Geht uns die soziale Energie aus? 
Freitag, 26. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Der Soziologe Hartmut Rosa hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht mit der Untersuchung der subtileren Dimensionen unseres menschlichen Zusammenlebens und seine Arbeiten zur Resonanz stoßen auf breites Interesse. Durch die Corona-Krise ist für ihn die Beschäftigung mit einem neuen Thema in den Vordergrund gerückt. Bei seinen Beobachtungen, was die Pandemie mit unserer sozialen Welt und uns macht, ist ihm aufgefallen, dass wir unter einem kollektiven Energieverlust zu leiden scheinen: "In den unterschiedlichsten Feldern finden sich Hinweise, die ich zusammendenken möchte. Individuell würde man von fehlender Antriebsenergie oder Motivation sprechen, und das erinnert an bestimmte Burn-out-Symptomatiken, bei denen es an jeder Form von Energie mangelt: Sie zeigen sich auch körperlich, es kann einfach unmöglich werden, eine Treppe hochzusteigen …" Wenngleich sich dieser Energieverlust zunächst einmal auf der individuellen Ebene und in den je persönlichen Leben zeigt, ist er für Rosa dennoch vor allem ein soziales Phänomen: "Mir scheint, dass gerade die Stillstellung der Welt durch Corona uns vor Augen führt, auf welche Weise unsere hochmobile Gesellschaft energiegeladen war. Fast alle waren permanent unterwegs, beruflich, privat, im Urlaub. Der Energieumsatz unseres Weltverhältnisses war schon allein deshalb gigantisch. Wenn meine Beobachtung zutrifft, dass viele jetzt das Gefühl haben, durch die tendenzielle Isolation ihre Energie verloren zu haben, dann bestätigt das nur die Vermutung, dass die Quelle, welche die Bewegungsenergie der Moderne erzeugt, nicht in den Individuen liegt, sondern in den sozialen Wechselwirkungen zu suchen ist." Ich bin schon sehr gespannt, ob er diese Gedanken weiterentwickelt und vielleicht irgendwann auch ein Buch daraus wird.
Leiden wir an einem gemeinschaftlichen Burn-out?, zeit.de 13.6.20

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Erste Studien zur Wirkung von Meditations-Apps 
Donnerstag, 25. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Der Markt für Meditations-Apps boomt, gerade auch in der Corona-Krise. Viele Anbieter werben dabei mit Wirkungen, die sie aus der Meditationsforschung ableiten. Doch viele dieser Studien beziehen ihre Daten aus Untersuchungen mit Menschen, die in Präsenzkursen meditieren lernen. Nun gibt es auch erste Untersuchungen, die messen, was die Nutzung von Apps wirklich bewirkt. Eine kleine Studie aus den Niederlanden maß etwa die Wirkungen einer App, die von einer Krankenkasse verbreitet wird, bei 191 Nutzern, die damit übten. Im Vergleich zu den Menschen auf einer Warteliste nach die Achtsamkeit der Übenden nach acht Wochen deutlich zu und ihre psychischen Symptome verringerten sich. Auch steigerte sich ihre Lebensqualität moderat. Die meisten Effekte hielten auch noch drei Monate später an. Eine weiterreichende Studie aus Neuseeland betrachtete die Wirkungen der Achtsamkeits-App Headspace und verglich mit einer Nutzergruppe, die eine Notiz-App genutzt hatte (sozusagen als Placebo). Die App-Nutzung dauerte zehn Tage mit jeweils 10 Minuten. Die Headspace-Nutzer*innen zeigten am Ende deutlich weniger depressive Symptome, Ängste und Stress als die Teilnehmenden der Kontrollgruppe.
Ommm! spektrum.de 15.6.20

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Zu viel Grübeln schadet dem Gehirn 
Dienstag, 23. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Intensives Grübeln und das Wälzen negativer Gedanken sind nicht nur dem psychischen Wohlbefinden nicht dienlich. Eine neue britische Studie zeigt nun auch, dass die negativen Denkschleifen anscheinend das Demenz-Risiko erhöhen. In der vier Jahre abdeckenden Untersuchung mit 360 Probanden, die 55 Jahre oder älter waren, wurde beobachtet, wie häufig Menschen sich in Denkmustern wie dem negativen Grübeln über Vergangenes oder in Ängsten vor der Zukunft ergehen. Außerdem wurde untersucht, wie sich die Gehirne der Probanden über die Zeit veränderten. So konnten die Wissenschaftler sehen, dass sich bei den starken Grüblern im Gehirn Proteinablagerungen zeigten, die mit Demenz in Verbindung stehen. Über den Zeitraum von vier Jahren stellen die Forscher auch fest, dass diese Grübler dann kognitive Störungen und Gedächtnisschwund entwickelten. Da Meditation einen Weg darstellt, aus solchen Grübelspiralen herauszukommen, starten die Wissenschaftler nun ein Projekt, in dem erforscht werden soll, ob Achtsamkeitsmethoden Menschen, die stark mit negativen Gedanken zu kämpfen haben, bei der Demenz-Prävention helfen könnte.
Negatives Denken erhöht das Risiko auf Demenz, Bayrischer Rundfunk 8.6.20

