Pervertiertes Bauchgefühl 
Freitag, 20. Januar 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Unser Bauchgefühl ist eine starke Instanz - es ist uns so nahe, dass wir ihm oft unhinterfragt folgen. In einem Beitrag für die Zeit betrachtet Martin Kolmar, der in St. Gallen Volkswirtschaft lehrt, dieses Bauchgefühl vor dem Hintergrund des wachsenden Populismus sehr kritisch, denn seiner Meinung nach führen unsere unbewussten emotionalen Reaktionen auch dazu, dass die gesellschaftliche Segregation wächst. Kolmar bezieht sich auf wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Unterscheidungen in "wir" und "die anderen" meist nicht wertfrei sind, sondern mit ihnen oft auch eine Abwertung derer verbunden ist, die nicht zu diesem Wir zählen. "Offenbar spielen unbewusste Emotionen und bewusstes Denken zusammen. In einer Studie dachten Teilnehmende, dass sie gar nicht diskriminierten, obwohl Diskriminierung auf der emotionalen Ebene nachweisbar war. Dies verweist auf einen Konflikt zwischen Gefühl und bewusstem Erleben, der problematisch sein kann. Probleme entstehen vor allem dann, wenn die herrschenden Normen dem eigenen Empfinden widersprechen. Das wiederum führt zu Spannungen, in deren Folge das lange verdrängte Bauchgefühl sich plötzlich Luft machen kann", so Kolmar. Das Schwierige daran: Unsere emotionalen Reaktionen sind schnell - und sie verfestigen sich, da wir neue Erfahrungen durch den Filter unserer bisherigen emotionalen Reaktionen machen. Kolmar hält diesem Automatismus das bewusste Denken entgegen. "Wir können es dazu nutzen, unser emotionales Erleben der Wirklichkeit zu rechtfertigen und Widersprüche zu übertünchen. Empirische Fakten spielen dabei kaum eine Rolle, solange wir uns damit nicht massiv schaden", beschreibt er, wie im öffentlichen Diskurs immer mehr der Populismus um sich greift. Wir können jedoch auch in die andere Richtung denken: "Wir können aber auch mit der Vernunft in Distanz zu uns selbst, unseren Gefühlen und Erklärungsmustern treten. Auf diese Fähigkeit setzt die Aufklärung. Sie brachte uns die Idee universeller Menschenrechte, ein erster und hinsichtlich seiner Tragweite kaum zu unterschätzender Schritt, um ein unreflektiert emotional gesteuertes Denken zu überwinden." Vielleicht stehen wir als Menschheit gerade an einer Schwelle und sollten uns bewusst fragen: Wollen wir wieder zurückfallen in tumbe Reflexe, die uns vermeintlichen Schutz bieten? Oder wollen wir an Herausforderungen wachsen, sind wir neugierig zu erfahren, wer wir sein können, wenn wir offen mit dem sind, was sich uns in der Welt zeigt? Vielleicht erfahren wir dann, dass "wir" mit anderen mehr gemeinsam haben, als unsere persönlichen Gefühle uns suggerieren.
