Linke fordert "Revolution der Gerechtigkeit" 
Donnerstag, 2. Juni 2016 - sonstiges
Die Ungleichheit wird in Europa immer größer. Während in Frankreich sich die Proteste gegen die geplante Arbeitsmarktreform Ende Mai zugespitzt haben, herrscht in Deutschland Ruhe. In einem Beitrag für den "Freitag" ruft die Linken-Chefin Katja Kipping nun zu einer "Revolution der Gerechtigkeit" auf. "Heute stehen daher alle fortschrittlichen Bereiche der Gesellschaft in der Verantwortung, einer neuen Solidarität zum Durchbruch zu verhelfen. Es gilt, gemeinschaftlich das 'jeder gegen jeden' zu bekämpfen. Am besten mit der gemeinsamen Vorstellung von einer Zukunft, an die man wieder glauben kann und einer Idee, für die es sich zu streiten lohnt", so Kipping. Ihre politische Forderung: "eine massive Umverteilung, einen New Deal". Alternativen zum "Krisenkapitalismus" zu schaffen, sei nicht radikal, sondern vernünftig. Wie die Revolution aussehen könnte, hat Kipping bereits im Blick: "Wir sollten auch über unkonventionelle Maßnahmen nachdenken. Warum die Praxis des gewaltfreien zivilen Ungehorsams nur bei Blockaden von Naziaufmärschen nutzen und nicht auch beim Gang auf die Sozialbehörden, beim Kampf gegen den Mietwucher oder für mehr Kindergartenplätze?" Franzosen braucht man so etwas nicht zu erklären. Einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge empfinden in Deutschland 82 Prozent der Bevölkerung die wachsende Ungleichheit als Problem. Schaut man auf die deutschen Straßen, scheint hierzulande das Protestpotential allerdings noch sehr ausbaufähig ...
Mehr Widerstand wagen, Der Freitag 27.5.16

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Europa sucht seine Seele - neue Ausgabe von evolve 
Donnerstag, 28. April 2016 - sonstiges
Seit letzter Woche ist die neue Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur im Handel. Dieses Mal haben wir uns des komplexen und spannenden Themas Europa angenommen, um einmal in der Tiefe auszuloten, welche Hoffnungen und Visionen jenseits der klassisch politisch-bürokratischen Perspektive hier gegenwärtig erwachsen. Europa ruft in vielen Menschen zur Zeit vor allem Ratlosigkeit hervor. Flüchtlingsströme, Finanzprobleme, Rechtspopulismus – die tiefere Dimension der europäischen Einigung scheint für uns gegenwärtig nur schwer wahrnehmbar zu sein. Vielleicht auch, weil Europa vor allem als säkulares, politisches Projekt verstanden wird. Die Seelendimension, das, was uns alle über kulturelle und religiöse Vielfalt hinaus eint, gerät dabei leicht aus dem Blick. Welche Relevanz hat hier eine progressive Spiritualität, die die Werte der Aufklärung, wie die Würde und Freiheit des Einzelnen, anerkennt und gleichzeitig für die unmittelbare Erfahrung einer heiligen Tiefe des Lebens offen ist? Der Wissenschaftstheoretiker und Bewusstseinsforscher Harald Walach etwa plädiert in einem Interview dafür, dass wissenschaftlicher Rationalismus keine ausschließliche Erkenntnisdimension ist und wir dem subtileren Verstehen und Erfassen mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Die Philosophin Kristina Stöckl zeigt prägnant, was eine solche postsäkulare Perspektive ausmacht. Verschiedene Beiträge werfen außerdem einen Blick auf vielversprechende europäische Projekte, in denen sich dieser neue Geist bereits manifestiert. In einer Sendung von Radio evolve stellen Dr. Thomas Steininger und ich die Themen der Ausgabe vor - die Sendung lässt sich online anhören und herunterladen.

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think.work.different macht Osterferien 
Dienstag, 29. März 2016 - sonstiges
Liebe LeserInnen, das Blog macht Osterferien. Wir sind ab 4. April wieder mit frischen News für Sie da und wünschen Ihnen schöne Frühlingstage.

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Mehr Klartext in Sachen Armutsdebatte 
Dienstag, 22. März 2016 - sonstiges
Die Wirtschaftsdaten in Deutschland sind gut, Dank HartzIV müsse niemand hungern - so oder ähnlich wird gerne argumentiert, wenn es um die Frage geht, wie es um die Armut im Lande bestellt ist. In einem Interview mit dem Freitag kritisiert Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, dass hierzulande ein Verdrängungsdiskurs stattfinde: "Die herrschende Elite in Deutschland lebt in einem Rausch. Wir haben ungeheuer gute Arbeitsmarktzahlen, ungeheuer gute Wirtschaftszahlen, wir sind die führende Wirtschaftsnation in Europa, die Welt schaut auf uns. Da will man mit solchen Zahlen – also 15 Prozent Armut – nichts zu tun haben. Ganz im Gegenteil, man leugnet, dass diese Menschen arm sind." Schneider rät dazu, sich die feineren Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft stärker zu Gemüte zu führen, beispielsweise die Tatsache, dass immer mehr Menschen finanziell schlicht nicht mehr mithalten können und, selbst wenn sie nicht unter einer Brücke schlafen müssen, zumindest mehr oder weniger subtil ausgegrenzt werden: "Ich glaube, im Moment sind wir an einem Punkt angelangt, an dem viele merken, dass sie nicht mehr mithalten können. Und wenn ich mir anschaue, dass wir mittlerweile Abiturfeiern für normale Abiturienten veranstalten, bei denen man Eintrittspreise von bis zu 70 Euro zahlt, dass mittlerweile Klassenfahrten unternommen werden, auf denen es nach Florenz oder New York geht, da können viele einfach nicht mehr mithalten. Die merken das auch. Sie trauen sich noch nicht, es zu sagen – aber wir. Und genau das ist unsere Aufgabe. Wir müssen diesen Menschen endlich eine Sprache geben." Schneider bemängelt, dass im politischen Diskurs versucht werde, das Problem durch immer neue Definitionen von Armut zu verschleiern, um das dahinter liegende Problem, eine Verteilungsungerechtigkeit, nicht angehen zu müssen: "Wir haben in Deutschland einen großen Verteilungskonflikt. Wir haben mittlerweile zehn Prozent in der Bevölkerung, der gehört 60 Prozent des gesamten Vermögens. Andersrum haben 70 Prozent kaum was, leben von der Hand in den Mund, und die Reichen, je reicher sie werden, wollen immer weniger abgeben."
"Die herrschende Elite lebt in einem Rausch", Der Freitag 15.3.16

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Wenn Meditation zur Farce wird 
Freitag, 26. Februar 2016 - sonstiges
Diejenigen, die dem Trend zur Meditation im Business zutiefst misstrauen, weil sie dahinter nur eine perfide Optimierungsstrategie vermuten, dürften sich durch ein Angebot im Flughafenmagazin "BER aktuell" mehr als bestätigt fühlen. Die Zeitschrift wirbt für einen Gesundheitstag mit Yoga und Meditation, um den Anwohnern des Flughafens das Umgehen mit Fluglärm zu erleichtern. „Der Flughafen fängt gewissermaßen im Kopf an“, erklärt die Heilpraktikerin Constanze Schwuchow. Und die Dozentin Beate Dieckmann, die an dem Tag einen Vortrag zum Thema „Meditieren beruhigt den Geist“ halten wird, kündigt an: „Sie lernen, wie Sie mit Geräuschen, mit ablehnenden Gedanken und den zugehörigen Gefühlen von Sorge oder Wut umgehen können.“ Nun, wie die Berliner Zeitung berichtet, fühlen sich die BER-Anwohner von diesem Angebot schlicht "Verar...". Die Kommentare sind eindeutig: „Gegen Fluglärm hilft keine Meditation. Der Flughafen soll uns lieber wirksamen Schallschutz gewähren!“ Oder: „Das ist reine Verar… der Bevölkerung. Ich bin sprachlos, wie man sich so was ausdenken kann. Gegen Düsenlärm helfen nur Flugrouten, die nicht über Siedlungen führen!“
Meditieren und Yoga sollen BER-Anwohnern gegen Fluglärm helfen, BZ 15.2.16

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Wo bleiben die Visionen? 
Mittwoch, 17. Februar 2016 - sonstiges
In der taz geht der Politikwissenschaftler Peter Grottian der Frage nach, warum zivilgesellschaftliche Bewegungen und hier insbesondere Attac in den letzten Jahren stark an Energie und Wirkungskraft verloren zu haben scheinen. Grottian erinnert an Höhepunkte der Attac-Geschichte wie die Proteste in Heiligendamm und bemängelt, dass die Politikverdrossenheit innerhalb der Bevölkerung Organisationen wie Attac keinen Zulauf mehr zu bescheren scheint. Mir ist beim Lesen des Artikels eines bewusst geworden: Viele dieser Bewegungen sind vor allem groß geworden, indem sie GEGEN etwas gekämpft haben - eine typische alt-linke Haltung. Über Jahrzehnte war Protest eine wesentliche Ausdrucksform derer, die sich Veränderungen wünschen. Doch wie steht es um das energetische Potential des Protests? Nun, Protest ist immer dann erfolgreich, wenn er etwas verhindern kann. Doch ist damit, dass etwas nicht geschieht, automatisch auch etwas Besseres gewonnen? Ich habe da meine Zweifel. Beispiel TTIP: Selbst wenn all die Organisationen, die das Abkommen kritisieren, sich mit ihren Forderungen durchsetzen würden - hätten wir dann schon eine wirklich bessere Wirtschaft und Lebenswelt? Ich glaube, der Niedergang, den Grottian bemerkt, betrifft nur einen bestimmten Teil der zivilgesellschaftlichen Sphäre, den des Protests. Denn auf der anderen Seite scheinen sich, zumindest in meiner Wahrnehmung, die Aktivistengruppen, die konkrete Projekte in Angriff nehmen, die sich für die schöpferische Verwirklichung von etwas, das einen realen Unterschied macht und Lebenszusammenhänge spürbar verbessert, stetig zu vermehren. Sie ignorieren bisweilen den politischen Diskurs und machen einfach ihr eigenes Ding. Sie verharren nicht mehr in Gegnerschaft, sondern gestalten das, was sie gerade gestalten können. Vielleicht ist der Protest ein Auslaufmodell.
Erstarrte Bewegung, taz 9.2.16

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Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 
Montag, 21. Dezember 2015 - sonstiges
think.work.different macht Ferien. Wir wünschen allen LeserInnen besinnliche Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr. Ab 11. Januar sind wir wieder mit frischen News für Sie da!

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Wirtschaft in der Tiefe verstehen 
Donnerstag, 3. Dezember 2015 - sonstiges
Christoph Lütge, Ordinarius für Wirtschaftsethik an der TU München und Leiter des von ihm gegründeten Experimental Ethics Lab, geht in einem Gastbeitrag für die Zeit der Frage nach, warum es so wichtig ist, in der Schule grundlegende Wirtschaftskenntnisse zu vermitteln. "Wie sollen Schüler ohne ökonomisches Wissen wirtschaftliche Zusammenhänge im gesellschaftlichen Kontext beurteilen?", fragt Lütge zu recht. Von Kritikern werde immer wieder angemerkt, dass eine zu starke Fokussierung auf das Thema Wirtschaft dazu führen könne, dass ökologische und soziale Kompetenzen vernachlässig würden. Dem hält Lütge entgegen: "Dabei wird angenommen, dass Ökonomie und Ökologie, Ökonomie und Soziales fundamentale Gegensätze darstellen. Das Gegenteil ist der Fall: Nachhaltiges Wirtschaften spielt in Unternehmen eine immer größere Rolle. Aber auch Ökologie muss im Rahmen ökonomischer Mechanismen funktionieren, damit sie nicht nur eine abstrakte Idee bleibt, sondern wirksam umgesetzt wird. Ökologische Probleme lassen sich letztlich nur durch ökonomische Mechanismen lösen. Die Marktwirtschaft hat sich keineswegs abgewirtschaftet. Das Gleiche gilt für die Sozialpolitik. Schülerinnen und Schülern sollte die soziale Marktwirtschaft als Grundlage unserer Gesellschaft nahegebracht werden. Und dazu gehört, wie durch Wettbewerb – im Rahmen der bestehenden Regeln und Gesetze – soziale Belange gefördert werden, indem Arbeitsplätze bereitgestellt werden, indem innovative und kostengünstige Produkte produziert werden, indem Steuern und Abgaben gezahlt werden." Mich fasziniert an dieser Argumentation, wie schmal der Grat ist zwischen der Beschreibung momentaner Realitäten und dem Verfestigen von Grundannahmen, die man auch in Frage stellen könnte. Lütges Argumentation ist klug und durchdacht, und sich dabei kaum bewusst, welche Ausgangsbedingungen sie als unverrückbar einbringt. In einem System, in dem fast alle Lebensvollzüge in der einen oder anderen Weise an wirtschaftliche Zusammenhänge gebunden sind, lassen sich ökologische und soziale Fragen natürlicherweise nur mit wirtschaftlichen Mitteln lösen. Was aber wäre, wenn wir dem Ökologischen und Sozialen die bedeutendste Rolle in unserer Gesellschaft zuweisen? Kämen wir dann automatisch auf die Idee, dass wir ökonomische Wege beschreiten müssen, um diesen Belangen zur Geltung zu verhelfen? Ist das Bereitstellen von Arbeitsplätzen eine soziale Tat, wenn die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht immer wieder durch finanzielle Notwendigkeiten geprägt ist? Wirtschaftliches Wissen scheint in der heutigen Zeit tatsächlich unabdingbar - vor allem, um in der Lage zu sein, den Status quo zu hinterfragen ...
Schulfach Wirtschaft: Schüler brauchen ökonomisches Wissen, Die Zeit 24.11.15

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