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Wie Corona die Psyche annagt 
Montag, 22. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wir alle erleben es wohl in der letzten Zeit immer wieder einmal, wie uns die Auswirkungen und die mit der Corona-Krise verbundenen Beschränkungen in unseren Leben berühren und bisweilen auch tiefer beeinträchtigen. Der Soziologe Martin Schröder hat nun Daten einer britischen Erhebung zu Zeiten des Höhepunkts des Lockdowns ausgewertet, die zeigen, wie tief diese Veränderungen auf die Psyche wirken. Wo vor der Pandemie 17 Prozent der Briten von sich sagten, dass sie ihre Alltagsaktivitäten nicht mehr genießen können, waren es während des Lockdowns 45 Prozent. Das Gefühl, sich manchmal ziemlich nutzlos zu fühlen, kennt wohl jeder Mensch. Bei jenen, die diese Erfahrung schon gemacht haben, war die Wahrscheinlichkeit während des Lockdowns 3,2 Mal so hoch wie zuvor. Die Wahrscheinlichkeit von Konzentrationsproblemen erhöhte sich um das 2,4-fache. Unzufrieden zu sein oder sogar depressiv, diese Wahrscheinlichkeit verdoppelte sich. Wo sich vor der Pandemie 20 Prozent der Bevölkerung als besonders depressiv einstuften, stieg diese Zahl auf dem Höhepunkt des Lockdowns auf 30 Prozent. Die Pandemie verlangt uns vieles ab. Und vielleicht hilft es ja ein wenig zu wissen, dass man mit den entsprechenden Gefühlen hier nicht alleine ist.
Corona-Maßnahmen drücken aufs Lebensglück, spiegel.de 8.6.20

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Umgang mit Krankheit im Job überdenken 
Dienstag, 16. Juni 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Die Wirtschaftswoche widmet sich einer Kolumne der Frage, warum es erst des Corona-Viruses bedurfte, bis einmal ernsthaft darüber gesprochen wird, warum wir im Arbeitsleben oft völlig nachlässig mit Ansteckungsrisiken umgehen. Erkältet zur Arbeit? Das war vor Corona eher eine Regel denn eine Ausnahme. Der WiWo-Beitrag dekliniert durch, wie wir gerade lernen, dass das Arbeiten auch bei Ansteckungsrisiken weitergehen kann - im Homeoffice, virtuell vernetzt. Und er schlägt vor, diese innerhalb weniger Wochen flächendeckend erlernte Praxis auch in Nach-Corona-Zeiten aufrechtzuerhalten. "Zuhause ist das neue anwesend", heißt es in dem Artikel - vorausgesetzt natürlich, dass Chefs dafür genügend Vertrauen aufbringen und auch Menschen nur dann daheim weiterarbeiten, wenn die Ansteckung anderer das Hauptproblem wäre und man ansonsten ziemlich fit ist.
Neue Kategorie „ansteckend“: arbeitsfähig, aber zu Hause, WiWo 3.6.20