Wider das Bauchgefühl, Zeit online 7.1.17

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Sehnsucht nach Stille 
Donnerstag, 19. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Stille ist das "Echo des ewigen Schweigens der unendlichen Räume jenseits unserer Welt", schreibt Maximilian Probst poetisch in einem Beitrag für die Zeit. Im Alltag ist es jedoch meist so laut, dass wir diese Stille kaum noch wahrnehmen können. Laut Umfragen fühlen sich 55 Prozent der Deutschen von Straßenlärm geplagt, 32 Prozent von Fluglärm und 20 Prozent von Bahnlärm. Von der täglichen Hektik im Großraumbüro ganz zu schweigen. Dabei könnte es so schön sein, einmal bewusst die Stille zu suchen und ihr nachzugehen. Ursula Hertewich, die seit zehn Jahren als Dominikaner-Schwester im Kloster Arenberg bei Koblenz lebt, beschreibt die mystische und heilende Dimension der Stille während der Kloster-Retreats: "Zehn Tage im Jahr schweigen wir Schwestern aus dem Kloster Arenberg. Ein Verzicht, ähnlich wie das Fasten. Die ersten zwei bis drei Tage fühlt sich das für mich wunderbar an. Die Stille ist so heilsam. Ich nehme Reize von außen viel deutlicher wahr und lerne mich selbst besser kennen. Da fällt mir auf, was im Alltag nicht reibungslos funktioniert. Ich hinterfrage: Welche Bedürfnisse habe ich? Was sagt mir mein Inneres? Und was sagt mir Gott?" Sie betont auch, wie das Schweigen das eigene Selbstbild herausfordert und zur Reflektion einlädt: "Es ist aber auch eine einsame, anstrengende Zeit. Denn für die Seele ist Schweigen wie ein Vollwaschgang. Es kommen Zweifel, Ängste, Fragen hoch. Da ich schweige, bin ich mit ihnen ganz alleine. Ich kann ihnen nicht entkommen. Auch Radio hören oder Bücher lesen ist für mich in dieser Zeit tabu. Es gibt nichts, was mich ablenken könnte." Klingt nach einem wunderbaren Weg, um wieder zu sich selbst und auch zur Welt zu kommen.
Himmlische Ruh? Zeit online 5.1.17
"Die Stille ist kostbar, ein Genuss", Zeit online 8.1.17

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Selbst ausgeschaltete Smartphones stören 
Mittwoch, 18. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien
Störungen durch permanentes Daddeln mit dem Smartphone sind heute fast schon zur (Un)Kultur geworden. Japanische Wissenschaftler haben nun bewiesen, dass Smartphones nicht einmal aktiv benutzt werden müssen, um zu stören - ihre Anwesenheit allein reicht dazu schon aus. Die Forscher ließen 40 Studenten Aufgaben am Computer lösen, bei denen sie unter verschiedenen Zeichen ein besonderes finden sollten. Im Setting wurde die Aufgabe einmal mit einem neben dem Bildschirm liegenden Schreibblock bewältigt, ein anderes Mal lag neben dem Computer ein ausgeschaltetes Smartphone. Die Gruppe, die neben dem Smartphone arbeitete, brauchte dabei für das Bewältigen der Aufgabe länger.
Auch fremde Smartphones stören die Konzentration, spektrum.de 4.1.17

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Wenn der Fortschritt zur Zeitbombe wird 
Dienstag, 17. Januar 2017 - Bewusstsein, Lebensart
Die Weltlage scheint immer stürmischer zu werden. Die Politik ist hauptsächlich damit beschäftigt, nach den Regeln und Normen der Vergangenheit zu handeln. Doch hilft eine Politik der Abschottung und Grenzziehung wirklich dabei, Themen wie die Flüchtlingsproblematik, Klimawandel und globale Ungleichheit angemessen anzugehen? Wichtige inhaltliche Impulse zu Themen wie diesen - und vor allem auch einem radikalen Umdenken - kommen gegenwärtig eher von Wissenschaftlern, die bereits ein Gespür dafür entwickelt haben, dass nationale Alleingänge und Klientelpolitik keine Auswege bieten, sondern die Lage eher noch verschlimmern. Der Wachstumskritiker Nico Paech und der Astrophysiker Stephen Hawking scheuten sich nicht, in ihren jüngsten Statements darauf hinzuweisen, dass wir alle in unterschiedlicher Weise zum gegenwärtigen Krisenmix beitragen - und demzufolge auch Lösungen nur in größeren, gemeinsamen Räumen entstehen können, aus einem Bewusstsein, dass eben doch alles und alle irgendwie miteinander verbunden sind. Wachstumskritiker Nico Paech skizziert in der Zeit, wie der übertriebene Konsumismus des Westens weltweit Begehrlichkeiten weckt, die nicht zu erfüllen sind. Für ihn sind die aktuellen Entwicklungen nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern der Menschenwürde: "Zwei typische Reaktionsmuster der Entwürdigten halten Europa in Atem. Zum einen werden religiöse Traditionen radikalisiert. Sich von den 'gottlosen' Modernisierern abzugrenzen und diese als Feinde zu bekämpfen, scheint identitätsstiftend zu sein, weil sich daraus ein heroisches Selbstwertgefühl ableiten lässt. Zum anderen verlassen immer mehr Menschen ihre Heimat, um ins vermeintliche europäische Paradies zu gelangen. Sie folgen dem Versprechen, dort übergangslos das Leben der Fortschrittlichen imitieren zu können. ... Aber globale Gerechtigkeit kann weder ein Unterfangen der kulturellen Homogenisierung sein, noch kann sie allein auf ökonomischer Ebene erreicht werden. Nicht der Süden wäre zu 'entwickeln', sondern der Norden müsste materiell abgerüstet werden. Nur so kann er dem Süden ein Stück Würde zurückgeben, ohne unerfüllbare Träume zu wecken. Eine bloße Übertragung des European Way of Life – ganz gleich ob durch internationalen Handel, Entwicklungspolitik oder Einwanderung – kann nur im ökologischen Fiasko enden." Stephen Hawking argumentiert in ähnliche Richtung: "Die globale Ausbreitung des Internets und der sozialen Medien hat eine unbeabsichtigte Konsequenz: Wie krass die Ungleichheiten sind, ist heute wesentlich offensichtlicher als früher. Ganz gleich, wie arm man ist, solange man ein Telefon mit Internetanschluss hat, kann man das Leben der reichsten Menschen in den wohlhabendsten Teilen der Welt bestaunen. Und da heute im Afrika südlich der Sahara mehr Menschen über ein Smartphone als über Zugang zu sauberem Wasser verfügen, bedeutet das über kurz oder lang, dass niemandem auf unserem immer voller werdenden Planeten diese Ungleichheit entgeht. ... Aus all dem ergibt sich für mich, dass wir dringend enger zusammenarbeiten müssen, als das je in der Menschheitsgeschichte nötig war. ... Dazu müssen wir die Schranken innerhalb und zwischen den Nationen abbauen und nicht noch verstärken. Wenn wir uns die letzte Chance bewahren wollen, bleibt den führenden Entscheidungsträgern dieser Welt nichts anderes übrig, als anzuerkennen, dass sie versagt und die Mehrheit der Menschen im Stich gelassen haben. Die Ressourcen konzentrieren sich immer mehr in den Händen weniger, weshalb wir lernen müssen, weit mehr als bisher zu teilen. Das ist machbar. In Bezug auf die Spezies Mensch bin ich ein ungeheurer Optimist. Aber die Eliten – von London bis Harvard, von Cambridge bis Hollywood – sollten aus den vergangenen Monaten ihre Lehren ziehen. Vor allem müssen sie sich ein gewisses Maß an Demut und Bescheidenheit aneignen", so Hawking.
Der zerstörereische Traum vom Frotschritt, Zeit online 3.1.17
"Gefährlichster Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte", IPG 6.1.17

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Wissenschaftlicher Überblick zu Achtsamkeit im Business 
Montag, 16. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien, Wissenschaft, Arbeit, Management
Das Online-Portal "Leadership Insiders", das sich ganz der wissenschaftlichen Entwicklung in den Bereichen Führung und Organisationsentwicklung verschrieben hat, bietet auf seiner Webseite einen umfassenden Beitrag zu Achtsamkeit in der Arbeitswelt an. Es werden eine Fülle von Forschungsbefunden zur Wirkung von Achtsamkeit und Meditation präsentiert und Umsetzungsbeispiele in Unternehmen angesprochen. Auch finden sich viele Verweise darauf, wie Achtsamkeit in konkreten Führungskontexten wirkt, beispielsweise zur inneren Selbstregulation der Führenden wie auch im interpersonellen Bereich zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Einige der Erkenntnisse: Meditation erleichtert Führenden ein offenes, nicht-bewertendes Zuhören und sie entwickeln bessere Konfliktlösungskompetenzen. Außerdem kann Achtsamkeit emotionale Erschöpfung verringern, zu einer besseren Work-Life-Balance führen, eine allgemein höhere Arbeitsleistung ermöglichen, abweichende Verhaltensweisen verringern, zu einer gesteigerten Arbeitszufriedenheit führen, verbesserte Leistungen im jeweiligen Verantwortungsbereich mit sich bringen und ein höheres Engagement, zum Organisationserfolg beizutragen, bewirken. Für alle, die sich mit Achtsamkeit im Business beschäftigen, ist der Artikel eine wunderbare Ressource, da er zahlreiche wissenschaftliche Studien zitiert.
