Arbeitsmarkt boomt, die Armut auch 
Dienstag, 10. Dezember 2019 - Studien, Arbeit
Die weltweiten Arbeitsmärkte haben sich seit der Finanzkrise 2008 zu großen Teilen erholt, die Beschäftigungsquoten sind längst wieder gestiegen. Die Lebensmöglichkeiten vieler Menschen scheinen sich dadurch allerdings nicht zu verbessern. Der von der Bertelsmann Stiftung kürzlich veröffentlichte Social Justice Index 2019 zeigt: In 25 von 41 Staaten der EU und der OECD stagniert das Armutsrisiko oder ist sogar gestiegen. Der Index untersucht jährlich, wie es in diesen Ländern um Armutsvermeidung, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesundheit, Nichtdiskriminierung und Generationengerechtigkeit steht. Dieses Jahr gingen die Spitzenplätze an Island und Norwegen. Deutschland landet auf dem zehnten Platz. Die USA sind auf Rang 36 eines der Schlusslichter. Für Deutschland zeigt sich: Obwohl die Beschäftigungsrate von 2013 bis 2018 von 73,5 auf 75,9 Prozent gestiegen ist, hat sich auch das Armutsrisiko erhöht - von 9,4 auf 9,8 Prozent. Studien wie diese machen deutlich, wie einseitig es ist, vor allem aus den Arbeitsmarktzahlen etwas über gesellschaftliche Chancen ableiten zu wollen. Prekäre Beschäftigungen beispielsweise mögen gut für die Statistik sein, für die Menschen sind sie es nicht.
Armut trotz Aufschwungs an Arbeitsmärkten nicht gesunken, welt.de 5.12.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Stress und Hektik sind das neue Normal im Job 
Montag, 9. Dezember 2019 - Studien, Arbeit, Management
Viel zu viel arbeiten, keine Pausen machen, am Rad drehen - Stress und Hektik scheinen immer mehr zum Normalzustand der Arbeitswelt zu werden. Eine neue Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit 6.600 Befragten zum Thema "Gute Arbeit" zeigt: 53 Prozent der Arbeitenden fühlen sich häufig gehetzt. Ein Viertel schafft die Arbeit nicht in der vorgegebenen Zeit. Genau so viele Menschen machen deshalb kürzere Pausen oder lassen sie gleich ganz ausfallen. Bis zur Hälfte der Arbeitenden hat dabei den Eindruck, diese Belastungen nicht bis zur Rente durchzuhalten. Der DGB ist alarmiert, auch weil drei Viertel der Unternehmen die Belastungsanalysen zum Schutz der Gesundheit, die laut Arbeitsschutzgesetz vorgesehen sind, gar nicht durchführt. Die Arbeitswelt scheint sich hier auf ein besorgniserregendes Überlastungsniveau einzupendeln. Und immer noch wird, wenn Menschen schließlich aufgrund von zu viel Stress erkranken, versucht, diese Probleme im persönlichen Bereich zu lösen, beispielsweise durch Therapien. Auf die Couch müsste eigentlich einmal unser Verständnis von Arbeit und dem, was für Menschen verkraftbar ist.
Mehr Stress – und mehr psychische Erkrankungen, FAZ 5.12.19

[ 1 Kommentar ]     Permalink
Die Überemotionalisierung der Arbeit 
Freitag, 6. Dezember 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Arbeit soll Spaß machen, erfüllend sein, Selbstverwirklichung ermöglichen. Ideen wie diese waren der Generation unserer Eltern wahrscheinlich noch fremd. Heute sind sie Gemeingut. Und leicht könnte man glauben, wenn man selbst einfach nur seinen Job machen möchte, läuft schon etwas grundlegend falsch. "Niemand sollte etwas machen, das er furchtbar findet – und niemand etwas, das er nicht kann. Aber in der öffentlichen Diskussion werden die emotionalen Anforderungen an den Job sehr hoch gehängt. Wenn man nicht jeden Tag strahlt vor Glück, dann stimmt angeblich etwas nicht. Das ist eine heillose Überforderung, die weder dem Einzelnen noch den Unternehmen guttut", sagt derJurist und Sachbuchautor Volker Kitz in einem Interview mit brand eins. Seine Befürchtung bei all dem Selbstverwirklichungsdrang: "Ich glaube nicht, dass Millionen Angestellte ein unglückliches Leben führen. Sie arbeiten in einer Buchhaltung, im Finanzamt, bei einer Versicherung, an der Supermarktkasse oder fahren eine Straßenbahn. Das ist die große Masse der Berufstätigen. Sie müssen sich angesichts all der Berichte über Leute, die sich mit ihrer Arbeit einen Lebenstraum erfüllen, vorkommen, als wären sie Idioten, die in ihrem Leben etwas Entscheidendes falsch gemacht haben." Kitz möchte die Dinge gerne in ein realistischeres Licht gerückt wissen. Er wünscht sich "mehr Wertschätzung für Leute, die mit einem normalen Job die Wirtschaft am Laufen halten", statt romantischer Verklärung.
