Wenn Kränkungen krank machen 
Donnerstag, 27. März 2014 - Arbeit
Die steigende Zahl psychischer Erkrankungen lässt die Wissenschaft auf immer neuen Wegen nach den Ursachen suchen. Eine Untersuchung der Universität Lüneburg etwa zeigt, dass von stressgeplagten Betroffenen vor allem im Beruf erfahrene Kränkungen als Last betrachtet werden, die zur eigenen Erschöpfung beitragen. Mangelnde Wertschätzung, eine fehlende Feedbackkultur, aber auch äußere Arbeitsumstände, die nahe legen, dass Mitarbeiter weniger geschätzt, sondern eher verheizt werden, können dazu beitragen, dass das Selbstwertgefühl von Mitarbeiter massiv untergraben wird und sie schließlich krank werden. Eine Untersuchung über glückliche Paare scheint Belege zu liefern, warum gerade negative Umgangsformen solch krasse Folgen nach sich ziehen können. Die befragten glücklichen Paare gaben an, dass in ihrer Beziehung positive zu negativen Statements gegenüber dem Partner bzw. der Partnerin im Verhältnis 5:1 stünden - was auch so gedeutet werden kann, dass ein negatives Erlebnis fünf positive Begegnungen braucht, um kompensiert zu werden.
Von der Kränkung zur Krankheit, Die Welt 20.3.14


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Wachsender Coachingmarkt mit Macken 
Dienstag, 25. März 2014 - Arbeit
Coaching ist en vogue und die entsprechenden Ausbildungen sprießen wie Pilze aus dem Boden. Ob günstig oder teuer, die Fundierung der Angebote ist trotz verschiedener Zertifizierenden nicht immer gegeben. Eine Studie der Universität Osnabrück legt nahe, dass in Deutschland lediglich vier Prozent der Coaching-Ausbildungen auf wissenschaftlich nachweisbar wirksame Methoden setzen. So bemängelt die Untersuchung, dass beispielsweise 36 Prozent der Coaching-Ausbildungen auf NLP basieren, obwohl die Wissenschaft bei den Methodiken keine Wirksamkeit erkennen könne. 55 Prozent setzen auf einen systemischen Ansatz. "Dahinter verbirgt sich meist ein Mix aus Systemtheorie, Konstruktivismus, Kybernetik, Familientherapie und immer häufiger auch esoterischen oder spirituellen Ansätzen", so die Welt. Leider geht der Beitrag nicht näher darauf ein, welche Maßstäbe an eine wissenschaftlich nachweisbare Wirkung angelegt werden, denn wer schon einmal Erfahrungen mit NLP, systematischen Tools oder Aufstellungen gesammelt hat, weiß nur zu gut, dass sich damit Wirkungen erzielen lassen, die verblüffend sind - und Lebenszusammenhänge nachhaltig ändern können. Die Kritik des Artikels ist andererseits auch in Teilen durchaus berechtigt, denn Coaching-Ausbildungen werden für die Anbieter immer mehr zu einer Geldmaschine, während die Ausgebildeten oft nicht allzu viel davon haben. So zeigt eine Umfrage, dass von 452 befragten Coaches mehr als die Hälfte noch nicht einmal ein Viertel ihres Umsatzes mit Coaching generieren.
Das Coaching-Siegel ist ein teures Muster ohne Wert, Die Welt 15.3.14


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Kampf oder Flucht? Das ewige Stress-Dilemma ... 
Donnerstag, 20. März 2014 - Arbeit
Der Mensch scheint für die Arbeitswelt von heute nicht gemacht zu sein. Während unsere Vorfahren große Herausforderungen mit Kampf oder Flucht begegnen konnten und nach solchen Phasen extremer Anspannung wieder zur Ruhe finden konnten, scheint der durchschnittliche Arbeitnehmer heute unter Dauerfeuer zu stehen. Die Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen stiegen in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent. Zwar machten diese Krankheiten 2012 lediglich fünf Prozent aller Krankheitsfälle aus, führten jedoch zu zehn Prozent der Fehltage. Die Beratungsfirma Booz & Co. errechnete für 2009 Produktivitätsausfälle in Höhe von rund 225 Milliarden Euro. Die Krankenkassen starten zwar zunehmend Präventionsprogramme, investieren dafür aber gerade einmal 0,1 Prozent ihrer Budgets.
Der volkswirtschaftliche Schaden von Arbeitsstress, Die Welt 13.3.14


