Kranke Arbeitswelt 
Freitag, 22. Juli 2016 - Arbeit
Die FAZ hat ein interessantes Streitgespräch zwischen den Sozialforschern Hartmut Rosa und Martin Dornes veröffentlicht, in dem beide der Frage nachgehen, ob der Kapitalismus krank macht. "In der Regel liegen die Probleme in einem großen Mittelfeld von Arbeitsplatzgestaltung, persönlichen Fähigkeiten und der Unfähigkeit, sich abzugrenzen", erklärt Martin Dornes und rät zu Arbeitsplatzmanagement und psychologischer Beratung. Rosa hingegen richtet den Blick vor allem darauf, wie die äußeren Umstände das menschliche Innenleben immer mehr aus der Bahn bringen: "Was macht die Menschen wirklich krank? Wenn die Menschen sich engagieren und merken, es kommt nichts zurück, entwickeln sie irgendwann eine zynische Haltung und bekommen Burnout. Wichtig ist doch: Anstrengung, schnell rennen müssen ist für die Menschen kein Problem. Das macht sie ganz bestimmt nicht psychisch krank. Es ist geradezu umgekehrt: Es ist ein Faktor für psychisches Wohlbefinden, dass man sich gelegentlich oder auch häufig sehr anstrengen muss, um ein Ziel zu erreichen. Dann bekommt man die Erfahrung: Ich habe etwas geleistet. Burnout kommt daher, dass man jede Ziellinie aus den Augen verliert. Die Chefsekretärin hat doch das Gefühl: Es ist egal, wie effizient ich heute arbeite, morgen wird es noch schlimmer, da kommt noch was drauf." Gerade diese Spirale des "Es ist eigentlich nie genug" könnte es sein, die letztlich nicht nur immer mehr Menschen krank werden lässt, sondern auch zu einer irgendwie kranken Kultur führt.
Macht der Kapitalismus uns krank? FAZ 6.7.16

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Neue Ausgabe von evolve zum Thema "Lebendigkeit" 
Donnerstag, 21. Juli 2016 - Medien
Ab heute ist die neue Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur am Kiosk erhältlich. Unser Schwerpunktthema dieses Mal: Lebendigkeit - der Impuls, der alles bewegt. Wir glauben ja gerne zu wissen, was Lebendigkeit ist - und wie wir lebendig sein können. Gräbt man ein bisschen tiefer, eröffnet sich indes auch manche Überraschung. Einer meiner Lieblingsartikel im Heft ist der Beitrag des nigerianischen Psychologen und Aktivisten Bayo Akomolafe, der in seinem poetisch-provokanten Essay über den Tod des Gorillas Harambe im Zoo von Cincineti schreibt. Für Akomolafe ist dieser Zwischenfall eine Begegnung mit unseren Monstern unseren Klischees und Fantasien vom Monströsen und den Grenzen, die wir gegen dieses Unbekannte setzen, Grenzen, die uns auch von unserer Lebendigkeit trennen. Elizabeth Debold rüttelt in ihrem Gender-Artikel an all den gesellschaftlichen und kulturellen Vorstellungen von Lebendigkeit, die wir über die Jahrhunderte verinnerlicht haben, und öffnet den Blick dafür, dass Lebendigkeit "Soviel mehr als das" ist. In meinem eigenen Beitrag gehe ich der Frage nach, wie Bewegungen wie das Grundeinkommen oder der Minimalismus versuchen, uns aus kulturellen Zwängen zu befreien. Die Ausgabe hat einige Überraschungen parat - am besten selbst lesen!

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Vor allem Vielarbeiter verzichten auf Urlaub 
Mittwoch, 20. Juli 2016 - Studien
Jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland nimmt nicht seinen vollen Urlaub in Anspruch, so eine Untersuchung des DGB. Dabei sind es vor allem die Vielarbeiter, die auf die Erholungszeit verzichten. Je höher die Wochenarbeitszeit, umso eher fällt der Urlaub einfach mal aus. So lässt jeder Zweite, der 48 oder mehr Stunden pro Woche arbeitet, Urlaubstage verfallen. Die Hälfte der Arbeitnehmer, die mehr als zehn Überstunden pro Woche machen, verzichtet auf Urlaubstage, während es bei denen, die keine Überstunden machen, nur etwa jeder Vierte ist. Ein Grund: Oft lassen sich die hohen Arbeitsvorgaben nicht während der regulären Arbeitszeit erfüllen. Wenn der Druck im Unternehmen entsprechend groß ist oder Beschäftigte sogar Angst haben, ihren Job zu verlieren, fällt der Urlaub eben aus. Von den Arbeitnehmern, die in Sorge um ihre Anstellung sind, verzichteten 44 Prozent auf Urlaubstage, unter jenen mit größerer Sicherheit waren es aber immerhin noch 30 Prozent.
Jeder dritte Arbeitnehmer lässt Urlaubstage verfallen, Spiegel online 7.7.16