Achtsame Führung - Fakten für Führungskompetenz, Leadership Insiders 10.12.16

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Verhindert Empathie sozialen Wandel? 
Freitag, 13. Januar 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
In der englischsprachigen Wissenschaftswelt ist ein Streit darüber entbrannt, ob mehr Empathie gesellschaftlich betrachtet einen positiven Unterschied machen könnte oder nicht vielleicht sogar konstruktiven Wandel bremst. Der US-Psychologe Paul Bloom etwa legte kürzlich ein Buch mit dem Titel "Against Empathy" vor. Er kritisiert, dass Empathie beispielsweise ungerecht sei. Menschen ließen sich von Einzelschicksalen besonders bewegen, versuchten diesen Menschen dann zu helfen, blendeten dabei aber alle anderen aus, die vielleicht ebenfalls Hilfe benötigten. Auch gehe das Mitgefühl mit einer Person oft mit Antipathien gegenüber anderen Menschen einher. So zeige eine Studie, in der Probanden mit Studenten in einem Wettbewerb mitfiebern sollten, dass die Versuchsteilnehmer dem Konkurrenten Unglück wünschten. Bloom plädiert dafür, dass bei politischen Entscheidungen zum gesellschaftlichen Zusammenleben solide Statistiken betrachtet werden sollten, anstatt auf das Mitfühlen mit einzelnen Personen zu setzen. Am Beispiel der US-amerikanischen Debatte über die Waffengesetze zeige sich ebenfalls ein Empathie-Dilemma - sollte man Mitgefühl haben mit Menschen, die unschuldig Opfer von Waffenmissbrauch werden oder mit jenen, die sich aufgrund von Ängsten glauben, mit einer Waffe besser schützen zu können? In den Augen des Psychologen wäre es sinnvoller, rational zu untersuchen, welche Effekte Veränderungen in der Gesetzgebung auf wie viele Menschen haben, um zu einer analytisch begründeten Entscheidung zu gelangen. Gegenwind bekommt Bloom von seinem britischen Kollegen Simon Baron-Cohen von der University of Cambridge. Baron-Cohen plädiert dafür, Empathie und Ratio nicht gegeneinander auszuspielen, sondern lieber bestehende Hemmnisse für Empathie zu beseitigen. Es gehe darum, auch mit Gegnern mitfühlen zu können, Misstrauen zu überwinden und sich immer wieder zu fragen, wie es "den anderen" gehe. Blooms Verständnis von Empathie scheint eines der individuellen und sozialen Fragmentierung zu sein - ein empathisches Ich steht hier eher für sich, so dass es größere Zusammenhänge, die über das einzelne Empathie-Gefühl hinaus wirksam sind, nicht wahrnimmt. Aber ist die Wahrnehmung von Menschen tatsächlich so isoliert? Baron-Cohen scheint indirekt in diese Richtung zu deuten, denn letztlich läuft seine Argumentation darauf hinaus, den Radius des Mitgefühls immer mehr auszuweiten. Dann ist Empathie nicht eine überschaubare Beziehung zwischen Fragmenten, sondern weitet zunehmend den Raum für ein Selbstverständnis, das Menschen sich immer mehr in ihrer Verbundenheit mit allem wahrnehmen lässt.
