Grundeinkommen - ein Weg der Freiheit und Vernunft 
Donnerstag, 28. Juli 2016 - Arbeit
Sascha Liebermann, Professor für Soziologie an der Alanus Hochschule und Mitbegründer der Initiative "Freiheit statt Vollbeschäftigung" betrachtet im Nachgang der Schweizer Abstimmung über das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) grundlegende gesellschaftliche Perspektiven, die sich durch ein BGE wie auch die Diskussion darüber wandeln können. Er sieht im Grundeinkommen eine "umfassende Anerkennung der Bürger in einem Gemeinwesen", was die Idee des Solidarverbandes stärke. "Die Möglichkeit, etwas tun zu können, das einem gemäß ist, das man wirklich tun will, ohne auf das Einkommen schauen zu müssen, erhöht zugleich die Chance, dass etwas Vernünftiges dabei herauskommt", meint Liebermann. Darüber hinaus könnte das BGE das demokratische Selbstverständnis erheblich verbessern. Liebermann verweist hier auf den Widerspruch, dass die Volkssouveränität politisch betrachtet bedingungslos sei, im konkreten Wechselspiel zwischen Politik und Bürgern indes durch verschiedene Haltungen auch aufgeweicht werde: "Wenn wir die Verfasstheit der Demokratie in Deutschland wie anderswo betrachten, fällt eines auf: In ihrem Zentrum steht der Volkssouverän, vom dem alle Gewalt ausgeht. Den Volkssouverän bilden die Staatsbürger. Diese Stellung, Staatsbürger zu sein, wird bedingungslos vorgesehen, sie ist also von keiner Leistung abhängig. Ausdruck findet dies auch in den Grundrechten. In der Konsequenz heißt das, die politische Ordnung, in der wir leben, traut den Bürgern viel zu, sie vertraut auf sie und erkennt sie als ihre Legitimationsquelle. Das ist nicht im Einklang mit der Haltung, die den Bürgern in der öffentlichen Diskussion entgegengebracht wird. Das Misstrauen ist groß, ihre Mündigkeit wird in Zweifel gezogen. Direkte Demokratie wird deswegen für gefährlich gehalten, wie dies jüngst der Bundespräsident getan hat. In der Sozialpolitik sieht es nicht anders aus, sie geht davon aus, Bürger müssten 'aktiviert' werden, was eine anmaßende Unterstellung ist."
Interview der Alanus Hochschule

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Deutsche sehen Arbeitsmarkt sehr optimistisch 
Mittwoch, 27. Juli 2016 - Studien
Die Arbeitnehmer in Deutschland sehen ihre Möglichkeiten am Arbeitsmarkt gegenwärtig sehr optimistisch, das geht aus dem JobConfidence-Index der Personalvermittlung PageGroup hervor, für den europaweit 16.000 Arbeitnehmer aus zwölf Ländern befragt wurden. 63 Prozent gehen davon, dass sich die Arbeitsmarktsituation im Laufe des Jahres 2016 zu ihren Gunsten verbessern wird. Unter "bsser" fällt dabei beispielsweise eine bessere Work-Life-Balance, mehr Geld, eine Beförderung oder zumindest ein spannenderes Aufgabenfeld oder eine Weiterbildung. Besonders hoch ist der Optimismus bei den jungen Arbeitnehmern, während er mit dem Lebensalter abnimmt - was wohl auch daran liegt, dass Ältere sich voll bewusst sind, dass das eigene Alter irgendwann in der Logik des Arbeitsmarktes auch zum Hemmnis werden kann. 57 Prozent der unter 30-Jährigen sind überzeugt, dass sie maximal drei Monate brauchen würden, um einen neuen Job zu finden. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es noch 42 Prozent, bei den über 49-Jährigen noch 39 Prozent. Die Arbeitnehmer über 49 Jahren sehen sowohl die Chance auf Beförderung (47 Prozent) als auch auf Gehaltserhöhungen (41 Prozent) zunehmend schlechter. Mit einer besseren Work-Life-Balance rechnet allenfalls noch ein Drittel von ihnen.
Wie die Deutschen ihre Job-Chancen bewerten, WiWo 18.7.16

