Wenig Sinn für die Bedürfnisse anderer 
Montag, 12. Oktober 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Manchmal hat der Volksmund unrecht, beispielsweise wenn es darum geht, von sich selbst auf andere zu schließen. Das sollten wir nämlich vielleicht doch bisweilen tun, insbesondere wenn es darum geht, uns der Bedürfnisse unserer Mitmenschen bewusst zu werden. Eine Studie zeigt nämlich: Das, was wir für uns selbst als wesentlich erachten, können wir bei anderen oft nur schwer wahrnehmen. Befragt wurden rund 1.900 Personen aller gesellschaftlichen Schichten zu ihren eigenen körperlichen und psychischen Bedürfnissen sowie zu jenen, die sie von anderen Menschen annehmen. Dabei zeigte sich: Eine Mehrheit erachtet die eigenen körperlichen Belange als weniger wichtig als die psychischen. Ging es darum, die Verfassung beispielsweise von Obdachlosen einzuschätzen, zeigte sich, dass hier viele Menschen eher glauben, dass für diese Personengruppe vor allem das Körperliche in ihrer Situation wesentlich sei - wenngleich die Betroffenen eine ähnliche Selbstbetrachtung zeigten wie die über sie Befragten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir die psychischen Belange unserer Mitmenschen weniger wahrnehmen können, weil diese nicht deutlich sichtbar sind. Das verleitet uns dazu, ihnen kaum Aufmerksamkeit zu schenken.
Meine Bedürfnisse, deine Bedürfnisse, Psychologie heute 4.9.20

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Wie wir unser Selbstbild aufpolieren 
Donnerstag, 8. Oktober 2020 - Psychologie, Studien
Wir glauben meist, uns selbst zu kennen. Doch bei genauerem Hinsehen haben wir eine nicht von der Hand zu weisende Neigung, uns besser zu machen, als wir sind. Das illustrieren verschiedene Studien mehr als anschaulich. Legt man Menschen verschiedene Fotos von sich vor, die mal besser, mal schlecht und mal recht normal ausfallen, neigen die meisten Menschen dazu, die schönsten Fotos als repräsentativ von sich zu betrachten. Ähnlich sieht es aus, wenn wir unsere Leistungen einschätzen sollen. Innerer Maßstab sind dann nämlich unsere Bestleistungen - während wir bei der Beurteilung anderer eher deren durchschnittliche Leistung wahrnehmen. Diese Diskrepanz in unserem Urteil tritt vor allem in Bereichen besonders stark hervor, in denen es um Kompetenzen geht, in denen wir nicht so gut sind. Auch unsere Persönlichkeit hat wesentlichen Einfluss. Menschen, die sich als offen betrachten, schätzen sich beispielsweise auch als kreativer ein, als sie es bisweilen sind. Vielleicht sollten wir die kritische Betrachtung, die wir anderen zukommen lassen, bisweilen auch auf uns selbst anwenden.
Worin wir uns selbst überschätzen, spektrum.de 1.10.20

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Corona geht bei vielen voll auf die Psyche 
Montag, 5. Oktober 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Die Pandemie setzt uns zu, so viel ist gewiss. Und es geht dabei nicht nur um unser Unbehagen aufgrund vieler Einschränkungen unseres Lebenswandels. In einer im Auftrag der Axa-Versicherung erhobenen Befragung von 1.000 Deutschen zeigt sich, dass für viele die psychischen Belastungen erheblich gestiegen sind und das seelische Krankheitspotential steigt. Ein Drittel der Befragten fühlt sich durch die Krise deutlich stärker psychisch belastet, ein Viertel beklagt den Kontrollverlust im eigenen Leben. Hierzulande gelten 18 Millionen Menschen als psychisch erkrankt, allerdings lässt sich nur ein Fünftel von ihnen auch behandeln. Vor der Krise gaben von ihnen 76 Prozent, an Traurigkeit und Depression zu leiden, inzwischen sind es 81 Prozent. Frauen fühlen sich insgesamt von der Krise stärker betroffen als Männer. 44 Prozent von ihnen sehen allgemein mehr Herausforderungen und Probleme durch die Pandemie in ihrem Leben, bei den Männern sind es nur 31 Prozent. Die Versicherung warnt bereits davor, dass die Pandemie langfristig deutliche psychische Folgen zeitigen wird.
Ein Viertel der Deutschen verlor gefühlt die Kontrolle über das eigene Leben, welt.de 28.9.20

