Viele wollen weitermachen wie bisher 
Freitag, 3. Dezember 2010 - Management
Wie diese Woche bereits vermeldet, zeigt sich in den Führungsetagen kaum ein Umdenken, was das Lernen aus den Folgen der Finanzkrise angeht. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche erklärt der Management-Professor Julian Birkinshaw: "Viele wollen weitermachen wie bisher." Der Experte mahnt, dass Managementmethoden, die in den Hochzeiten des industriellen Kapitalismus entwickelt wurden, heute nicht mehr greifen. "Wir brauchen ein grundlegend neues Verständnis von Unternehmensführung", so Birkinshaw, der kritisiert, dass es vielen Unternehmen an Wertegerüsten fehle, die über das bloße Geldverdienen hinaus wiesen. Und nicht nur das: Auch auf der strukturellen Ebene müssten sich viele Firmen neu erfinden. Mehr Verantwortung für Mitarbeiter aller Ebenen, flexiblere Job-Beschreibungen, kurzlebigere Hierarchien - Birkinshaw rät Unternehmen, die Strukturen der Flexibilität, die im Internet entstanden sind, auf ihre Unternehmensorganisation zu übertragen. Vor allem Transparenz, beispielsweise bei Sparprogrammen, könne hilfreich sein, denn wenn Abteilungen vor aller Augen miteinander konkurrieren, wer die besten Lösungen entwickelt, stelle sich ein konstruktiver Wettbewerb ein.
"Manager sollten offener sein für schräge Ideen", WiWo 17.11.10

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Wer schön ist, hat es bisweilen schwerer 
Donnerstag, 2. Dezember 2010 - Studien
Wer schön ist, macht leichter Karriere - diese Schlussfolgerung erweist sich in bestimmten Konstellationen als Trugschluss. Eine Studie der Florida State University zeigt nämlich, dass gutes Aussehen im Job auch zur Falle werden kann. Bei Versuchsreihen mit 2.693 Studenten zeigt sich, dass Schönheit für Bewerber auch zum K.o.-Kriterium werden kann. Während männliche Personalverantwortliche attraktive Bewerberinnen bevorzugten, bissen diese bei weiblichen Personalchefs eher auf Granit - vor allem, wenn die Bewerberinnen eher jünger waren und die Personalerin weniger attraktiv. So entschieden sich Männer in 49,9 Prozent der Fälle für eine attraktive Bewerberin, die Frauen nur in 11,7 Prozent. Je attraktiver die Entscheider selbst, umso weniger spielte das Aussehen der Bewerber für sie eine Rolle. Die Abwertung der "Schönen" ist dabei kein Frauen-Phänomen: Durchschnittlich attraktive Männer beurteilten überdurchschnittlich attraktive männliche Bewerber schlechter.
Zu schön, um gut zu sein, SZ 16.11.10

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Echte Führerschaft? 
Mittwoch, 1. Dezember 2010 - Management
Obwohl in den letzten Tagen sich die Meldungen häufen, dass einige Mikrokreditinstitute in Indien mit ihren Konditionen Kreditnehmer überfordern - einige Betroffene sollen sogar Selbstmord verübt haben - widmet das Manager Magazin einen großen und sehr positiven Bericht den Erfolgen des Begründers der Mikrokredite Muhammad Yunus. Mögliche Kritikpunkte wie beispielsweise hohe Zinsen werden zwar angesprochen, aber auch abgetan. Nichtsdestotrotz wirft der Beitrag ein positives Beispiel darauf, was möglich wird, wenn charismatische Persönlichkeiten sich wirklich einer Aufgabe verschrieben haben und sich dieser mit aller Konsequenz und selbstlos widmen. So sieht das Manager Magazin in Yunus das Paradebeispiel für wirksame Führung: "Bei Yunus kann man unzählige Beispiele wirksamer Führung aufzeigen: Sei es bei Innovation, wo er in einer Vielzahl von Fällen Neuland betreten hat, sei es im Umgang mit Risiko, das er bewusst, aber nie unkalkuliert eingeht, sei es in der Nutzung von Selbstorganisation oder bei seiner klugen Einbindung von mächtigen Partnern für die Erreichung gemeinsamer Ziele. Ein Aspekt ist aber ganz besonders herauszustellen: Er beweist echte Führerschaft, also das, was über richtig verstandenes, professionelles Management hinaus möglich ist." Das Manager Magazin gibt sich begeistert, "für unmöglich gehaltene Geschäftsmodelle durch gutes Management realisiert werden können": "Niemand hätte zuvor geglaubt, dass Arme derart wirkungsvoll und nachhaltig in den Wirtschaftskreislauf integriert werden können." Das Lob ist sicherlich berechtigt, entbindet aber nicht davon, das Finanzsystem dennoch in seiner jetzigen Form grundsätzlich in Frage zu stellen. Zwar zahlen die Kreditnehmer für Mikrokredite deutlich weniger als bei den in unterentwickelten Ländern verbreiteten Wucherern, doch zeigen die jüngst kritisierten Auswüchse eben auch, dass die Zinsproblematik ruinöse Formen annehmen kann - und Menschen so in die Enge treibt, dass sie den Freitod als letztes Mittel erachten, um aus ihrer Misere wieder herauszukommen. Insofern ist das Vermächtnis von Muhammad Yunus groß, aber längst noch nicht das letzte Wort der Weisheit.
Sich für mehr als für sich selbst engagieren, Manager Magazin 11.11.10

