Die neue Lust am Denken 
Montag, 21. November 2011 - Studien
Die Identity Foundation, eine gemeinnützige Stiftung für Philosophie aus Düsseldorf, hat anlässlich des Welttags der Philosophie eine spannende Studie vorgelegt zur Bedeutung des Denkens in der heutigen Gesellschaft. "In Zeiten der Krise entwickelt für eine Mehrheit der Deutschen die Philosophie eine neue Leitbildfunktion. Zu den philosophischen Fragen, die für die Menschheit besonders wichtig sind, gehören für die Bevölkerung dabei: wie die Welt gerechter werden kann (76,7 Prozent), wie die Gesellschaft menschlicher gestaltet werden kann (74,6 Prozent), wie sich die Selbstachtung und Würde der Menschen schützen lassen (73,8 Prozent), wie man moralisch handeln kann (72,4 Prozent), wie man zu einer Politik finden kann, die den Menschen dient (67,2 Prozent) und wie man der heutigen Unsicherheit der Daseinsumstände besser begegnen kann (56,8 Prozent)", heißt es in der Pressemitteilung. Den alten Eliten versagt eine große Mehrheit der Befragten das Vertrauen. Nur gut 8 Prozent glauben, dass Politiker Weisheit besitzen, von den Wirtschaftseliten nehmen dies noch gut 16 Prozent an. "Das philosophische Interesse hat gute Gründe, denn eine überwältigende Mehrheit der Deutschen beobachtet eine wachsende Erosion innerhalb der Gesellschaft, aber auch ein Versagen in Politik und Wirtschaft. So beklagen 86 Prozent der Befragten eine vorherrschende Gier nach immer mehr. 84 Prozent werfen Politik und Wirtschaft fehlenden Anstand vor. 83,1 Prozent kritisieren einen Gegensatz von übermäßigem Reichtum auf der einen und wachsender Armut auf der anderen Seite. Ein überbordender Egoismus und Individualismus wird von 80,6 Prozent als gesellschaftliches Störfeuer erkannt. Infolgedessen bemängeln 77,2 Prozent, dass das Miteinander im Land durch Unfairness und Illoyalität geprägt sei. 76,6 Prozent der Befragten nehmen zu viel Eitelkeit und Selbstgefälligkeit in sozialen Beziehungen wahr. Und 73 Prozent bemängeln, dass materieller Besitz und Konsum übertrieben zur Schau gestellt werden", so die Veröffentlichung. Die Studie entwickelt noch viele weitere spannende Facetten zur bundesdeutschen Denkbefindlichkeit und stellt auch die jüngsten zivilgesellschaftlichen Bewegungen in ein neues Licht. Nach den Erkenntnissen der Universität Hohenheim, die die Erhebung ausgewertet hat, bekennen sich schon mehr als die Hälfte der Deutschen zu einer neuen Form der "Bypass"-Demokratie und engagieren sich selbst gesellschaftlich. Dabei ist es ihnen vor allem wichtig, die aktuellen Geschehnisse zu reflektieren und neue Gedanken für Lösungen zu entwickeln. Eine Tendenz, die Mut macht!
Download der Studie

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Gemeinschaft ist ein evolutionäres Erfolgskonzept 
Freitag, 18. November 2011 - Studien
Eine evolutionsbiologische Studie über Primaten der Universität Oxford zeigt, dass das Leben in sozialen Gemeinschaften ein evolutionäres Erfolgskonzept ist. Das Forscherteam hatte die Lebensweise und die Sozialformen von 217 Arten untersucht. Dabei zeigte sich, dass vor etwa 52 Millionen Jahren bereits erste Gruppenbildungen erfolgten. Heute leben hingegen nur wenige Primatenarten noch einzelgängerisch. Im Laufe der Evolution wurden die entwickelten Sozialstrukturen dabei immer komplexer, ebenso die wechselseitigen Verbindlichkeiten, die die Gruppenmitglieder eingehen. Eine Entwicklung, die, wenn man sie mit der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verfasstheit vergleicht, durchaus zum Nachdenken anregt. Ohne die Sozialstrukturen der Primaten glorifizieren zu wollen, stellt sich die Frage, warum in der heutigen Gesellschaft ein gesundes Miteinander immer mehr der Durchsetzung von Eigeninteressen weicht.
Den Wurzeln der Geselligkeit auf der Spur, wissenschaft.de 10.11.11

