Wenn es Managern an Impulskontrolle fehlt 
Montag, 15. November 2010 - Management
Dem Ärger ungebremst Luft machen, laut werden oder Mitarbeiter in aller Öffentlichkeit düpieren - vielen Chefs fehlt es an Impulskontrolle. Jüngstes Beispiel: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der seinen Sprecher Michael Offer bei einer Pressekonferenz öffentlich abmeierte. Offer zeigte in der Situation Haltung - und trat anschließend zurück. Im Interview mit der Zeit erklärt der Arbeitspsychologe Tim Hagemann, warum Führungskräfte bisweilen auf diese Weise über die Stränge schlagen: "Wer schon lange in einer Machtposition ist, verliert oft das Gespür für soziale Normen. Solche Führungskräfte bekommen häufig kaum oder kein aufrichtiges Feedback von außen. Vor allem dann, wenn sie mit sozialen Konventionen brechen. Eigentlich lernt jeder Mensch in der Kindheit, sich an soziale Normen zu halten und seine Impulse zu unterdrücken. Führungskräfte in Machtpositionen, die viele Menschen in einem Abhängigkeitsverhältnis unter sich haben, fallen aber oft in ein impulsgesteuertes Verhalten zurück. Sie unterdrücken ihre Gefühle weniger, weil ihre Machtposition das zulässt. Die Umwelt scheint dies zu akzeptieren, weil sie oft abhängig von der Führungskraft ist." Hagemann rät Führungskräften, ihre Emotionen zu analysieren, anstatt einen Wutausbruch zu riskieren, und die Sachebene von der Beziehungsebene zu trennen. "Chefs sollten ihren Ärger zeigen, aber sie sollten sich die Zeit nehmen, die Situation richtig zu bewerten. Wer blind seinen Impulsen folgt, verspielt die Loyalität und das Vertrauen seiner Mitarbeiter. Emotionen verändern sich mit der Zeit. Darum ist der alte Rat sinnvoll, eine Nacht über eine ärgerliche Situation zu schlafen. Erst danach sollte man seinen Mitarbeiter zum Gespräch rufen", so Hagemann.
"Chefs sollten ihren Ärger kontrolliert zum Ausdruck bringen", Die Zeit 10.11.10

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Die Spiele der Männer 
Freitag, 12. November 2010 - Management
Aufgrund einer Indiskretion ist die Citibank ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Ein Bewerber hatte aus den Geschäftsräumen ein Informationsblatt mitgehen lassen mit dem Titel "Wie Frauen ihre Karriere sabotieren, zehn Punkte, die Sie beherzigen sollten". Das Papier listet zehn Punkte aus dem Buch "Nice Girls don't get the Corner Office" der Karriereberaterin und Psychologin Lois P. Frankel auf, darunter die folgenden:
- Frauen reden leise: Sie werden nicht gehört.
- Frauen machen sich öffentlich schön: Das betont ihre Weiblichkeit und lenkt von ihren Fähigkeiten ab.
- Frauen sitzen zurückhaltend: In der Machtposition hat man die Vorderarme auf dem Tisch und lehnt sich vor.
- Frauen fragen um Erlaubnis: Kinder lehrt man, um Erlaubnis zu bitten. Männer bitten nicht um Erlaubnis – sie informieren.
- Frauen neigen dazu, unangebracht zu lächeln: Deshalb nimmt man sie nicht ernst.
- Frauen sind naiver: Eine Frau geht davon aus, dass Regeln eingehalten werden müssen. Ein Mann sucht Wege, um die Grenzen der Regeln zu testen, ohne dafür bestraft zu werden.
- Frauen schütteln die Hand zu schwach: Eine gute, feste Begrüssung, verbunden mit festem Augenkontakt, hilft weiter.
Heißt das im Umkehrschluss, dass man als Frau am ehesten dann Karriere macht, wenn man beim ersten Händeschütteln dem Gegenüber fast die Hand bricht, sich in Meetings permanent in den Vordergrund drängt, mit sauertöpfischem Blick die Ellbogen sprechen lässt und über Leichen geht? Das Ärgerliche am Citibank-Papier ist nicht, dass es als vermeintlicher Karriereratgeber an Frauen verteilt wurde, sondern dass es im Hinblick auf den Status quo im Business leider nur allzu recht hat. Wenig Manieren, viel Lärm und eine möglichst skrupellose Haltung sind eben immer noch ein Garant, um im Job voran zu kommen. Und leider sind Frauen zu klug, um solche einfältigen Männerspiele gerne mitzuspielen.
Wie Frauen ihre eigene Karriere sabotieren, HB 5.11.10

