Meister Eckhart Preis 2014 geht an Seyla Benhabib 
Montag, 20. Januar 2014 - Wissenschaft
Das Thema Zuwanderung führt in den Medien ja seit einigen Wochen wieder zu verstärkten Auseinandersetzungen, da durch die Freizügigkeit innerhalb der EU immer mehr Länder eine wachsende Armutsmigration befürchten. Betrachtet man Migration allein unter diesen Vorzeichen, wird sie leicht zu einem rein wirtschaftspolitischen Thema - und es gerät aus dem Blick, dass viele der in öffentlichen Debatten geäußerten Befürchtungen auch damit zu tun haben könnten, dass Zuwanderung nach wie vor im Kern auch unsere Identitäten berührt und unser Verständnis davon, welche Rechte und Pflichten Menschen in einer globalisierten Welt haben. Umso mehr freut es mich, dass dieses Jahr die politische Philosophin Seyla Benhabib mit dem Meister Eckhart Preis ausgezeichnet wird. Der mit 50.000 Euro einer der angesehensten Wissenschaftspreise in Deutschland ehrt die in Yale lehrende Philosophin, weil sie in ihrem Werk das Augenmerk darauf richtet, dass Menschenrechte und Migration in ihrer Komplexität nur adäquat betrachtet werden können, wenn wir sowohl juristische als auch politische und identitäre Faktoren in Einklang bringen. Und dass es - mit Bezug auf Hanna Arendt - auch ein menschliches Recht gibt, überhaupt Rechte zu haben. Es wäre sicherlich wünschenswert, dass die Preisverleihung einen Beitrag dazu leistet, dass die gegenwärtige politische Diskussion wieder etwas facettenreicher geführt werden könnte.
Pressemitteilung zum Meister Eckhart Preis 2014

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Meditieren macht glücklich 
Donnerstag, 16. Januar 2014 - Wissenschaft
Macht Buddhismus glücklich? Diese Frage stellte der Nachrichtensender n-tv dem Neurowissenschaftler und Arzt Tobias Esch. Esch unterscheidet drei Formen des Glücks - den kurzen Hochmoment, der mit Lust und Befriedigung einher geht, die Erleichterung, wenn sich Stress oder eine schwere Situation auflöst, und eine dritte Form, die anhaltende Zufriedenheit mit sich bringt, eine Verbundenheit mit dem Sein. Letztere kann sich vor allem durch Meditation, wie sie im Buddhismus praktiziert wird, einstellen, da hier ein Loslassen geübt wird sowie die Achtsamkeit auf den Moment. "Die Erfahrung im Jetzt, mit einer Haltung der Akzeptanz und dem bewussten Kontakt mit uns selbst und den Menschen um uns herum - das allein kann schon glücklich machen", so Esch. Vielleicht sollten wir uns einfach gut überlegen, ob wir wirklich immer nach dem vermeintlich großen Glücksgefühl streben sollten, dass wir uns durch Impulse von außen erkaufen, oder ob es uns nicht viel zufriedener macht, aus der eigenen inneren Ruhe zu schöpfen.
Macht Buddhismus glücklich? n-tv 7.1.14

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Alltagswirksamkeit von Meditation 
Mittwoch, 15. Januar 2014 - Wissenschaft
Der Fernsehsender n-tv stellt in seinen News neue Forschungsprojekte vor, die die Alltagsrelevanz von Meditation ins Visier nehmen. So wird am Bender Institute of Neuroimaging gegenwärtig nach Beweisen gesucht, wie Meditation den Alterungsprozess des Gehirns verlangsamt, da dies interessant im Hinblick auf die Vorbeugung von Demenzerkrankungen sein könnte. Die die Forschungen haben bereits gezeigt, dass sich durch Meditation innerhalb weniger Wochen Gehirnstrukturen positiv verändern lassen - wird die Meditationspraxis allerdings eingestellt, verfliegen auch diese Wirkungen wieder. Die Neurowissenschaftlerin Tania Singer wiederum erforscht mit dem ReSource-Projekt gegenwärtig mit 160 Probanden, wie sich durch Meditation die für Mitgefühl verantwortlichen Hirnregionen verändern. Die Studienteilnehmer meditieren über neun Monate lang mindestens an sechs Tagen in der Woche. Singer möchte mit der Studie zeigen, dass es möglich ist, Kooperation und menschliches Miteinander durch Meditation zu verbessern - Fähigkeiten, die im Alltag grundsätzlich wichtig sind, auch wenn Menschen beispielsweise keinerlei spirituelles Interesse hegen.
Meditierende kommen in die Röhre, n-tv 27.12.13