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Die Ambivalenz des Sinns bei der Arbeit 
Dienstag, 26. Juli 2016 - Arbeit
Der Unternehmensphilosoph und Experte für Sinn und Begeisterung Dominic Veken erklärt in einem Interview mit Good Impact, warum sinnstiftendes Unternehmertum viel mit der von sozialen Bewegungen bekannten Dynamik zu tun hat. Ein "gemeinsamer Geist" oder auch "gemeinsamer Spirit" ist in seinen Augen die Basis, weil er "einen gemeinsam antreibt, eine gemeinsame Überzeugung, an die man glaubt, und für die man bereit ist, zu kämpfen, aufzustehen und den Markt umzukrempeln". So wie Organigramme für die Hippie-Bewegung undenkbar waren, seien alte Hierarchien und Strukturen heute für Unternehmen eher eine Bürde denn hilfreich. In Vekens Augen wird Selbstbestimmung heute, nicht nur mit Blick auf die Sinnfrage, zur Notwendigkeit: "Die Beweglichkeit, die dadurch entsteht, ist in den heutigen Märkten des Wandels ganz entscheidend für den Erfolg." Der Zusammenhalt des unternehmerischen Ganzen liegt in den Augen des Philosophen nicht mehr in der Struktur, sondern in gemeinsamen Werten - und zwar in solchen, die nicht abstrakt bleiben, sondern real geteilt und gelebt werden. "Man muss eine tiefe Überzeugung herauskristallisieren und diese quasi in einer archäologischen Arbeit freigraben. Denn in den meisten Unternehmen gibt es schon eine Überzeugung, nur lebt danach kaum noch jemand, weil die einfach nicht bewusst und nicht sichtbar ist", so Veken. Beigeisterung, verstanden als "Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein", stelle sich dann meist von selbst ein.
"Sinn spürt man", Good impact 15.7.16

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Wirtschaft muss wieder Werte schaffen 
Montag, 25. Juli 2016 - Management
Die Wirtschaftswoche hat in einem Interview mit dem Philosophen und Unternehmer Friedrich Glauner die Frage eruiert, ob Nachhaltigkeit gegenwärtig für Unternehmen nicht nur nice-to-have ist, sondern eher sogar die Basis für ihr künftiges überleben. "Die Gewinner, die wie Uber oder Amazon, komplette Märkte dominieren, treiben die Abwärtsspirale aus Konzentration, Preisdruck und Ressourcenraubbau voran. Es kommt zu immer größeren Chancen und Wohlstand – aber nur für einige Wenige. Nämlich den sogenannten Einhörnern, also den Milliarden schweren Start-ups. Gleichzeitig fällt eine breite Basis von bestehenden Unternehmensmodellen einfach weg. Folgen dieser Entwicklung sind eine Zunahme der Ungleichheit und gesellschaftliche Verwerfungen, wie wir sie im Amerika von Donald Trump oder bei den Brexitiers sehen können", beschreibt Glauner den disruptiven Ist-Zustand der Business-Welt. Eine Überlegensstrategie könne es sein, "Geschäftsmodelle zu entwickeln, die diese Abwärtsspirale durchbrechen, indem sie die Marktteilhabe vieler ermöglichen und Mehrwert für alle schaffen". Die Frage, welche Werte für eine nachhaltige Wirtschaft leitend sein könnten, hebt der Philosoph auf die Ebene "universeller Werte des Weltethos", beispielsweise Wahrhaftigkeit, Gewaltfreiheit, Fairness und Partnerschaftlichkeit. "Ich spreche in dem Zusammenhang von ethikologischen Geschäftsmodellen. Also Unternehmen, die diesen Ethos im Umgang mit Menschen achten und die im umfassenden Sinn natürlicher Ressourcenschöpfung ökonomischen, sozialen und ökologischen Mehrwert stiften", so Glauner.
"Unternehmen müssen Nutzen stiften", WiWo 14.7.16


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Kranke Arbeitswelt 
Freitag, 22. Juli 2016 - Arbeit
Die FAZ hat ein interessantes Streitgespräch zwischen den Sozialforschern Hartmut Rosa und Martin Dornes veröffentlicht, in dem beide der Frage nachgehen, ob der Kapitalismus krank macht. "In der Regel liegen die Probleme in einem großen Mittelfeld von Arbeitsplatzgestaltung, persönlichen Fähigkeiten und der Unfähigkeit, sich abzugrenzen", erklärt Martin Dornes und rät zu Arbeitsplatzmanagement und psychologischer Beratung. Rosa hingegen richtet den Blick vor allem darauf, wie die äußeren Umstände das menschliche Innenleben immer mehr aus der Bahn bringen: "Was macht die Menschen wirklich krank? Wenn die Menschen sich engagieren und merken, es kommt nichts zurück, entwickeln sie irgendwann eine zynische Haltung und bekommen Burnout. Wichtig ist doch: Anstrengung, schnell rennen müssen ist für die Menschen kein Problem. Das macht sie ganz bestimmt nicht psychisch krank. Es ist geradezu umgekehrt: Es ist ein Faktor für psychisches Wohlbefinden, dass man sich gelegentlich oder auch häufig sehr anstrengen muss, um ein Ziel zu erreichen. Dann bekommt man die Erfahrung: Ich habe etwas geleistet. Burnout kommt daher, dass man jede Ziellinie aus den Augen verliert. Die Chefsekretärin hat doch das Gefühl: Es ist egal, wie effizient ich heute arbeite, morgen wird es noch schlimmer, da kommt noch was drauf." Gerade diese Spirale des "Es ist eigentlich nie genug" könnte es sein, die letztlich nicht nur immer mehr Menschen krank werden lässt, sondern auch zu einer irgendwie kranken Kultur führt.
Macht der Kapitalismus uns krank? FAZ 6.7.16