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Wie die IT-Branche sich verschleißt 
Donnerstag, 11. November 2010 - Studien
Eine Studie der TU Dortmund zeigt eindrücklich, wie hoch der Leidensdruck in der IT-Branche ist. In einer Online Untersuchung fanden die Forscher heraus, in welchem Maße die Angestellten und Freiberufler im Technologiesektor unter gesundheitlichen Problemen und Burn-out leiden. So klagen 65 Prozent der Alleinselbstständigen über arbeitsbedingte Muskel- und Skelettbeschwerden und 52 Prozent über psychische Probleme. Lediglich 30 Prozent der Freelancer und 40 Prozent der abhängig Beschäftigten gehen davon aus, die mit ihrem Job einhergehende Arbeitsbelastung bis zum Rentenalter von 65 Jahren durchzuhalten. 14 Prozent der Freiberufler fürchten sogar, bereits mit 50 Jahren am Ende ihrer Kräfte zu sein. Das positive Signal der Studie: Zwei Drittel der Alleinselbstständigen haben ein stark bis sehr stark positive Leistungsorientierung und empfinden den beruflichen Stress als angenehm.
Burn-out in der IT-Branche vor allem unter Freelancern weitverbreitet, Pressemitteilungen-online.de 15.9.10

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Kooperation als evolutionäre Grundtatsache 
Mittwoch, 10. November 2010 - Wissenschaft
Im Interview mit der Wirtschaftswoche erklärt der Psychiatrieprofessor Joachim Bauer, warum Zugehörigkeit und Akzeptanz, mithin Altruismus, ein Grundfaktor menschlicher Evolution ist. Am Beispiel von Kleinkindern, die auf ganz natürliche Weise mit anderen kooperieren, selbst wenn sie dadurch keinen Vorteil haben, kommt Bauer zu dem Schluss: "Die Evolution hat Kooperation entstehen lassen, bevor sie sich – nach ökonomischen Maßstäben – zu lohnen begann. Die Trennung zwischen Egoismus als Profit und Altruismus als Verlust kommt ursprünglich aus der Ökonomie. Man kann das Prinzip der Nutzenmaximierung aber nicht einfach so in die Biologie übertragen." Gier hingegen ist laut Bauer eher ein Phänomen der Ressourcenknappheit - erst die Angst, nicht genug zu bekommen, führe zu egoistischem Verhalten. Umgekehrt ist die altruistische Programmierung des Menschen ein wichtiger Glücksfaktor, denn jede altruistische Entscheidung führe im Gehirn dazu, dass Glückshormone ausgeschüttet werden. Es wäre also unter dem Strich vieles einfacher, wenn wir uns einfach öfter auf unsere natürliche Kooperationsfähigkeit besinnen, anstatt uns als isolierte Individuen wahrzunehmen, die stets mit anderen konkurrieren müssen.
"Der Mensch ist sozial", WiWo 29.10.10

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Meditation macht den Kopf fit 
Dienstag, 9. November 2010 - Wissenschaft
Aufmerksamer sein, besser Denken, sich seinen Gefühlen nicht so ausgeliefert fühlen - wer regelmäßig meditiert, kann leicht in den Genuss dieser Selbstoptimierung kommen. So zeigt eine Studie der Dalian University of Technology und der University of Oregon, dass Meditation schon nach kurzer Zeit im Gehirn nachweislich positive Spuren zeigt. Die Wissenschaftler trainierten StudentInnen im Integrative-Body-Mind-Training (IBMT), einer Methode, die auf Konzepten der Traditionellen Chinesischen Medizin basiert und Atemübungen, mentale Vorstellungsbilder und weitere Techniken einsetzt. Die Kontrollgruppe praktizierte in dem den insgesamt elf Stunden dauernden Übungseinheiten herkömmliche Entspannungsverfahren. Im anschließenden TEst wiesen die IBMT-Teilnehmer im Vergleich zur Kontrollgruppe positive Veränderungen in den Hirnregionen, die für die Verhaltens- und Aufmerksamkeitssteuerung sowie die Regulierung von Stimmungen und Emotionen zuständig sind, auf. So einfach kann Neurotuning sein!
Meditation stärkt die Selbststeuerung, Psychologie heute 2.11.10

