Business jenseits des Renditedrucks 
Donnerstag, 26. November 2009 - Success Stories
Hohe Renditen für Aktionäre und Boni für Top-Manager haben in der Wirtschaft die Grundsatzfrage aufgeworfen, wie viel Gewinnorientierung im Sinne privater Interessen das Business verträgt. Bei einer Veranstaltung der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn in Kooperation mit dem info3-Verlag zeigten ausgewählte anthroposophische Unternehmen, dass es auch anders geht. Der Naturkosmetik- und Heilmittelhersteller Wala, der Farbenanbieter Stockmar, das Reinigungsmittelunternehmen Sonnet und der info3-Verlag illustrierten, dass ein Wirtschaften auch jenseits dieser "Anreizsysteme" möglich ist. Alle vier Unternehmen haben sich Geschäftsmodelle gegeben, die über teils komplexe juristische Konstruktionen privaten Besitz am Unternehmen verhindern. Wala beispielsweise "gehört" einer Stiftung, der die Gewinne des Unternehmens zufließen. Auf dieser Basis wird ein Kapitalstock gebildet, der in die weitere Expansion des Unternehmens fließt, so dass dieses nicht vom Kapitalmarkt abhängig ist - eine Strategie, die zu einem zwar langsamen, aber nachhaltigen Wachstum führt. Die anthroposophischen Unternehmer sehen ihre primäre Aufgabe darin, im besten Sinne des Wortes "etwas zu unternehmen", anstatt schlicht auf Kapitalmaximierung erpicht zu sein.
Kapital als Verantwortung, info3-Blog 11.11.09

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Quer denken, geradlinig handeln 
Montag, 23. November 2009 - Success Stories
Die FAZ, die sich ja nicht gerade zum Vorreiter alternativer Businessperspektiven macht, ist immer für Überraschungen gut. In einem sehr wohlwollenden Kommentar (der allerdings, sucht man ihn im FAZ-Onlinearchiv, als "Glosse" rubriziert ist) geht das Blatt darauf ein, was den Alnatura-Gründer Götz Rehn so erfolgreich macht. So lobt die FAZ Rehn, weil er nicht vor Zwängen kapituliert, sondern mutig auf seine Weise die Wirtschaft gestaltet. Frischfleischtheken gibt es bei Alnatura nicht, weil der Chef findet, dass die Menschen weniger Fleisch essen sollten. An Preiskämpfen beteiligt sich das Unternehmen nicht, sondern achtet darauf, dass die Lieferanten ordentlich bezahlt werden. Und beim Verpackungsdesign dürfen sich schon einmal die Kunden austoben anstelle hochbezahlter Agenturen. "Auch Rehn kann sich Marktzwängen nicht entziehen. Aber der mittelständische Unternehmer zeigt, dass auch die Zwänge dem noch genug Spielraum lassen, der wirklich etwas ändern will", kommentiert die FAZ. Erleichtert hat dem Redakteur dieses Fazit aller Wahrscheinlichkeit das exzellente Jahresergebnis, das Alnatura gerade präsentierte. Während der Biomarkt in Deutschland in diesem Jahr wohl nur um zwei Prozent wachsen wird, verkündete Alnatura für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr einen Zuwachs von bereinigt knapp unter zehn Prozent. Gut sein lohnt sich also.
Die Alternative Alnatura, FAZ 12.11.09

