Zwei Stunden Grün pro Woche tun der Seele gut 
Dienstag, 25. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
In der Natur zu sein, wirkt wie Balsam auf die menschliche Seele und tut der Gesundheit gut. Im Rahmen einer Gesundheitsstudie mit 20.000 Teilnehmenden in England konnten Wissenschaftler nun klassifizieren, wie viel Naturerfahrung dabei das höchste Wohlgefühl auslöst. Es ist egal, ob man immer mal wieder in den Park geht oder am Wochenende einen längeren Ausflug aufs Land macht. In der Datenauswertung zeigt sich, dass Menschen, die jede Woche 120 Minuten in grüner Umgebung verbringen, in der Studie die besten Werte im Hinblick auf Gesundheit und Wohlbefinden aufwiesen. Dabei ist es gleich, ob diese Zeit in kleinen Einheiten oder am Stück draußen verbracht wird. Auch stellten die Forscher fest, dass mehr als diese zwei Stunden diese positiven Werte nicht weiter verbessern. Zwei Stunden, das ist selbst in einem sehr beschäftigten Alltag nicht viel. Es lohnt sich also, zwischendurch immer mal wieder rauszugehen.
Zwei Stunden Natur pro Woche sind optimal, wissenschaft.de 14.6.19

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Laune hängt auch vom Essen ab 
Montag, 24. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Viele Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln werben damit, dass sich mit zugeführten Vitaminen und Nährstoffen auch die Stimmung verbessern lasse. Doch stimmt das wirklich? Die Forschung zeigt: Wer ausreichend Gemüse und Ballaststoffe zu sich nimmt, hat gute Chancen, ausgeglichen zu sein. Insbesondere bei Übergewichtigen, deren Disposition zu Depressionen höher ist, ist dies hilfreich. Eine Studie untersuchte nun, ob Übergewichtige auch von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren, die die Vitamine und Spurenelemente enthalten, denen eine depressionsminderne Wirkung nachgesagt wirkt. Bei einer Untersuchung mit mehr als 1.000 Übergewichtigen, geteilt in eine Kontrollgruppe, die Placebos erhielt, und eine Gruppe, die mit entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln versorgt wurde, zeigte sich indes keine vorbeugende Wirkung. Ernährungs- und Stimmungsberatungen hingegen erwiesen sich als hilfreich. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie Wissenschaft versucht, komplexe menschliche Vorgänge auf überschaubare, behandlungsfähige Sachverhalte zu reduzieren. Vielleicht sind es nicht nur die Vitamine, die über den Stoffwechsel unsere Stimmung beeinflussen, sondern auch das Wohlgefühl, das sich einstellt, wenn wir uns mit Dingen ernähren, die Körper und Geist gut tun - und dieses Guttun und Wohlfühlen ist eben weit mehr als nur eine chemische Reaktion.
Gute Ernährung statt Kapseln, psychologie-heute.de 8.5.19

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Die Bewusstseinsindustrie im Visier 
Freitag, 21. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Die Selbstoptimierungserwartungen unserer Kultur werden in letzter Zeit häufiger in den Blick genommen, insbesondere im Kontext des um sich greifenden Achtsamkeits-Trends. "Abschalten, auftanken, durchstarten: Wer zu dieser Wortwahl greift, der signalisiert bereits, worum es geht. Nämlich gerade nicht darum, wirklich innezuhalten und zu sich zu kommen, sondern darum, eine Maschinenwartung durchzuführen", so der Philosoph Philip Kovce in einem Essay für den Deutschlandfunk. Kovce deutet darauf, dass es letztlich in unserer Hand liegt, was wir von all den Achtsamkeits- und Meditationsmethoden erwarten - und welche Schlüsse wir aus dem ziehen, was wir durch sie erfahren. Sind wir auf der Suche nach authentischer Inspiration? Streben wir nach einem besseren Stand im Leben, danach, Herr über die eigene Sinngebung zu sein? Oder wollen wir einfach nur in vorgegebenem Rahmen besser funktionieren? Kovce lädt dazu ein, genauer hinzuschauen: "In Goethes 'Maximen und Reflexionen' heißt es: 'Alles, was unsern Geist befreit, ohne uns die Herrschaft über uns selbst zu geben, ist verderblich.' Dass sich der Geist jedoch weitaus leichter befreien lässt, wenn er, anstatt sich zu beherrschen, sich selbst aufgibt, ist dabei die Crux. Das Erfolgsgeheimnis zahlloser Selbstoptimierungsangebote besteht dementsprechend darin, dass sie ausgerechnet das Selbst außen vor lassen. Sie gaukeln dem erschöpften Selbst vor, sich von seinen Sorgen und Nöten freikaufen zu können, und fesseln dabei gerade das freie, unerschöpfliche Ich, das sich allein am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann."
Mit Achtsamkeit besser funktionieren, Deutschlandfunk 13.6.19

