Home Office schadet weder der Produktivität noch dem Commitment 
Mittwoch, 20. Oktober 2021 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Vielen Arbeitgebern ist es immer noch unheimlich, wenn ihre Mitarbeiter zu lange im Home Office verbringen. Sie befürchten, dass unter der physischen Abwesenheit die Verbundenheit mit dem Unternehmen und auch die Produktivität leiden. Zwei Studien geben hier Entwarnung. Einer Studie vor der Pandemie zufolge etwa spürten 50 Prozent der seinerzeit von Zuhause aus Tätigen eine gute Work-Life-Balance und waren zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen, während die andere Hälfte die Heimarbeit als schwierig empfand. Ausschlaggebend für die Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden waren hier aber vor allem als fair wahrgenommene Arbeitsbeziehungen. Angestellte im Home Office bejahten insgesamt öfter Fragen, die auf eine positive Identifikation mit dem Arbeitgeber schließen lassen, als jene, die permanent im Büro arbeiteten. Eine Befragung von Führungskräften zur Produktivität im Home Office während der Pandemie wiederum zeigt: Nur in den wenigsten Fällen verschlechterte sich die Produktivität der Mitarbeiter, bei der Hälfte blieb sie gleich und 30 Prozent der von Daheim Arbeitenden waren dort sogar produktiver. Es spricht also viel fürs Home Office - wenn das Arbeitsklima insgesamt stimmt.
Sorgt das Homeoffice für weniger Engagement? FAZ 13.10.21

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Schlafmangel geht auf die mentale Fitness 
Dienstag, 19. Oktober 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Politische Verhandlungsmarathons oder Meetings bis in die Nacht sind für Politiker und Führungskräfte keine Seltenheit. Doch der Schlafmangel geht auf die kognitive Leistungsfähigkeit. "eder kann mal eine schlechte Nacht haben oder auch eine Woche zu wenig Schlaf bekommen, aber wer regelmäßig weniger als sechs Stunden schläft, der ist mental nicht so aktiv und fit. Deshalb denke und hoffe ich, dass Spitzenpolitiker und -managerinnen, wenn sie beispielsweise von A nach B gefahren werden, mal ein paar Minuten die Augen zu machen. Schon ein Power-Nap von wenigen Minuten kann für die nächsten drei bis vier Stunden wieder sehr wach machen", erklärt der Schlafforscher Prof. Dr. med. Ingo Fietze ist in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Seiner Erfahrung nach gibt es auch keine wirklichen Tricks, um längerfristig mit weniger Schlaf, als man rein physiologisch braucht (und das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich) auszukommen. "Einzig mit Adrenalin im Blut und starkem Willen kann man ein Schlafdefizit auch mal überlisten. Je öfter man dies macht, desto trainierter ist man darauf. Ein Training, dauerhaft mit möglichst wenig Schlaf auszukommen, gibt es nicht und ist auch nicht sinnvoll", so Fietze. Er hat indes einen anderen Tipp parat: "Zulassen, dass einem die Augen zufallen, wenn man schläfrig wird, das sogenannte Power-Nap. Wer das kann, der hat schon viel gewonnen. Das kann man auch am Schreibtisch machen – auch, wenn es womöglich manchen zu peinlich ist."
4-Stunden-Schlaf: Warum durchwachte Nächte gefährlich sind, WiWo 11.10.2021

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Was unsere Veränderungs-Resistenz triggert 
Montag, 18. Oktober 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Ob Belohnungen für wünschenswertes Verhalten oder Strafen für unerwünschtes - Menschen zu Verhaltensänderungen zu bewegen, ist ein herausforderndes Unterfangen. Das zeigt eine Studie der Queen Mary University of London, die die Daten zu 65 entsprechenden Versuchen auswertete. In einem Versuch sollten Staatsbedienstete mit kleinen Goodies wie Wellness-Gutscheinen zu mehr Sport animiert werden. Am Ende der Studie zeigte sich allerdings, dass sich die Probanden genau so wenig sportlich betätigt hatten wie die Kontrollgruppe. Eine Universität verbot den Verkauf von Wasserflaschen, um Müll zu reduzieren, und rüstete ihre Wasserspender so um, dass die Studierenden dort eigene Trinkflaschen auffüllen konnten. Die dachten jedoch nicht im Traum daran und griffen am Campus-Kiosk nun zu ungesunden, abgefüllten Softdrinks. In einem weiteren Experiment erhielten Probanden Vitaminpillen. Das wirkte wie ein Freibrief, denn sie bewegten sich weniger und ernährten sich ungesünder als die Kontrollgruppe, da sie sich auf der sicheren Seite wähnten. Die Untersuchungen zeigen eindrücklich, wie wenig sich Verhaltensweisen anscheinend durch äußere Maßnahmen ändern lassen.
Jetzt erst recht nicht!, Psychologie heute 8.10.21