Die dunkle Seite der Empathie, Bild der Wissenschaft 4.1.17

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Dankbarkeit macht gesund - und verbindet 
Mittwoch, 11. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien, Wissenschaft
Spiegel online präsentiert in einem ausführlichen Beitrag verschiedene Studien der Dankbarkeitsforschung und zeigt, welchen gesundheitlichen Nutzen es haben kann, im Alltag ein bisschen dankbarer zu sein. Eine Studie aus 2003 lies knapp 200 Probanden, aufgeteilt in drei Gruppen, über zehn Wochen entweder ein Dankbarkeitstagebuch führen, notieren, was in einer Woche schlecht gelaufen war oder neutral über die Erlebnisse reflektieren. Bei der anschließenden Auswertung zeigte sich, dass die Teilnehmer der Dankbarkeitsgruppe in den psychologischen Befragungen mehr Optimismus zeigten als die Teilnehmer der anderen Gruppen, mehr Lebensfreude verspürten und auch geringere körperliche Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen, Schwindel oder Muskelverspannungen aufwiesen. Als nicht unwesentlich für diese Verbesserung des Lebensgefühls stellte sich die soziale Dimension der Dankbarkeit heraus, denn durch das bewusste Dankbarsein intensivierten die Studienteilnehmer auch ihre sozialen Beziehungen. Medizinische Studien liefern bereits weitere Hinweise zu positiven Wirkungen der Dankbarkeit. So sollen Übungen zur Dankbarkeit das individuelle Glücksniveau um 25 Prozent heben und so bei leichten bis mittelschweren Depressionen Antidepressiva ersetzen können. Bei Versuchen mit Patienten, die an Herzinsuffizienz litten, scheinen Dankbarkeitsübungen dazu geführt zu haben, dass sich die Erkrankung nicht verschlimmerte. Die Forschungen schaffen eine interessante Verbindung - Zufriedenheit oder gar gesundheitliche Verbesserungen scheinen nicht nur eine individuelle Sache zu sein, sondern sich womöglich auch dadurch zu ergeben, dass Dankbarkeit Menschen wieder die eigene Eingebundenheit in etwas Größeres bewusster erleben lässt.
Dankmuskel bitte anspannen, Spiegel online 26.12.16

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Die Entdeckung der Verbundenheit im Business 
Dienstag, 10. Januar 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft, Management
Der österreichische Standard richtet in einem Interview mit dem Wissenschaftler Dan Siegel den Blick darauf, dass bewusst gelebte Achtsamkeit der Schlüssel zu neuer zwischenmenschlicher Verbundenheit und damit auch mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt sein könnte. Dort, wo der gegenwärtige Achtsamkeitstrend das Kultivieren der Bewusstheit vor allem als persönliche Strategie interessant werden lässt, geht Siegel weiter. "Durch Mindsight – eine erlernbare Fähigkeit, sich selbst als Teil des größeren Ganzen zu sehen – wird erkennbar, dass wir alle für ein gemeinsames Ziel arbeiten können, mehr positive Energie in uns selbst und damit in die Welt bringen können. Kurz: Mindsight bedeutet, wir können unsere innere Welt gestalten. Dann fühlen wir uns nicht mehr wie passive Passagiere auf einer Reise ins Ungewisse, sondern werden selbst zu aktiven Autoren unserer eigenen Geschichte und damit jener des gesamten Systems. Mindsight wirft das Licht auf den ganzen Prozess, und wie wir uns mit Achtsamkeit zu einer mitfühlenderen Gesellschaft entwickeln können", so der Wissenschaftler. Im Unternehmenskontext könne diese Perspektive beispielsweise dabei helfen, Vielfalt und Differenzierung wertzuschätzen und dabei gleichermaßen die Verbundenheit innerhalb des größeren Ganzen zu kultivieren: "Wenn man nur die einzelnen Teile einer Firma, die Departments, als separierte Einheit behandelt, dann fördert man lediglich Differenzierung, aber keine Verbindung. Dem Unternehmen wird es nicht so gut gehen, wie es ihm gehen könnte. Weil die Verbindung aller Individuen zueinander fehlt. Wenn die Differenzierung von Individuen innerhalb eines Departments kultiviert wird, dann fühlen sich die Leute geachtet und befähigt. Die Moral wird hoch sein, und die Menschen werden von sich aus motiviert, inspiriert und kreativ tätig für das Unternehmen. Weil sie auch wissen, was sie zum gemeinsamen Ganzen beitragen, und dass dieser Beitrag wichtig ist. Da gibt es Zugehörigkeit und gleichzeitig Individualität, da übernehmen Menschen von selbst die Ownership für ihre Arbeit. Das ist zuerst eine Aufgabe für Leadership."
US-Forscher: Einmal täglich das Gehirn "vom Dreck befreien", Der Standard 20.12.16

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