Tiefere Beziehung zur Arbeit entscheidet über Stress 
Freitag, 27. Juli 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
In Anbetracht einer Flut von Stress-Studien und zunehmender psychischer Erkrankungen stellen immer mehr Experten die Frage, ob es nicht besser wäre, Arbeitszeiten zu verkürzen. Andere Studien weisen indes darauf hin, dass es oft gar nicht die Menge der Arbeitsstunden ist, die Angestellte in die Knie zwingt, sondern die tiefere Beziehung, die sie zu ihrer Arbeit haben. Eine kanadisch-amerikanische Studie, die die Befindlichkeit von mehr als 700 Arbeitenden untersuchte, beispielsweise kommt zu dem Schluss, dass es jenen im Job am Schlechtesten geht, die ihn eigentlich gar nicht mögen. Betrachtet wurden für die Studie gesundheitliche Faktoren, die geleistete Arbeitszeit sowie die innere Beziehung, die Menschen zu dem, was sie tun, haben. Wer sich gefühlsmäßig im Job nicht wohl fühlt, profitiert demnach auch nicht davon, wenn er seine Arbeitszeit reduziert. Umgekehrt stemmen jene, die das, was sie machen, lieben, auch ein hohes Arbeitspensum ohne psychische oder körperliche Einbußen.
Stress ist Ansichtssache, WiWo 11.7.18

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Mitgefühl und Güte nähren die Seele 
Mittwoch, 25. Juli 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Der gegenwärtige Achtsamkeits-Trend betrachtet heute vor allem Methoden wie Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) und Meditationsformen, die in Stille und Loslassen führen. Auf dem Radar der Wissenschaft erscheinen hingegen zunehmend auch Formen aus buddhistischen Kontexten, die mit Mitgefühl und Güte arbeiten. Eine neue Übersichtsarbeit der Universität Witten-Herdecke unterstreicht nun den therapeutischen Nutzen dieser Methoden. Es zeige sich, dass diese Meditationsformen beispielsweise in der Therapie mit schweren Erkrankungen wie Depression oder Borderline vielversprechend erscheinen. Ich finde das neue Interesse an diesen Meditationsformen, die ihre Beziehung zu großen spirituellen Traditionen nicht hintenanstellen, bemerkenswert, denn sie bringen eine tiefere Dimension des Menschseins ins Spiel, die vor allem bei eher pragmatischen und nutzenorientierten Angeboten bisweilen zu kurz kommt. Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie sich Unternehmen verändern könnten, wenn Mitarbeiter und Chefs nicht nur gemeinsam das Loslassen üben, sondern Mitgefühl und Güte praktizieren ... ;-)
Güte- und Mitgefühls-Meditationen können auch gegen ernste psychische Erkrankungen helfen, Pressemitteilung 12.7.18

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Die Pflicht kommt vor den Träumen - und wir bereuen es später 
Dienstag, 24. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, ist ein geflügeltes Wort. Und wenn es um unsere Träume geht, ticken wir ähnlich. Eine Studie zeigt: Im Nachhinein bereuen wir es oft mehr, unsere tiefsten Wünsche nicht erfüllt zu haben. Doch die Schamgefühle, die in uns aufsteigen, wenn wir unsere Pflichten verletzen, lassen uns uns eher auf das, was von uns erwartet wird, fokussieren. Das liegt laut der Studie daran, dass Scham sehr schnell und stark wirkt. Um diesem Gefühl auszuweichen, tun wir dann, was wir sollen. Unsere Träume zu vernachlässigen, ist indes eine eher persönliche Angelegenheit. Der Schmerz über Verpasstes stellt sich meist erst über längere Zeiträume ein. Und selbst, wenn er sehr stark ist - in unserem Handeln geht dennoch die Pflicht meist weiter vor. Es ist interessant, so vor Augen geführt zu bekommen, wie unsere Psyche im Abgleich mit gesellschaftlichen Konventionen tickt. Doch auch Automatismen wie diesen können wir bewusstes Handeln entgegensetzen. In der hier beschriebenen Konstellation hat das allerdings einen Preis, denn wenn wir unsere Träume so ernst nehmen wie das, was andere von uns erwarten, sind wir vielleicht nicht immer "Everybody's Darling" ...
Pflichten erfüllt, Träume vernachlässigt, Psychologie heute 11.7.18

