Wohlbefinden als Wirtschaftsfaktor 
Mittwoch, 11. Dezember 2013 - Arbeit
In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt richtet die Psychologin Ilona Bürgel den Blick darauf, warum es für Unternehmen hilfreich sein könnte, eine Kultur des Wohlbefindens gezielt zu fördern. "Glückliche Menschen leben länger und gesünder, sind produktiver, verdienen mehr, haben zufriedenere Kunden und Mitarbeiter und können Krisen besser meistern", so ihr Argument. Bürgel plädiert für ein "Recht auf gute Stimmung" im Unternehmen und führt dafür gute Gründe an. Da die Forschung zeige, dass negative Gefühle deutlich stärker wirken als positive, sei ein Verhältnis von 3:1 zugunsten des Positiven notwendig, um Negativspiralen zu vermeiden. Regelmäßige Pausen während des Arbeitstages, ungestörter Urlaub, pünktlicher Feierabend - die Möglichkeiten, die Stimmung in Betrieben zu verbessern, sind eigentlich recht einfach umzusetzen. Auch kleinere Veränderungen in der Arbeitskultur können große Wirkungen zeigen: "Starten Sie Aufwärtsspiralen: Teilen Sie gute Nachrichten mit vielen Menschen, beginnen Sie Teammeetings mit Erfolgsnachrichten, schreiben Sie Nettigkeiten in den Absender Ihrer E-Mails. Gute Gefühle ziehen weitere nach sich und stecken genauso an wie negative."
"Kranke Mitarbeiter stecken mit negativen Gefühlen an", HB 3.12.13


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Brauchen wir eine neue Zeit-Kultur? 
Dienstag, 10. Dezember 2013 - Arbeit
Die Zeit geht in einem interessanten Beitrag unserem heutigen Verständnis von Lebenszeit nach und wirft damit die Frage auf, ob wir als Gesellschaft nicht gar eine völlig neue Zeit-Kultur brauchen. Immer mehr Menschen, die es sich finanziell leisten können, reduzieren ihre reguläre Arbeitszeit - und zwar nicht alleine, wenn sie im Zuge der Familiengründung mehr Zeit für den Nachwuchs haben möchten, sondern eben auch, weil sie den Zeitgewinn für sich und ihre persönlichen Interessen als wertvoll und notwendig erachten. In der Arbeitsmarkt- und Familienpolitik findet diese Interessenlage bisher nur wenig Widerhall, da Bezugspunkt der meisten Maßnahmen immer noch eine Vorstellung von Vollerwerbstätigkeit und 40-Stunden-Woche ist. Teilzeit ist zumeist etwas für Frauen, die Kinder haben - oder beinahe schon dekadenter Luxus für diejenigen, die viel verdienen und sich geringere Wochenarbeitszeiten leisten können. Auf die Idee, dass Leben mehr bedeuten könnte als arbeiten zu gehen und Kinder großzuziehen, kommen indes nur wenige - darunter zum Beispiel die Bildungssoziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin Jutta Allmendinger, die vorschlägt: "32 Stunden sind die neue Vollzeit." Statistisch haben wir dieses Ziel schon erreicht, denn in Deutschland liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei 30,11 Stunden - sie verteilt sich allerdings auch auf Vielarbeiter, die bis zu 80 Stunden pro Woche ihrer Arbeit nachgehen, oder auf Menschen in "Zwangs-Teilzeit", die schlicht ihre Stundenzahl nicht aufstocken können. Weniger zu arbeiten, bleibt für viele Menschen vor allem deshalb ein Traum, weil ihre Löhne schlicht zu niedrig sind, um mit weniger Arbeitsstunden überhaupt über die Runden zu kommen. Und dennoch: An einem Punkt sollte man vielleicht einfach einmal beginnen, die Arbeits- und Zeitfrage unter neuen Vorzeichen zu diskutieren. Und nicht für fragen, was einzelne Menschen sich leisten können, sondern auch, was wir als Gesamtgesellschaft uns leisten wollen ...
Mehr muss es nicht sein, Die Zeit 5.12.13