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Geld vermittelt kaum Sinn 
Montag, 13. Januar 2014 - Wissenschaft
Geld macht das Leben einfacher und ist damit eine gute Quelle für grundsätzliche Lebenszufriedenheit. Bedeutsamkeit und Sinn schöpft der Mensch hingegen aus gänzlich anderen Quellen. Wissenschaftler der Universitäten Virginia und Illinois analysierten eine multinationale Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup mit 140.000 Teilnehmern aus 132 Ländern im Hinblick auf diesen grundlegenden Unterschied. So ist die Lebenszufriedenheit von Menschen aus reicheren Ländern höher als die von Menschen aus ärmeren Ländern. Fragt man jedoch nach Sinn und Bedeutsamkeit des eigenen Lebens, zeigt sich ein umgekehrtes Bild. Die Psychologen gehen davon aus, dass dies daran liegt, dass religiöse Werte in ärmeren Ländern noch stärker ausgeprägt sind als in den reichen Industrienationen. Und religiöse Sinnstiftung scheint eine stärkere Bedeutsamkeit für das Leben zu haben als Geld.
Der Glaube macht den Unterschied, Gehirn & Geist 20.12.13


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Warum Revolten konstruktiv sein könnten 
Mittwoch, 27. November 2013 - Wissenschaft
"Is Earth F**ked?" - zu gut Deutsch: ist die Erde am Arsch? - fragte Brad Werner, Erforscher komplexer Systeme, im Dezember 2012 beim Herbsttreffen der American Geophysical Union. Und die Antwort gab er auch gleich: Mehr oder weniger. Doch Werner skizzierte seinerzeit in seinen wissenschaftlichen Ausführungen auch einen positiven Gegentrend - den wachsenden Aktivismus unterschiedlicher Interessengruppen, die bereit sind, das System grundsätzlich zu hinterfragen. Er sprach von "Widerstand", von Bewegungen und Gruppen, die "gewisse Verhaltensweisen entwickeln, die nicht in die kapitalistische Kultur passen". Die politische Aktivistin Naomi Klein nimmt Werners Steilvorlage zum Ausgangspunkt, um die Bedeutung des politischen Widerstands unter den Vorzeichen des Klimawandels näher zu betrachten. Für Klein ist augenfällig, dass "Massenaufstände wie die Bürgerrechtsbewegung oder Occupy Wall Street das größte Potenzial besitzen, zu Sand im Getriebe der ökonomischen Maschinerie zu werden – einer Maschinerie, die immer mehr außer Kontrolle gerät". Werners Forschung demonstriere, "dass unser ökonomisches Modell an sich die ökologische Stabilität bedroht. Und dass es dieses ökonomische Modell mit dem Druck von Massenbewegungen radikal anzufechten gilt. Weil dies die letzte Chance der Menschheit ist, eine Katastrophe zu vermeiden." Klein liefert in ihrem Beitrag zahlreiche wissenschaftliche Belege dafür, dass nicht zuletzt das "kapitalistische Regelsystem" zu den Auslösern des Klimawandels gehört - und dass es unser aller Engagement braucht, um nicht nur das Klima zu schützen, sondern neue Lebensmodelle zu entwickeln.
Die Welt lässt sich retten - aber nicht innerhalb des Systems, WOZ 7.11.13


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Kritischer Blick auf wachsende Funktionalisierung von Meditation 
Freitag, 1. November 2013 - Wissenschaft
Die wachsende Bedeutung von Meditation und Achtsamkeit im Kontext einer Burn-out-Prophylaxe, aber auch mit Blick auf das inhärente Potential menschlicher Entwicklung insgesamt, ist eine Dynamik, die in wissenschaftlichen Kreisen inzwischen auch kritisch gesehen wird, denn durch die vorbehaltlose Euphorie wächst auch die Gefahr, dass Meditation zunehmend aus ihren ethischen Kontexten herausgelöst und funktionalisiert wird. "Aus meiner Sicht birgt die euphorische Übernahme des Achtsamkeitskonzepts durch die westliche Psychologie eine Gefahr. Denn im buddhistischen Kontext beinhaltet der Begriff Achtsamkeit stets einen ethischen Akt. Es geht nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern auch um die Entfaltung von Mitgefühl und Offenheit. Diese ethische Komponente aber fällt in psychologischen Studien leicht unter den Tisch", warnt etwa der Achtsamkeitsforscher Paul Grossman in einem Interview mit der Zeit. Er sensibilisiert dafür, dass Meditation nicht einfach ein Werkzeug ist, mit dem beispielsweise eine bessere Konzentration oder auch mehr Gelassenheit entwickeln, sondern dass sich im Zuge der Meditationspraxis auch eine völlig neue Beziehung zwischen Ich und Welt entwickeln könne: "Achtsamkeit heißt, sich nicht ständig von Begierden und Ängsten treiben zu lassen, sondern sich der Realität mit Offenheit, Mitgefühl, Toleranz, Geduld und Akzeptanz zuzuwenden – so gut es eben geht. Das hat nichts mit Resignation oder passivem Gutheißen zu tun. Es geht eher um eine grundlegend andere Perspektive auf die Welt: Statt nur um unsere eigenützigen Interessen, Verluste und Aversionen zu kreisen, weitet man den Blick fürs große Ganze. Es geht darum, das Leben in der Tiefe anzunehmen; sich den unvermeidbaren Aspekten des Lebens zuzuwenden. Diese Zuwendung zu oft schwierigen, schmerzlichen Erfahrungen kann nicht gelingen, ohne dabei ein gewisses Maß an Geduld, Gleichmut, Mitgefühl und sogar Mut zu entwickeln. Vor allem diese ethischen Qualitäten sind es, die dazu beitragen, sich selbst und anderen Menschen offener und freundlicher zu begegnen." Genau diese viel grundlegendere Perspektive ist es, die selbst in vordergründig "funktionalen" Kontexten einen besonderen Impact mit sich bringen könnte. Aber sie lässt sich eben nicht erzwingen.
"Jemand sollte die Euphorie dämpfen", Zeit online 22.10.13