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Aus der Krise wenig gelernt 
Dienstag, 30. November 2010 - Studien
Ein Gros der Top-Manager ist sich sicher: Die Finanzwirtschaft und die Politik haben aus der jüngsten Krise nichts gelernt. Laut dem 21. Managerpanel der Personalberatung LAB & Company glauben dies 80 Prozent der Befragten Führungskräfte im Hinblick auf die Banken und 70 Prozent sehen auch in der Politik keine Läuterung. Ihr wird vorgeworfen, sich auf - häufig nicht ad hoc realisierbare - notwendige internationale Maßnahmen zurückzuziehen, anstatt zumindest auf nationaler Ebene schon einmal für bessere Kontrollen zu sorgen. In der Finanzbranche wittert man hingegen neue Blasen - nach den Immobilien seien nun die Rohstoffe und Nahrungsmittel dran. Immerhin 40 Prozent der Befragten sehen dagegen, dass im eigenen Unternehmen Lehren aus der Krise gezogen wurden - sie glauben, dass sich ihre Firmen nun stärker an Prinzipien wie Nachhaltigkeit orientieren.
Nichts aus der Finanzkrise gelernt? FTD 10.11.10

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Junge Manager haben's drauf 
Montag, 29. November 2010 - Studien
In einer gemeinsamen Aktion haben das Manager Magazin und das Karrierenetzwerk Xing mehr als 150.000 Teilnehmer zu den Qualitäten jüngerer und älterer Chefs befragt. Das Ergebnis: Während sich zwischen Mitarbeitern ohne Führungsaufgaben und der Chefetage deutliche Kompetenzunterschiede zeigen, spielt das Alter der Führungskräfte kaum eine Rolle. In Sachen Umsetzungskompetenz und der Fähigkeit zur Leitung liegen die älteren Chefs deutlich vor dem Führungsnachwuchs. Dieser hat den alten Hasen hingegen viel in Sachen "Umgang mit Unsicherheit" voraus - was die Experten darauf zurückführen, dass die neue Generation von Managern in Krisenzeiten ihre Position erreichte und damit von Anfang an mit der Wechselhaftigkeit am Markt, die durch die letzten Krisen noch verstärkt wurde, befasst waren. Die Stärke älterer Chefs ist es dagegen, ihre Mitarbeiter mehr zu fördern, weil sie aufgrund ihrer längeren Erfahrung nicht mehr so mit sich selbst beschäftigt sind. Die Routine kann aber auch zur Falle werden, denn sie verstellt bisweilen den Blick für Lösungen, die grundsätzlich neuer Natur sind. Andererseits ist die junge und flexible Generation oft nicht mehr in der Lage, Megatrends zu erfassen, da sie gelernt hat, in Ad-hoc-Situationen zu agieren, aber weniger mit dem Denken in Dekaden vertraut ist.
Junge Chefs führen erstaunlich gut, Manager Magazin 9.11.10

