Wissenschaftlicher Überblick zu Achtsamkeit im Business 
Montag, 16. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien, Wissenschaft, Arbeit, Management
Das Online-Portal "Leadership Insiders", das sich ganz der wissenschaftlichen Entwicklung in den Bereichen Führung und Organisationsentwicklung verschrieben hat, bietet auf seiner Webseite einen umfassenden Beitrag zu Achtsamkeit in der Arbeitswelt an. Es werden eine Fülle von Forschungsbefunden zur Wirkung von Achtsamkeit und Meditation präsentiert und Umsetzungsbeispiele in Unternehmen angesprochen. Auch finden sich viele Verweise darauf, wie Achtsamkeit in konkreten Führungskontexten wirkt, beispielsweise zur inneren Selbstregulation der Führenden wie auch im interpersonellen Bereich zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Einige der Erkenntnisse: Meditation erleichtert Führenden ein offenes, nicht-bewertendes Zuhören und sie entwickeln bessere Konfliktlösungskompetenzen. Außerdem kann Achtsamkeit emotionale Erschöpfung verringern, zu einer besseren Work-Life-Balance führen, eine allgemein höhere Arbeitsleistung ermöglichen, abweichende Verhaltensweisen verringern, zu einer gesteigerten Arbeitszufriedenheit führen, verbesserte Leistungen im jeweiligen Verantwortungsbereich mit sich bringen und ein höheres Engagement, zum Organisationserfolg beizutragen, bewirken. Für alle, die sich mit Achtsamkeit im Business beschäftigen, ist der Artikel eine wunderbare Ressource, da er zahlreiche wissenschaftliche Studien zitiert.
Achtsame Führung - Fakten für Führungskompetenz, Leadership Insiders 10.12.16

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Verhindert Empathie sozialen Wandel? 
Freitag, 13. Januar 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
In der englischsprachigen Wissenschaftswelt ist ein Streit darüber entbrannt, ob mehr Empathie gesellschaftlich betrachtet einen positiven Unterschied machen könnte oder nicht vielleicht sogar konstruktiven Wandel bremst. Der US-Psychologe Paul Bloom etwa legte kürzlich ein Buch mit dem Titel "Against Empathy" vor. Er kritisiert, dass Empathie beispielsweise ungerecht sei. Menschen ließen sich von Einzelschicksalen besonders bewegen, versuchten diesen Menschen dann zu helfen, blendeten dabei aber alle anderen aus, die vielleicht ebenfalls Hilfe benötigten. Auch gehe das Mitgefühl mit einer Person oft mit Antipathien gegenüber anderen Menschen einher. So zeige eine Studie, in der Probanden mit Studenten in einem Wettbewerb mitfiebern sollten, dass die Versuchsteilnehmer dem Konkurrenten Unglück wünschten. Bloom plädiert dafür, dass bei politischen Entscheidungen zum gesellschaftlichen Zusammenleben solide Statistiken betrachtet werden sollten, anstatt auf das Mitfühlen mit einzelnen Personen zu setzen. Am Beispiel der US-amerikanischen Debatte über die Waffengesetze zeige sich ebenfalls ein Empathie-Dilemma - sollte man Mitgefühl haben mit Menschen, die unschuldig Opfer von Waffenmissbrauch werden oder mit jenen, die sich aufgrund von Ängsten glauben, mit einer Waffe besser schützen zu können? In den Augen des Psychologen wäre es sinnvoller, rational zu untersuchen, welche Effekte Veränderungen in der Gesetzgebung auf wie viele Menschen haben, um zu einer analytisch begründeten Entscheidung zu gelangen. Gegenwind bekommt Bloom von seinem britischen Kollegen Simon Baron-Cohen von der University of Cambridge. Baron-Cohen plädiert dafür, Empathie und Ratio nicht gegeneinander auszuspielen, sondern lieber bestehende Hemmnisse für Empathie zu beseitigen. Es gehe darum, auch mit Gegnern mitfühlen zu können, Misstrauen zu überwinden und sich immer wieder zu fragen, wie es "den anderen" gehe. Blooms Verständnis von Empathie scheint eines der individuellen und sozialen Fragmentierung zu sein - ein empathisches Ich steht hier eher für sich, so dass es größere Zusammenhänge, die über das einzelne Empathie-Gefühl hinaus wirksam sind, nicht wahrnimmt. Aber ist die Wahrnehmung von Menschen tatsächlich so isoliert? Baron-Cohen scheint indirekt in diese Richtung zu deuten, denn letztlich läuft seine Argumentation darauf hinaus, den Radius des Mitgefühls immer mehr auszuweiten. Dann ist Empathie nicht eine überschaubare Beziehung zwischen Fragmenten, sondern weitet zunehmend den Raum für ein Selbstverständnis, das Menschen sich immer mehr in ihrer Verbundenheit mit allem wahrnehmen lässt.
Die dunkle Seite der Empathie, Bild der Wissenschaft 4.1.17