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Nachhaltigkeitspreis: Die Gesamtstrategie muss stimmen 
Montag, 16. November 2009 - Success Stories
Viele Unternehmen tasten sich an das Thema Nachhaltigkeit gegenwärtig heran, doch nur wenigen gelingt es bisher, wirklich nachhaltige Strategien zu entwickeln, die sich nicht auf ein paar öffentlichkeitswirksame Projekte erstrecken, sondern erkennen lassen, dass die Firmen über ihre gesamte Wertschöpfungskette hin wirklich ihr Denken verändern. Die mit dem deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichneten Unternehmen können hier als klare Vorbilder gelten, denn ihnen gelingt es, den neuen Anspruch wirklich in ihre Geschäftsstrategie zu integrieren. So gehört das Unternehmen Bau-Fritz zu den Pionieren im Bereich ökologisches Bauen und hat kohlendioxidneutrale Fertighäuser im Angebot, die zum großen Teil aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Die Bio-Supermarktkette Alnatura, gegründet von dem Anthroposophen Götz Rehn, verfolgt ebenfalls durch und durch nachhaltige Strategien, da sie nicht nur bei der Produktauswahl ökologische Kriterien anlegt, sondern auch darum bemüht ist, eine faire Gegenseitigkeit mit ihren Lieferanten herzustellen. Der Versandhändler memo AG wiederum bietet seinen Kunden Produkte, die unter ökologischen und sozialen Kriterien hergestellt werden und achtet darauf, dass Lieferanten die entsprechenden Auflagen einhalten. Allen Firmen ist gemeinsam, dass sie selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise gute Geschäfte machen. Im Bereich Marken wurden die Naturkosmetikmarke alverde der DM-Drogeriekette ausgezeichnet, die ökologische Reinigungsmittelmarke Frosch und Neumarkter Lammsbräu. Der Nachhaltigkeitspreis wurde am 6. November in Düsseldorf verliehen.
Pressemitteilung Nachhaltigkeitspreis

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Bankenbündnis für Nachhaltigkeit im Finanzmarkt 
Mittwoch, 21. Oktober 2009 - Success Stories
Die im März 2009 gegründete "Global Alliance for Banking on Values", der elf alternative Banken aus der Schweiz, Italien, Nicaragua, Bangladesch, Dänemark, Peru, den USA, den Niederlanden, der Mongolei sowie die deutsche GLS Bank angehören, setzt neue Zeichen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit des Finanzsektors. So beschlossen die Institute, in den kommenden drei Jahren gemeinsam zwei Milliarden Euro Kredite weltweit für nachhaltige Projekte zu vergeben. Darüber hinaus erarbeitet die Allianz Vorschläge für einen global nachhaltigeren Finanzmarkt. Eine beim Green Hub des Massachusetts Institute of Technology in Auftrag gegebene Studie soll die Konzepte und Arbeitsweisen der Mitgliedsbanken der Allianz untersuchen, um auf dieser Basis übergeordnete Grundsätze für die Neuordnung des Finanzmarktrahmens zu erarbeiten. "Wir verbinden den Tätigkeits- und Wirkungskreis der einzelnen Partnerbanken miteinander und potenzieren somit unseren Einfluss auf eine sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Entwicklung", so GLS-Vorstandssprecher Thomas Jorberg.
Pressemitteilung der GLS Bank vom 13.10.2009