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Wie gefühlte Bedrohungen anderes verschleiern 
Montag, 15. Juni 2020 - Bewusstsein, Psychologie
Die Verschwörungsszenarien rund um Corona verbreiten sich immer mehr im öffentlichen Raum. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass wir solche Psychodynamiken nicht zum ersten Mal erleben. Auf Spiegel online beschreibt beispielsweise der Psychoanalytiker Hans-Jürgen Wirth viele Parallelen, die vor wenigen Jahrzehnten auch die Reaktionen auf Aids geprägt haben. Besonders interessant an seinen Betrachtungen finde ich, was er darüber schreibt, wie die Fokussierung auf die äußere Bedrohungen (heute: Corona) von anderen Konflikten ablenkt. "Die Projektion der eigenen inneren beziehungsweise internen Konflikte auf Außenfeinde entlastet Individuen, Familien, größere und kleinere Gruppen oder auch ganze Gesellschaften von internen Spannungen. An der eingebildeten äußeren Bedrohung kann man die Aggressionen festmachen und abführen, die sonst als interne Konflikte aufbrechen würden", schreibt er. Wenn Menschen ihre ganze Kraft darauf konzentrieren, Virologen als vermeintliche Lügner zu entlarven oder der Politik geradezu Putchversuche unterstellen, wird ihnen wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass ihr Unbehagen und ihre Ängste vielleicht gute Gründe haben, sie sich aber in falschen oder eingebildeten Ursachen verbeißen. Dass ganze Bevölkerungsgruppen sich von der Politik nicht ernst genommen und nicht angemessen vertreten fühlen, ist so neu nicht. Und das wachsende Ungerechtigkeitsempfinden vieler Menschen ist beispielsweise längst durch viele wissenschaftliche Studien belegt. Was aber hilft es, nicht einfach das zu beklagen, was beklagenswert ist (wie prekäre Beschäftigung, eine chronische Unterbezahlung in Pflegeberufen, die unterschiedliche Chancengleichheit), sondern von Phantasien genährte Schauplätze der Auseinandersetzung zu eröffnen? Realitätssinn hilft - vor allem dabei, reale Probleme wirklich anzugehen.
Aids und Corona: "Die Ängste vieler Menschen sind erstaunlich ähnlich", spiegel.de 31.5.20

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Wenn Stille in der Tiefe wirkt 
Freitag, 12. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Meditation ist für viele Neueinsteiger schlicht eine Methode, um ein bisschen besser mit den Herausforderungen des Lebens zurechtzukommen. Umso mehr hat mich ein kürzlich in der Kirchenzeitung erschienener Beitrag berührt, in dem ein Autor über seine Erfahrungen mit einem Kontemplations-Retreat und den längerfristigen Auswirkungen auf sein Leben berichtet. "Ich hatte den Eindruck, in der Stille lernt man seine Mitmenschen besser kennen als im stundenlangen Geplapper. Man kennt sich auf einer anderen Ebene. Man spürt die Energie, die von jemand ausgeht", schreibt Andreas Kaiser. Und: "Die seltenen Gespräche waren die intensivsten Gespräche, die ich in meinem Leben geführt habe. Da ging es nicht um Äußerlichkeiten, das Auto, die Arbeit. Es ging um uns, was uns ausmacht." Für Kaiser war das Retreat auch eine Tür zu einem veränderten Leben, die sich hier öffnete. Im Alltag verzichtete er mehr und mehr auf Ablenkungen und Zerstreuungen, fühlte sich nicht mehr von Krimis, sondern von spirituellen Büchern angezogen und erlaubt sich mehr Langsamkeit, um am Leben nicht vorbeizusausen. Meditation mag viel bewirken, man sollte darauf gefasst sein.
Die Stille verändert, Kirchenzeitung 3.6.20

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Mehr Resilienz und kollektive Intelligenz mit Achtsamkeit 
Mittwoch, 10. Juni 2020 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
In den letzten Wochen sind viele Artikel erschienen, in denen Achtsamkeit als Krisen-Tool gehyped wird. Dass Achtsamkeit nicht nur die Resilienz fördert, sondern auch zur kollektiven Intelligenz beiträgt, zeigt eine neue Untersuchung der Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit Awaris, einem globalen Netzwerk, das sich mit wissenschaftlich fundierten achtsamkeitsbasierten Interventionen beschäftigt. Untersucht wurden 31 Teams mit knapp 200 Personen in einem deutschen Automobilkonzern und einer politischen Organisation, die ein zehnwöchiges Achtsamkeits-Training durchliefen. Ein anschließender Test mit einem vom MIT Center for Collective Intelligence entwickelten Verfahren zeigte, dass in den Teams die kollektive Intelligenz durch das Training um 13 Prozent gestiegen war. Die Mitarbeiter konnten ihre eigenen Emotionen und die Befindlichkeit anderer besser wahrnehmen und so angemessener mit ihnen umgehen. Dadurch nahm auch der wahrgenommene Stress ab. Die gegenseitige Unterstützung trug zudem zu mehr Resilienz in den Teams bei. Die Boston Consulting Group hat das Thema Achtsamkeit längst intern zu einem kontinuierlichen Begleiter der Unternehmensberater gemacht und bietet über die hauseigene Mindfulness Community für inzwischen mehr als 1.000 Beschäftige tägliche Meditationen und regelmäßige Achtsamkeits-Trainings an.
Mit Mindfulness und kollektiver Intelligenz aus der Krise, haufe.de 2.6.20

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