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Gespräche machen glücklich 
Freitag, 20. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Wer regelmäßig die Möglichkeit hat, während des Tages mit anderen Menschen zu sprechen, ist glücklicher als wenn er eher nur für sich ist. Das zeigt eine neue amerikanische Studie, bei der rund 500 Probanden ihre Tagesabläufe protokollierten und dabei festhielten, wie oft sie welche Art von Gesprächen führten. Frühere Studien mit kleineren Teilnehmerzahlen legten nahe, dass Smalltalk zum Beispiel auf die Stimmung schlägt. In dieser Studie erwiesen sich die kurzen, belanglosen verbalen Interaktionen eher als neutral. In der neuen Studie zeigten sich lediglich die Probanden unzufrieden, die über den Tag hinweg keinerlei Gesprächsmöglichkeiten hatten. Das sollten Unternehmen vielleicht auch beim Thema Großraumbüro noch einmal überdenken.
Was uns glücklicher macht, spektrum.de 5.7.18

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Selbstmitgefühl setzt Kräfte frei 
Mittwoch, 18. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Die moderne Leistungskultur ist sehr individualistisch. Doch nicht jede Form des Selbstbezugs ist auch hilfreich. Wer eher narzisstisch hauptsächlich auf sich selbst schaut und nach dem eigenen Erfolg schielt, bringt sich womöglich in eine Haltung der inneren Isolation. Die Psychologie kennt jedoch noch andere Formen der Selbstzuwendung, die wesentlich dienlicher sind. Eine davon ist Selbstmitgefühl. Es ist eine Form der Selbstakzeptanz, die Fehler nicht nur als eigene Schwäche sieht, sondern als Teil der menschlichen Natur erkennt. Diese Weitung des eigenen Horizonts scheint uns auf subtile Weise mit dem größeren Raum des Lebens zu verbinden - und damit auch ungeahnte Ressourcen freizusetzen. Eine Studie zeigt etwa, dass Menschen in schwierigen Situationen - hier ein herausfordernder Test - sogar mehr Engagement und Motivation entwickeln, wenn sie zu Selbstmitgefühl fähig sind.
Warum man sich selbst mit Mitgefühl begegnen darf, spektrum.de 6.7.18

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Kann Achtsamkeit zur Falle werden? 
Freitag, 13. Juli 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Der Mindfulness-Trend führt immer mehr dazu, dass Meditation und Achtsamkeit auch als Selbstoptimierungs-Techniken angewendet werden. In einem Interview für eine Beilage von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur zum Kongress Meditation & Wissenschaft 2018 kritisiert der bekannte Fernsehmoderator Gert Scobel die vereinfachenden Betrachtungsweisen im Umgang mit Meditation. "Achtsamkeit alleine macht noch keine guten Menschen. Selbst Erwachen oder Erleuchtung – wie auch immer man es nennen will – als vertiefte Praxis der Meditation macht noch keine guten Menschen", sagt er. Ein wunder Punkt in unserer Wahrnehmung der Möglichkeiten von Meditation: "Wir erkennen die Fiktionalität unserer Erwartungen nicht." Scobel versucht dafür zu sensibilisieren, dass die Wissenschaft im Hinblick darauf, was Achtsamkeit für unser gefühltes Menschsein und unsere Handlungsmöglichkeiten bedeutet, erst ganz am Anfang stehe. "Alle wissenschaftlichen Untersuchungen kommen aus der Dritte-Person-Perspektive: jemand untersucht jemand anderen, der irgendetwas mit seinem Bewusstsein macht. Man kann analysieren, was in dieser Zeit, in der sich das Bewusstsein oder das Verhalten verändert, im Gehirn geschieht. Aber das ist etwas völlig anderes als die Erste-Person-Perspektive: wie fühlt es sich an, wenn ich diesen veränderten Bewusstseinszustand erfahre und beispielsweise dualistische Unterscheidungen fallen lasse und eine Einheit mit der Welt nicht nur denke, sondern erfahre und erlebe. Das sind zwei völlig unterschiedliche Welten", sagt er. Bei Kongress Meditation & Wissenschaft 2018, der am 30. November / 1. Dezember 2018 in Berlin stattfinden wird, hat Scobel vor, dieses Dilemma in seinem Festvortrag zum Thema "Paradoxien der Meditation - Über Weisheit und Wissenschaft, säkulare Ethik und Fiktion" näher zu beleuchten.
Drahtseilakt Selbstoptimierung, Kongress Meditation & Wissenschaft

