Chance auf Veränderung 
Dienstag, 30. Juni 2020 - Wissenschaft, Arbeit
Für den Ökonom Thomas Piketty offenbart die Corona-Pandemie einmal mehr, wie stark unser globales System immer noch von Ungleichheit durchwirkt ist. Vor allem arme Menschen in unterprivilegierten Regionen sind vom Virus besonders stark betroffen. Obwohl die Krise uns so vor Augen hält, was schief läuft, geht Piketty nicht davon aus, dass wir politische und gesellschaftlich auch zwingend daraus Veränderungen ableiten werden. "Natürlich haben Schocks wie Pandemien, Kriege oder Finanzcrashs Auswirkungen auf die Gesellschaft. Aber welcher Art diese Auswirkungen sind, das hängt von den Theorien über die Geschichte und die Gesellschaft ab, denen die Menschen anhängen – mit einem Wort: von ihrer Ideologie. Es ist immer die Folge einer massiven sozialen und politischen Mobilisierung, wenn Gesellschaften sich in Richtung Gleichheit bewegen", so Piketty im Interview mit dem Freitag. Er erhofft sich, dass es innerhalb der Europäischen Union wieder mehr gemeinsame soziale Ziele herausbilden und die Freizügigkeit mit einer gemeinsamen Steuer- und Sozialpolitik verbunden wird. "Der Aufbau eines Wohlfahrtsstaates innerhalb eines Nationalstaates war [in der Geschichte] bereits eine große Herausforderung. Es bedurfte einer Einigung zwischen Arm und Reich und eines großen politischen Kampfes. Ich denke, dass es möglich ist, dies auf transnationaler Ebene zu wiederholen, aber es wird wahrscheinlich zuerst in einer kleinen Anzahl von Ländern geschehen müssen. Ich hoffe, das ist möglich, ohne dass die EU zerbricht", sagt er.
„Corona offenbart schockierende Ungleichheit“, Der Freitag 22/2020

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Wunsch nach flexiblerem Arbeiten wächst 
Mittwoch, 24. Juni 2020 - Studien, Arbeit
Die Pandemie zeigt uns, wie schnell sich selbst Arbeitswelten verändern lassen, wenn es nun einmal sein muss. Die Erfahrungen der Corona-Zeit wecken bei vielen Menschen den Wunsch, dass positive Errungenschaften auch in der Zeit nach der Pandemie erhalten bleiben. Die Kommunikationsberatung Kekst CNC befragte 1.000 Personen zu ihren Erfahrungen. 77 Prozent der Deutschen wünschen sich auch nach der Krise eine flexiblere Regelung ihrer Arbeitszeiten. Das Home Office kam in vielen Umfragen der letzten Wochen sehr gut an. In der jetzigen äußerten 18 Prozent, dass sie im Moment nicht zurück ins Büro wollten, weil sie lieber zuhause arbeiten. In der Umfrage zeigt sich auch die Globalisierungsskepsis. 76 Prozent wünschen sich, dass künftig wieder mehr Produkte in Deutschland produziert werden und 61 Prozent, dass mehr hierzulande hergestellte Produkte gekauft werden.
Lasst uns wieder ins Büro! FAZ 13.6.20

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Umgang mit Krankheit im Job überdenken 
Dienstag, 16. Juni 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Die Wirtschaftswoche widmet sich einer Kolumne der Frage, warum es erst des Corona-Viruses bedurfte, bis einmal ernsthaft darüber gesprochen wird, warum wir im Arbeitsleben oft völlig nachlässig mit Ansteckungsrisiken umgehen. Erkältet zur Arbeit? Das war vor Corona eher eine Regel denn eine Ausnahme. Der WiWo-Beitrag dekliniert durch, wie wir gerade lernen, dass das Arbeiten auch bei Ansteckungsrisiken weitergehen kann - im Homeoffice, virtuell vernetzt. Und er schlägt vor, diese innerhalb weniger Wochen flächendeckend erlernte Praxis auch in Nach-Corona-Zeiten aufrechtzuerhalten. "Zuhause ist das neue anwesend", heißt es in dem Artikel - vorausgesetzt natürlich, dass Chefs dafür genügend Vertrauen aufbringen und auch Menschen nur dann daheim weiterarbeiten, wenn die Ansteckung anderer das Hauptproblem wäre und man ansonsten ziemlich fit ist.
Neue Kategorie „ansteckend“: arbeitsfähig, aber zu Hause, WiWo 3.6.20