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Neue Ausgabe von evolve zum Thema "Lebendigkeit" 
Donnerstag, 21. Juli 2016 - Medien
Ab heute ist die neue Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur am Kiosk erhältlich. Unser Schwerpunktthema dieses Mal: Lebendigkeit - der Impuls, der alles bewegt. Wir glauben ja gerne zu wissen, was Lebendigkeit ist - und wie wir lebendig sein können. Gräbt man ein bisschen tiefer, eröffnet sich indes auch manche Überraschung. Einer meiner Lieblingsartikel im Heft ist der Beitrag des nigerianischen Psychologen und Aktivisten Bayo Akomolafe, der in seinem poetisch-provokanten Essay über den Tod des Gorillas Harambe im Zoo von Cincineti schreibt. Für Akomolafe ist dieser Zwischenfall eine Begegnung mit unseren Monstern unseren Klischees und Fantasien vom Monströsen und den Grenzen, die wir gegen dieses Unbekannte setzen, Grenzen, die uns auch von unserer Lebendigkeit trennen. Elizabeth Debold rüttelt in ihrem Gender-Artikel an all den gesellschaftlichen und kulturellen Vorstellungen von Lebendigkeit, die wir über die Jahrhunderte verinnerlicht haben, und öffnet den Blick dafür, dass Lebendigkeit "Soviel mehr als das" ist. In meinem eigenen Beitrag gehe ich der Frage nach, wie Bewegungen wie das Grundeinkommen oder der Minimalismus versuchen, uns aus kulturellen Zwängen zu befreien. Die Ausgabe hat einige Überraschungen parat - am besten selbst lesen!

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Vor allem Vielarbeiter verzichten auf Urlaub 
Mittwoch, 20. Juli 2016 - Studien
Jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland nimmt nicht seinen vollen Urlaub in Anspruch, so eine Untersuchung des DGB. Dabei sind es vor allem die Vielarbeiter, die auf die Erholungszeit verzichten. Je höher die Wochenarbeitszeit, umso eher fällt der Urlaub einfach mal aus. So lässt jeder Zweite, der 48 oder mehr Stunden pro Woche arbeitet, Urlaubstage verfallen. Die Hälfte der Arbeitnehmer, die mehr als zehn Überstunden pro Woche machen, verzichtet auf Urlaubstage, während es bei denen, die keine Überstunden machen, nur etwa jeder Vierte ist. Ein Grund: Oft lassen sich die hohen Arbeitsvorgaben nicht während der regulären Arbeitszeit erfüllen. Wenn der Druck im Unternehmen entsprechend groß ist oder Beschäftigte sogar Angst haben, ihren Job zu verlieren, fällt der Urlaub eben aus. Von den Arbeitnehmern, die in Sorge um ihre Anstellung sind, verzichteten 44 Prozent auf Urlaubstage, unter jenen mit größerer Sicherheit waren es aber immerhin noch 30 Prozent.
Jeder dritte Arbeitnehmer lässt Urlaubstage verfallen, Spiegel online 7.7.16

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Kultur permanenter Flexibilität begünstigt Arbeitssucht 
Dienstag, 19. Juli 2016 - Arbeit
Arbeitssucht ist ein Phänomen, dass wenig greifbar ist. Offizielle Statistiken gibt es nicht - auch, weil es keine anerkannte Diagnose für Workaholics gibt. Doch Experten gehen davon aus, dass in Deutschland zwischen 200.000 und 300.000 Menschen bereits arbeitssüchtig sein könnten. Das zwanghafte Verhältnis zum Beruf wird durch die kulturellen Veränderungen der letzten Jahre deutlich begünstigt. Ständige Mobilität und Erreichbarkeit, verdichtete Arbeitsprozesse, die Angst vor Jobverlust - es gibt viele gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die es Menschen erschweren, der Arbeit den rechten Platz im Leben zuzuweisen. Die Vielarbeiter geraten dabei leicht in eine Abwärtsspirale, denn je mehr sie sich selbst fordern, umso eher erschöpfen sie - und um so unproduktiver werden sie. Arbeitspsychologen fürchten bereits, dass dieses Phänomen nicht einfach verschwindet, sondern möglicherweise in den nächsten Jahren noch größer wird.
Bin ich ein Workaholic? Zeit online 5.7.16

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