Emotionale Belastung durch Corona erhöht 
Freitag, 20. November 2020 - Psychologie, Studien
Nun hat auch die Bundesregierung damit begonnen, die psychischen Folgen der Pandemie stärker in den Blick zu nehmen. Eine in ihrem Auftrag durchgeführte Repräsentativ-Umfrage, die im September und Oktober vor den derzeit geltenden Beschränkungen erhoben wurde, zeigt: Beinahe 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung fühlen sich inzwischen emotional belastet aus Sorge um die Gesundheit ihrer Angehörigen. 55 Prozent empfinden Leidensdruck aufgrund der Unsicherheit, wie sich das Leben in den kommenden Monaten entwickeln wird. Für 15 Prozent gehören auch finanzielle Schwierigkeiten zu den Bürden der Corona-Situation. Und jeder Zehnte beklagt die fehlende Trennung zwischen Arbeit und Privatleben, die durch Home-Office-Situationen entsteht. Auch in den Statistiken der Krankenkasse findet diese Entwicklung steigender psychischer Belastungen inzwischen ihren Niederschlag. Der Anteil der psychischen Erkrankungen an allen Krankheitstagen insgesamt stieg in den ersten neun Monaten diesen Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozentpunkte auf 16,4 Prozent. Wobei diese Zahl natürlich nur die ärztlich diagnostizierten Erkrankungen widerspiegelt, nicht aber das subjektive Empfinden vieler Menschen, die sich einfach weiter durchwursteln.
Corona-Krise führt immer häufiger zu psychischen Problemen, welt.de 8.11.20

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Torpediert ein hoher Selbstwert unser Einfühlungsvermögen? 
Donnerstag, 19. November 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Irgendwie erscheint es uns auf den Blick logisch, dass man sich gerne mit Menschen umgibt, die das eigene Selbstwertgefühl steigern. Studien zeigen jedoch, dass gerade Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl gerade nicht so ticken. Sie springen eher auf Mitmenschen an, die ihr ohnehin schon negatives Selbstgefühl bestätigen. In der Psychologie ist dieses Phänomen seit 40 Jahren als Selbstbestätigungstheorie bekannt. Und kürzlich belegte eine amerikanische Studie den Effekt erneut, allerdings im Hinblick auf Einfühlungsvermögen. Die Probanden wurden mit Fallgeschichten konfrontiert, in denen Menschen mit hohem und niedrigem Selbstwert sich für einen Chef oder Mitbewohner entscheiden sollten, der diese entweder positiv oder negativ beurteilt. Dabei zeigte sich: Menschen, die selbst ein hohes Selbstwertgefühl hatten, konnten sich kaum vorstellen, dass jemand sich freiwillig einen negativen Bewertungskontext aussucht. Diejenigen unter den Probanden, die ein eher negatives Selbstwertgefühl hatten, zeigten hier indes mehr Einfühlungsvermögen und konnten sich eine solche Wahl eher vorstellen. Diese Tendenz zeigte sich in der Studie selbst dann, wenn die Probanden zuvor Informationen über den Selbstbestätigungseffekt erhalten hatten. In meinen Augen zeigt diese Studie nicht nur, wie stark unsere Selbstbilder wirken, sondern auch, dass Menschen, die sich stärker mit negativen Lebenserfahrungen identifizieren, vielleicht auch einfach verletzlicher sind - und damit offener für die Verletzlichkeiten anderer.
Selbstwertgefühl setzt der Empathie Grenzen, spektrum.de 5.11.20

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Wie wir uns Räume des Vertrauens schaffen 
Mittwoch, 18. November 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Menschen vertrauen zu können, erscheint unerlässlich im Leben. Und psychologische Studien zeigen, dass Menschen, deren Vertrauen enttäuscht wurde, sich dann einfach umorientieren, wem sie künftig vertrauen. In vier verschiedenen Studien wurden Szenarien betrachtet, in denen das Vertrauen von Menschen entweder durch ihre eher privaten Kontakte oder durch Institutionen wie den Arbeitgeber oder die Politik enttäuscht wurde. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass das Vertrauen dieser Menschen nicht grundsätzlich erschüttert wurde, sondern sie die Bezugsgruppe, der sie künftig vertrauten, veränderten. Wurde jemand beispielsweise im Privaten von Nahestehenden enttäuscht, vertraute er künftig stärker Menschen aus dem beruflichen Umfeld oder ähnlichen, eher öffentlichen Kontext. Umgekehrt suchten Menschen, die beispielsweise politisch das Vertrauen verloren, von da an Vertrauenspersonen eher im Familiären und privaten Umfeld. Dieser Effekt war zwar nicht groß, aber signifikant. Die Wissenschaftler erklären den Vertrauensumschwung damit, dass wir zutiefst auf Menschen angewiesen sind, denen wir vertrauen können. Und werden wir enttäuscht, suchen wir diesen tieferen Halt dann intuitiv bei anderen Menschen.
Wir müssen vertrauen, Psychologie heute 9.10.20