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Mehr Resilienz und kollektive Intelligenz mit Achtsamkeit 
Mittwoch, 10. Juni 2020 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
In den letzten Wochen sind viele Artikel erschienen, in denen Achtsamkeit als Krisen-Tool gehyped wird. Dass Achtsamkeit nicht nur die Resilienz fördert, sondern auch zur kollektiven Intelligenz beiträgt, zeigt eine neue Untersuchung der Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit Awaris, einem globalen Netzwerk, das sich mit wissenschaftlich fundierten achtsamkeitsbasierten Interventionen beschäftigt. Untersucht wurden 31 Teams mit knapp 200 Personen in einem deutschen Automobilkonzern und einer politischen Organisation, die ein zehnwöchiges Achtsamkeits-Training durchliefen. Ein anschließender Test mit einem vom MIT Center for Collective Intelligence entwickelten Verfahren zeigte, dass in den Teams die kollektive Intelligenz durch das Training um 13 Prozent gestiegen war. Die Mitarbeiter konnten ihre eigenen Emotionen und die Befindlichkeit anderer besser wahrnehmen und so angemessener mit ihnen umgehen. Dadurch nahm auch der wahrgenommene Stress ab. Die gegenseitige Unterstützung trug zudem zu mehr Resilienz in den Teams bei. Die Boston Consulting Group hat das Thema Achtsamkeit längst intern zu einem kontinuierlichen Begleiter der Unternehmensberater gemacht und bietet über die hauseigene Mindfulness Community für inzwischen mehr als 1.000 Beschäftige tägliche Meditationen und regelmäßige Achtsamkeits-Trainings an.
Mit Mindfulness und kollektiver Intelligenz aus der Krise, haufe.de 2.6.20

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Diversität gibt der Performance einen Push 
Dienstag, 2. Juni 2020 - Studien, Arbeit, Management
In einer komplexen Welt braucht es komplexe Lösungen. Und die erreicht man wohl am besten, wenn man möglichst viele verschiedene Perspektiven bei der Ideenentwicklung einbringt. Das jedenfalls mag erklären, dass Unternehmen mit gemischten Führungsteams eine besonders gute wirtschaftliche Performance erreichen. Eine neue Untersuchung von McKinsey, für die 1.039 Unternehmen aus 15 Ländern betrachtet wurden inklusive aller Dax-Konzerne und 35 deutscher Mittelständler, zeigt: Firmen mit dem höchsten Frauenanteil in der obersten Führungsriege haben eine um 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Profitabilität als jene, die kaum oder gar keine Frauen im Top-Management haben. Die Unternehmensberater machen in ihrer Einschätzung deutlich, dass Quotenfrauen hier nicht helfen, sondern dass es um die Einbeziehung einer breiten Basis unterschiedlicher Blickwinkel geht. Der Effekt, den die Untersuchung zutage bringt, hat sich übrigens in den vergangenen Jahren gesteigert. 2014 lag die höhere Wahrscheinlichkeit besserer Erfolge von gemischten Führungsteams noch bei 15 Prozent. Die Berater glauben, dass der größer werdende Effekt darin begründet ist, dass die Herausforderungen in der Unternehmenswelt immer vielfältiger werden und deshalb eine möglichst breite Erfahrungsbasis wesentlicher Teil von Erfolg ist.
Gemischte Führungsteams sind finanziell erfolgreicher, spiegel.de 19.5.20

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Weniger Selbstmorde im Shutdown 
Donnerstag, 28. Mai 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Wie stressig und belastend Menschen die Arbeitswelt empfinden, zeigt sich manchmal gerade dann, wenn diese Stressoren plötzlich wegfallen. In Japan beispielsweise ist die Selbstmordrate im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20 Prozent gesunken. Ursprünglich war die Befürchtung, dass durch den Pandemie-Stress selbst und das temporärer Wegfallen vieler Hilfsangebote die psychischen Belastungen höher werden. Doch dies scheint, zumindest was das Empfinden extremer Ausweglosigkeit angeht, nicht der Fall zu sein. Die Menschen sind öfter zuhause bei ihren Familien und nicht so sehr durch die in Japan geradezu überbordende Leistungskultur betroffen, was zu Entspannungen zu führen scheint. Der verspätete Schulanfang könnte zusätzlich zum Rückgang der Selbstmorde beigetragen haben, denn in Japan leiden bereits viele Schüler unter Überforderung oder Mobbing. Hinzu kommt eine typische Eigenheit der japanischen Kultur - in Krisenzeiten versuchen sie stark zu sein für ihr Land. So konnten die Wissenschaftler auch im Jahr 2011, als ein Tsunami zur Reaktorkatastrophe in Fukushima führte, weniger Selbstmorde feststellen. Insgesamt ist es eindrücklich, wie sich durch die teils dramatischen Veränderungen im gewohnten Leben durch die Pandemie nun Stück für Stück zeigt, in welchen Bereichen ganze Kulturen und Gesellschaften sich über lange Zeit in dysfunktionalen Normalitäten eingerichtet haben. Die Frage ist, was wir aus diesen Erkenntnissen für eine bessere Zukunft lernen können.
Weniger Arbeit, mehr Familie, Freitag 18.5.20

