Die Vorurteile der künstlichen Intelligenz 
Freitag, 9. Juni 2017 - Lebensart, Wissenschaft, Arbeit
In Bewerbungsprozessen ist es bereits an der Tagesordnung, das die Unterlagen der Bewerber von Computern vor- und aussortiert werden. Viele Prozesse des alltäglichen Lebens werden längst, ohne dass uns dies allzu bewusst ist, von Algorithmen gesteuert. Eine wissenschaftliche Arbeit im Auftrag der Bertelsmann Stiftung legt nun Ansätze vor, die es erleichtern sollen, die Blackbox dieser Algorithmen zu öffnen und ihre Selektionskriterien besser zu überprüfen und zu überwachen. Es geht darum, soziale und politische Interventionsmöglichkeiten zu schaffen, denn die von Menschen programmierte Logik kann ebenso Vorurteile und Diskriminierungen hervorrufen wie das direkte menschliche Handeln. Mit dem Ansatz der Wissenschaftler könnten Algorithmen künftig Risikoprofile erhalten und es sollte möglich werden, die Entscheidungssysteme auch im Hinblick auf kulturelle und gesellschaftliche Wirkungen zu überprüfen.
Gefährliche Algorithmen auf dem Prüfstand, 2.6.17

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Studie zu Sensibilität und Wahrnehmung 
Montag, 29. Mai 2017 - Wissenschaft
Haben manche Menschen eine überdurchschnittlich feine Wahrnehmung? In der Forschung zeigt sich, dass Menschen sich darin unterscheiden, wie viele und wie detailreiche Sinneseindrücke sie aufnehmen und verarbeiten können. Eine Studie des Universitätsklinikums Freiburg versucht nun herauszufinden, welche Zusammenhänge zwischen dieser visuellen Aufmerksamkeit und der Sensibilität bestehen. Die Erhebung gliedert sich in die Beantwortung eines Fragebogens und das Lösen einer Aufmerksamkeitsaufgabe. Unter allen Teilnehmern der Studie werden als Dank für die Mitwirkung mehrere Büchergutscheine verlost. Details zum Aufbau des Forschungsprojekts und wie Sie sich beteiligen können, finden Sie hier:
http://sensibilitaet-studie.simplesite.com

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Den Autopilot einfach mal stoppen 
Montag, 15. Mai 2017 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit
Die Stressspirale am Arbeitsplatz lässt uns leicht besinnungslos werden. Dann taumeln wir von einer Aufgabe zur nächsten, sind völlig im Reaktionsmodus und verlieren darüber das Gespür für uns selbst. In einem Interview mit der Kölnischen Rundschau erklärt der Body-Mind-Mediziner Prof. Dr. Tobias Esch, wie sich durch etwas mehr Bewusstheit die menschliche Selbstheilungskompetenz ins Spiel bringen lässt. "Stress ist eine der größten Herausforderungen der Selbstregulation. Stress ist ein Überlebensmechanismus, die biologische Antwort auf eine potenziell lebensbedrohliche Situation. Dafür werden im Körper Veränderungen begünstigt, die für Kampf und Flucht notwendig sind. Entscheidend ist die Dauer, Dosis und Art des Stresses. Auch vermeintlich positiver Stress ist auf Dauer nicht gut. Körperlicher Stress ist zwar auch nicht gut, aber er hat in der Regel ein natürliches Ende. Mentaler Stress hingegen, der im Kopf entsteht, ist nur schwer zu begrenzen, zumal wir die Fähigkeit haben, mit den Gedanken in die Zukunft und in die Vergangenheit zu gehen. Zudem neigen wir dazu, das Negative stärker zu wahrzunehmen. Dieser gedankliche Stress schafft sich ein Eigenleben. Gefährlich wird es, wenn der Stress chronisch wird. Wer dauerhaft unter Stress steht, sorgt dafür, dass verschiedenste Entzündungsprozesse im Körper begünstigt werden, die bis auf die Zellkernebene nachweisbar sind", so Esch über das Eigenleben von Stress. Wacher und unvoreingenommener mit dem zu sein, was gerade ist, kann hingegen nicht nur die Bewusstheit im Umgang mit Herausforderungen stärken, sondern auch Stresskreisläufe durchbrechen: "Es geht dabei darum, dass man mit der Kraft der Gedanken eine positive Sichtweise auf bestimmte Situationen bekommt und dass zum Beispiel der Stress, den ich empfinde, wenn ich im Stau stehe, eigentlich nur in meinem Kopf entsteht. Es geht nicht darum, eine rosarote Brille aufzusetzen und sich die Welt schönzureden. Vielmehr geht es um Akzeptanz und Gelassenheit, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind."
Dem inneren Arzt vertrauen, Kölnische Rundschau 25.4.17