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Abzocken funktioniert nicht, "nett sein" schon 
Mittwoch, 7. Oktober 2009 - Success Stories
Zwar nicht aktuell, aber inhaltlich immer noch frisch: Die Wirtschaftswoche hat im August mit dem neuen DM-Chef Erich Harsch ein Interview geführt über die unternehmerischen Strategien der Drogeriekette. Anlass war ein weiterer Bericht der WiWo über die katastrophale Geschäftsentwicklung des Konkurrenten Schlecker, der mit Umsatzrückgängen von 20 Prozent zu kämpfen hat. Untersuchungen zeigen: Das Billig-Image, das Schlecker sich gibt, täuscht viele Verbraucher, denn preislich sind DM und andere Wettbewerber deutlich preiswerter in ihrem Angebot. Die Kunden haben es nun anscheinend gemerkt und kaufen nun vielleicht eher beim anthroposophisch-freundlichen DM ein. Alleine im Frühjahr verbuchte DM Zuwachsraten von zehn Prozent. Für die Wirtschaftswoche ist DM ein kaum begreifbares Phänomen, wie folgende Frage illustriert: "Wie kann sich dm den Mix aus niedrigen Preisen, vergleichsweise guter Produktqualität und recht humanem Umgang mit den Mitarbeitern leisten und dabei trotzdem noch etwas verdienen?" Für Erich Harsch, der Firmengründer Götz Werner an der Unternehmensspitze nachfolgte, ist die Erklärung leicht: "Es besteht kein Widerspruch zwischen diesen Punkten. Gerade weil wir unsere Mitarbeiter fair behandeln, herrscht eine Atmosphäre in den Geschäften, die dazu führt, dass auch mehr Kunden bei uns einkaufen. Damit können wir wiederum höhere Warenmengen zu besseren Konditionen bestellen und distribuieren. Das führt zu einer extrem hohen Produktivität unserer Standorte. Bei den Durchschnittsumsätzen pro Filiale sind wir top. Bei Drogerieprodukten setzt eine normale dm-Filiale 15 Mal mehr um als ein Standard-Schlecker." So viel zum wirtschaftlichen Teil. Doch Harsch verdeutlicht auch, welche Philosophie und welche Werte zum Erfolgskurs von DM führen:"Mir sind Unternehmen suspekt, die Umsatzrenditen von zehn Prozent und mehr erwirtschaften. Bei solchen Firmen steht offensichtlich der Eigennutzen und nicht der des Kunden im Vordergrund. Wir vertrauen einfach darauf, dass unser Eigennutzen als Folge des Kundennutzens nicht zu kurz kommt." Die Rechnung scheint aufzugehen ...
"Es ist viel unbequemer", WiWo 8.8.2009
Schlecker: Drastische Umsatzverluste und drohender Streik, Wiwo 8.8.2009

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Plädoyer für faire Produkte aus der Region 
Dienstag, 28. April 2009 - Success Stories
Für die April-Ausgabe des Magazins info3 habe ich mit dem Mitbegründer der Zunft AG Christoph Hinderfeld über das Thema nachhaltige Produkte gesprochen. Die Zunft AG tritt an, um Orte zu schaffen, an denen regionale Manufakturen ihre Produkte anbieten können und so transparente Märkte schaffen, bei denen die Verbraucher wieder nachvollziehen können, woher Waren kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden. "In der Beliebigkeit der heutigen Zeit sucht der Mensch wieder nach Anhaltspunkten für die Beurteilung von Waren und Diensten. Da kommen automatisch Nachhaltigkeit, Authentizität und vor allem auch der Wunsch nach Transparenz ins Spiel", sagt Hinderfeld. Für ihn stellt das Manufakturwesen eine wichtige Ergänzung zu den internationalen Handelskanälen dar: "Das Manufakturwesen kann und soll Massenware nicht ersetzen. Es kann sie aber sinnvoll ergänzen und dazu führen, dass der moderne Mensch wieder erlebt, wie ein gutes Produkt entsteht, und erfährt, worauf man als verantwortungsbewusster Kunde achten sollte."
Download des vollständigen Interviews