Den Beruf lieben? Muss nicht sein., brand eins

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Bei der Führung ist Vertrauen oft Fehlanzeige 
Mittwoch, 4. Dezember 2019 - Studien, Arbeit, Management
Wunsch und Wirklichkeit klaffen bei Führungsfragen bisweilen sehr auseinander. Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Respondi mit rund 2.000 Fachkräften zeigt, was diese sich von ihren Chefs vor allem wünschen: fachliche Kompetenz (87,2 Prozent), Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern (86,1 Prozent) sowie Vertrauen und Rückhalt (84,4 Prozent). Erfüllt werden diese Erwartungen jedoch nur ansatzweise. Immerhin 65 Prozent halten ihre Chefs tatsächlich für kompetent. Wertschätzung erfahren nach eigenem Bekunden hingegen nur 58 Prozent. Und Vertrauen und Rückhalt sind nur für 56,5 Prozent der Befragten gegeben. Ähnlich groß sind die Lücken, wenn es um die Motivationsfähigkeit der Führenden geht und darum, die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter im Blick zu behalten.
Fachkräfte wünschen sich bessere Chefs, WiWo 26.11.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Feedback-Kultur oder totale Überwachung? 
Freitag, 29. November 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Manche sprechen von 360-Grad-Überwachung, andere von "Stasi-Methoden" - das beim Online-Versand Zalando eingesetzte Feedback-System Zonar beschwört öffentliche Diskussionen herauf. Eine Studie der Berliner Humboldt-Universität im Auftrag der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung zeigt, dass das System, mit dem 5.000 Vorgesetzte und Mitarbeiter von Zalando sich gegenseitig bewerten, bei vielen ein Gefühl von Überwachung, Leistungsdruck und Stress erzeuge. "Im Kern geht es darum, Beschäftigte permanent zu bewerten, zu kontrollieren und zu sanktionieren", heißt es in der Studie. Zalando ist da sicher kein Einzelfall, denn all die technischen Möglichkeiten zur Erfassung von Meinungen machen Daten transparent, die ansonsten eher in der Gerüchteküche oder dem Flurfunk im Diffusen verbleiben. Die Bewertung von Leistung und sozialem Verhalten lässt Mitarbeiter in dem Gefühl zurück, nicht mal mehr einen schlechten Tag haben zu dürfen. Eine interne Zalando-Umfrage zeigt - immerhin 67 Prozent der Beschäftigten würden das Unternehmen anderen als Arbeitgeber empfehlen. Und für Zalando selbst ist das Tool schlicht ein Mittel zur Leistungskontrolle. "Wir glauben, dass wir den Mitarbeitern mit Zonar sehr entgegenkommen", so Personalchefin Astrid Arndt.