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Unsere Kultur systematischer Überlastung 
Montag, 16. November 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Studien, Arbeit
Immer mehr Psychologen warnen, dass wir die psychischen Folgen der Corona-Pandemie noch viel zu wenig in den Blick nehmen. Dabei ist unsere Alltagskultur auch ohne diese Krise bereits von vielfältigen Erfahrungen des Selbstverschleißes geprägt. Die Wirtschaftswoche hat sich einmal die Mühe gemacht, die diesbezüglichen Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien aus den vergangenen Jahren zusammenzustellen. Der Überblick zeigt: Gerade unsere Arbeitswelt scheint heute davon zu leben, dass Menschen regelmäßig die Grenzen ihrer Belastbarkeit systematisch ignorieren (müssen), um bei dem, was von ihnen gefordert wird, mithalten zu müssen. Schon 2013 litten laut Destatis 17,5 Prozent der Menschen unter Zeitdruck und Arbeitsüberlastung. Manche Bevölkerungsgruppen waren besonders betroffen, beispielsweise Führungskräfte (29 Prozent) und die Altersgruppe der 45- bis 55-Jährigen (20,2 Prozent). Eine Eurostat-Übersicht zeigt, dass in der EU etwa sechs Prozent der Bevölkerung unter Depressionen leiden, in Deutschland liegt der Wert mit 9,2 Prozent sogar etwas höher. Es sind Zahlen, die zum Nachdenken anregen. In den letzten Jahren überbieten sich die Krankenkassen immer wieder aufs Neue mit steigenden Zahlen zur psychosozialen Belastung der Bevölkerung. Doch immer noch wird dieses Phänomen meist individualisiert und versucht, durch persönliche Behandlung in den Griff zu bekommen. Eine Studie aus Schweden zeigte kürzlich, dass das womöglich zu kurz greift, denn individuelle Therapieerfolge werden oft genug durch die kulturellen Umstände, in die Behandelte zurückkehren, wieder negiert. Zeit, endlich mehr auf die kulturelle Dimension zu schauen!
Wenn Arbeit krank macht, WiWo 3.11.20

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Gehetzte Chefs, frustrierte Mitarbeiter 
Donnerstag, 12. November 2020 - Studien, Arbeit, Management
Immer unter Strom und ständig auf dem Sprung - nicht wenige Führungskräfte folgen diesem Selbstbild. Und sie wirken auch so auf andere, was für die Situation im Unternehmen eher kontraproduktiv ist. Eine Studie, für die 60 Führungskräfte und 277 ihrer direkten Mitarbeiter befragt wurden, legt nahe, welche Nachteile mit der hektischen Grundhaltung der Führenden verbunden sind. Sie neigen nämlich in der Erfahrung ihrer Untergebenen dazu, sie zu scheuchen, selten zu Wort kommen zu lassen und ihre Ideen abzulehnen. Insbesondere, wenn Vorgesetzte sich bewundert und respektiert fühlen, legen sie solche Verhaltensweisen laut Studie an den Tag. Ihr Wunsch nach schnellen Ergebnissen ohne viele Diskussionen vergiftet jedoch das Arbeitsklima und erzeugt bei den Mitarbeitern oft unnötigen Druck und Frustration. Die Studie empfiehlt, Vorgesetzte durch gezielte Trainings dafür zu sensibilisieren, welchen Schaden sie mit einem solchen Führungsstil anrichten und wie sie einen besseren entwickeln können.
Gehetzte Chefs schaden der Firma, FAZ 4.11.20

