Wie die inoffizielle Arbeit alles zusammenhält 
Montag, 22. Mai 2017 - Studien, Arbeit
In der deutschen Wirtschaft werden pro Jahr rund 66 Milliarden Stunden entlohnter Arbeit geleistet, was einer Wirtschaftsleistung von 2,54 Billionen Euro entspricht. Eine beeindruckende Zahl - doch eigentlich nur die Spitze eines Eisberges. So hat die Welt am Sonntag auf Basis der Zahlen des statistischen Bundesamtes errechnet, dass allein Frauen pro Jahr 54 Milliarden Stunden an unbezahlter Arbeit leisten - rechnerischer Gegenwert: mehr als eine Billion Euro. Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr 89 Milliarden Stunden unbezahlter Arbeit pro Jahr geleistet. Im offiziellen Denken ist das bisher ein einziger blinder Fleck. Zwar wird gerne darüber gesprochen, dass Tätigkeiten wie Kindererziehung, Haushalt oder die Pflege von Angehörigen erleichtert werden müssten und mehr Anerkennung erfahren sollten. Diese eher "weiche" Betrachtung blendet indes etwas wesentliches aus, nämlich, dass all diese unbezahlten, gerne als "reproduktiv" bezeichneten Tätigkeiten eine wesentliche Voraussetzung dafür schaffen, dass die bezahlte Arbeit überhaupt erst möglich wird. Rein ökonomisch betrachtet, müsste man dieses Engagement als "Kosten" betrachten, doch weil die ökonomische Logik gerade dies nicht tut, werden wesentliche Aktivitäten, die den Fortbestand einer Gesellschaft und Kultur sicherstellen, unter "ferner liefen" an die Ränder der Wahrnehmung verbannt. Damit bekommt unsere Lebenswelt eine deutliche Schlagseite. Und dies nicht nur, weil der Wert der von Frauen geleisteten unentgeltlichen Arbeit in der hier gezeigten Berechnung so deutlich niedriger angesetzt wird als die "produktive" bezahlte Arbeit.
Hausarbeit von Frauen mehr als eine Billion Euro wert, welt.de 13.5.17

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Wie viel Spirit darf es sein? 
Freitag, 19. Mai 2017 - Bewusstsein
Seit Meditation und Achtsamkeit auch in der Arbeitswelt Einzug halten, ist vielerorts immer wieder auch von einem neuen Spirit im Business des Rede. Das klingt cool und trendy und lässt gerne vergessen, dass das Wort dem deutlich sperrigeren und inhaltlich fordernden Begriff Spiritualität entlehnt ist. "Im Alltagsverständnis hat der Begriff etwas sehr diffuses. Sich von einer höheren Macht behütet oder geführt zu fühlen, zu spüren, dass es da 'irgendwie noch mehr gibt', sich dem 'Fluss des Lebens' anzuvertrauen bis hin zu der Frage, wie man sich weiterentwickeln und selbst optimieren kann - all diese Aspekte verstehen Menschen als Ausdruck von Spiritualität", heißt es beim Domradio in einer Sendung zum Thema. Für Prof. Bernhard Uhde, der in Freiburg vor fünf Jahren das bundesweit erste "Kontaktstudium Interkulturalität und Spiritualität" ins Leben gerufen hat, braucht Spiritualität immer "ein Gegenüber" - dahinter stehe die "dualistische Auffassung, dass es Materielles und Geistiges gibt, die miteinander in Bezug stehen". Diese größere Dimension gerät in der Achtsamkeits-Euphorie des Business heute leicht in Vergessenheit. Der katholische Theologe und Zenmeister Alexander Poraj betrachtet Spiritualität als "Möglichkeit einer unmittelbaren Erfahrung der Wirklichkeit". Er vermeidet den Begriff allerdings lieber und hebt eher auf die Erfahrung einer "absoluten Gegenwart" ab. Hier scheint durch, dass Spirit nichts ist, das man haben oder machen kann. Vielleicht ist er eher das, was hervortritt, wenn wir einmal von uns und unseren Interessen absehen.
An der "Spiritualität" scheiden sich die Geister, domradio.de 11.5.17