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Revolutioniert der 3D-Druck den Kapitalismus? 
Dienstag, 18. März 2014 - Arbeit
Seit Anfang des Jahres beginnen 3D-Drucker - Geräte, mit denen sich aus verschiedenen Materialien Gebrauchsgegenstände fertigen lassen - den Endkundenmarkt zu erreichen. Technische Bausätze für den Heimgebrauch sind bereits für ca. 600 Euro erhältlich. Für einen Philosophen wie Fritjof Bergmann, der mit seiner Idee der "Neuen Arbeit" bereits seit Jahren die Idee einer partiellen Selbstversorgung und damit Unabhängigkeit der Verbraucher von der Industrie durch im 3D-Druck selbstgefertigte Dinge propagiert, dürfte dies ein Grund zu Freude sein. Auch die taz feiert den technologischen Durchbruch und stellt in einem Beitrag erste Einsatzmöglichkeiten vor. Da die Inbetriebnahme eines solchen Geräts nicht nur diverse technische Kenntnisse, sondern auch die Fähigkeit zur 3D-Programmierung zur Voraussetzung hat, dürfte die neue Domaine zunächst vor allem ambitionierten Bastlern vorbehalten sein. Doch entstehen bereits die ersten professionellen Dienstleister, die beispielsweise die Fertigung von Ersatzteilen für Kunden anbieten.
Vom Copyshop zur Minifabrik, taz 9.3.14


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Einkommenskluft zwischen Mann und Frau in Deutschland besonders hoch 
Montag, 17. März 2014 - Arbeit
Frauen verdienen weniger als Männer - auf diese Tatsache richtet der jährliche Equal Pay Day einmal mehr die Aufmerksamkeit. Die Gründe für die Einkommensunterschiede sind schnell genannt. Frauen arbeiten häufiger Teilzeit, vor allem nach einer Babypause, und sind beruflich oft in wenigen lukrativen Branchen beschäftigt. In Deutschland sind die Gehaltsunterschiede dabei besonders deutlich. Während im OECD-Durchschnitt Frauen 15 Prozent weniger verdienen als Männer, sind es in Deutschland 21 Prozent. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Accenture zeigt, dass nach wie vor flexible Arbeitszeitmodelle fehlen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Und es sind eben nach wie vor eher die Frauen, die zugunsten von Familie und Nachwuchs beruflich zurückstecken.
Deutschland weist Europas größte Gehaltslücke auf, SZ 5.3.14


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Sind Hartz IV und die DDR schuld an der Vermögensungleichheit? 
Freitag, 14. März 2014 - Arbeit
Die Welt widmet einen Beitrag der wachsenden Vermögensungleichheit in Deutschland. Dem Artikel zufolge besitzt ein Viertel aller Deutschen kein nennenswertes Vermögen oder hat gar Schulden. Als Ursache dafür sieht die Welt die Nachwirkungen der DDR-Geschichte, da die Menschen in den neuen Bundesländern durch deren politisches System kaum die Chance gehabt hätten, über die Jahrzehnte persönliches Vermögen aufzubauen. Als weitere Ursache werden die Hartz IV-Gesetze bemüht, die dazu geführt haben, dass die Bezieher zunächst einen Großteil ihres Vermögens verbrauchen müssen, bevor sie Geld vom Staat bekommen. Besaßen Arbeitslose 2002 im Schnitt noch rund 30.000 Euro, seien es zehn Jahre später nur noch 18.000 Euro gewesen. Nun, Vermögen sieht anders aus - auch schon vor Hartz IV. Der Artikel kommt aufgrund seiner Annahmen zu dem Schluss, dass es keine geänderte Steuergesetzgebung für mehr Umverteilung brauche, sondern wirtschaftliches Wachstum. Eine geschlossene Argumentationskette, kein Zweifel - aber man kann Fakten auch anders bewerten ...
Hartz-Gesetze ruinieren Vermögen vieler Deutscher, Die Welt 26.2.14