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Achtsamkeit in der Kritik 
Dienstag, 18. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Die Achtsamkeitsforschung scheint sich auf eine neue Differenzierung zuzubewegen. Erst kürzlich erschien eine Studie, die zutage brachte, dass nicht wenige Meditierende beim Üben sehr unangenehme Erfahrungen machen - und dann oft nicht wissen, wie sie damit umgehen können. Eine Studie des Sozialpsychologen Simon Schindler an der Universität Kassel zeigt nun, wie Achtsamkeit auf moralische Reaktionen wirkt - und sie wurde schon vielfach fehlinterpretiert. In der Versuchsreihe hatten die Wissenschaftler versucht, bei ihren Probanden Schuldgefühle zu erzeugen, beispielsweise indem sie Fleischesser mit Tierleid konfrontierten. Die Testpersonen, die zuvor meditiert hatten, zeigten dabei seltener ein schlechtes Gewissen als die Teilnehmer der nicht-meditierenden Vergleichsgruppe. Schindler will dieses Ergebnis allerdings nicht dahingehend interpretiert sehen, dass Achtsamkeit grundsätzlich die Moral untergrabe. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt er, wie Achtsamkeit zur Impulskontrolle beiträgt und es Menschen ermöglicht, nicht sofort emotional zu reagieren. "Wir sagen aber nicht per se: ‚Achtsamkeit führt zu antisozialem Verhalten‘. Aber es kommt auf die Situation an, da sind wir dran weitere Studien zu machen und die Idee ein bisschen auszubauen. Einfach um dafür zu sensibilisieren, was sind mögliche Nebenwirkungen von Achtsamkeit", so Schindler. Man könnte auch fragen: Wie aussagekräftig sind in einem Versuch produzierte Schuldgefühle? Veranlassen diese wirklich Menschen dazu, ihr Verhalten zu verändern? Dass die Meditierenden in der Studie weniger emotional reaktiv agierten, gibt nämlich noch keinerlei Aufschluss darüber, ob die Erfahrungen nicht in ihnen nachwirken - und sie vielleicht später eine Verhaltensänderung in Erwägung ziehen. Ich finde es sehr wünschenswert, dass mehr Studien zu solchen Fragestellungen durchgeführt werden. Und dass man sich dabei auch auf Settings zubewegt, die mehr Alltagsnähe haben. Das Labor ist nicht das Leben. Und was nutzen die schönsten Schuldgefühle, wenn dann doch alles beim Alten bleibt?
Die Nebenwirkungen der inneren Ruhe, Deutschlandfunk 7.6.19

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Wie oft wir uns doch selbst stressen 
Donnerstag, 13. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Spiegel Wissen hat ein Gedächtnis-Coaching-Programm entwickelt, das tief Blicken lässt, was unsere kulturellen Gewohnheiten angeht. Die Übungen, die das Programm bei Reizüberflutung und gegen den Multitasking-Wahn empfiehlt, zeigen, wie sehr wir anscheinend oft selbst den Stress, den wir empfinden, auslösen - und das unnötigerweise. Eine Übung beispielsweise rät dazu, jeden Tag für 10 bis 15 Minuten eine medienfreie Pause zu machen. Eine andere lädt ein, einmal bewusst im eigenen Alltag zu beobachten, wie oft man sich selbst in ein Multitasking hineinmanövriert und wie man sich dabei und danach fühlt - um dann als Übung ganz bewusst die Dinge, die man so stressverstärkend miteinander verkoppelt, einmal einzeln für sich zu machen. Ich glaube durchaus, dass diese Übungen dabei helfen können, mehr zur Ruhe zu kommen und bewusster mit den Einflüssen des Lebens umzugehen. Was mich ein bisschen erschreckt hat beim Lesen, ist die Tatsache, wie wir uns oft selbst auslaugen, ohne uns dessen bewusst zu sein. Denn diese Beispiele sind nicht einfach persönliche Eigenheiten, eher schon ein kulturelles Phänomen.
Handy weglegen, Stress abstreifen, spiegel.de 24.5.19