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Dunkle Charaktere zieht es in die Wirtschaft 
Donnerstag, 18. Mai 2017 - Psychologie, Arbeit
Ist es das Studium, dass die Charaktereigenschaften im Beruf besonders prägt? Oder entscheidet der Charakter über die Wahl des Studienfachs? Diesen Fragen sind die Forscherinnen Anna Vedel und Dorthe K. Thomsen in einer Studie nachgegangen, die in "Personality and Individual Differences" erschienen ist. Dabei zeigte sich, dass junge Menschen, die sich für Wirtschaftswissenschaften oder Jura entscheiden, stärker von Selbstüberschätzung, Psychopathie und rücksichtslosem, manipulativem Verhalten geprägt sind. Angehende Psychologen wiesen hier die geringsten Neigungen auf. Sie waren allerdings signifikant neurotischer als Wirtschafts- und Politikwissenschaftsstudenten und dabei verträglicher und offener als Wirtschafts- und Jurastudenten. Sicher wäre es interessant, diese charakterlichen Eigenschaften auch einmal in größerem kulturellem Maßstab zu betrachten und zu erforschen. Welche Rahmenbedingungen tragen zu diesen Prägungen bei? Und welche könnten vielleicht andere Prägungen begünstigen? Viele Studien zeigen, dass der Egomane an der Spitze eines Unternehmens keine Ausnahme darstellt. Doch solange es kulturelle Felder gibt, in denen sich dieser Typus immer wieder bestätigt, wird sich das kaum ändern. In der Diagnose sind wir schon recht weit. Was ansteht, wäre herauszufinden, welche Werte und Umgehensweisen wir uns in unserer Kultur besonders wünschen - und wie sie sich entwickeln lassen.
Wirtschaftsstudenten neigen zu Narzissmus und Rücksichtslosigkeit, spektrum.de 5.5.17

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Haltung zeigen - das geht! 
Mittwoch, 17. Mai 2017 - Arbeit, Management, Success Stories
Eiscreme kann sehr politisch zumindest, zumindest bei Ben & Jerry's, der amerikanischen Eismarke, die das Süße seit der Unternehmensgründung Ende der 1970er Jahre mit dem Politischen verbindet. "Seit der Gründung des Unternehmens 1978, und ich war damals dabei, wurzelt unser Handeln in den Menschenrechten. Die Welt braucht nicht noch einen weiteren Eiscreme-Hersteller, aber sie braucht Unternehmen, die eine Haltung haben und ihre Stimme einbringen. Andere Unternehmen tun dies auch, aber häufig hinter verschlossenen Türen, sie lobbyieren und versuchen so ihre Agenda durchzudrücken. Doch das sollte öffentlich geschehen", erzählt Jeff Furman, Mitglied des Board of Directors. So setzt sich Ben & Jerry's seit 30 Jahren für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ein - unter anderem, weil das Unternehmen bei der Versicherung der Mitarbeiter auf bestehende Ungleichbehandlungen stieß und diese überwinden wollte. Den Mitarbeitern zahlt die Firma das Doppelte des Mindestlohnes. "Wenn ein Unternehmen Gewinne erzielt, sollte es den Mitarbeitern genug Lohn zahlen, sodass sie von 40 Stunden Arbeit in der Woche leben können. Wir kalkulieren jedes Jahr die Kosten für Wohnen, Essen, Kleidung, soziale Aktivitäten und Kommunikation aufs Neue. Das liegt in unserer Verantwortung als Unternehmen. Aus der Wirtschaft hört man leider sonst eher andere Töne, dass möglichst niedrige Löhne wichtig sind, um wettbewerbsfähig zu sein", so Furman.
"Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir Trump gewählt haben", Zeit online 5.5.17