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Nachholbedarf der Kirchen bei fairem Handel 
Donnerstag, 17. November 2011 - Studien
Eine Studie der Hilfswerke "Brot für die Welt" und "Evangelischer Entwicklungsdienst" wirft ein ernüchterndes Licht auf das Beschaffungswesen der Kirchen und ihrer sozialen Einrichtungen. Nur zehn Prozent der in diesen Institutionen verwendeten Lebensmittel stammen aus ökologischem Anbau oder fairem Handel. Nach wie vor sei für viele Einrichtungen der Preis von Produkten das maßgebliche Entscheidungskriterium. "Der Ruf der Kirchen nach einer gerechten Wirtschaftsweise und einem nachhaltigen Lebensstil richtet sich nicht nur an andere, sondern zunächst an sie selbst. Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit und des klugen Einsatzes der eigenen Marktmacht", erklärte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin "Brot für die Welt". Allein die stationären Einrichtungen der Diakonie geben jährlich fast 766 Millionen Euro für Lebensmittel aus. Auch das unausgeschöpfte ökologische Potenzial ist enorm. So könnten der Studie zufolge beispielsweise neun Tonnen CO2 gespart werden, wenn alle in den diakonischen Einrichtungen stationär versorgten Menschen nur ein Mal außerhalb der Saison auf einen Tomatensalat verzichten würden und stattdessen heimisches Saisongemüse wie Blumenkohl essen würden. So einfach kann Nachhaltigkeit sein.
Nur wenige kirchliche Einrichtungen kaufen fair und ökologisch ein, CiW 8.11.11

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Die offensive Macht der Kapitalmärkte 
Mittwoch, 16. November 2011 - Studien
Eine Studie der Beratungsfirma FTI Consulting wirft ein Licht darauf, wie stark der Einfluss von Fondsmanagern und Analysten ist, wenn Unternehmen Personalwechsel in der Führungsetage vornehmen. Untersucht wurden 260 Führungswechsel von Konzernen in 37 Ländern über einen Zeitraum von vier Jahren. Für Portfolio-Manager macht die Frage, wer ein Unternehmen lenkt, 32 Prozent ihrer Investment-Entscheidung aus. Führungswechsel sind in den Augen der Anleger mit Risiken verbunden, so dass 39 Prozent ihre Papiere verkaufen, wenn in der Vorstandsetage ein neuer Chef Einzug hält. Allerdings ist für 15 Prozent der Führungswechsel auch ein Kaufsignal. Die Studie zeigt, wie ausgeliefert Unternehmen inzwischen den Reaktionen der Finanzmärkte sind.
Neue Firmenchefs haben sechs Monate Bewährung, HB 20.10.11

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Social Entrepreneurship auf dem Vormarsch 
Dienstag, 15. November 2011 - Management
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwV hat in London ein Zentrum für Social Entrepreneurship gegründet. Neue Modelle des sozial fokussierten Wirtschaftens, bei dem Unternehmen soziale Ziele verfolgen und Gewinne reinvestieren, sind in Großbritannien auf dem Vormarsch. So gibt es im Königreich bereits 60.000 soziale Unternehmen, die zusammen rund 800.000 Mitarbeiter beschäftigen und jährlich Umsätze in Höhe von rund 28 Milliarden Euro erzielen. Im neuen Zentrum sollen mit verschiedenen Programmen Social Entrepreneurs ausgebildet werden. Außerdem möchte man die Auswirkungen der Tätigkeit von sozialen Unternehmen nachvollziehbarer messen. PwC hat außerdem sein Centre for Social Impact dort angesiedelt.
Rezept für gesunde Gewinne, FTD 5.11.11