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Sollten wir Konsum wie eine Sucht betrachten? 
Freitag, 2. Oktober 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In der Diskussion um mehr Nachhaltigkeit spielt unser Konsum eine wesentliche Rolle, denn all das, was wir mit unseren Lebensstilen verbrauchen, entzieht uns über kurz oder lang die Lebensgrundlage. Irgendwie wissen wir das auch, aber warum fällt es uns so schwer, etwas zu verändern. Für den Trendanalyst Carl Tillessen hat diese Verleugnung verschiedene Ursachen. "Das Bedürfnis nach Teilhabe und Macht ist eng mit Konsum verbunden, insbesondere mit niederschwelligem Konsum. Je effizienter die Technologien werden und je einfacher es für uns wird, mit einem Fingerklick eine Bestellung auszulösen, die innerhalb immer kürzer werdender Zeit bei uns ankommt, werden wir uns immer mächtiger fühlen. Selbst wenn wir nicht alles kaufen oder bestellen, gibt uns das bloße Wissen um die unbegrenzten Konsummöglichkeiten ein enormes Gefühl der Ermächtigung", erklärt er. Ein weiterer Punkt - die Folgen unseres Handelns sind nicht unmittelbar erkennbar: "Die Schäden, die wir mit unserem Konsum anrichten, werden entweder nur zeitlich verzögert für uns spürbar oder sind geografisch zu weit von uns entfernt, sodass wir im Moment noch gar nicht genug Leidensdruck empfinden, um unser Verhalten zu ändern. Wir machen nur deshalb einfach immer so weiter wie bisher, weil es für uns so leicht ist, die Konsequenzen unseres Handelns zu verdrängen." Weil der Konsum uns viel gibt, möchten wir die gefühlte Ermächtigung nicht einfach aufgeben. Für Tillessen ist unser Konsumverhalten nicht einfach eine Unart, eine kleine Schwäche, die wir leicht ablegen können. Er betrachtet es eher als Sucht. "Die Wissenschaft ist sich inzwischen einig, dass es sich bei unserem Überkonsum um eine Verhaltenssucht handelt. Das heißt, die Diagnose ist schon da. Nur die dazugehörige Therapie ist noch nicht gefunden. Ein Raucher hört auch nicht mit dem Rauchen auf, nur weil man ihm sagt, dass es besser wäre, wenn er es täte. So ist es auch mit unserem Konsum. Man weiß, dass es eine Sucht ist, man geht aber trotzdem nicht dementsprechend damit um. Wenn wir unseren Überkonsum weiter als eine kleine harmlose Schwäche betrachten, werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen. Das gilt für unsere Gesellschaft als Ganze und für jeden Einzelnen als Individuum", so seine Diagnose.
„Wir glauben, dass Konsum uns gesellschaftlich und beruflich voranbringt“, faz.net 22.9.20