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Kultur permanenter Flexibilität begünstigt Arbeitssucht 
Dienstag, 19. Juli 2016 - Arbeit
Arbeitssucht ist ein Phänomen, dass wenig greifbar ist. Offizielle Statistiken gibt es nicht - auch, weil es keine anerkannte Diagnose für Workaholics gibt. Doch Experten gehen davon aus, dass in Deutschland zwischen 200.000 und 300.000 Menschen bereits arbeitssüchtig sein könnten. Das zwanghafte Verhältnis zum Beruf wird durch die kulturellen Veränderungen der letzten Jahre deutlich begünstigt. Ständige Mobilität und Erreichbarkeit, verdichtete Arbeitsprozesse, die Angst vor Jobverlust - es gibt viele gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die es Menschen erschweren, der Arbeit den rechten Platz im Leben zuzuweisen. Die Vielarbeiter geraten dabei leicht in eine Abwärtsspirale, denn je mehr sie sich selbst fordern, umso eher erschöpfen sie - und um so unproduktiver werden sie. Arbeitspsychologen fürchten bereits, dass dieses Phänomen nicht einfach verschwindet, sondern möglicherweise in den nächsten Jahren noch größer wird.
Bin ich ein Workaholic? Zeit online 5.7.16

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Wenn ein Job nicht reicht 
Montag, 18. Juli 2016 - Studien
Mit der Arbeit den Lebensunterhalt sicherzustellen, das ist einer wachsenden Zahl von Menschen nicht mehr möglich, zumindest nicht mit nur einem Job. Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zufolge stieg zwischen 2004 und 2015 die Zahl derjenigen, die neben einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit noch einen Mini-Job ausüben, von 1,4 auf 2,5 Millionen. Das sind bereits acht Prozent aller Arbeitnehmer. Von dieser Doppelbelastung sind mehr Frauen (56,1 Prozent) als Männer (43,9 Prozent) betroffen.
Zahl der Zweitjobber steigt um eine Million an, Die Welt 4.7.16

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Sommerzeit - Urlaubszeit 
Montag, 11. Juli 2016 - sonstiges
think.work.different macht Ferien! Ab 18. Juli sind wir wieder mit frischen News für Sie da!

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Crowdworking lockt mit Selbstwirksamkeit 
Freitag, 8. Juli 2016
Warum boomt das so genannte Crowdworking so, obwohl viele der neuen digitalen Selbstständigen kaum auf existenzsichernde Einkommen kommen? Der Wirtschafts- und Politikwissenschaftler Ayad Al-Ani hat das Phänomen näher untersucht und kommt zu dem Schluss, dass vor allem die Selbstidentifikation und Selbststeuerung dieser Arbeitsmodelle einen besonderen Reiz hat. "Offensichtlich sind beim Crowdworking Erfahrungen möglich, die die traditionelle Hierarchie mit ihrem Top-down-Management und ihren Machtspielen weniger hergibt. Manche Befragten empfanden zudem ihre Mitarbeit als eine Art 'Mikrounternehmer' reizvoll und als wichtige Lernerfahrung", so Al-Ani. Der Wissenschaftler betrachtet es allerdings auch kritisch, wie sich durch die neuen Arbeitsformen bewährte Standards des Arbeitnehmerschutzes aufzulösen beginnen. Gestärkt durch die kollaborativen Formen der digitalen Crowdarbeit glaubten viele der neuen Soloselbstständigen, ausreichend für ihre Interessen eintreten zu können. "Arbeitskämpfe, wie etwa der von Uber in Kalifornien, zeigten ein völlig neues Kooperationsmodell: Crowdworker organisieren sich zwar selbst, nur durch die Kooperation mit einer verhandlungserfahrenen traditionellen Gewerkschaft konnten aber schlussendlich erfolgreiche Ergebnisse erzielt werden. Dies erscheint uns als ein bemerkenswertes, zukunftsorientiertes Modell der Zusammenarbeit zwischen Crowdworkern und Gewerkschaften", so Al-Ani.
"Crowdworker glauben, dass sie sich selbst organisieren können", Zeit online 30.6.16


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Stresspegel bei der Arbeit steigt 
Donnerstag, 7. Juli 2016 - Studien
Die Techniker Krankenkasse hat anhand der Daten aus 29 Befragungen von insgesamt rund 9.000 Arbeitnehmern zwischen 2002 und 2015 festgestellt, dass der Stresspegel der Arbeitnehmer kontinuierlich anwächst. Heute sind etwa 7 von 10 Arbeitnehmern mit ihrer Jobsituation insgesamt zufrieden. Doch nahezu zwei Fünftel sagen inzwischen, dass der Job sie auch nach Arbeitsende noch stresse. In der ersten Hälfte des Untersuchungszeitraumes traf dies nur auf drei von 10 Arbeitnehmern zu. Unter den Führungskräften beschäftigen sich auch außerhalb der Arbeitszeit zwei Drittel mit Beruflichem - und jeder zweite empfindet dies als Belastung. Unter den Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung fühlen sich sogar drei von vier Personen dadurch gestresst.Vor 2009 klagten vier von zehn Arbeitnehmern über starke Zusatzbelastungen, in den letzten fünf Jahren war es bereits die Hälfte. Und 60 Prozent meinen, der Stress habe in den vergangenen zwei Jahren zugenommen.
Job? Mehr Last als Lust, WiWo 27.6.16

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