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Defizit-Perspektive der Ämter hilft Arbeitslosen nicht weiter 
Donnerstag, 6. März 2014 - Arbeit
Wenngleich die Arbeitslosenstatistik gegenwärtig recht gut aussieht, bleibt das Thema Langzeitarbeitslosigkeit nach wie vor virulent. Der Sozialpädagoge Dirk Kratz hat für seine Dissertation Langzeitarbeitslose befragt und erkundet, ob und in welcher Form die zuständigen Ämter sie unterstützen. Seine Einschätzung ist ernüchternd: Er kritisiert, dass Arbeitslose bisweilen wie Kinder behandelt würden, die Behörden eine recht funktionale Perspektive und die Ratsuchenden anwendeten und vielfach gar nicht versucht werde, an die bisherige Erwerbsbiographie der Betroffenen anzuknüpfen. "Das Problem liegt im Konzept, das dahinter steckt – oder, wenn man so will, in der Weltsicht der Ämter und der Arbeitsmarktpolitik. In den Jobcentern und Arbeitsagenturen arbeitet man mit einem ziemlich technischen Modell. Dessen Logik besagt, etwas verkürzt: Wenn jemand keine Arbeit findet, dann liegt das daran, dass ihm bestimmte Fähigkeiten fehlen …", so Kratz. Mit seiner Arbeit sensibilisiert der Pädagoge dafür, dass es nicht reiche, Menschen einfach in Jobs, die gerade verfügbar sind, zu qualifizieren - und beispielsweise durch die vergleichsweise kurze Weiterbildung Sicherheitskräfte heranzuziehen, die dann doch nur wieder prekär beschäftigt sind. Kratz plädiert dafür, in der Arbeitsvermittlung und besonders der Qualifizierung viel stärker an individuelle Biographien anzuknüpfen und die Fähigkeiten, die Arbeitslose mitbringen, stärker zu würdigen und auszubauen.
"Die Jobcenter richten großen Schaden an", Zeit online 24.2.14



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Mut zum Job-Patchwork 
Donnerstag, 20. Februar 2014 - Arbeit
Die Wirtschaftswissenschaftlerin, Kulturmanagerin und Berufsberaterin Beate Westphal ist bekennende Multijobberin. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erklärt sie, warum ein Mix aus unterschiedlichen Job für mehr Freude und Entfaltung im Arbeitsleben sorgen könnte. Westphal weist gerne darauf hin, dass die Vorstellung, mit einem einzigen Arbeitsverhältnis sein Leben zu gestalten und sein Auskommen sicherzustellen, historisch erst durch die Industrialisierung und die damit verbundene Spezialisierung entstanden sei - früher habe Leben immer bedeutet, verschiedenen Tätigkeiten nachzugehen. Dem setzt die Beraterin entgegen: "Es ist illusorisch zu glauben, dass wir all unsere Interessen in einem einzigen Job befriedigen können." Ihr Tipp: Die eigenen Interessen und Talente betrachten und sich zu überlegen, welche davon sich auch in eine bezahlte Tätigkeit einbringen lassen. Da unser Sicherheitsdenken und pure Gewohnheit solche Gedankengänge nur allzu leicht verhindern, rät Westphal dazu, beim Sinnieren anzunehmen, man müsste fünf verschiedene Jobs machen - das durchbreche manche Denkblockade. Fragen könnten sein: "Was macht mir in meinem Leben Spaß? Wobei das oft gar nicht so einfach ist: Wir sind heute vernunftgeleitetes Denken gewohnt - über das nachzudenken, was uns Spaß macht, kommt uns fast ungehörig vor. Einfacher ist da für viele schon die Frage nach den eigenen Stärken zu beantworten: Was gelingt mir immer wieder gut? Wenn ich meine Talente und Interessen notiert habe, geht es darum, beides sinnvoll miteinander zu verbinden." Mit diesem Ansatz will die Berufsberaterin vor allem Menschen, die sich in ihrer Tätigkeit unterfordert fühlen, neue Perspektiven vermitteln. Sie denkt dabei an Hochqualifizierte, nicht an Menschen, die fürs nackte Überleben zu Multi-Jobbern werden, die beispielsweise mehrere 400-Euro-Jobs nebeneinander bedienen.
"Mit nur einem Job würde ich unruhig schlafen", SZ 12.2.14


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