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Arbeit ganz ohne Office 
Freitag, 15. Oktober 2021 - Lebensart, Arbeit, Management
Ein Unternehmen ganz ohne Büros? Wie das geht, erforscht der Hamburger Unternehmer Willms Buhse bereits seit einigen Jahren. Als Strategieberater beschäftigt er seit jeher einen großen Stab freier Mitarbeiter neben festangestellten und Home Office wie auch virtuelles Arbeiten prägten bereits den Firmenalltag. Mit der Zeit verlagerte sich die Arbeit zusehends ins Virtuelle, weil die Mitarbeiter die Flexibilität schätzen und die, die zuvor ins Büro kamen, froh waren, weniger pendeln zu müssen. Für Buhse war ausschlaggebend, dass das Büro als fester Ort seine Teams nicht kreativer machte. Deshalb konzentrierte er seine Energie darauf, die Strukturen der Zusammenarbeit selbst besser zu durchdenken. So gibt es in seiner Strategieberatung inzwischen neben den formellen inhaltlichen Arbeits-Meetings auch Coffee-Update und sogar virtuelle Cocktail-Parties. Gleichzeitig sind alle Mitarbeitenden auch in ihrer persönlichen Abstimmung gefragt und leisten ihren Beitrag dazu, dass die Abläufe im Ganzen funktionieren. Als Buhse sein Experiment begann, hatte er 30 feste und freie Beschäftigte, heute sind es 140. Sein Fazit: Flexibles Arbeiten funktioniert hervorragend, wenn alle sich dem großen Ganzen verpflichtet fühlen.
Dieser Unternehmer hat sich für die radikale Lösung entschieden, welt.de 1.10.21

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Sinnstiftende Gespräche mit Fremden 
Donnerstag, 14. Oktober 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Kommt man mit fremden Menschen ins Gespräch, tastet man sich gerne vorsichtig voran. Eine tiefgründige Frage zu stellen, fühlt sich für die meisten Menschen als zu persönlich an und deshalb belassen sie es im Dialog mit Unbekannten gerne beim Smalltalk. Eine amerikanische Studie legt nun nahe, dass wir vielleicht im Kontakt mit Fremden etwas mutiger sein sollten, da uns sonst unerwartete Inspirationen entgehen. Die Wissenschaftler führten mit insgesamt 1.800 Proband.innen Experimente durch, bei denen einander Fremde sich mal über typische Smalltalk-Themen wie das Wetter unterhalten sollten oder gemeinsam tiefergründigen Fragen nachgingen, beispielsweise "Wofür sind Sie im Leben am Dankbarsten?". Die Studienteilnehmenden, die tiefgründige Gespräche führen sollten, empfanden die Aufgabe zunächst als eher unangenehm, auch, weil sie befürchteten, ihrem Gegenüber vielleicht zu nahe zu treten. Insgesamt überschätzte ein Großteil der Mitwirkenden, wie unangenehm ein sehr persönlicher Dialog sein könnte, und unterschätzte gleichzeitig, wie verbunden sie sich mit ihrem Gegenüber fühlen könnten und wie glücklich sie sich im Anschluss an das Gespräch fühlen würden. Das Fazit der Wissenschaftler: Tiefschürfende Gespräche machen glücklich - und wir sollten sie öfter führen, auch mit uns Unbekannten.
Menschen führen gerne tief gehende Gespräche mit Fremden, spektrum.de 30.9.21

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Alleine produktiver als in der Herde 
Mittwoch, 13. Oktober 2021 - Studien, Arbeit, Management
Durch das pandemiebedingte virtuelle Arbeiten ergeben sich auch neue Erkenntnisse im Hinblick auf unsere Produktivität. Eine amerikanische Studie hat das Arbeitsverhalten von knapp 200 Mitarbeitern mehrerer Teams untersucht und dabei interessante Entwicklungen festgestellt. So stellten die Wissenschaftler eine Entflechtung der individuellen Arbeitszeiten fest. Virtuell Arbeitende verbrachten etwa 60 Prozent ihrer Arbeitszeit zur im Unternehmen üblichen Arbeitszeit mit ihrem Team, wobei es die größten Teamüberschneidungen zwischen 10 und 11 Uhr und 15 und 16 Uhr gab. Die restlichen 40 Prozent der Arbeitszeit verbrachten einige Mitarbeiter auch außerhalb der Kernarbeitszeit, beispielsweise in der Nacht. Hier zeigte sich, dass gerade diese Randstunden besonders produktiv verbracht wurden, wahrscheinlich, weil die Arbeitenden keinen Störungen von außen, und sei es durch die Mitglieder des eigenen Teams, ausgesetzt waren. Die Wissenschaftler sehen ihre Studie als Anregung, unser Verständnis von Arbeitszeiten zu überdenken. Dabei gelte es, die positiven wie auch die negativen Effekte üblicher Arbeitstage in den Blick zu nehmen. Denn gemeinsam zu arbeiten, kann produktiv sein, wenn es um den Gedankenaustausch geht. Es kann aber auch stören, wenn man eigentlich Phasen längerer Konzentration ohne Unterbrechung bräuchte. Und diese könnte man ja auch am Tage schaffen.
In Remote-Teams ist immer jemand online, HBM 28.9.21