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Wie ticken wir Menschen wirklich? 
Mittwoch, 3. Mai 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Die Neurowissenschaften haben in den vergangenen Jahren Details über unser menschliches Dasein zutage gebracht, die unser Selbstverständnis grundlegend verändern können. Der Hirnforscher Wolf Singer beispielsweise ergründete immer wieder in Dialogen mit dem Mönch Mathieu Ricard, wie unsere Selbstwahrnehmung unser Dasein prägt. Gerade haben beide einen neuen Dialogband veröffentlicht, Jenseits des Selbst. "Sowohl der Buddhismus als auch die Neurobiologie gehen davon aus, dass Wahrnehmungen konstruiert sind und die Wirklichkeit anders sein kann, als wir sie wahrnehmen. Die Buddhisten berufen sich dabei auf die nach innen gewandte Erforschung ihrer Wahrnehmungsprozesse. Ricard geht davon aus, dass die Kultivierung inhaltsloser Bewusstseinszustände zu einer objektiveren Wahrnehmung der Realität verhilft. Hier sind wir jedoch unterschiedlicher Ansicht. Für uns ist Bewusstsein immer mit Inhalten verbunden", erzählt Singer in einem Gespräch mit der Frankfurter Neuen Presse. Der Unterschied, den er hier macht, ist spannend. Wer in der Meditation schon einmal Momente der völligen geistigen Leere erfahren hat, und seien sie noch so kurz, entwickelt eine Ahnung, wie es ist, auf die Welt und sich selbst zu blicken, ohne diese Wahrnehmung unmittelbar mit bereits Erlebtem und Gewusstem zu verbinden. Es fällt schwer, sich das vorzustellen, denn in diesen Minimalmomenten löst sich unser Selbst auf - und wir können dem Leben in einer ungeahnten Freiheit begegnen. Die klassische Hirnforschung scheint so weit noch nicht zu gehen. Auch im Hinblick auf Selbstkultivierung setzen Ricard und Singer unterschiedliche Akzente. "Als tibetanischer Buddhist vertritt Mathieu die Ansicht, dass sich bestimmte Verhaltensdispositionen durch Meditation trainieren lassen. Die Grundidee: Ich muss von den vielen emotionalen Reaktionsweisen, die mir zur Verfügung stehen, die negativen wie Neid, Missgunst oder Aggressionen abschwächen und positive Affekte wie Mitgefühl und Nächstenliebe kultivieren. Anders als Mathieu glaube ich aber, dass auch negative Affekte wichtig sind. Man muss manchmal jemanden nicht mögen dürfen!", so Singer. Es mutet fast an, als wolle Singer hier die Inhalte des Bewusstseins nicht ganz loslassen. Was verständlich ist, denn wer bin ich, wenn ich zunächst einmal auf meine Bewertungen verzichte? Ricards Perspektive hat nichts damit zu tun, die eigenen Befindlichkeiten zu verleugnen. Es geht wohl eher darum, sie immer wieder einmal für einen Moment zurückzustellen und wahrzunehmen, was diese Unvoreingenommenheit in einem selbst verändert. Treten Mitgefühl und Nächstenliebe beispielsweise durch Üben immer stärker hervor, verringert sich womöglich auch die innere Neigung, andere nicht mögen zu wollen. Diesen feinen Wendepunkt scheinen die Neurowissenschaften noch aus sicherer Distanz zu umkreisen. Aber vielleicht entwickelt sich die Wissenschaft ja in den nächsten Jahren auch dahin, diese Grenze der Annäherung stärker zu erforschen.
Interview mit Wolf Singer: "Erziehung ist das Wichtigste", FNP 19.4.17

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Der Wald heilt wie von selbst 
Mittwoch, 19. April 2017 - Lebensart, Studien, Wissenschaft
Ausgerechnet auf der Webseite des World Economic Forum habe ich einen wunderbaren wissenschaftlichen Bericht gefunden, der meine liebste Freizeitbeschäftigung adelt. Es geht um das Rumhängen im Wald, ein bisschen schlendern, hier und da sich niederlassen, einfach nichts tun, ganz im Hier und Jetzt. Die Japaner haben für diese Nicht-Beschäftigung den herrlichen Begriff des Waldbadens geprägt. Klingt doch toll! Ich hatte bisher bisweilen ein schlechtes Gewissen, weil ich mich auf meinen Touren im heimischen Grün meist nur wenige Kilometer bewege, und dies auch ganz gemächlich - die schöne Umgebung möchte ja schließlich wirken und genossen werden ... Nun erfahre ich, dass ich damit intuitiv eine Menge "richtig" mache, denn beim Waldbaden geht es vor allem darum, sich einfach einer inspirierenden Umgebung auszusetzen. Das ist schon alles. Studien zeigen, dass schon ein halbstündiger Waldaufenthalt den Kortisolspiegel senkt (der Stresspegel geht runter), dem Blutdruck zugute kommt und den Puls beruhigt. Auch das Gemüt profitiert vom lässigen Waldspaziergang. Gesunde Probanden zeigen eine geringere Depressionsneigung und mehr innere Lebendigkeit. Der Beitrag auf der WEF-Webseite erklärt die wissenschaftlichen Details genauer.
The Japanese practice of 'forest bathing' is scientificially proven to be good for you, WEF 23.3.17