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Hat unser Leben noch eine Mitte? 
Dienstag, 16. Mai 2017 - Studien, Arbeit
Studien zur Mobilität der Deutschen und ihre Interpretation werfen immer wieder einen interessanten Blick auf unser Welt- und Arbeitsverständnis. 2016 pendelten in Deutschland 60 Prozent der Arbeitnehmer zu ihrem Arbeitsplatz. Einer Umfrage der Jobsuchmaschine Jobrapido zufolge sind 25 Prozent derjenigen, die nach einem neuen Job suchen, nicht bereit, umzuziehen. 42 Prozent der Befragten sind ihre Partnerschaft, Familie und Freunde so wichtig, dass sie wegen der Arbeit nicht den Wohnort wechseln möchten. 26 Prozent sind zwar zu einem Ortswechsel bereit, doch wollen sie dann zumindest in der Nähe ihres bisherigen Wohnortes bleiben, um ihre sozialen Beziehungen aufrechterhalten zu können. "Die Nähe ihrer Lieben ist für die meisten wichtiger als die Karriere“, deutet Rob Brouwer, CEO von Jobrapido, diese Ergebnisse in der Wirtschaftswoche. In einer Arbeitswelt, die von Mobilität lebt, wird das natürlich zum Problem. Und so gibt der Artikel verschiedene Tipps, wie Arbeitgeber ihre Attraktivität erhöhen können, um neuen Mitarbeitern Umzüge doch irgendwie schmackhaft zu machen. Die zutiefst menschlichen Interessen der Menschen werden indes eher nicht ernstgenommen. Wie könnte hingegen eine Arbeitswelt aussehen, die bewusst versucht, das, was Menschen ausmacht, einzubeziehen? Das werden wir wohl nur herausfinden, wenn immer mehr Menschen und vor allem Unternehmen es einmal ausprobieren ...
Lieber arbeitslos als ein Wohnortwechsel, WiWo 4.5.17

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Den Autopilot einfach mal stoppen 
Montag, 15. Mai 2017 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit
Die Stressspirale am Arbeitsplatz lässt uns leicht besinnungslos werden. Dann taumeln wir von einer Aufgabe zur nächsten, sind völlig im Reaktionsmodus und verlieren darüber das Gespür für uns selbst. In einem Interview mit der Kölnischen Rundschau erklärt der Body-Mind-Mediziner Prof. Dr. Tobias Esch, wie sich durch etwas mehr Bewusstheit die menschliche Selbstheilungskompetenz ins Spiel bringen lässt. "Stress ist eine der größten Herausforderungen der Selbstregulation. Stress ist ein Überlebensmechanismus, die biologische Antwort auf eine potenziell lebensbedrohliche Situation. Dafür werden im Körper Veränderungen begünstigt, die für Kampf und Flucht notwendig sind. Entscheidend ist die Dauer, Dosis und Art des Stresses. Auch vermeintlich positiver Stress ist auf Dauer nicht gut. Körperlicher Stress ist zwar auch nicht gut, aber er hat in der Regel ein natürliches Ende. Mentaler Stress hingegen, der im Kopf entsteht, ist nur schwer zu begrenzen, zumal wir die Fähigkeit haben, mit den Gedanken in die Zukunft und in die Vergangenheit zu gehen. Zudem neigen wir dazu, das Negative stärker zu wahrzunehmen. Dieser gedankliche Stress schafft sich ein Eigenleben. Gefährlich wird es, wenn der Stress chronisch wird. Wer dauerhaft unter Stress steht, sorgt dafür, dass verschiedenste Entzündungsprozesse im Körper begünstigt werden, die bis auf die Zellkernebene nachweisbar sind", so Esch über das Eigenleben von Stress. Wacher und unvoreingenommener mit dem zu sein, was gerade ist, kann hingegen nicht nur die Bewusstheit im Umgang mit Herausforderungen stärken, sondern auch Stresskreisläufe durchbrechen: "Es geht dabei darum, dass man mit der Kraft der Gedanken eine positive Sichtweise auf bestimmte Situationen bekommt und dass zum Beispiel der Stress, den ich empfinde, wenn ich im Stau stehe, eigentlich nur in meinem Kopf entsteht. Es geht nicht darum, eine rosarote Brille aufzusetzen und sich die Welt schönzureden. Vielmehr geht es um Akzeptanz und Gelassenheit, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind."
Dem inneren Arzt vertrauen, Kölnische Rundschau 25.4.17