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Bei Beziehungen ist weniger nicht immer mehr 
Dienstag, 12. Oktober 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien
Die Pandemie hat viele Lebensstile entschlackt. Wo sich das Privatleben durch Lockdowns und Beschränkungen für viele über Monate vor allem auf die eigene Kernfamilie und vielleicht einige wenige ausgewählte Freundschaften beschränkte, fragen sich viele nun, wo das gesellschaftliche Leben langsam wieder hochfährt, wie viele soziale Kontakte man eigentlich wirklich braucht. Bekannte, die man schon früher eher selten traf, hat man vielleicht längst vergessen. Aber auch in den sozialen Netzwerken schaut man vielleicht nun genauer hin, mit welchen Followern man eigentlich wirklich im Austausch stehen sollte. Das Philosophie Magazin geht in einem Artikel einem vor allem unter Menschen um die 30 verbreiteten Phänomen nach, soziale Kontakte deutlich zu reduzieren. Vielen geht es dabei nicht nur darum, weniger Ablenkungen ausgesetzt zu sein. Oft spielt auch die knallharte Frage "Bringt mir die Beziehung zu diesem Menschen etwas?" eine Rolle. Das reduziert menschliche Beziehung leicht auf eine reine Nutzenkomponente. Und zwar eine, die viele vielleicht nicht bis ins Detail durchdenken. Denn der Artikel geht auch darauf ein, wie gerade flüchtige Kontakte, die vielleicht nicht tief gehen, aber neue Impulse und Abwechslung in unser Leben bringen, das Salz in der Suppe sind. Beschränken wir uns nur auf jene Menschen, mit denen wir richtig eng sind, wird unser Leben leicht eintönig und wir kreieren uns unsere gemütliche Blase. Das Fazit des Artikels: "Ein Beziehungsminimalismus, insbesondere wenn er nicht nur wenige, sondern auch möglichst ähnliche Sozialkontakte anstrebt, riskiert demnach nicht nur ein marktförmiges Verständnis von Freundschaft zu pflegen, sondern auch in intellektueller Ödnis zu enden."
Relationship Minimalism: Ist im Sozialleben weniger mehr?, Philosophie Magazin 24.9.21

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Kann Warten kulturelle Kraft entfalten? 
Montag, 11. Oktober 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Der Zug hat Verspätung, an der Supermarktkasse ist eine lange Schlange, im Feierabendverkehr steht man im Stau - wohl jede.r kennt diese erzwungenen Wartesituationen, in denen man sich meist über den damit verbundenen Zeitverlust ärgert. Unser Alltag ist so durchfunktionalisiert, dass wir diesen Phasen des Dazwischens oft wenig Aufmerksamkeit schenken und sie vor allem als Störung unserer eigentlichen Pläne erfahren. Oder wir versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen, und füllen das uns aufgezwungene Warten mit anderen Tätigkeiten, lesen auf dem Smartphone vielleicht ein paar Nachrichten oder schauen, was auf Facebook gerade los ist. Es gibt jedoch auch andere Perspektiven. "Vom philosophischen Standpunkt aus lässt sich indes ­fragen, ob es immer richtig ist, das Warten angenehm zu gestalten. Martin Heidegger etwa war der Ansicht, dass die aus dem Warten resultierende Langeweile eine Grundstimmung zu wecken vermag, die dem Menschen sein Menschsein näherbringt, da sie zur Reflexion über das Dasein anregt. Das mag im Hinblick auf die meisten Alltagssituationen unrealistisch klingen, vielleicht lohnt es sich aber, Wartezeit probeweise einfach mal in ihrer vermeintlichen Leere zu belassen", sagt etwa der Soziologe Andreas Göttlich in einem Interview mit Psychologie heute. Mit etwas Neugier kann Warten sogar unser Denken in neue Richtungen lenken und unseren Blick auf das Leben konstruktiv verändern. Göttlich etwa meint: "Wartezeit als „leere Zeit“ zu akzeptieren bedeutet, sich aus dem pragmatischen Kontext, also dem erforderlichen praktischen, nützlichen Handeln unserer Alltagspläne auszuklinken, die uns ja von einem Termin zum anderen treiben. Das kann zu dem führen, was Adorno den sabbatischen Blick nannte: Die Dinge der Umgebung werden nicht mehr im Hinblick auf ihren praktischen Verwendungszweck, sondern auf ihren ästhetischen Wert hin betrachtet. Man entdeckt Schönes, wo man bislang nur Zweckhaftes sah. So kann Warten zum Zeitfenster für eine veränderte Wirklichkeitswahrnehmung werden. Das Zurückstellen pragmatischer Alltagsmotive eröffnet auch die Möglichkeit, diese zu hinterfragen: Weshalb nehme ich dieses Warten gerade überhaupt auf mich? Ist es das wert? Unreflektierte Wertsetzungen können so unter Umständen zurechtgerückt werden." Wie warten Sie das nächste Mal?
Gleich passiert’s!, Psychologie heute 2.9.21

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