Ein positives Bild reicht nicht 
Donnerstag, 25. November 2010 - Studien
Die Deutschen sind anscheinend offener für eine berufliche Selbstständigkeit, als gedacht. Zumindest legt dies eine repräsentative Studie des Direktvertriebsunternehmens Amway mit mehr als 12.000 Beschäftigten in elf Ländern nahe. Derzufolge haben 56 Prozent aller Deutschen ein positives Bild von der Selbstständigkeit, was verglichen mit der tatsächlichen Zahl der Selbstständigen (um die fünf Prozent) vergleichsweise viel ist - sich aber mit Blick auf andere Länder zugleich relativiert, denn Spitzenreiter bei der positiven Einschätzung des Selbstständig-Seins sind die Dänen mit 89 Prozent, gefolgt von den Franzosen mit 79 Prozent und den Briten mit 74 Prozent. Neben fehlendem Startkapital (71 Prozent) stellt die Angst vor dem Scheitern (58 Prozent) den wichtigsten Hinderungsgrund dar, den Sprung ins Unternehmertum zu wagen. Wichtigster Motivationsfaktor für eine Gründung sind die besseren Verdienstaussichten (52 Prozent) und die Möglichkeit, sein eigener Chef zu sein (49 Prozent). Auch Selbstverwirklichung und die Chance, eigene Ideen umsetzen zu können, ist für viele Deutsche (42 Prozent) ein Aspekt, der die Selbstständigkeit in positivem Licht erscheinen lässt. Wenn es aber um Taten geht, kneifen die meisten dann doch.
Jeder zweite Deutsche offen für Selbstständigkeit, FTD 16.11.10

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Wer im Hier und Jetzt ist, ist glücklicher 
Mittwoch, 24. November 2010 - Studien
Die Fähigkeit, vorauszuschauen, zu planen oder im Rückblick Geschehnisse zu analysieren gehört zu den wichtigen evolutionären Errungenschaften in der menschlichen Entwicklung. Sie hat jedoch ihren Preis, wie Forscher der Harvard University nun belegen konnten, denn: Der Geist, der sich auf der Zeitlinie auf Wanderschaft begibt, sich mit dem beschäftigt, was gestern war oder morgen sein wird, ist ein unglücklicher. Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie mit 2.250 Probanden eine App für das iPhone entwickelt, die die Studienteilnehmer zu verschiedenen Zeitpunkten aufforderte, darüber Auskunft zu geben, was sie gerade tun und ob sie mit den Gedanken bei dieser Tätigkeit sind oder abschweifen. Die Unkonzentrierten sollten schließlich noch Auskunft geben, ob sie an etwas Positives, Neutrales oder Negatives dachten. In 47 Prozent aller Fälle waren die Beteiligten mit ihren Gedanken nicht bei der Sache - und dies unabhängig davon, ob was sie gerade taten (hier bildete lediglich der Sex eine Ausnahme, denn hier war die Mehrheit der Studienteilnehmer eigenen Aussagen zufolge sehr präsent). Und es zeigte sich, dass die, die abschweiften, weniger glücklich waren als diejenigen, die sich voll auf das konzentrierten, was gerade anlag. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass das Abschweifen selbst die eigene Zufriedenheit untergräbt - unabhängig davon, ob man nun positiven oder negativen Gedanken nachhängt oder sich mit einer angenehmen oder eher unangenehmen Tätigkeit beschäftigt. Wer meditiert, weiß das aus eigener Erfahrung - wo kein Gedanke zwischen das Ich und das Hier und Jetzt tritt, beginnt eben wirkliche Zufriedenheit, manche sagen sogar das Glück.
Tagträume machen unglücklich, Spiegel Online 12.11.10