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Abstruses Menschenbild 
Montag, 8. November 2010 - Arbeit
Die Welt schlägt mit einem Beitrag des Wirtschaftsphilosophen Gerd Habermann ein neues Kapitel in Sachen Sozialdarwinismus auf. Habermann kritisiert vehement die Hartz IV-Politik und propagiert ein ganz eigenes Bild von Menschenwürde: "Man ist nicht unfrei, wenn man ärmlich leben muss – Freiheit verstanden als Freiheit vom willkürlichen Herumkommandiertwerden durch andere Menschen!" Die Tatsache, dass viele ehrliche Arbeitssuchende sich zum Teil seit Jahren um neue Jobs bemühen, aber scheitern, weil der Arbeitsmarkt trotz der aktuellen Visionen einer neuen Vollbeschäftigung schlicht nicht genug her gibt, blendet er dabei aus - ebenso, dass auch diese Millionen Redlichen der Arbeitsagentur permanent Rede und Antwort stehen müssen, Bewerbungen schreiben sollen selbst dort, wo es keinen Sinn macht und kein Erfolg zu erwarten ist, und in Sachen sozialer Teilhabe am Rand der Gesellschaft stehen. Habermann kontert, dass die heutigen Zeiten geradezu komfortabel seien, denn: "Im 19. Jahrhundert galt es dagegen als menschenwürdig, gerade nicht auf öffentliche Kosten zu leben. Vor 1918 entzog man Unterstützungsempfängern sogar das Wahlrecht (übrigens auch den „Bankrotteuren“). Da sind wir heute milder." Bei aller Milde, Druck muss sein. "Zur Menschenwürde gehört auch, dass der Mensch zur Selbsthilfe und zur Selbstverantwortung fähig ist und sich beschämt fühlt, wenn er auf Kosten anderer Leute, sei es auch über Staatsgeschenke, leben muss. Den Empfängern solcher Geschenke ohne Gegenleistung darf es nicht erspart bleiben, diese Situation als schmerzlich zu empfinden. Eben dies spornt an, aus dieser unwürdigen Lage wieder herauszukommen", so Habermann weiter. Der Philosoph wettert gegen Ideen wie die des Grundeinkommens, die seiner Meinung nach die Almosenhaltung der BürgerInnen nur zementiere. Vor lauter Hetze gegen die Sozialbürokratie, die sich nach Habermanns Ansicht durch das Sozialsystem noch Karrieren zimmere, vergisst er dabei, dass es gerade das Anliegen des Grundeinkommens ist, diese abzuschaffen, denn wo niemand mehr gegängelt wird, um halbwegs überleben zu können, braucht es auch keine Verwalter des Fiaskos minimierter gesellschaftlicher Teilhabe ...
Ein seltsames Recht, auf Kosten anderer zu leben! Die Welt 30.10.10

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Emotionale Intelligenz macht besser 
Freitag, 5. November 2010 - Studien
War emotionale Intelligenz lange Zeit eher ein Thema der Psychologie, wird es immer mehr auch in der Wirtschaft aufgegriffen, denn immer mehr Studien zeigen: Führungskräfte, die emotional intelligent sind, mitfühlen und die Gefühle anderer adressieren können, sind erfolgreicher, treffen bessere Entscheidungen und führen mit mehr Feingefühl und damit zielführender. Die Universität Cleveland ließt in einer Fallstudie die Mitarbeiter einer Unternehmensberatung die emotionale Intelligenz ihrer Führungskräfte bewerten und verglich die Einschätzungen mit der Performance der Manager. Die Leader, denen von ihren Untergebenen eine hohe emotionale Intelligenz attestiert wurde, erwirtschafteten in den folgenden Quartalen die besten Ergebnisse. Jochen Menges, Betriebswirt an der University of Cambridge, untersuchte 156 deutsche Unternehmen auf den Faktor EQ. Die Firmen, in denen die emotionalen Kompetenzen besonders ausgeprägt waren, wiesen eine überdurchschnittlich gute finanzielle Situation auf, waren innovativer und verzeichneten geringere Krankenstände.
Softies auf Erfolgskurs, Die Zeit 29.10.10

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Wissen als harter Business-Faktor 
Donnerstag, 4. November 2010 - Management
Zwar wird im Business immer noch vordergründig hauptsächlich auf die harten Zahlen gesehen, doch immer mehr Unternehmen erkennen, dass das Wissen der Mitarbeiter im Prinzip ihr wichtigstes Kapital darstellt. Waren Wissensbilanzen bis vor kurzem für die Firmen, die sie eingesetzt haben, eher ein Marketinginstrument, werden sie in immer mehr Unternehmen konsequent zum Management-Tool ausgebaut - das nicht nur die Entwicklung der internen Performance fördert, sondern auch immer häufiger zum Pluspunkt in Gesprächen mit den Banken wird. Am Beispiel der Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen zeigt die FTD, dass dabei nicht nur ein neues Bewusstsein über das intellektuelle Kapital des Betriebes das Ergebnis ist, sondern die Wissensbilanzen auch die internen Strukturen des Unternehmens positiv beeinflussen. Die Klinikgruppe, die mehrere Häuser leitet und auf die Behandlung psychosomatischer Krankheiten spezialisiert ist, erfasst seit 2006 das Wissen ihrer Mitarbeiter aktiv. "Der interne Effekt dieser Bilanz war für uns viel größer als in der Außendarstellung. Heute gehen wir systematisch bei der Expansion vor, investieren in die Weiterbildung von Führungskräften und haben eine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit eingerichtet", so Geschäftsführer Joachim Galuska. Wichtige Aspekte der Wissensbilanz: Einflussfaktoren auf das intellektuelle Kapital wie Mitarbeiterqualifizierung, Innovationsfähigkeit, Erfahrung und Zufriedenheit erfassen; bewerten, ob dieses intellektuelle Kapital ausreicht, um die aktuellen Ziele zu erreichen; die Wirkungszuammenhänge zwischen den einzelnen Faktoren analysieren und Maßnahmen ableiten, wo Verbesserungen notwendig sind. Die Heiligenfeld Kliniken haben das Wissen ihrer Mitarbeiter genutzt, um ihren Expansionskurs voranzutreiben - so wurden im vergangenen Jahr drei Kliniken hinzugekauft. Die Bad Kissinger sind davon überzeugt, dass ihre Wissensbilanz maßgeblich zum Erfolg der Maßnahmen beiträgt.
Bilanz mit Köpfchen, FTD 22.10.10

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