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Wie der westliche Lebensstil die Erde ruiniert 
Donnerstag, 12. Januar 2017 - Wissenschaft
Hätten Sie gedacht, dass Deutschland indirekt für die Gefährdung von 611 Tier- und Pflanzenarten verantwortlich ist? Die Wissenschaftler Daniel Moran (Universität für Wissenschaft und Technologie in Trondheim) und Keiichiro Kanemoto (Shiinshu Universität in Japan) haben anhand von knapp 7.000 bedrohten und gefährdeten Tierarten im Meer und an Land ermittelt, welche Lebensräume und Hotspots der Artenvielfalt durch den Konsumhunger der verschiedenen Industrieländer besonders betroffen sind. Die größten Verursacher des Artensterbens sind ihrer Untersuchung zufolge die USA, Europa und Japan. In ihrer Kartographie der Konsumfolgen zeichneten die Wissenschaftler auf, wie die Konsumbedürfnisse westlicher Länder rund um den Globus durch den verstärkten Abbau von Ressourcen natürliche Lebensräume vernichten. Mit dem Forschungsprojekt wollen sie die globalen Verflechtungen stärker ins Bewusstsein rufen. Einerseits, um für Konsumenten nachvollziehbarer zu machen, welche Auswirkungen ihre Lebensstile haben. Wer macht sich schon bewusst, wie viel Zerstörung weltweit beispielsweise mit der Gewinnung der Rohstoffe verbunden ist, die für unsere ganze Unterhaltungselektronik notwendig sind? Andererseits wollen sie damit auch eine Grundlage schaffen, dass künftig Ausgleichsmaßnehmen auch an den Orten stattfinden, an denen sie dringend notwendig wären. Die USA etwa investieren gegenwärtig etwa 99 Prozent der Gelder für den Artenschutz im eigenen Land oder in anderen wohlhabenden Ländern, übersehen dabei allerdings, dass die Schäden durch den US-Konsum eher in Südostasien und Südamerika, im Süden Europas und in der Sahelzone entstehen.
Wo unser Konsumhunger am meisten schadet, Bild der Wissenschaft 4.1.17

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Dankbarkeit macht gesund - und verbindet 
Mittwoch, 11. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien, Wissenschaft
Spiegel online präsentiert in einem ausführlichen Beitrag verschiedene Studien der Dankbarkeitsforschung und zeigt, welchen gesundheitlichen Nutzen es haben kann, im Alltag ein bisschen dankbarer zu sein. Eine Studie aus 2003 lies knapp 200 Probanden, aufgeteilt in drei Gruppen, über zehn Wochen entweder ein Dankbarkeitstagebuch führen, notieren, was in einer Woche schlecht gelaufen war oder neutral über die Erlebnisse reflektieren. Bei der anschließenden Auswertung zeigte sich, dass die Teilnehmer der Dankbarkeitsgruppe in den psychologischen Befragungen mehr Optimismus zeigten als die Teilnehmer der anderen Gruppen, mehr Lebensfreude verspürten und auch geringere körperliche Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen, Schwindel oder Muskelverspannungen aufwiesen. Als nicht unwesentlich für diese Verbesserung des Lebensgefühls stellte sich die soziale Dimension der Dankbarkeit heraus, denn durch das bewusste Dankbarsein intensivierten die Studienteilnehmer auch ihre sozialen Beziehungen. Medizinische Studien liefern bereits weitere Hinweise zu positiven Wirkungen der Dankbarkeit. So sollen Übungen zur Dankbarkeit das individuelle Glücksniveau um 25 Prozent heben und so bei leichten bis mittelschweren Depressionen Antidepressiva ersetzen können. Bei Versuchen mit Patienten, die an Herzinsuffizienz litten, scheinen Dankbarkeitsübungen dazu geführt zu haben, dass sich die Erkrankung nicht verschlimmerte. Die Forschungen schaffen eine interessante Verbindung - Zufriedenheit oder gar gesundheitliche Verbesserungen scheinen nicht nur eine individuelle Sache zu sein, sondern sich womöglich auch dadurch zu ergeben, dass Dankbarkeit Menschen wieder die eigene Eingebundenheit in etwas Größeres bewusster erleben lässt.
Dankmuskel bitte anspannen, Spiegel online 26.12.16