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Glück kann man trainieren 
Montag, 3. April 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Tobias Rahm, Psychologe an der TU Braunschweig, hat ein Glückstraining für Lehrer entwickelt, um ihnen den allzu oft herausfordernden Arbeitsalltag etwas freundlicher zu gestalten. Mit Übungen sollen die Trainierenden ihre Wahrnehmung für die glücklichen Momente des Lebens verbessern, beispielsweise indem sie über 14 Tage lang jeden Abend Glücksmomente des Tages notieren. Glück, das ist nicht das ganz große Glück, eher sind es die Kleinigkeiten, schöne Erlebnisse oder Nettigkeiten, die das subjektive Wohlbefinden erhöhen. Ein erster Pilottest mit 150 Studierenden hat bereits gezeigt, dass der Kurs Wirkungen zeitigt. Nun soll ein Pilotversuch an einem Braunschweiger Gymnasium zeigen, ob die Lehrer genauso glücksanfällig sind wie die Studenten.
Psychologe entwickelt Glückstraining für Lehrer, Spiegel online 20.3.17

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Die subtile Macht des Geldes 
Montag, 27. März 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft, Arbeit
In vielen modernen Partnerschaften teilen die Partner heute ihr Einkommen, wenn beide unterschiedlich viel Geld verdienen. Unter dem Strich hat jedoch meist die Person das Sagen, die das meiste Geld verdient - und das ist vielen Beteiligten gar nicht bewusst. "Die Person, die mehr einzahlt, weil sie mehr verdient oder Einkünfte aus anderen Quellen hat, hat in der Regel auch mehr Zugriffsrecht auf das Konto. Ein gemeinsames Konto ist kein Beweis dafür, dass beide sich gleichermaßen bedienen können", so sie Ökonomin Miriam Beblo. Sie testete mit einem Experiment, wie Paare mit geschenktem Geld umgehen. Einmal erhielten beide Partner jeweils für sich einen Betrag zur eigenen Verfügung, das andere Mal wurde das Geld explizit einer der beiden Personen ausgehändigt. Dabei zeigte sich, dass in den meisten Fällen, die Person, die das Geld erhalten hatte, mehr Einfluss auf seine Verwendung ausübte. "Im Experiment ging es eben nicht um ein Arbeitseinkommen, sondern um einen zusätzlichen Gewinn, der den Teilnehmern in den Schoß fällt. Jetzt wissen wir aber aus der Literatur, dass Menschen Geld, das sie durch eigene Leistung verdient haben, einen höheren Wert beimessen als Geldgeschenken. Von einem Geschenk ist man eher bereit, etwas abzugeben. Wenn man das zusammennimmt, könnte man sogar vermuten, dass wir nur die Spitze des Eisbergs gesehen haben", erklärt Beblo. Es könnte also gut sein, dass wir uns als wesentlich gleichberechtigter wahrnehmen, als wir eigentlich sind beziehungsweise handeln. Interessant wäre, auch einmal die gesellschaftliche Bedeutung dieses Experiments weiter zu erforschen. Welche Bedeutung hat diese direkte Verfügungsgewalt über Geldmittel, dem in modernen Gesellschaften wichtigsten Medium für Teilhabe (an der Konsumgesellschaft), für Gestaltungsfähigkeit? Regiert Geld die Welt?
Paare scheitern daran, ihr Geld gerecht zu teilen, SZ 17.3.17

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Die Moral hinter dem Neoliberalismus 
Dienstag, 21. März 2017 - Bewusstsein, Wissenschaft
Adam Smith gilt vielen als einer der Väter neoliberalen Denkens. Der Philosoph Gerhard Streminger hat indes nach der moralischen Dimension in Smiths Lebenswerk gegraben - und ist fündig geworden. Für Smith seien moralisches Handeln und menschliches Glück eng verwoben gewesen, so Streminger in einem Beitrag für Deutschlandradio Kultur. In einem idealen Markt verhielten sich laut Smith alle Teilnehmer wie faire Sportler. Er ging davon aus, dass es eine
"moralische Instanz" gebe, einen "unparteiischen Beobachter", der den Menschen zu moralischem Handeln anhalte - Referenz war für ihn das calvinistische Erbe seiner Zeit. Für Smith war Bildung, durch die die Person zur Persönlichkeit reife, der Schlüssel zur Entwicklung dieser Integrität: "Erst wenn man Gerechtigkeitssinn hat, ist man ein fairer Sportler." Mancher Klassiker ist es wirklich wert, unter den Vorzeichen der heutigen Zeit noch einmal neu gelesen und verstanden zu werden ...
"Für Smith ist nur der ethische Mensch glücklich", Deutschlandradio ultur 12.3.17

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