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Freizeitbeschäftigungen sind gut fürs Gemüt 
Dienstag, 10. November 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Wer in seiner Freizeit etwas macht, das ihm Freude bereitet, ist wesentlicher besserer Stimmung als Menschen, die keinem Hobby nachgehen. Eine britische Studie zeigt nun, dass angenehme Freizeitbeschäftigungen auch Menschen mit Depressionen in besserer Verfassung sein lassen. Diese Erkenntnis fußt in der Analyse der Daten einer Langzeituntersuchung, in der 8.800 ältere Erwachsene über zwölf Jahre lang mehrmals befragt worden waren. Den Wissenschaftlern lagen Angaben zur Gemütsverfassung vor und zu depressiven Symptomen sowie darüber, ob die Befragten einem Hobby nachgingen (wobei hier in der Studie nur Personen betrachtet wurden, die Beschäftigungen zum Zeitvertreib nachgingen ohne Sport - da Sport erwiesenermaßen auch das psychische Befinden positiv beeinflusst). Unter jenen, die einem Hobby nachgingen, war das Risiko, im Verlauf der Studie an einer Depression zu erkranken, um 32 Prozent geringer als bei Menschen, die keiner solchen Beschäftigung nachgingen. Bei jenen, die schon an einer Depression erkrankt waren, zeigte die Freizeitbeschäftigung positive Folgen. Die Erkrankten entwickelten weniger gravierende Symptome und ihre Chance auf Genesung war drei Mal so hoch wie bei den Erkrankten ohne Hobby.
Hilft ein Hobby gegen Depression?, spektrum.de 23.10.20

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Keine Lust auf Chef-Sessel 
Montag, 9. November 2020 - Studien, Arbeit, Management
Die Pandemie scheint vielen Menschen die Lust auf eine berufliche Karriere zu nehmen. Eine Repräsentativbefragung im Auftrag der "Initiative Chefsache" zeigt, wie die Ambitionen des beruflichen Aufstiegs in den letzten Monaten gebröckelt sind. Befragt wurden jeweils mehr als 1.000 Arbeitnehmer zu drei Zeitpunkten - im Januar vor Beginn der Pandemie, im April nach dem ersten Lockdown sowie im September. Im Januar gaben noch 46 Prozent der Befragten an, eine Führungsposition anzustreben. Gegenwärtig sind es gerade einmal noch 14 Prozent. Mit der Pandemie haben sich auch die Arbeitsgewohnheiten und damit die -wünsche verändert. 81 Prozent der Befragten gaben im September an, auch künftig die Möglichkeit nutzen zu wollen, von zuhause aus zu arbeiten. Die Hälfte plädiert für ein Recht auf Home Office. Und 45 Prozent gaben an, künftig mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit daheim verbringen zu wollen.
Chef sein? Och nö..., Manager Magazin 19.10.20

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Wenn überraschende Lösungen im Schlaf kommen 
Mittwoch, 4. November 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Schlaf ist wichtig, damit sich Körper und Geist regenerieren können. Doch die Wissenschaft zeigt auch, dass sich in unserem Gehirn im Schlaf zugleich überraschende Einsichten einstellen können. Das liegt daran, dass unser übliches Denken, während wir ruhen, aus seiner Routine gerissen wird. Im Non-REM-Schlaf, den ruhigeren Schlafphasen also, kann unser Gehirn Informationen in sinnvolle Kategorien einordnen. Im REM-Schlaf hingegen, der Traumphase, entstehen Perspektiven, die über diese Begrenzungen hinausreichen, so dass zwischen Informationen unerwartete Verbindungen entstehen können. Das liegt daran, dass in dieser Schlafphase Inhalte, die unser Gehirn gespeichert hat, oft spontan aufgerufen werden, also aus unseren üblichen Denkschubladen herausgeholt werden - und während wir träumen auf ungeahnte Weise zusammenfinden. Ich habe den Eindruck, dass solche Phänomene sich sogar schon zeigen können, wenn man gar nicht richtig schläft. Wenn ich mein Mittagsschläfchen mache, wobei ich allenfalls ein bisschen Döse, kommen mir immer wieder Assoziationen, die meinem Denken zuvor nicht zugänglich waren. Es lohnt sich also, gut zu schlafen.
Kann Schlaf Probleme lösen?, wissenschaft.de 21.10.20


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