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Wir brauchen soziale Innovationen 
Freitag, 26. November 2010 - Management
Im Interview mit der Wirtschaftswoche erklärt Zukunftsforscher Matthias Horx, warum die westliche Welt einer falschen Vorstellung von Innovation huldigt und wie sie damit baden geht. Horx kritisiert eine Dekadenz der Innovationskultur, die sich auf rein technologische Lösungen versteife und dabei übersehe, dass gerade graduelle und nicht zuletzt soziale Prozesse zu langfristigen Verbesserungen führen: "Wir brauchen aber nicht so sehr immer neue Produktideen. Wir brauchen soziale Innovationen in allen Bereichen der Gesellschaft – Bildung, Gesundheit, Politik. Wir brauchen neue Rückkopplungssysteme." Der Zukunftsforscher plädiert für ein "soziales System, das auf Aktivierung setzt" und bemängelt, dass sich beispielsweise das Gesundheitssystem auf Krankheit fokussiere anstatt Wege zu besserer Gesundheit auszuloten. "Wirkliche Innovationen sind Sozio-Techniken", ist Horx überzeugt und fühlt sich von den Erfolgen von Firmen wie Apple, Google oder Facebook bestätigt. Diese arbeiteten zwar mit technologischen Verbesserungen, konzentrierten sich aber inhaltlich auf soziale Momente wie Freundschaft oder Orientierung. Zentraler Hemmschuh für eine innovativere Wirtschaft ist laut Horx einseitiges Profitdenken: "Die meisten Unternehmen aber wollen mit ihren so genannten Innovationen ja gar keine Probleme lösen, sondern Geld verdienen."
"Wir sind zu dekadent geworden", WiWo 18.11.10

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Ein positives Bild reicht nicht 
Donnerstag, 25. November 2010 - Studien
Die Deutschen sind anscheinend offener für eine berufliche Selbstständigkeit, als gedacht. Zumindest legt dies eine repräsentative Studie des Direktvertriebsunternehmens Amway mit mehr als 12.000 Beschäftigten in elf Ländern nahe. Derzufolge haben 56 Prozent aller Deutschen ein positives Bild von der Selbstständigkeit, was verglichen mit der tatsächlichen Zahl der Selbstständigen (um die fünf Prozent) vergleichsweise viel ist - sich aber mit Blick auf andere Länder zugleich relativiert, denn Spitzenreiter bei der positiven Einschätzung des Selbstständig-Seins sind die Dänen mit 89 Prozent, gefolgt von den Franzosen mit 79 Prozent und den Briten mit 74 Prozent. Neben fehlendem Startkapital (71 Prozent) stellt die Angst vor dem Scheitern (58 Prozent) den wichtigsten Hinderungsgrund dar, den Sprung ins Unternehmertum zu wagen. Wichtigster Motivationsfaktor für eine Gründung sind die besseren Verdienstaussichten (52 Prozent) und die Möglichkeit, sein eigener Chef zu sein (49 Prozent). Auch Selbstverwirklichung und die Chance, eigene Ideen umsetzen zu können, ist für viele Deutsche (42 Prozent) ein Aspekt, der die Selbstständigkeit in positivem Licht erscheinen lässt. Wenn es aber um Taten geht, kneifen die meisten dann doch.
Jeder zweite Deutsche offen für Selbstständigkeit, FTD 16.11.10

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Wer im Hier und Jetzt ist, ist glücklicher 
Mittwoch, 24. November 2010 - Studien
Die Fähigkeit, vorauszuschauen, zu planen oder im Rückblick Geschehnisse zu analysieren gehört zu den wichtigen evolutionären Errungenschaften in der menschlichen Entwicklung. Sie hat jedoch ihren Preis, wie Forscher der Harvard University nun belegen konnten, denn: Der Geist, der sich auf der Zeitlinie auf Wanderschaft begibt, sich mit dem beschäftigt, was gestern war oder morgen sein wird, ist ein unglücklicher. Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie mit 2.250 Probanden eine App für das iPhone entwickelt, die die Studienteilnehmer zu verschiedenen Zeitpunkten aufforderte, darüber Auskunft zu geben, was sie gerade tun und ob sie mit den Gedanken bei dieser Tätigkeit sind oder abschweifen. Die Unkonzentrierten sollten schließlich noch Auskunft geben, ob sie an etwas Positives, Neutrales oder Negatives dachten. In 47 Prozent aller Fälle waren die Beteiligten mit ihren Gedanken nicht bei der Sache - und dies unabhängig davon, ob was sie gerade taten (hier bildete lediglich der Sex eine Ausnahme, denn hier war die Mehrheit der Studienteilnehmer eigenen Aussagen zufolge sehr präsent). Und es zeigte sich, dass die, die abschweiften, weniger glücklich waren als diejenigen, die sich voll auf das konzentrierten, was gerade anlag. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass das Abschweifen selbst die eigene Zufriedenheit untergräbt - unabhängig davon, ob man nun positiven oder negativen Gedanken nachhängt oder sich mit einer angenehmen oder eher unangenehmen Tätigkeit beschäftigt. Wer meditiert, weiß das aus eigener Erfahrung - wo kein Gedanke zwischen das Ich und das Hier und Jetzt tritt, beginnt eben wirkliche Zufriedenheit, manche sagen sogar das Glück.
Tagträume machen unglücklich, Spiegel Online 12.11.10

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