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Die Arbeitswelt formiert sich neu 
Mittwoch, 27. Mai 2020 - Arbeit, Management
"Das Büroleben wird niemals mehr so sein wie früher", schreibt die Wirtschaftswoche in einem Artikel, der unter die Lupe nimmt, wie schnell sich durch die Corona-Pandemie einst als unabdingbar angesehene Arbeitsstrukturen wandeln. Noch wenigen Wochen im Home Office ziehen erste Unternehmen bereits Konsequenzen und stellen ihr Organisationsformen auf den Kopf. Das Großraumbüro beispielsweise beginnt bereits, aufgrund der Abstandsbeschränkungen zu sterben. Einige Firmen sind bereits dabei, ihre Arbeitsräume umzugestalten, um sie Pandemie-sicherer zu machen. Andere wiederum sind so angetan von der reibungslosen Zusammenarbeit der Mitarbeiter im Home Office, dass sie planen, diese aus der Not geborene Option in einen Normalzustand zu überführen. Die Mitarbeiter von Google oder Facebook etwa können bis zum Jahresende von Zuhause aus arbeiten. Eine Kommunikationsagentur aus Wales hat sich sogar entschlossen, künftig nur noch virtuell zu arbeiten und die eigenen Büroräume, die einen Großteil der Firmenkosten ausmachten, gekündigt. Bei Dell zeichnen sich zumindest Verschiebungen ab. Vor Corona arbeiteten hier etwa 30 Prozent der 165.000 Vollzeitkräfte virtuell, im Moment sind es 90 Prozent und für nach der Krise rechnet das Unternehmen damit, dass etwa die Hälfte der Mitarbeitenden kontinuierlich von Zuhause arbeiten wird. Es sind spannende Zeiten. Und sie werfen natürlich auch die Frage auf, wie sich die menschliche Dimension beim virtuellen Zusammenarbeiten so kultivieren lässt, dass sie der räumlichen Distanz nicht zum Opfer fällt.
Pandemie wird Büroleben neu formen, WiWo 16.5.20

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Positive Leadership entwickeln 
Dienstag, 26. Mai 2020 - Arbeit, Management
Wo viele Mitarbeiter im Home Office gelandet sind, wirft das auch die Führungsstrukturen in Unternehmen über den Haufen. In Zeiten von Corona zeigt sich, wo Unternehmensstrukturen schon lange Zeit porös waren. "In den Unternehmen fehlt es an Neugierde und Offenheit. Diese Eigenschaften wurden den Menschen in den vergangenen vier Jahrzehnten abtrainiert, sie sollten nur mehrheitlich das bestehende, erfolgreiche Geschäftsmodell fortschreiben", sagt etwa der Leadership-Professor Wolfgang Jenewein. Seiner Meinung liegt das daran, dass in vielen Firmen lange Zeit eine negative Leadership praktiziert wurde: "Der Fokus lag auf Fragen wie zum Beispiel: Wo können wir effizienter werden? Was läuft falsch? Wer ist für den Fehler verantwortlich? So haben wir in den letzten Jahren vielfach spaß-, sinn- und emotionsfreie Organisationen geschaffen." Er rät Führungskräften dazu, "eine neugierige, offene Haltung in ihren Organisationen aufzubauen" und die Sinndimension des gemeinsamen Handelns mehr in den Vordergrund zu rücken. Es helfe zu erklären, warum verschiedene Tätigkeiten wichtig sind und welche Bedeutung die jeweiligen Mitarbeitenden für das Unternehmen haben. Dazu gehöre auch, die zwischenmenschliche Dimension explizit zu adressieren, denn in Zeiten der virtuellen Zusammenarbeit müsse dieser tiefere Zusammenhalt bewusst gehalten werden.
"Gockelgehabe aus dem Büro weglassen", spiegel.de 15.5.20

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