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Licht und Schatten des Psychobooms 
Donnerstag, 5. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wie sehr die Psychologisierung der letzten 50 Jahre unser Selbstverständnis heute prägt, ist wohl den wenigsten wirklich bewusst. Mal schnell zum Coach gehen, um eigene Schwächen zu analysieren und zu überwinden, oder zum Psychologen, wenn unsere Gemütsstimmung über längere Zeit düster ist, das ist für viele heute ganz alltäglich. Noch ein, zwei Generationen früher wäre das nicht denkbar gewesen. Der Psychoboom der letzten Jahrzehnte hat viel in unserem Menschsein geöffnet. "Verfahren des Psychobooms schließen in ihr Vorgehen Existenz- und Sinnfragen mit ein. Spiritualität ist in den meisten Ansätzen der humanistischen Therapien ein wichtiges Thema. Auch in der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie ist in den letzten Jahren ein 'spiritual turn' zu bemerken", heißt es in einem Dossier der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Doch diese verstärkte Zuwendung zur Tiefendimension unseres Daseins hat auch Kehrseiten: "Der Psychoboom hat durch die Ideologisierung therapeutischer Methoden zu einer teilweise übertriebenen Therapeutisierung des Alltags geführt. Störungen wie Depression, posttraumatische Belastungsstörung, Burn-out oder Narzissmus scheinen sich epidemieartig verbreitet zu haben und werden zum Teil immer noch eilfertig und undifferenziert diagnostiziert." Im Territorium zwischen oft notwendiger Heilung und Heilsversprechen wird der Boden leicht dünn. Ich finde es spannend, sich zu vergegenwärtigen, dass der Siegeszug des Psychischen uns einerseits als Menschen wachsen lässt, aber auch die Gefahr des übertriebenen Selbstbezugs in sich birgt. Und dass die Beziehung zu unserer Innenwelt uns für Größeres wie Spiritualität öffnen kann, uns aber auch anfällig dafür werden lässt, diese Dimension des Unverfügbaren mit unseren ganz persönlichen, kleinen Wünschen zu vermengen.
Dossier Psychoboom

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Die Gefahren unserer technologiegetriebenen Selbstüberschätzung 
Mittwoch, 4. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
"Wir werden zu Göttern", sagt der Historiker Yoval Harari, aber das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk spricht er über die neue Reichweite, die unser menschliches handeln durch Technologie erreicht: "Götter schaffen normalerweise das Leben, so ist es in den ersten Kapiteln der Bibel. Und das haben wir uns jetzt angeeignet. Und im 21. Jahrhundert schaffen wir plötzlich Körper, Gehirne und Seelen. Das heißt, wir stellen menschliche Wesen her, ob das nun Tiere sind, Menschen oder ganz neuartige Wesen, die es bisher auf der Welt noch gar nicht gab." Harari sieht dabei nicht nur die Gefahr, dass wir, was unsere Verantwortungsfähigkeit angeht, dieser neuen Macht vielleicht nicht gerecht werden. Er warnt auch davor, dass wir vielleicht schon kurz vor einem Umkehrpunkt stehen, an dem unsere Schöpfungen beginnen könnten, über uns zu herrschen. "Und wir sind sehr nahe dran, dass uns gewisse Algorithmen besser kennen, als wir Menschen uns selber kennen. Und dann verschiebt sich die Kontrolle des menschlichen Lebens von Menschen auf Algorithmen", sagt er. Das mag wie Science Fiction klingen, doch liegt ein wunder Punkt auch in der Tatsache, dass wir in vielen alltäglichen Lebenshandlungen schon unsere Eigenverantwortung an Technologie delegieren: "Wir Menschen haben ja schon sehr viele Dinge outgesourct sozusagen, übergeben an Algorithmen, sehr viele Fähigkeiten, die wir früher selbst ausgeübt haben. Wenn es beispielsweise darum geht, sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden, also was die ganzen Navis angeht. Heute schauen wir auf unser Handy oder auf einen Navi, und nur noch so bewegen wir uns durch die Welt." Dort, wo wir immer weniger aus eigenen Kräften schöpfen, liegt es natürlich im Bereich des Möglichen, dass diese Kräfte irgendwann stärker sind als wir selbst. Ich finde den umgekehrten Blickwinkel spannend - zu erkennen, dass wir unsere menschliche Freiheit allein dadurch wahren können, dass wir in Freiheit handeln.
"Wir werden zu Göttern, aber zu sehr unverantwortlichen", Deutschlandfunk Kultur 27.6.18

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