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Fairness hat ihren Preis - und den möchte nicht jeder zahlen 
Dienstag, 23. November 2010 - Management
Spiegel Online wirft in einem Beitrag die Frage auf, wie viel Fairness sich die Wirtschaft leisten kann und will. Nachdem immer mehr Städte und Gemeinden bei Ausschreibungen auch Kriterien wie Nachhaltigkeit, die Vermeidung von Kinderarbeit, faire Handelsbeziehungen oder auch umweltverträgliche Produktionsbedingungen zum Maßstab für Auftragsvergaben machen, wächst die Zahl der Kritiker - vor allem aus dem unternehmerischen Lager, aber auch aus der Politik, denn: Fairness hat einen - monetären - Preis. Als die Grünen im Uelzener Kreistag beantragten, der Kreis möge künftig auf Produkte aus Kinderarbeit verzichten, hielt CDU-Landrat Theodor Elster dem entgegen, dass Kinderarbeit Produkte billiger mache, was nun einmal ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sei. Als die Provinz Noord-Holland versuchte, ihre Kaffeeversorgung unter nachhaltigen Kriterien neu auszurichten, konterte die EU-Kommission sogar mit einer Klage, da die Ausschreibungskriterien bestimmte Gütesiegel wie "Fair Trade" bevorzugt hätten. Kaffeehersteller Douwe Egberts beklagte sich über diskriminierende Ausschreibungsbedingungen. Das aktuelle Hin und Her zeigt, wie schwer sich die politischen und wirtschaftlichen Akteure damit tun, das Thema Nachhaltigkeit wirklich ernsthaft anzugehen. Dass Fairness ihren Preis hat, ist offensichtlich - andererseits kostet der Status Quo ebenfalls, denn je unökologischer (und damit zuerst einmal billiger) Produkte hergestellt werden, umso höher sind die späteren Folgekosten, die die Allgemeinheit zu tragen hat. Bis sich dieses Verständnis durchsetzt, wird es wohl noch eine Weile dauern.
Wie die EU-Kommission Fair-Trade-Produkte verhindert, Spiegel Online 14.11.10

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Was zählt, sind innere Unabhängigkeit und Urteilsvermögen 
Montag, 22. November 2010 - Management
In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung beklagen die Managementberater Torsten Schumacher und Markus Baumanns, dass Führungsfähigkeiten in vielen Firmen nur allzu oft schlicht an funktionalistischen Parametern und Modellen festgemacht werden, die der Realität nicht gerecht werden. Die Autoren kritisieren, dass ein "grassierender Messwahn" und "anonymisierende Analysegitter" von den eigentlich im Business benötigten Führungsqualitäten ablenkten. Laut Schumacher und Baumanns sind innere Unabhängigkeit, Urteilsvermögen und individuelle Verantwortung die wichtigsten Paradigmen, denen Führungskräfte folgen sollten. "Eine der zentralen Erkenntnisse aus den Verwerfungen der letzten Zeit: Wenn eine Organisation zu viele Mitläufer, Weggucker und Jasager beherbergt, dann kann das Fehlverhalten Einzelner Folgen in ungeahntem Ausmaß nach sich ziehen. Wir benötigen, mehr denn je, Menschen mit wachem Geist und innerer Unabhängigkeit. Ein weiterer positiver Effekt kommt hinzu: Menschen, die diese innere Unabhängigkeit mitbringen, interessieren sich in aller Regel nicht für Selbstinszenierungen, Egotrips, Personenkult und die Flut von Statussymbolen, mit denen manche mehr Zeit verbringen als mit ihren Kunden", so die Berater. Dem gängigen Hang, Führungsentscheidungen allein durch Analysen, statistisches Material oder Marktbeobachtungen abzusichern, halten die Experten den Mut zum eigenen Urteilsvermögen entgegen: "Führungsentscheidungen sind immer unscharf, nicht eindeutig und diskutabel. Gerade das unterscheidet sie vom tristen Alltag der Checklisten-Technokratie. Dabei bildet individuelle Urteilskraft ihr wichtigstes Fundament. In der gängigen Führungspraxis jedoch wird individuelles Urteilsvermögen schrittweise zurückgedrängt durch die Scheingenauigkeiten und Nachkommastellen des um sich greifenden Messzirkus. Wir entwickeln immer kompliziertere Zahlenwerke für die Beurteilung unserer Leute, und merken dabei nicht, dass deren Leidenschaft und inneres Feuer genau dadurch erlischt. Wir befördern diejenigen mit den besten Zahlen - und wissen nicht, ob sie sich überhaupt für die erstmalige Führungsaufgabe eignen. Nur wenn wir die Messvorhaben auf das unbedingt erforderliche Maß zurückfahren, werden wir unsere individuelle Urteilskraft zurückgewinnen." Man könnte auch sagen: Mehr Menschlichkeit, mehr Sachverstand, mehr Entscheidungsfreudigkeit - gepaart mit dem Willen, für die getroffenen Entscheidungen auch Verantwortung zu übernehmen - das sind die Qualitäten, durch die sich gute Führungskräfte auszeichnen.
Gute Führungskräfte übernehmen Verantwortung, FAZ 15.11.10