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Meditieren tut auch der Partnerschaft gut 
Mittwoch, 12. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
In der Meditationsforschung wird meistens untersucht, wie Achtsamkeitsübungen auf die Person wirken, die sie praktiziert. Christopher May, Assistenzprofessor an der Universität Groningen, ist nun mit einer kleinen Studie einen Schritt weiter gegangen. Er ließ 36 Probanden in einer achtwöchigen Testzeit für zwei Wochen jeden Tag eine 15-minütige Audio-Meditation absolvieren. Die Meditierenden wie auch ihre in dieser Zeit nicht meditierenden Partner*innen wurden täglich mit einem Fragebogen im Hinblick auf ihre Achtsamkeit, Stimmung und auch die Interaktion innerhalb der Partnerschaft untersucht. Dabei zeigte sich: Die Meditierenden zeigten am Ende der Studie mehr Achtsamkeit und weniger negative Gefühle. Gleichzeitig waren ihre positiven Gefühle verstärkt. Bei den Partner*innen zeigte sich ein interessanter Effekt - auch ihre negativen Gefühle hatten während der Studie abgenommen. Ihre Werte im Hinblick auf Achtsamkeit und positive Emotionen waren allerdings unverändert. Der Wissenschaftler deutet diese ersten Ergebnisse dahingehend, dass durch die größere Gelassenheit der Meditierenden womöglich innerhalb der Beziehung weniger Streitpunkte auftraten, was den positiven Effekt auf die nicht meditierenden Partner erklären könnte. Für eine Klärung der tieferen Zusammenhänge wären allerdings weitere Studien notwendig.
Positive Energie: Wie du durch Meditation deine Mitmenschen beeinflusst, Fit for Fun 6.6.19

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Wohlfühlen als Basis des Haushaltsplans 
Dienstag, 11. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Success Stories
Die Regierung Neuseelands ist mit einem mutigen Schritt nach vorne geprescht. Künftig sollen Haushaltsausgaben des Landes einer besonderen Prämisse folgen - sie müssen erwiesenermaßen einen Beitrag zum "Wohlbefinden" der Bevölkerung leisten. Was darunter zu verstehen ist, wird durch fünf Kriterien definiert, von denen die Ausgaben künftig mindestens eines erfüllen müssen. Sie sollen der Verbesserung der mentalen Gesundheit dienen, die Kinderarmut senken, die Benachteiligung der indigenen Bevölkerung abbauen, die Entfaltung unter den Vorzeichen der Digitalisierung fördern oder den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft mit niedrigen Emissionen fördern. Wenn doch mehr Politiker*innen so mutig wären!
New Zealand’s Next Liberal Milestone: A Budget Guided by ‘Well-Being’, New York Times 22.5.19

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Burn-out wird offiziell als Krankheit anerkannt 
Freitag, 7. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft
Die Weltgesundheitsorganisation hat angekündigt, dass Burn-out künftig als Krankheit anerkannt werden soll. In der neuen Klassifikationsliste ICD 11, die ab 2022 gelten soll, wird Burn-out dann als Syndrom geführt, das aufgrund von "chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird", auftritt. Allein diese Definition finde ich schon mehr als kritisch, da sie einen bestimmten Zusammenhang setzt, nämlich, dass chronischer Stress auch erfolgreich verarbeitet werden kann. Die WHO selbst weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Definition nur für Arbeitskontexte gelten soll, gibt sich also sehr genau. Aber bei diesem anderen Detail wird einiges übersehen. Ich bin keine Medizinerin, aber in medizinischen Berichten lese ich immer wieder, dass chronischer Stress nur eines ist - nicht lebensdienlich bzw. schädlich. Sicherlich ist die Stressschwelle für jeden Menschen eine andere, aber chronisch bedeutet dauernd, ständig. Verschiedene Studien zeigen, dass beispielsweise Tiere, die Dauerstress ausgesetzt werden, schneller sterben. Es scheint also Grenzen zu geben, oberhalb derer lebendige Organismen, und dazu zählen auch wir Menschen, Stress nicht mehr verarbeiten können. Die WHO-Definition ist gefährlich, denn sie bringt im Kontext von chronischem Stress qua Definition ins Spiel, dass er vielleicht doch individuell verarbeitet werden kann. Betroffene, denen das nicht gelingt, können dann zwar wunderbar als krank klassifiziert werden. Aber diese Klassifikation lässt die äußeren Umstände, die zur Erkrankung führen, völlig außer acht.
Burn-out erstmals als Krankheit anerkannt, zeit.de 28.5.19

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