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Meditation im betrieblichen Gesundheitsmanagement 
Donnerstag, 21. November 2013 - Arbeit
Die FAZ zeigt in einem großen Beitrag, warum immer mehr Firmen bewusst in ihr betriebliches Gesundheitsmanagement investieren und hier verstärkt auch auf Meditation setzen. Noch sind es vor allem eher die großen Unternehmen, die sich gesundheitsfördernde Maßnahmen leisten. Ob Fitness, Yoga oder zunehmend auch Formen der Meditation und Achtsamkeit - in Betrieben, die den Gesundheitsstand ihrer Mitarbeiter regelmäßig betrachten, sind die Handlungsnotwendigkeiten meist offensichtlich. Kleinere Firmen, bei denen das Personalwesen meist nicht viel mehr als die Lohnbuchhaltung bedeutet, tun sich hingegen noch eher schwer. Und selbst wenn sie Bedarf erkennen, scheuen sie meist vor konkreten Angeboten zurück, weil sie Arbeitsausfall fürchten oder auch der Nutzen von Gesundheitsförderung sich bisweilen nur schwer direkt nachweisen lässt. Was bedeutet es, wenn Mitarbeiter durch regelmäßiges Meditieren entspannter sind, sich besser konzentrieren können oder auch freundlicher werden im Umgang mit den Kollegen? Solche weichen Wirkungen sind häufig nur schwer messbar, und noch schwerer fällt es, ihren betriebswirtschaftlichen Nutzen klar zu beziffern. Andererseits legen die gängigen Statistiken zum Anstieg von Stresserkrankungen und Burn-outs nahe, dass zumindest rein rechnerisch kaum eine Firma von dem Phänomen nicht betroffen sein dürfte. Und immer mehr wissenschaftliche Studien belegen, dass Achtsamkeitsangebote und gesundheitliche Programme den Krankenstand verringern können und zugleich Mitarbeiter zufriedener werden lassen. Der Beitrag jedenfalls kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen es sich, so sie ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht riskieren möchten, eigentlich kaum noch leisten können, nicht durch entsprechende Angebote zu reagieren.
Meditieren mit Kollegen, FAZ 12.11.13


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Entspannung will gelernt sein 
Dienstag, 8. Oktober 2013 - Arbeit
Auch wenn das Thema Überlastung durch Stress längst zu weitreichenden Diskussionen in den Medien geführt hat, verändert sich die Arbeitswelt nur langsam, so dass der achtsame Umgang mit sich selbst und das gezielte Vermeiden von Überbeanspruchungen im Job nach wie vor eher Privatsache ist. Im Interview mit Zeit Online erklärt die Anti-Stress-Expertin Carola Kleinschmidt, dass es oft die überzogenen Ansprüche, die wir an uns selbst stellen, sind, die uns in die Stressspirale treiben: "Viele haben die verrückte Idee, dass sie sich erst entspannen dürften, wenn alles erledigt sei. Entspannung soll eine Belohnung sein. Aber womit will man denn fertig werden? Mit dem Leben? Wenn man das konsequent zu Ende denkt, dann dürfte man sich nie etwas Gutes tun." Da ein Zuviel an Stresshormonen im Gehirn vor allem das Angstzentrum stimuliert und dann vernünftige Entscheidungen zunehmend schwer fallen, rät die Expertin dazu, im Alltag immer wieder kleine Mini-Pausen - sei es ein kleiner Spaziergang, ein Kaffee zwischendurch oder einfach mal zehn Minuten Nichtstun - einzubauen, um Überbelastungen zu vermeiden. Schon diese kurzen Atempausen erleichtern es, wieder einen klaren Kopf zu bekommen und besser zu spüren, was einem wichtig ist. Diese Strategie der kleinen Schritte führe schon mittelfristig dazu, wieder zu einem besseren Gleichgewicht zu finden und sich nicht zu sehr von äußeren Ansprüchen vereinnahmen zu lassen.
"Gestresst zu sein, gehört zum guten Ton", Zeit online 26.9.13


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Teilzeit als Lebensstil 
Donnerstag, 5. September 2013 - Arbeit
Die Studien mehren sich, in denen die besondere Affinität der Generation Y zu einer guten Work-Life-Balance hervorgehoben wird. Ein Bericht auf Zeit online geht der Frage nach, wie diese Young Professionals ihr Leben und Arbeiten organisieren und beleuchtet dabei den neuen Trend zur Teilzeit-Arbeit. Weniger zu arbeiten, wird dabei zum neuen Lebensstil. Nicht um Kinder großzuziehen oder Angehörige zu pflegen, reduziert der Arbeitnehmer-Nachwuchs seine Zeit im Job, sondern aus purem Vergnügen. Sei es um einem aufwändigen Hobby nachzugehen oder einfach, um über etwas unverplante Tagesfreizeit verfügen zu können - die jungen Teilzeit-Arbeiter lieben ihre Jobs zwar, aber eben nicht 24/7. Für diese Haltung einzustehen, kostet bisweilen Mut, denn allzu gerne wird dieses souveräne Zeitmanagement noch als Drückebergerei abqualifiziert. Und oft ist es eher Zufällen zu verdanken, dass es Interessierten gelingt, in einem qualifizierten Beruf eine gute Stelle mit geringerer Wochenstundenzahl zu finden. Aber vielleicht werden sie über kurz oder lang zu den Vorreitern einer neuen Arbeitskultur, die wertschätzt, dass der Mensch eben mehr ist als ein reines Arbeitstier.
Ich mach mal halblang, Zeit online 26.8.13