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Das Dilemma des Mindestlohns 
Freitag, 19. November 2010 - Arbeit
Als vor einem halben Jahr Textilarbeiter in Bangladesch in den Streik traten, wurde - kurz - offensichtlich, wie extrem die Arbeitsbedingungen im ärmsten Land der Welt sind. Die für ihre Rechte Streitenden setzten schließlich eine Erhöhung des monatlichen Mindestlohns von 17 auf 30 Euro durch - wobei die Gewerkschaften ursprünglich 50 Euro gefordert hatten. Wie die taz nun berichtet, läge ein die Existenz sichernder Lohn jedoch bei 100 Euro. Die Arbeitgeber, die eigentlich ab 1. November die 30 Euro monatlich zahlen müssten, versuchen derweil, die Erhöhung zu schieben. Experten gehen davon aus, dass es bis zur Durchsetzung des Anspruchs wohl ein Jahr dauern werde. Indes steigen die Preise weiter. So weisen die Gewerkschaften darauf hin, dass für manche Produkte der Preis in den letzten vier Jahren auf das Doppelte gestiegen sei. Bangladesch ist weit weg, und deshalb interessiert es uns meist wenig, unter welchen Bedingungen die Menschen dort Waren für uns herstellen. Und wir selbst gehen hierzulande mit der Mindestlohn-Thematik ähnlich um. Anstatt endlich auch im Niedriglohnbereich zumindest für Einkommen zu sorgen, die wenigstens ein halbwegs anständiges Leben ermöglichen, wird vielerorts gefordert, die Bezüge für Hartz IV weiter zu reduzieren, um mehr Anreiz zur Aufnahme einer Arbeit zu schaffen - die dann so schlecht bezahlt ist, dass man nicht davon leben kann.
Der Schmutz, den man nicht sieht, taz 10.11.10

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Mut zur Mehrdimensionalität 
Donnerstag, 18. November 2010 - Arbeit
Näher am Menschen, nicht nur Profitstreben, sondern eine Orientierung an den Notwendigkeiten der Zeit fordert ein Beitrag von Forum Nachhaltig Wirtschaften zum Thema Social Business. Der Beitrag kritisiert eine eindimensionale Wirtschaft, die sich längst nur noch an der Profitmaximierung ausrichtet: "Diese begrenzte Sicht der Dinge hat uns großen Schaden zugefügt. Als Geschäftsmann ist man dazu verpflichtet, stets eine profitmaximierende Brille zu tragen. Als Ergebnis sieht man in unserer Welt nur noch Möglichkeiten der Profitmaximierung. So bleiben die Probleme unserer Welt ungelöst, weil wir sie durch die Brille des Profits nicht sehen können." Und so schlägt der Artikel vor, dem Old-School-Denken den Blick durch die soziale Brille zur Seite zu stellen und mehr Social Businesses zu gründen, die auch die soziale Dimension als erstrebenswertes Wirkungsfeld erkennen. Unter dem Strich ist der Beitrag ein schöner Appell, geht jedoch leider nicht auf übergeordnete Zusammenhänge ein. Zwar sieht er im Social Business eine Quelle des Glücks, doch hat der Grundgedanke dieses Wirtschaftskonzepts weit mehr zu bieten. Würden wir einmal alle realen Schäden, die von der konventionellen Wirtschaft ausgehen (Umweltverschmutzung, extrem ansteigende Raten bei seelischen Erkrankungen durch die Überbeanspruchung von Mitarbeitern mit den damit verbundenen Kosten für die Kranken- und Sozialkassen, Verschwendung natürlicher Ressourcen) konventionell wirtschaftlich bilanzieren und von ihren Verursachern auch kompensieren lassen, wäre das profitmaximierende Business längst am Ende und wir hätten eine nachhaltige Wirtschaft.
Brauchen wir eine neue Form von Business? FNW 10.11.10