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BWL braucht mehr Praxis 
Montag, 7. Oktober 2013 - Wissenschaft
Acht Wirtschaftsprofessoren der Universität Saarbrücken haben mit einem öffentlichen "Plädoyer für eine normative theorie- und praxisbezogene Betriebswirtschaftslehre" einen Vorstoß unternommen um darauf aufmerksam zu machen, dass die BWL immer stärker von reinem Zahlendenken und Statistik beherrscht werde, was zu Lasten einer auch praxisbezogenen Betrachtung wirtschaftlicher Zusammenhänge gehe. Als Gründe für diese stetige Verengung der Perspektive nennen die Unterzeichner eine Amerikanisierung des Faches. Da amerikanische Fachzeitschriften unter den Wissenschaftlern höhere Relevanz entfalten als beispielsweise deutsche und in der amerikanischen Forschung die Empirie einen besonders hohen Stellenwert habe, führe dies zu einer Fokussierung der Forschung auf eher statistische Betrachtungen. Anwendungsbezogene Forschung finde hingegen eher in deutschen Publikationen statt - diese werden in internationalen Rankings aber häufig gar nicht oder nur mit vergleichsweise geringer Punktzahl berücksichtigt. Die Saarbrücker Professoren fordern in ihrem Plädoyer, sich dieser Rahmenbedingungen nicht nur bewusst zu werden, sondern ihnen gezielt durch eine Lehre mit mehr Praxisnähe, unterfüttert durch entsprechende Forschung, zu begegnen. Es gehe um nicht weniger als das Verständnis der betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge - man könnte auch sagen um das Verstehen der Welt vor und hinter den Zahlen.
Wirtschaftsprofessoren kritisieren praxisferne Forschung und Lehre an deutschen Universitäten, wirtschaft.com 20.9.13


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Auch im Erwachsenenalter kann man persönlich noch wachsen 
Donnerstag, 12. September 2013 - Wissenschaft
In einem Interview mit Spiegel online erklärt die New Yorker Psychologie-Professorin Ursula Staudinger, dass der Prozess des menschlichen Reifens nicht, wie von der Persönlichkeitspsychologie lange angenommen, mit Erreichen des Erwachsenenalters ein Ende findet. Vielmehr sei es möglich, Persönlichkeitseigenschaften auch in fortgeschrittenen Jahren noch zu verändern. Menschen, die sich immer wieder neuen Erfahrungen aussetzen, die sich neue Aufgaben vornehmen und dazu lernen, um diese zu bewältigen, durchlaufen dadurch auch im inneren einen Wachstumsprozess. Wichtig ist in den Augen der Psychologin, dass sie das Gefühl haben, die Dinge selbst in die Hand nehmen zu können. Doch auch, wer diesbezüglich in eher negativen Denkmustern festhängt, kann etwas tun - nämlich sich diese Muster bewusst machen und einen Perspektivwechsel trainieren. Interessant ist die Unterscheidung, die Staudinger zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Entwicklungswegen trifft: "Meist sind wir auf dem Wohlbefindensweg: Wir konzentrieren uns darauf, dass es uns und den Personen, die uns wichtig sind, gutgeht und sich alle wohlfühlen. Das führt häufig dazu, dass man das Erreichte erhalten möchte und eher nicht das Risiko eingeht, durch Veränderung das Glück aufs Spiel zu setzen. ... Auf dem Weisheitsweg geht es darum, das große Ganze zu verstehen und zum Wohle aller weiterzuentwickeln. Die Zielsetzungen dieser Menschen gehen über das Wohl der eigenen Person und des eigenen Umfelds und auch über die Gegenwart hinaus."
Das Leben ist eine Baustelle, Spiegel online 29.8.13


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