Kritik an Software zur Personalbewertung bei Zalando, welt.de 20.11.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wie Kategorisierungen uns versteinern lassen 
Donnerstag, 28. November 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Unterscheidungsfähigkeit ist eine wesentliche menschliche Fähigkeit, die wir mühevoll in Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte entwickelt haben. Doch wenn sie zum Kategorisierungswahn wird, dann wird es für uns eng. Gerade im Business ist das Einordnen und Strukturieren eine gängige Methode, um die vorherrschende Komplexität handhabbar zu machen. Das hat Nebeneffekte, derer wir uns oft gar nicht bewusst sind. "Wir komprimieren die Elemente einer Kategorie und übertreiben ihre Ähnlichkeit. Gleichzeitig verstärken wir die Unterschiede zwischen den Elementen unterschiedlicher Kategorien. Wir diskriminieren, das heißt wir favorisieren bestimmte Kategorien. Und wir neigen zur Versteinerung, weil wir unsere Einteilungen für statisch halten", erklärt etwa der Verhaltensökonom Ernst Fehr. Kategorien suggerieren Eindeutigkeit und scheinen uns so etwas wie Verhaltenssicherheit zu geben. Aber sie stutzen die komplexe Realität auch zurecht. Fehr glaubt, dass wir Kategorien brauchen für ein "sinnvolles Verständnis der Welt". Und er empfiehlt Führungskräften, analytische Kompetenzen aufzubauen, Entscheidungskriterien immer wieder zu überprüfen und ihre Annahmen über Kategorien regelmäßig zu hinterfragen. Auf mich wirkt dieser Vorschlag wie der Versuch, ein bisschen Wachheit in grundsätzliche Enge zu bringen. Und das Beispiel zeigt, wie sehr wir doch in einem Denken verhaftet sind, das darauf angewiesen ist, alles auf eine Klarheit und Eindeutigkeit herunterzubrechen, die der Vielfalt des Lebens aber auch irgendwie grundsätzlich widerspricht.
Wie Sie Ihr Bauchgefühl überlisten, HBM 19.11.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Null Bock auf Führung 
Dienstag, 19. November 2019 - Studien, Arbeit, Management
Über Jahrzehnte schien der Aufstieg in eine Führungsposition für viele Berufstätige etwas sehr Erstrebenswertes. Doch inzwischen scheint das Blatt sich zu wenden. Eine repräsentative Befragung der "Initiative Chefsache", einem Zusammenschluss von Führungskräften unter der Schirmherrschaft von Kanzlerin Angela Merkel, mit 5.000 Personen zeigt: Die Neigung, ganz nach oben zu wollen, lässt deutlich nach. Bei der Erhebung im Vorjahr wollten noch 45,1 Prozent der Männer und 37,5 Prozent der Frauen im Job eine Führungsposition erreichen. Nun, ein Jahr später, sind an einer Führungsposition nur noch 40 Prozent der Männer und 33,7 Prozent der Frauen interessiert. Warum das so ist, zeigt die Studie nicht. Allerdings ist anzunehmen, dass selbst ambitionierte Menschen immer seltener bereit sind, das immense Spannungsfeld, das mit Führungspositionen verbunden ist, in ihr Leben zu lassen. Karriere bedeutet für sie vielleicht eher, etwas bewegen zu wollen, aber nicht um jeden Preis. Theoretisch kann das eine gute Entwicklung sein, denn bei all den Initiativen zu mehr Agilität in Unternehmen, die ja auch Hierarchien abbauen wollen, sind Führungspositionen vielleicht ohnehin ein Auslaufmodell.
Wer will schon Chef sein? spiegel.de 8.11.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Schläfrige Agilität 
Freitag, 15. November 2019 - Studien, Arbeit, Management
Agilität ist in aller Munde, vor allem in den Führungsetagen, schließlich möchte kein Manager, der etwas auf sich hält, diesen Trend verpassen. Doch wenn es um die Umsetzung geht, hinken viele Führenden hinterher. Sie glauben vielleicht, agil mit ihren Mitarbeiter*innen umzugehen, doch sehen diese das ganz anders, so die Erkenntnis einer Befragung des Jobportals Stepstone von 10.000 Fach- und Führungskräften. 61 Prozent der Befragten finden flache Hierarchien wichtig, doch nur in einem Drittel der Firmen seien diese auch gegeben. Die Anwendung agiler Methoden erscheint jedem dritten Befragten wichtig, umgesetzt werden sie allerdings gerade einmal in jeder zehnten Firma. Die Hälfte der Führungskräfte ist der Meinung, sie binde ihre Mitarbeiter gut in Entscheidungsprozesse ein, aber nur jeder sechste Mitarbeiter kommt zum gleichen Schluss. Ähnliches beim Thema Motivation. Zwei von drei Führungskräften glauben, sie motivieren ihre Mitarbeitenden, aber nur gut jede*r Vierte sieht das genauso. Agilität kommt also durchaus in vielen Unternehmen noch eher schläfrig daher.
Mitarbeiter wollen agil arbeiten – Unternehmen sind die Bremser, WiWo 29.10.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter