Psychopathen in der Führungsetage 
Donnerstag, 5. Juni 2014 - Management
Die Ego-Kultur des modernen Business scheint psychopathologische Neigungen unter Führungskräften schon fast als Qualifikation erscheinen zu lassen. Nach Einschätzung des Psychologen Jens Hoffmann vom Institut Psychologie und Bedrohungsmanagement sind narzisstische und psychopathische Persönlichkeiten in Machtpositionen drei- bis viermal so oft vertreten wie im Bevölkerungsdurchschnitt. "Man geht davon aus, dass etwa vier Prozent der Bevölkerung Narzissten sind und etwa ein bis zwei Prozent Psychopathen. Deren Anteil in Führungspositionen beträgt etwa sechs Prozent", so Hoffmann. Dies liege unter anderem daran, dass sich in Führungspositionen ein Dominanzbedürfnis gut ausleben lasse. Das Problem mit Narzissten: Sie halten sich für grandios, reagieren auf Kritik zutiefst verletzt und reagieren dann häufig aggressiv. Sie sind also eigentlich eine Zeitbombe im Unternehmensalltag. Die Sprengkraft vonPsychopathen liege hingegen darin, anderen Gefühle vorzuspielen, auf diese erfolgreich Netzwerke aufzubauen und Menschen dann zu manipulieren. Warum entsprechende Kandidaten dennoch häufig Karriere machen, erklärt Hoffmann mit der grundsätzlichen Businesskultur: "Mein Eindruck ist, dass eher verstärkt psychopathische Menschen Spitzenpositionen in den Unternehmen erhalten. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Soft Skills immer wichtiger werden – und hier sind Psychopathen meist gut. Der Druck in den Führungsetagen steigt ja auch. Wer gefühlskalt und angstfrei ist, kommt in der Regel auch länger gut mit Stress zurecht. Er kann es ertragen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, weil sie ihn gar nicht berühren."
"Auffällig viele Psychopathen werden Chef", Zeit Online 26.5.14


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Unternehmerisches Denken braucht Freiräume und Mut 
Mittwoch, 28. Mai 2014 - Management
Viele Unternehmen erwarten von ihren Mitarbeitern unternehmerisches Denken und Handeln, doch meist klafft zwischen Wunsch und Wirklichkeit eine enorme Lücke, denn viele Unternehmenskulturen scheinen nach wie vor eher auf Gehorsam ausgelegt. Ulrich Dessel, Geschäftsführer der Mittelstandsberatung Nolens, Dessel und Kollegen, analysiert in einem Beitrag für das Handelsblatt die Ursachen. Eigenständige Entscheidungen zu treffen sei beispielsweise für viele Mitarbeiter ungewohnt, da in vielen Unternehmen unausgesprochen Alleingänge sabotieren. Wer hier vorpresche laufe Gefahr, als nicht teamfähig oder schwer integrierbar eingestuft zu werden. Ein weiterer Punkt sei die Angst vieler Chefs, die Kontrolle zu verlieren. Hierarchische Führung sei nach wie vor gang und gäbe in Firmen, so dass zu deutlich gezeigte Eigenverantwortung von Mitarbeitern von den Vorgesetzten leicht als Affront empfunden und entsprechend geahndet werde. Dessels Schlussfolgerung: "Wenn unternehmerisches Denken und Handeln in einer Organisation verankert werden soll, dann ist zunächst ein Umdenken und Neulernen der oberen Führungskräfte nötig."
So entwickeln Sie gutes Personal, HB 19.5.14


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Vom Leidensdruck der Führungskräfte 
Montag, 5. Mai 2014 - Management
Überforderung, Entfremdung, Hilflosigkeit - es gibt viele mögliche Gründe, warum Führungskräfte im Job unter Druck geraten. Wenn es nach dem Therapeuten und Coach Thorsten Kienast geht, haben Chefs allerdings mindestens genau so viele Möglichkeiten, den eigenen Leidensdruck durch bewusstere Verhaltensweisen im Job zu minimieren. Eine zentrale Erkenntnis: Die Chefrolle wird zwar innerhalb des bestehenden Systems verliehen, doch müssen Führungskräfte sie sich auch aktiv aneignen. "Jede Führungskraft wird ja zunächst einmal von einer noch höheren Instanz im Unternehmen für diesen Job eingesetzt. Doch die Akzeptanz seiner Mitarbeiter muss sich diese Person anschließend erst noch verdienen. Ein Chef muss also nicht nur von oben berufen werden. Ein Chef muss auch von unten gewählt werden. Sonst steckt er in der Falle", so Kienast. Ein weiterer, entscheidender Punkt: Anerkennen, was die Untergebenen leisten. Der Coach warnt davor, Untergebene pauschal als "faule Säcke" zu betrachten, denn: "Das sind immer Menschen, die sich Mühe geben, in jeder Hierarchieebene und bei jeder Tätigkeit, ob als Pförtner, Angestellter oder Betriebsrat. Wer mit dieser Haltung an seine Mitarbeiter herangeht, wird sehr schnell ein besseres Verhältnis zu ihnen bekommen. Und er schützt letztlich seine eigene seelische Gesundheit." Im Prinzip beschreibt der Therapeut hier den Wandel von der formalen Autoritätsrolle hin zu einer exponierten Position, die sich auf - verdiente - Anerkennung beruft.
"Ein Chef muss gewählt werden", Zeit online 4.4.14


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Self-Tracking steht bei Managern hoch im Kurs 
Montag, 28. April 2014 - Management
Wissen Sie, wie viele Schritte Sie heute zurückgelegt haben oder wie viele Kalorien Sie zu sich nehmen? Ob Sie ausreichend schlafen und fit sind? Der Trend zur Selbstvermessung, der in den Vereinigten Staaten schon seit einiger Zeit tobt, scheint nun auch nach Deutschland überzuschwappen. Fitness-Armbänder, die einem zeigen, welche sportliche Leistung man vollbracht hat, Sensoren, die die Schlafqualität protokollieren und Apps, die einem sagen, dass man auf das Dessert vielleicht besser verzichten sollte - dank wachsender technischer Möglichkeiten ist die persönliche Rundum-Kontrolle inzwischen für fast jeden mit einigen technischen Gadgets realisierbar. Ein Bericht auf Spiegel online skizziert, wie immer mehr Führungskräfte in den Kampf gegen den eigenen inneren Schweinehund einsteigen - und gleichzeitig die Gelegenheit nutzen, über Onlineplattformen die eigene Leistung mit der anderer zu vergleichen. Laut Artikel fühlen sich vor allem Manager von dem Trend angezogen, da "Kontrollieren, Optimieren und Effizienzsteigern" ihrem beruflichen Selbstverständnis besonders entsprechen. Spiegel online spricht von "konsumfreudigen Ego-Modellierern" und meint spöttisch: "So wird jeder zu seinem eigenen Tamagotchi." Verfechter des Trends sehen es positiv, wenn Menschen auf diese Weise versuchen, die Autonomie über ihren Körper zurückzugewinnen. Die Beratungsgesellschaft PwC hat errechnet, dass EU-weit im Gesundheitswesen fast 100 Milliarden Euro eingespart werden könnten, wenn mehr Menschen sich dem Selbstoptimierungstrend anschließen. Allein in Deutschland sollen die jährlichen Produktionsausfälle aufgrund von Bewegungsmangel sich auf rund zehn Milliarden Euro summieren. Skeptiker indes warnen davor, dass der selbstinduzierte Leistungsdruck auch unglücklich machen könne, da man, wenn die selbstgesetzten Optimierungsziele verfehlt werden, sich zusätzlich zu den normalen Anforderungen des Lebens unter Druck setze.
"Blöd, dass der Körper keinen USB-Anschluss hat", Spiegel online 17.4.14


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Sollten Frauen im Business arroganter auftreten? 
Mittwoch, 16. April 2014 - Management
Für den Unternehmensberater und Lehrbeauftragten an der Universität Freiburg Peter Modler ist eines klar: Frauen verschenken im Business viele Chancen, weil es ihnen nicht gelingt, auf die vorherrschenden männlichen Verhaltensweisen angemessen zu antworten. Während Männer im Job selten Skrupel haben, sich im besten Licht erscheinen zu lassen, selbst wenn ihre Fähigkeiten dieser Selbstdarstellung vielleicht nicht standhalten, gehen Frauen in seinen Augen eher geduckt durchs Leben und lassen sich zu leicht vom männlichen Gehabe einlullen. Für Männer beispielsweise ist Sprache ein Mittel, bestehende Hierarchien auszudrücken und aufrechtzuerhalten, während Frauen eher horizontal kommunizieren, Informationen egalitär verbreiten und nach Argumenten suchen. "Um Auseinandersetzungen zu gewinnen, müssen sich Frauen auf die Ebene begeben, auf der sich ihr Opponent bewegt. Das kann im Konflikt bedeuten: Klare Statements, kurze Sätze, keine Erklärungen - und bloß nicht charmant lächeln, um den eigenen Worten die Schärfe zu nehmen", sagt Modler. Der Karrierecoach versucht Frauen damit vertraut zu machen, dass ein forsches Auftreten bisweilen schlicht angemessen sein kann, was er nicht als "Plädoyer für Arroganz als Lebenshaltung" verstanden wissen möchte. Dich: "In in bestimmten Situationen müssen Frauen in Führungspositionen Arroganz als Werkzeug einsetzen, wenn sie nicht übervorteilt werden wollen. Leider denken wir heute alle, wir müssten unentwegt authentisch und ganz wir selbst sein. Nein, wir müssen im Arbeitsleben nicht alle Facetten unserer Persönlichkeit zeigen und wir müssen sogar oft eine Rolle spielen. Um unsere Seele zu schützen!" Die eigene Persönlichkeit als Ganzes betrachtet, sei deutlich reicher als ein ausschnitthafter Rollenfokus - und genau dies erleichtere es, sich Konflikte im Job nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen.
"Frauen müssen Arroganz als Werkzeug einsetzen", SZ 4.4.14


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Die Anti-Wachstums-Vorreiter 
Montag, 24. März 2014 - Management
Die Wirtschaftswoche widmet einen spannenden Artikel der Frage, ob Unternehmen tatsächlich immer weiter wachsen müssen. Ausgangspunkt ist eine Studie, die auf Basis von Nachhaltigkeitsberichten einen neuen Trend festgestellt hat - den der nicht explizit wachsen wollenden Unternehmen. Als Beispiel wird etwa die kleine Brauerei Neumarkter Lammsbräu angeführt, die Bio-Getränke produziert und allein aufgrund der Geschäftspolitik, nur mit regionalen Rohstoffen aus dem Biolandbau zu arbeiten, logischerweise nicht unendlich wachsen kann. Das selbstauferlegte Nicht-Wachsen könnte in Zukunft für immer mehr Firmen zum Thema werden. Zwar sind die grundsätzlichen Grenzen von Wachstum in der Wissenschaft schon länger ein Thema, doch viele Firmen halten nach wie vor am Glauben, kein Wachstum sei ein Rückschritt, fest. Was nicht zuletzt auch an der Tatsache liegt, dass fremdfinanzierte Unternehmen immer auch ihre Investoren zufriedenstellen müssen. So geht der Artikel auch explizit auf andere Unternehmensformen wie die gute alte Genossenschaft ein, die nicht per se Wachstum als Unternehmensziel definieren. Gegenwärtig mögen die Anti-Wachstums-Vorreiter noch eine kleine Minderheit darstellen, doch ob kurz oder lang dürfte für immer mehr Unternehmen die Frage zentral werden, wie sie sich im immer härter werdenden Verdrängungswettbewerb behaupten können - ohne gegen Wettbewerber ankämpfen zu müssen und bei einer Firmenpolitik, die im Einklang zu ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen steht.
Nicht wachsen - und dennoch gewinnen, WiWo 14.3.14


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Wenn Roboter Bewerber aussortieren 
Donnerstag, 13. März 2014 - Management
Welcher Mitarbeiter passt am besten auf eine Stelle - und zum Unternehmen? Vor allem sehr große Firmen setzen im Bewerbungsprozess immer stärker auf computerbasierte Sortierprogramme. Diese werden mit Daten aus dem Unternehmen gefüttert, beispielsweise zu Ausbildungshintergrund, Leistung und Verweildauer bisheriger Mitarbeiter. So entstehen über die Zeit Profile, mit denen die Bewerbungsunterlagen neuer Bewerber abgeglichen werden können. Gängige Kriterien fürs Aussortieren können dann zu viele bisherige Jobs sein, zu viele Mitgliedschaften in sozialen Netzwerken, lange Anfahrtswege ... Die Software ist hart bei der Einhaltung des gewünschten Schemas - und lässt so vor allem die stromlinienförmig ins Profil passenden Bewerber durch. Ausnahmetalente oder Kreative, die nicht ins Raster passen, haben keine Chance, die Personalabteilung zum Vorstellungsgespräch von innen zu sehen. Die gute Nachricht für Bewerber, die zu ihren Besonderheiten stehen: Für kleine Firmen funktionieren solche automatisierten Prozesse nicht, denn diese haben schlicht nicht genügend Vergleichsdaten, anhand derer sie die Auswahl auf diese Weise "optimieren" könnten.
Wenn der Mensch von der Maschine eingestellt wird, WiWo 5.2.14


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No Mail during Holiday 
Montag, 10. März 2014 - Management
Wenn die Mitarbeiter bei Daimler Ferien machen, hat auch ihr Mail-Postfach frei. Das Unternehmen ermöglicht es, dass die Angestellten in der Zeit ihrer Abwesenheit ihre Posteingänge automatisch löschen lassen können - wobei die Mailsender jeweils automatisch einen anwesenden Ansprechpartner genannt bekommen. "Es entsteht kein Mail-Stau in den Ferien. Wenn die Mitarbeiter wiederkommen, starten sie mit einem sauberen Schreibtisch. Das ist auch eine emotionale Entlastung", begründet Personalvorstand Wilfried Porth. Wie groß diese Entlastung in Zahlen sein könnte, lässt sich auch beziffern. Beim Unternehmen gehen täglich fünf Millionen Mails ein, was umgerechnet auf 100.000 Mitarbeiter pro Person im Schnitt 50 Nachrichten pro Tag bedeutet. Bei drei Wochen Urlaub kommt da leicht ein Stau von 1.000 Mails zustande. Porth selbst lässt seine Mails nicht löschen: "Das würde nicht zu der Verantwortung passen, die ich als Vorstand trage." Er hat allerdings auch eine Assistentin, die für ihn vorsortiert.
"Mails zu löschen ist eine emotionale Entlastung", Spiegel online 26.2.14


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