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Trendreport zum Achtsamkeits-Hype 
Freitag, 12. Mai 2017 - Bewusstsein, Medien
Das Zukunftsinstitut ist sich sicher, "der Mindshift kommt" - so zumindest der Untertitel des neuesten Trendreports zum Thema Achtsamkeit. Im Fokus des Reports stehen dabei weniger das Meditieren und andere Achtsamkeitsübungen, als vielmehr der Wandel psychokultureller Dispositionen und ihre Auswirkungen auf das Business. Es geht um gelasseneres Altern, postmodernen Minimalismus, digitales Entstressen und mehr Achtsamkeit im globalen Miteinander. Auch nehmen die Trendforscher wahr, dass der Fitness-, Leistungs- und Selbstoptimierungswahn in den Hintergrund rücke und einem neuen, holistischeren Verständnis von Gesundheit weiche, das nicht nur auf Selbstverantwortung setzt, sondern auch Erwartungen an eine Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen formuliere. Ein Kapitel des Reports widmet sich "Spiritual Leadership". Hier sehen die Trendforscher mentale Stärke und innere Ruhe nicht mehr als Voraussetzung, sondern als permanenten, bewussten Erneuerungsprozess. Die Autoren beobachten auch, dass die Idee des nachhaltigen Lebens sich vom Gedanken des Verzichts löse, so dass es für Firmen spannend werde, mit grünen Innovationen zu punkten. Auch Rückzugsphänomene zeigen sich auf dem Radar beim -"Social Cocooning", einer Sehnsucht nach Unbeschwertheit, Gemütlichkeit und Vertrauen. Ich finde es immer wieder spannend, wie es dem Zukunftsinstitut gelingt, Phänomene des Zeitgeistes greifbar zu machen. Die Vermarktungslogik, die frei Haus dazu geliefert wird, nimmt manchen der präsentierten Phänomene allerdings etwas von ihrer Substanz, denn viele der beschriebenen psychischen, gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen kommen ihrem Kern und Wesen nach gänzlich ohne die Konsummuster, die der Report aus ihnen ableitet, aus.
Zukunftsinstitut: Die neue Achtsamkeit

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Belastet bis ins Gehirn 
Donnerstag, 11. Mai 2017 - Psychologie, Studien
Psychische Extremerfahrungen scheinen über die Phase der akuten Belastung hinaus die Fähigkeiten des Gehirns zu beeinträchtigen, das legt zumindest eine Studie der Uniklinik München nahe. Die Studie mit gut 260 Probandinnen untersuchte das Auftreten von Problemen im Hinblick auf Konzentration, Gedächtnis und Orientierung. Von den Versuchspersonen hatten etwa zwei Drittel aufgrund ihrer Diagnose eine Krebstherapie erhalten, während die restlichen Studienteilnehmerinnen (der Kontext war Brustkrebs) ein negatives Screening hatten und keine Chemotherapie bekamen. Bisher waren Beeinträchtigen der Hirnfunktion den aggressiven Wirkungen der Chemotherapie zugeschrieben worden. Die Studie indes zeigte, dass die Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, das Auftreten von Desorientierung und Gedächtnisprobleme nur bei den Krebs-Patientinnen auftraten, die durch die Diagnose eine Belastungsstörung entwickelt hatten. Die traumatische Erfahrung scheint also ursächlich zu sein. Es könnte interessant sind, diese Perspektive weiter zu vertiefen und einmal zu erforschen, ab welcher Belastungsintensität das Gehirn beginnt, Funktionalität einzubüßen, denn es gibt genügend Berufe, in denen besondere Belastungen zum Alltag gehören, die nicht gleich zu einer diagnostizierten Belastungsstörung führen, aber womöglich stärker die geistige Gesundheit beeinträchtigen, als bisher bekannt ist.
'Chemobrain" kommt nicht durch Chemotherapie, spektrum.de 4.5.17

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