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Was bei der Arbeit zählt, sind Beziehungen 
Mittwoch, 30. September 2020 - Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Frustration oder das Gefangensein in einem Bullshit-Job ist für viele Menschen ein Problem. Andere hingegen werden angespornt davon, ihre Karriere anzutreiben. Für wieder andere ist ihr Job sogar Berufung. Die Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie Amy Wrzesniewski hat in ihren Studien herausgefunden, dass all diese Blickwinkel auf Arbeit in der Bevölkerung in etwa gleich verteilt sind, rund ein Drittel der Arbeitenden fällt in die jeweiligen Gruppen. Interessant ist dabei, dass die Haltung zur Arbeit weniger durch die Tätigkeit selbst bestimmt wird als vielmehr durch die Beziehungen, in denen die Menschen bei der Arbeit stehen. "Die entscheidende Komponente sind die Beziehungen, die Menschen zu ihrer Arbeit aufbauen. Es geht darum, wie sehr sie mit dem eigenen Wertesystem übereinstimmt und ob sie zur eigenen Identität passt. Wichtig sind auch die Beziehungen, die im Arbeitsumfeld entstehen. Kolleginnen und Kollegen, die einem das Gefühl von Gemeinschaft geben, dass man zu einer Gruppe gehört, mit der man sich identifiziert", so Wrzesniewski. Die Wissenschaft geht davon aus, dass etwa 20 Prozent unserer Lebenszufriedenheit von unserer Arbeit abhängen. Wer vor allem auf sein Einkommen fixiert ist, ist dabei deutlich unzufriedener als Menschen, die mit ihrer Arbeit auch andere Werte verbinden. Wrzesniewski sieht es gleichzeitig skeptisch, unbedingt die Arbeit zum zentralen Sinnfaktor im Leben machen zu wollen. "Ich finde es schwierig, wenn man so tut, als müsste jeder Mensch im Job seine Berufung finden. Denn das birgt ein starkes Werturteil. Es ist gar nicht möglich, dass jeder seiner Berufung nachgeht, so wie die Arbeitswelt beschaffen ist. Und selbst wenn: Wer würde sich in der Freizeit noch ehrenamtlich engagieren, wenn alle komplett in der Arbeit aufgehen? Es sind außerdem auch gar nicht alle Menschen darauf aus, ihrem Leben durch Arbeit Sinn zu verleihen. Allerdings sollten sie selbst darüber entscheiden können, ob sie einen sinnstiftenden Job machen wollen oder nicht", sagt sie.
"Arbeitslosigkeit wäre auf Dauer frustrierender als ein sinnloser Job", zeit.de 17.9.20

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Das Unangenehme anerkennen 
Montag, 28. September 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Resilienz ist unter den Vorzeichen der Pandemie zu einem besonderen Thema geworden, denn wir alle erleben seit Monaten, wie unsere gewohnten Lebenswelten einem rapiden Wandel unterworfen sind oder sogar in Teilen zusammenbrechen. Ein so großes und umfassendes Ereignis wie Corona lässt uns dabei leicht vergessen, dass wir eigentlich ständig mit Situationen konfrontiert sind, die uns zutiefst herausfordern oder auch schmerzen - und dass wir die meisten davon in ihren Auswirkungen durchaus über die Zeit in unser Leben integrieren können, ohne dauerhaft daran zu leiden. Der Psychologe Werner Greve hat in einem Buch dokumentiert, wie Menschen mit solchen Wendepunkten im Leben umgehen. Ihm ist dabei aufgefallen, dass wir eine Art innere Elastizität mitzubringen scheinen, die es uns ermöglicht, in unserem Leben eine sinnhafte Kontinuität zu entfalten. "Dass wir es schaffen, das Erlebte nicht vergessen oder verdrängen zu müssen. Und es trotzdem so einordnen, dass das Leben seinen Sinn entweder wiedergewinnt oder gar nicht erst verliert. Ich vergleiche das immer mit einem großen Baugerüst, das uns stützt und das wir umbauen müssen. Im ersten Moment denken wir: Jetzt ist das Leben zu Ende. Und dann müssen wir das Baugerüst Stück für Stück verändern. Wenn wir alle Stangen auf einmal umstecken würden, dann ginge das Gerüst kaputt. Aber wir können hier eine Stange umstecken und dort und nach einer längeren Umbauzeit steht kein Stück mehr da, wo es einmal gestanden hat", so Greve. Damit dies gelingen kann, sei es wichtig, einerseits das Schmerzhafte eines Erlebnisses anzuerkennen, aber auch verschiedene Blickwinkel einzunehmen: "Ich glaube, dass nichts an sich gut oder schlecht ist. Alles hat immer ganz viele Seiten, es hängt sehr von der Perspektive ab, und die Bewertung ist eben elastisch. Je mehr Perspektiven ich finde, desto gerechter werde ich - der Person, dem Ereignis, der Erfahrung, dem, was mir da wiederfahren ist. Und dann ist die Aufgabe natürlich auch, das Unangenehme nicht zu bestreiten." Für mich klingt da eine Unvoreingenommenheit mit, mit dem zu sein, was gerade tatsächlich ist. Und gleichzeitig offen zu bleiben für das, was sich daraus entwickeln kann. Das fällt nicht immer leicht, denn natürlich haben wir immer gewisse Wünsche an das Leben. Doch wenn diese enttäuscht werden, heißt das ja nicht, dass damit schon das letzte Wort gesprochen ist. Aus allem kann sich etwas entwickeln. Und vielleicht braucht es hier auch einfach unsere Neugier, dem Leben ein Stück weit seinen Lauf zu lassen und uns ihm hinzugeben.
„Wieder lachen lernen“, Psychologie heute 9.9.20