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Die Entdeckung der Verbundenheit im Business 
Dienstag, 10. Januar 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft, Management
Der österreichische Standard richtet in einem Interview mit dem Wissenschaftler Dan Siegel den Blick darauf, dass bewusst gelebte Achtsamkeit der Schlüssel zu neuer zwischenmenschlicher Verbundenheit und damit auch mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt sein könnte. Dort, wo der gegenwärtige Achtsamkeitstrend das Kultivieren der Bewusstheit vor allem als persönliche Strategie interessant werden lässt, geht Siegel weiter. "Durch Mindsight – eine erlernbare Fähigkeit, sich selbst als Teil des größeren Ganzen zu sehen – wird erkennbar, dass wir alle für ein gemeinsames Ziel arbeiten können, mehr positive Energie in uns selbst und damit in die Welt bringen können. Kurz: Mindsight bedeutet, wir können unsere innere Welt gestalten. Dann fühlen wir uns nicht mehr wie passive Passagiere auf einer Reise ins Ungewisse, sondern werden selbst zu aktiven Autoren unserer eigenen Geschichte und damit jener des gesamten Systems. Mindsight wirft das Licht auf den ganzen Prozess, und wie wir uns mit Achtsamkeit zu einer mitfühlenderen Gesellschaft entwickeln können", so der Wissenschaftler. Im Unternehmenskontext könne diese Perspektive beispielsweise dabei helfen, Vielfalt und Differenzierung wertzuschätzen und dabei gleichermaßen die Verbundenheit innerhalb des größeren Ganzen zu kultivieren: "Wenn man nur die einzelnen Teile einer Firma, die Departments, als separierte Einheit behandelt, dann fördert man lediglich Differenzierung, aber keine Verbindung. Dem Unternehmen wird es nicht so gut gehen, wie es ihm gehen könnte. Weil die Verbindung aller Individuen zueinander fehlt. Wenn die Differenzierung von Individuen innerhalb eines Departments kultiviert wird, dann fühlen sich die Leute geachtet und befähigt. Die Moral wird hoch sein, und die Menschen werden von sich aus motiviert, inspiriert und kreativ tätig für das Unternehmen. Weil sie auch wissen, was sie zum gemeinsamen Ganzen beitragen, und dass dieser Beitrag wichtig ist. Da gibt es Zugehörigkeit und gleichzeitig Individualität, da übernehmen Menschen von selbst die Ownership für ihre Arbeit. Das ist zuerst eine Aufgabe für Leadership."
US-Forscher: Einmal täglich das Gehirn "vom Dreck befreien", Der Standard 20.12.16

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"Spirituelle Revolution" im Westen? 
Montag, 9. Januar 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Wissenschaft
Stressbewältigung und mit ihr einhergehend Sinnfindung sind in den letzten Jahren zu großen Themen geworden. Der Psychoanalytiker David Tracy spricht gar von einer "spirituellen Revolution", da zu Selbstentwicklung im Westen immer öfter auch spirituelle Bezüge herstellen und auf wachsende Akzeptanz stoßen. Wissenschaftler der Universität Bielefeld haben in einer Studie aus den frei formulierten Antworten der Studienteilnehmer zehn Aspekte herausdestilliert, die das spirituelle Verständnis der Deutschen charakterisieren. Die individuelle Praxis, sei es Meditation, Gebet oder Gottesdienst, die im gegenwärtig immer stärker zunehmenden Achtsamkeitstrend ihren Niederschlag findet, ist dabei ein Merkmal. Weitere sind beispielsweise eine (All-)Verbundenheit und Harmonie mit dem Universum, der Natur und dem Ganzen, die innere Suche nach einem (höheren) Selbst, nach Sinn, Frieden und Erleuchtung, das Festhalten an und Einhalten von Werten und Moral in Bezug zur Menschheit [Ethik] oder die Erfahrung von existenzieller Wahrheit jenseits rationalem Verstehens. Irgendwie ist es erstaunlich, wie bewusst sich die Menschen über diesen Tiefendimensionen des Lebens anscheinend sind und wie wenig Ausdruck sie doch zumeist im individuellen Alltag und erst recht auf der gesellschaftlichen Ebene finden. Wie würde die Welt wohl aussehen, wenn jeder sich ab und an die Frage stellte, ob das eigene Tun diese Dimension berührt und mit ihr im Einklang ist?
Wenn der Stress zu groß wird: Spiritualität als Alternative, businesson.de 15.12.16
Definitionen von Spiritualität der Universität Bielefeld

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Frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr 
Mittwoch, 21. Dezember 2016 - sonstiges
think.work.different macht Weihnachtsferien. Wir sind ab 9. Januar 2017 wieder mit frischen News für Sie da. Wir wünschen allen LeserInnen besinnliche Weihnachtstage und einen wunderbaren Start ins neue Jahr.

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Optimisten mit Realitätssinn 
Dienstag, 20. Dezember 2016 - Studien
Optimisten wird gerne nachgesagt, dass sie die Welt vor allem mit einer rosaroten Brille betrachten. Eine neue Studie der University of California in Riverside zeigt - das stimmt, bis zu einem gewissen Grad. Die Wissenschaftler teilten Probanden durch Vortests in eine Gruppe von Optimisten und eine mit Pessimisten. Beide Gruppen nahmen anschließend an den gleichen Experimenten teil, in denen es darum ging, die Haltung der Studienteilnehmer in Situationen mit möglicherweise negativem Ausgang zu erkunden. Dabei zeigte sich: Auch bei den Optimisten gibt es einen Moment, in dem diese sich innerlich auf den möglichen negativen Ausgang einer Situation innerlich vorbereiten. Auch sie rechnen mit dem Schlimmsten - vielleicht etwas später als die Pessimisten.
Auch Optimisten wappnen sich gedanklich für das Schlimmste, spektrum.de 14.12.16

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