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Der Mythos der Kreativarbeiter 
Mittwoch, 17. November 2010 - Arbeit
Im Interview mit der Zeit geht der Soziologe Ulrich Bröckling der Frage nach, wie kreativ und frei das Leben der Arbeitenden in der Kreativwirtschaft ist - und entzaubert dabei so manchen Mythos: "Das Lob der Kreativwirtschaft klingt in meinen Ohren wie eine Identifikation mit dem Aggressor. Man feiert die Zumutungen, weil man sie nicht ändern kann. Ökonomisch erfolgreich sind nur die wenigsten. Überhaupt ist es ja nur eine sehr kleine Schicht, die in der Kreativwirtschaft arbeitet, meist junge Leute zwischen Mitte Zwanzig und Ende Dreißig, in der Regel ohne Familie. Sie sind in der Tat mobil, dynamisch und bereit, mit wenig auszukommen. Die eine oder der andere wird wohl auch noch von den Eltern alimentiert. Die Arbeitsbedingungen in der Kreativwirtschaft sind jedenfalls nichts für Leute, die kleine Kinder haben oder Angehörige pflegen müssen." Bröckling richtet das Augenmerk auf Selbstausbeutung, die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit und nimmt an, dass viele Kreativarbeiter romantisch dem Traum vom ganzheitlichen Leben nachhängen, während sie eigentlich der Selbstausbeutung frönen. Gleichzeitig beschreibt er auch neue, verführerische Bezüge zwischen Kunst und Kommerz: "Künstler produzieren Differenzen, sie brechen Regeln und überschreiten Grenzen. Genau das fordert auch der Markt. Anders gesagt: Zwischen der modernen Kunst und der unternehmerischen Tätigkeit besteht eine strukturelle Verwandtschaft. Moderne Kunst bricht den alten Formenkanon auf und produziert Neues. Und der Unternehmer ist gerade kein bloßer Verwalter, sondern ein »schöpferischer Zerstörer«, wie das der Ökonom Joseph Schumpeter genannt hat. Er setzt Innovationen durch, sucht nach Alleinstellungsmerkmalen. Mit kleinen semantischen Umstellungen können Sie das alles auf den künstlerischen Bereich übertragen, es gibt Transfers in beide Richtungen. Der Unternehmer ist ein Künstler, und der Künstler ein Unternehmer." Bei allen Chancen zur Gestaltung bleibt das Fazit des Soziologen letztlich jedoch nüchtern: "Das unternehmerische Selbst ist auch ein erschöpftes Selbst."
"Kreativ? Das Wort ist vergiftet", Die Zeit 8.11.10

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Frauen verdienen mehr als gedacht, aber immer noch weniger 
Dienstag, 16. November 2010 - Studien
Hatte das Statistische Bundesamt in den letzten zwei Jahren noch einen Lohnabstand von 23 Prozent zwischen den Gehältern von Männern und Frauen errechnet, folgt nun die "Entwarnung", denn bei einer bereinigten Berechnung kommen die Bundesstatistiker nur noch auf Einkommensunterschiede in Höhe von acht Prozent, das Institut der Deutschen Wirtschaft auf 13 Prozent. Der Grund für die neuen Zahlen: Erstmals wurden strukturelle Faktoren wie die unterschiedliche Beschäftigungsdauer eingehend in die Datenanalyse einbezogen. Die Neuberechnung zeigt: Kinder bekommen, Angehörige zu pflegen oder gar ein paar Jahre im Dienste der Familie zu pausieren - das sind die Hauptpunkte, die Frauen finanziell das Genick brechen. Die geringeren Lohnunterschiede beziehen sich nun auf Frauen und Männer mit vergleichbarer Erwerbsbiographie. Ist das ein Grund zur Freude? Frauen, die sich nur eine Babypause von 18 Monaten leisten, verdienen immerhin "nur" vier Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In Sachen Gender Mainstraming ist der Weg also noch weit ...
Von wegen benachteiligt, SZ 9.11.10

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