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Es geht auch anders - Danone praktiziert Nachhaltigkeit 
Dienstag, 21. April 2009 - Success Stories
Die Danone-Gruppe ist schon länger sozial engagiert und versteht ihre Aktivitäten bei der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation vor allem in Schwellenländern nicht als karitatives Engagement. Vielmehr sind die Danone-Aktivitäten ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sich eine wohlverstandene Corporate Citizenship unmittelbar ins operative Geschäft integrieren lässt - zum Vorteil für alle Beteiligten. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt Franck Riboud, Vorstandsvorsitzender der französischen Danone-Gruppe, warum eine unterschwellig auf "Wirtschaftsförderung" ausgerichtete Unternehmenspolitik für alle Beteiligten nicht nur materiellen Gewinn birgt, sondern auch Sinn macht. So ist der Konzern sehr engagiert darin, in Ländern wie Indonesien oder Bangladesch mit den Menschen vor Ort neue Produktions- und Vertriebswege aufzubauen (in Bangladesch gibt es beispielsweise eine Kooperation mit der Grameen Bank von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus). Einheimische Mitarbeiter werden geschult und erhalten Arbeit. Die typischen Danone-Produkte werden auf die Bedürfnisse vor Ort angepasst. So produziert Danone im Joint-Venture mit Grameen in Bangladesch ein mit Nährstoffen angereichertes Joghurt, das die Bevölkerung mit lebenswichtigen Vitaminen versorgen soll - zu einem Preis, den sich die potenziellen Kunden auch leisten können. "Wenn man nicht in das wirtschaftliche Umfeld investiert, kommt niemand voran", so die Devise von Danone-Chef Riboud. Der vom Unternehmen aufgelegte Fonds "Ökosystem" adressiert die ökologische und ökonomische Entwicklung verschiedener Regionen. 100 Millionen Euro sind bereits hineingeflossen und zusätzlich wird jedes Jahr ein Prozent des Danone-Nettogewinns investiert. Diese an Nachhaltigkeit orientierte Ausrichtung schafft auch innerhalb des Unternehmens neue Perspektiven. "Wir erzielen für unsere Mitarbeiter, vor allem die Manager, einen wichtigen Effekt: Man muss ihrer täglichen Arbeit einen Sinn geben und den Beschäftigten den Stolz auf das eigene Unternehmen. Wenn man die Leute nur mit Boni ködert, fährt man vor die Wand. Das gilt in der Krise noch mehr als sonst. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Ihre Mitarbeiter sich hängenlassen und die Krise als gegeben hinnehmen, statt sie zu bekämpfen", sagt Riboud. Die Mitarbeiter haben längst zu einer besonderen Verbundenheit mit dem Unternehmen gefunden. So investieren viele ihre Erfolgsbeteiligungen in den Fonds "Danone Communities", der im sozialen Business aktiv ist - und selbst im Krisenjahr 2008 seinen Wert um drei Prozent steigerte. Die Managervergütungen richtet Danone an langfristigen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Zielen aus. So haben die Evian-Mitarbeiter das Ziel, bis 2011 das Mineralwasser CO2-neutral herzustellen.
"Wer nur mit Boni ködert, fährt vor die Wand", FAZ 15.4.2009



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Die Sinnkomponente der Wirtschaft 
Montag, 30. März 2009 - Success Stories
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens von Alnatura hält der Gründer der Biolebensmittel-Kette Götz Rehn Rückschau und reflektiert über die seiner Ansicht nach notwendigen Sinnbezüge, die wirtschaftliches Handeln entfalten sollte. Für den Anthroposophen steht dabei der Mensch immer im Mittelpunkt. "Ich möchte mit Alnatura mehr Sinn in die Welt bringen und will dazu beitragen, dass die Natur sich durch die Hilfe des Menschen – durch die Bio-Landwirtschaft – besser entfalten kann. Wir wollen eine Gesellschaft in Freiheit ermöglichen helfen. Durch ein ganzheitliches Denken – das ist unser intensives Streben – soll unser wirtschaftliches Handeln fair zur Erde und respektvoll zum Menschen sein. Ich bin davon überzeugt, dass die Wirtschaft immer einer Sinnbestimmung bedarf, die jenseits ökonomischer Kenngrößen liegt. Wir verantworten die Folgen unseres Tuns weit über dieses Unternehmen hinaus", sagt Rehn. Mit Alnatura geht es ihm demzufolge nicht nur um den Verkauf von Biolebensmitteln, sondern um wesensgerechtes, ganzheitliches Denken, um Kooperation und Transparenz. Wie das in der gelebten Praxis aussieht, zeigt beispielsweise die "Alnatura Erfahrungsschule", in der die Auszubildenden aus eigener Erfahrung heraus lernen - am Arbeitsplatz, im Rahmen von Theaterprojekten oder wenn sie eigenverantwortlich einen der Alnatura-Märkte führen dürfen. "Wir wollen durch unsere Taten immer originellere und ursprünglichere Leistungen schöpfen. Dies verstehen wir unter einer 'Veredelung' der Arbeitsbedingungen und Produkte durch Menschen", so Rehn.
"Wirtschaften mit Sinn", Alnatura-Webseite 1.3.2009


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