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Wenn Mehrarbeit zur Regel wird 
Montag, 14. November 2011 - Arbeit
In einem Beitrag zum Thema Selbstmanagement geht der Harvard Business Manager auf die Tücken von Mehrarbeit ein. Einer US-Studie zufolge haben in den letzten drei Jahren in zwei Dritteln der amerikanischen Unternehmen die Mitarbeiter länger gearbeitet. Ein Trend, der tückisch ist, denn je länger solche Phasen anhalten, umso eher werden Überstunden zur Selbstverständlichkeit. Wer dann versucht, zum ursprünglichen Arbeitsvolumen zurückzukehren, wird leicht als Drückeberger angesehen. Und das, obwohl regelmäßige Überstunden erwiesenermaßen der Gesundheit abträglich sind. so zeigte eine Studie mit 6.000 britischen Beamten, dass diejenigen, die regelmäßig mehr als zehn Stunden täglich arbeiten, ein um 60 Prozent erhöhtes Risiko tragen, herzkrank zu werden. Um aus diesem auf die einzelnen Mitarbeiter verlagerten Dilemma einen Ausweg zu finden, kann es hilfreich sein, die eigenen beruflichen Ziele immer wieder zu überprüfen und zu eruieren, ob die (Mehr-)Leistung, die man erbringt, auch zum gewünschten Ergebnis führt. Und man sollte im direkten Kontakt mit Vorgesetzten deutlich machen, dass ein begründetes Mehrengagement in Ausnahmefällen sicherlich gerne erbracht wird, aber eben begrenzt bleiben sollte und im Zweifel auch auf die eine oder andere Weise honoriert werden sollte.
Arbeiten Sie zu viel? HBM 3.11.11

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Mehr Balance 
Freitag, 11. November 2011 - Arbeit
In einem Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt Götz Mundle, Chefarzt der Oberbergkliniken, warum es hilfreich ist, öfter mal "offline" zu sein und warum uns Permanent-Präsenz und Dauer-Informationsbeschuss krank machen. Die ständige Verfügbarkeit via Handy und Internet kann laut Mundle dazu führen, dass Menschen Sucht-Symptome entwickeln und regelrecht in Panik geraten, wenn sie einmal vom Informationsfluss abgeschnitten sind. Das Problem der Dauerverfügbarkeit: Das Nervensystem steht unter chronischer Anspannung, der Körper befindet sich in Daueralarm. Eine Kombination die zu Symptomen wie Tinnitus, Kreislauferkrankungen, Herzinfarkt oder Burn-out führen kann. Mundle rät dazu, sich selbst Grenzen zu setzen und die eigene Verfügbarkeit zeitlich zu begrenzen. In den Augen des Arztes ist es notwendig, die im Arbeitsalltag anfallenden äußeren Reize aktiv zu verdauen, sonst komme es zu "mentaler Überernährung oder Verstopfung". Auch sollten sich Arbeitnehmer mehr für die eigenen Ressourcen und Potenziale sensibilisieren, um besser gemäß ihren persönlichen Voraussetzungen zu handeln.
"Blackberry auch mal nach 20 Uhr ausschalten", HB 4.11.11

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Mut zur Komplexität 
Donnerstag, 10. November 2011 - Arbeit
Sina Trinkwalder ist eine Unternehmerin, die nicht nur anpackt, sondern auch Tacheles redet. Die Gründerin eines Ökomode-Labels in Augsburg wurde vom Rat für nachhaltige Entwicklung als "Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit 2011" ausgezeichnet. In einem Beitrag für die taz spricht die Unternehmerin Klartext und geht mit dem Thema Nachhaltigkeit als Pseudo-Trend scharf ins Gericht. "Berufsbetroffene ersetzen Geist durch Moral. ... Die selbsternannten grünen Vorreiter sind nicht mehr als Zeitgeist-Opportunisten, die auf subtile Weise das postindustrielle Produkt Gesinnung verkaufen. Weder sie noch ihre Kunden glauben noch an Ideologien, wie es die 68er taten, aber dieser Relativismus speist sich aus der fast kompletten Negierung von Komplexität. ... Das eigentliche Problem ist der Verzicht in Form von Rationalitätsaskese. Der Verzicht, sich ernsthaft mit den Problemen der heutigen Zeit auseinanderzusetzen und echte Ideen für eine tragfähige Zukunft zu entwickeln", kritisiert die politisch Aktive. Trinkwalder mahnt an, sich nicht mit Scheinlösungen zu begnügen und sieht einen "gefährlichen Stillstand der Weltverbessererwirtschaft". Als ganz konkreten Lösungsansatz propagiert die Unternehmerin beispielsweise Wertschöpfungskreisläufe, die verlustfrei sind und damit keine Belastungen nach sich ziehen. Das ist ein konkretes Ziel - eines, das gegenwärtig noch nicht in Sicht ist, da viele Firmen zwar auf den Nachhaltigkeitszug aufspringen, es aber an Konsequenz und damit Nachhaltigkeit noch mangeln lassen.
Manifest gegen Nachhaltigkeit, taz 4.11.11

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