvegetarier Katharina Rimpler und den überzeugten Veganer Christian Vagedes darüber diskutieren, welcher Weg sinnvoll ist, um Menschen zu einer Veränderung ihres Ernährungsverhaltens - und damit zu einer Minimierung der schädlichen Auswirkungen desselben auf die Welternährungslage und ökologische Aspekte - zu bewegen. Rimpeler, die selbst auf den Genuss von Fleisch verzichtet, geht davon aus, dass eine eher dogmatische Alle-oder-Nichts-Forderung, nämlich die Forderung eines hundertprozentigen Verzichts auf tierische Produkte, eher abschreckende Wirkung hat, da Menschen eher dazu neigen, ihr Verhalten langsam und im Rahmen kontinuierlicher Lernprozesse zu verändern. Vagedes hingegen betrachtet diese Perspektive eher als Halbheit und setzt auf hundertprozentiges Commitment. Er betrachtet den eher legeren Umgang mit dem Thema als grundlegend falsches Signal. Ich finde an dem Beitrag spannend, wie Rimpeler - aus meiner Sicht sehr treffend - beschreibt, dass man sich so großen Entscheidungen wie dem Fleischverzicht auch in kleinen Schritten annähern kann. Sicherlich haben manche Menschen ein initiales Erlebnis oder eine Erkenntnis, die es ihnen leicht macht, ihr Leben von hier auf jetzt um 180 Grad zu wenden. Aber häufig sind es gerade die - auch selbstauferlegten - Verbote, die uns mental in die Enge treiben. Ein "nie wieder" wirkt da leicht blockierend und mobilisiert unseren Widerstand. Mein persönliches Fazit: Auch kleine Schritte in die richtige Richtung sind ein wichtiger Beitrag.
"Man muss einen Cut machen!" taz 25.9.11

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Psychopathen an der Börse 
Dienstag, 11. Oktober 2011 - Studien
Wir haben es schon immer geahnt - um an der Börse erfolgreich zu spekulieren, ist eine gewisse Skrupellosigkeit hilfreich. Eine Studie der Schweizer Forensiker Thomas oll (der das größte Schweizer Gefängnis leitet) und Pascal Scherrer zeigt, dass Trader sogar egoistischer handeln als Psychopathen. Die Forscher verglichen das Verhalten von 27 Tradern mit 24 Psychopathen aus deutschen Hochsicherheitskliniken und 24 als gesundheitlich "normal" klassifizierten Menschen. Im Rahmen des Zwei-Personen-Nullsummenspiels "Gefangenendilemma" konnten die Untersuchungsteilnehmer entweder auf Kooperation setzen (so dass beide Spieler profitieren, was aber Vertrauen voraussetzt) oder auf den eigenen Vorteil setzen, was potentiell höhere Gewinne bringt, aber auch ein höheres Risiko beinhaltet. Das ernüchternde Ergebnis: Im Test zeigten sich die Börsenhändler deutlich egoistischer als die Psychopathen. Von 40 Entscheidungen waren bei ihnen 12 unkooperativ, bei den Psychopathen 4,4 und bei der Kontrollgruppe 0,2. Im Schnitt lag der Gewinn der Trader höher als der der anderen Spieler, jedoch blieben sie in ihren Ergebnissen hinter den Psychopathen zurück. Die Untersuchung zeigt: Rücksichtsloses Konkurrenzdenken zeitigt nicht die besten Ergebnisse - und die Vorstellung eines Homo oeconomicus, der rational nach einem für sich guten Ergebnis sucht, bröckelt, denn nüchtern betrachtet, verspricht das Prinzip der Kooperation, wie der Test untermauert hat, deutlich bessere Ergebnisse.
Zocken Psychopathen an der Börse? Telepolis 26.9.11

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