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Sollten im Beruf Gefühle wohldosiert sein? 
Donnerstag, 4. Juli 2013 - Arbeit
In einem Interview mit dem Psychologen Gerhard Blickle geht die Zeit der Frage nach, welchen Stellenwert Emotionen im Berufsleben haben. "Gefühlsausbrüche sind Selbstentblößungen. Sie machen einen angreifbar und verletzlich. Wer starke Emotionen zeigt, wirkt schnell überfordert – als würde er durch die Situation beherrscht, anstatt sie zu beherrschen. Souveränität ist im Berufsleben aber ein wichtiger Wert. Man erwartet von Menschen, dass sie sich selbst steuern können. Besonders von Fach- und Führungskräften wünscht man sich Berechenbarkeit, Verlässlichkeit und Klugheit. Sinnvoll ist eine freundlich distanzierte Haltung. Das Innerste, das, was einen tief drinnen bewegt, geht keinen etwas an", so Blickles Annahme. Diese Distanz zum eigenen Gefühlsleben bedeutet jedoch nicht, dass Emotionen keine Rolle spielen oder gar verdrängt werden sollten. Blickle geht davon aus, dass eine Form der situativen Angemessenheit eine Balance zwischen innerem Antrieb und äußerem Ausdruck herstellen kann: "Einmal geht es um die grundlegende Motivation: Warum mache ich, was ich tue? Dafür spielen Emotionen, also etwa die Hoffnung auf Erfolg und die Furcht vor Misserfolg, eine große Rolle. Sie sind ein Antrieb. Die andere Frage aber ist: Wie mache ich das? Bei der Ausführung ist es gut, einen kühlen Kopf zu behalten. Dafür braucht man die Fähigkeit, seine Emotionen zu regulieren."
"Das Innerste geht keinen etwas an", Zeit online 2.6.13


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Warum Arbeitslosigkeit nicht immer ein Desaster ist 
Freitag, 14. Juni 2013 - Arbeit
Der Sozialwissenschaftler Benedikt Rogge hat in seiner Dissertation die Selbstbilder von Arbeitslosen betrachtet und kam in seinen 60 geführten Interviews zu dem Schluss, dass der Jobverlust je nach identitärer Selbstverortung auf die Betroffenen ganz unterschiedliche Wirkungen hat. Rogge nennt dies "biographische Identitätsmodi", die vom persönlichen Umfeld, dem eigenen Lebensentwurf, von Bildung und gesellschaftlichem Standing, aber auch von den Aussichten auf dem Arbeitsmarkt gespeist werden. Seiner Untersuchung zufolge tun sich vor allem Geringqualifizierte, für die Jobhopping, prekäre Arbeitsverhältnisse oder Phasen ohne Arbeit fast schon zum Alltag gehören, leichter mit Arbeitslosigkeit als Menschen, die gut qualifiziert sind und unter dem Druck stehen, wieder eine vergleichbare Tätigkeit zu finden. Menschen, die kaum Aussicht haben, nach dem Verlust eines Jobs wieder etwas vergleichbares zu finden, erfahren die Arbeitslosigkeit entweder als Katastrophe - oder nutzen sie als Weg zu einer Transformation, in der sie ihrem Leben unabhängig vom Thema Arbeit neuen Sinn verleihen. Manche Arbeitslose verfallen auch in einen Befreiungsmodus und nutzen die Phase ohne Job, um sich innerlich neu zu finden. Dies gelingt vor allem denen, die mit freier Zeit umzugehen wissen und sich in Sicherheit wiegen, bald etwas vergleichbares zu finden - und die finanzielle Sicherheiten haben, um sich nicht sogleich ökonomisch bedroht zu fühlen.
Arbeitslosigkeit kann eine Befreiung sein, WiWo 28.5.13


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Hierarchien belasten die Psyche 
Mittwoch, 12. Juni 2013 - Arbeit
Im Interview mit dem britischen Gesundheitsökonom Richard Wilkinson geht die taz der Frage nach, wie soziale Ungleichheit auf die Psyche wirkt. Fortschritt, wirtschaftliches Wachstum und damit verbunden auch höhere Einkommen haben in den letzten Jahrzehnten vor allem in den Industriestaaten dazu geführt, dass die Lebenserwartung immer weiter steigt. Ist die Einkommensungleichheit in einem Land jedoch besonders hoch, entsteht eine neue Form des Stresses, der gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich ziehe, so Wilkinson. Korrelationen zwischen finanziellem Wohlstand und Lebenserwartung sind zwar mathematisch korrekt, verschleiern jedoch die tieferen Wirkmechanismen, denn in den Augen des Gesundheitsökonoms ist es vor allem der soziale Status, der über Gesundheit und Wohlbefinden entscheide. Da Geld in vielen Gesellschaften diesen Status markiere, werde bei Deutungen häufig zu kurz gegriffen. Für Wilkinson ist augenscheinlich, dass es die starken Einkommensunterschiede und damit verbunden die Wahrnehmung hierarchischer Unterordnung ist, die sozialen Stress und damit psychische Erkrankungen begünstige. Er plädiert dafür, einerseits mehr Steuergerechtigkeit herbeizuführen und Schlupflöcher zu schließen und parallel dazu auf einen Abbau der zum Teil krassen Gehaltsunterschiede hinzuwirken.
"Hierarchien machen sozialen Stress", taz 24.5.13


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