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Neuer Höchststand bei psychischen Erkrankungen 
Freitag, 25. September 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Unsere psychische Verfassung, zumindest gesamtgesellschaftlich betrachtet, scheint nur eine Richtung zu kennen - es geht bergab. Und dies nicht, weil Corona uns unter Dauerstress setzt. Die von der DAK ermittelten Krankschreibungen wegen psychischer Probleme haben im letzten Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Gegenüber 2018 erhöhten sich die Fehltage von Arbeitnehmer*innen wegen Depressionen, Angst- oder Belastungsstörungen um 24 auf 260 Tage pro 100 Versicherte. Erstmals hat die DAK diese Krankschreibungen 1997 gesondert gemessen. Seitdem haben sich die Krankschreibungen im Volumen um 239 Prozent erhöht. Einzelne Branchen sind dabei besonders betroffen. So kommt die öffentliche Verwaltung auf 382 Fehltage pro 100 Versicherte, gefolgt vom Gesundheitswesen (338 Tage) und Verkehr, Lagerei und Logistik (249 Tage). Am Widerstandsfähigsten scheinen Menschen zu sein, die in der Baubranche arbeiten (154 Tage) - allerdings dürften diese dann wahrscheinlich eher aufgrund von Muskel- bzw. Skeletterkrankungen bei der Arbeit fehlen. Alles in allem ein ernüchterndes Bild. Die DAK weist denn auch darauf hin, dass wir hier mit einem gesellschaftlichen Problem konfrontiert sind.
Rekord bei Krankschreibungen wegen psychischer Probleme, zeit.de 15.9.20

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Welchen Preis hat unser Lebensstil? 
Mittwoch, 23. September 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Immer wieder schwappt in der politischen Diskussion hoch, dass viele der Preise, die wir für das, was wir zum Leben brauchen, nicht abbilden, welche Kollateralschäden mit diesem Konsum verbunden sind. Der Lebensmittelanbieter Rewe will nun in einer neuen Filiale seiner Tochter Penny die versteckten Kosten, die nicht von den Lebensmittelpreisen beinhaltet sind, transparent machen. In dem neuen Nachhaltigkeitsmarkt soll neben dem gewohnten Ladenpreis für einige Eigenmarken ein weiterer Preis auch die Kosten für entstehende Umweltschäden und ähnliche Folgen der Lebensmittelproduktion sichtbar machen. Und obwohl diese Preisdifferenzen längst nicht alle möglichen Auswirkungen einbeziehen, sind sie bereits sehr beachtlich. 500 Gramm Hackfleisch etwa aus konventioneller Tierhaltung würden statt 2,79 dann 7,62 Euro kosten, was 173 Prozent mehr entspricht. Milch würde sich um 122 Prozent verteuern, Gouda um 88 Prozent. Bei Obst und Gemüse liegen die Aufschläge immer noch bei acht bis 20 Prozent. Und selbst Bio-Lebensmittel sind nicht frei von vernachlässigten "Nebenkosten" - bei ihnen fallen die Aufschläge allerdings etwas niedriger aus. Bio-Fleisch etwa müsste 126 Prozent teurer sein. Rewe erhofft sich von diesem Vorstoß einen pädagogischen Effekt. Wünschenswert wäre natürlich, wenn solche Berechnungen auch in der Gesetzgebung ihren Niederschlag finden und praktisch umgesetzt würden. Denn die Sozialisierung und Unsichtbarmachung all dieser Kosten bzw. realen Schäden lässt uns die Auswirkungen unseres Lebensstils nur schwer wirklich fassen.
Der wahre Preis der Wurst, taz.de 31.8.20

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