Wenn Halbwissen zur Sackgasse wird 
Montag, 30. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
In Zeiten, in denen man nahezu alles googeln kann, wird das Gehirn faul. Ich merke oft genug bei mir selbst, wie ich mir bisweilen Details nicht mehr so gerne merke wie zu Zeiten, als einmal vergessene Informationen noch viel schwieriger wiederzuerlangen waren. Eine solche Lässigkeit im Umgang mit potentiellem Wissen kann jedoch gravierende Nachteile haben. Eine amerikanische Studie untersuchte kürzlich in Tests mit rund 3.500 Schülern, wie essentiell das Kennen von Fachbegriffen ist, um größere Zusammenhänge zu verstehen. Dabei zeigte sich, dass wenn die Schüler weniger als 60 Prozent der Schlüsselbegriffe eines Textes verstanden, sich ihnen auch der Gesamtzusammenhang kaum erschloss. Vielleicht kann man sagen, je kleiner unsere Wissensbasis ist, umso enger werden dadurch auch unsere Möglichkeiten, die Welt zu verstehen. Das mag banal klingen. Doch man kann leicht selbst an sich beobachten, ob man dazu neigt, Wissen eher zu inhalieren und sich somit eine dauerhafte Verstehensgrundlage für größere Zusammenhänge zu schaffen, oder ob man geneigt ist zu denken: "Na ja, sollte ich das noch mal wissen müssen, kann ich's ja googeln."
Halbwissen bringt nichts, spektrum.de 26.8.19

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Arbeiten, arbeiten, mehr arbeiten 
Freitag, 27. September 2019 - Studien, Arbeit, Management
Der Arbeitszeitmonitor der Beratungsgesellschaft Compensation Partners zeigt wieder einmal, dass Überstunden in der Arbeitswelt längst eine branchenübergreifende Selbstverständlichkeit sind. Zwischen 1,85 Wochenstunden (Steuerberater) und 5,18 Wochenstunden (Unternehmensberater) liegt die in der Erhebung erfasste Mehrarbeit, wobei Menschen in höheren Karrierepositionen mehr Überstunden leisten als jene, die in niedrigeren Positionen tätig sind. Erstaunlich finde ich, wie oft Überstunden heute nicht vergütet werden. Bei Menschen mit Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze (6700 Euro brutto im Westen, 6150 Euro brutto im Osten) gilt Mehrarbeit oft bereits via Arbeitsvertrag als abgegolten. Aber über die Branchen hinweg ist das Bild dennoch erstaunlich, denn je nach Branche werden zwischen 52 Prozent (Messebetreiber) und 75 Prozent (Unternehmensberatung) nicht bezahlt. Die nichtvergütete Mehrarbeit erreicht also auch die nicht so gut bezahlten Angestellten. Welche Denkweise und Kultur dahinter steckt, spiegelt das Zitat einer Karriereberaterin zu den Zahlen in dem Bericht der Welt wider: "Wenn man hier mit dem Arbeitspensum unzufrieden ist, lohnt es sich eher zu hinterfragen, ob das der richtige Job ist und wo man in seiner Karriere wirklich hin will." Menschlichkeit oder menschliches Maß scheinen hier kein Thema zu sein, man huldigt eben einer Leistungskultur des immer Mehr.
In diesen Jobs drohen Ihnen die meisten Überstunden, welt.de 17.9.19

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Waldgeräusche entstressen 
Montag, 23. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Im Kampf gegen den Stress scheint heutzutage wirklich jedes Mittel recht zu sein. So wirkt zumindest eine Studie des britischen National Trust auf mich. 600 Probanden wurden Aufnahmen von Waldgeräuschen, einer angeleiteten Meditation oder reiner Stille ausgesetzt und die Wissenschaftler befragten sie anschließend zu ihrem Stressempfinden. Bei den Teilnehmenden, die das Rascheln von Blättern und Vogelgezwitscher gehört hatten, sank der wahrgenommene Stresslevel um 30 Prozent und sie berichteten auch, sich weniger sorgenvoll zu fühlen. Die Meditation war im Hinblick auf die Stressreduzierung sogar noch etwas wirksamer. Sicher, es ist toll, solch einfache Mittel zur Verfügung zu haben, um sich nicht im Stress zu verlieren. Ich frage mich allerdings schon, ob es längerfristig auch seelisch gesund ist, im Notfall einfach zu einer Audiokonserve zu greifen, um sich in ein paar Minuten wieder runterzufahren. Naturerleben wirkt in so vielen Dimensionen, dass es durchaus hilfreich sein kann, wirklich mal rauszugehen. Auch die Tatsache, dass das Meditieren sich in der Studie als noch "wirksamer" erwiesen hat, tröstet mich da nur bedingt, zumindest wenn es unter schlicht funktionalistischen Gesichtspunkten angepriesen und praktiziert wird. Meditation ist oder kann zumindest auch eine Lebenseinstellung sein - und zwar eine, die auch außerhalb der Zeiten, in denen man formell meditiert, wirkt. Weil man dadurch einen anderen Blick auf das und einen anderen Stand im Leben kultiviert.
Waldgeräusche entspannender als Meditieren, Deutschlandfunk 13.9.19

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Meditation als Weg aus negativen Gefühlen 
Mittwoch, 18. September 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Meditieren hilft nicht nur dabei, den eigenen Stresslevel zu senken. Bei Praktizierenden verkleinert sich auch das mit negativen Emotionen verbundene Gehirnareal. Zu diesem Ergebnis kommt eine niederländische Studie mit insgesamt 4.000 Teilnehmenden. Viele der Studienteilnehmer waren sich ihres Stresses bewusst und hatten deshalb angefangen zu meditieren. Und nach eigenen Aussagen halfen ihnen das Meditieren oder auch Yoga dabei, mit diesen Herausforderungen besser umzugehen. Die Forscher möchten trotz großer Stichprobe ihre Ergebnisse nicht unbedingt verallgemeinern, denn die Teilnehmenden waren vor allem in der Altersgruppe über 45 Jahre angesiedelt, einem Alter, in dem die Plastizität des Gehirns bereits vermindert ist, so dass die Studienergebnisse zum Beispiel keine Rückschlüsse auf Wirkungen bei jüngeren Personen erlauben.
Yoga und Meditation verkleinern Gehirnareal für negative Emotionen, Fit for Fun 6.9.19

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Weniger Ängste, doch der Pegel bleibt hoch 
Freitag, 13. September 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Die R+V Versicherung erhebt regelmäßig eine Art Angstbarometer und betrachtet, welche Sorgen die Deutschen haben. Die gute Nachricht in diesem Jahr: Der Angst-Index ist gegenüber dem Vorjahr von 47 auf 39 Prozent gesunken. So viel Gelassenheit wurde seit 25 Jahren nicht mehr gemessen. Doch die Ängste, die die Bevölkerung umtreiben, haben es nach wie vor in sich. Mehr als 50 Prozent sorgen sich, dass die Flüchtlinge die Möglichkeiten des Staates überfordern und fürchten Spannungen durch den Zuzug von Ausländern. Auch die weltweiten Gefährdungspotentiale durch die Politik des US-Präsidenten wirken auf eine Mehrheit bedrohlich. 47 Prozent sprechen von einer Überforderung der Politiker, die ihnen genauso viel Angst macht wie ein erstarkender politischer Extremismus. Immer unbezahlbarer werdende Mieten, die Angst, einmal ein Pflegefall zu werden, steigende Lebenshaltungskosten und die Folgen der Schuldenkrise drücken jeweils über 40 Prozent der Bevölkerung. Da klingt die Zuversicht, die die Meldung über die insgesamt gelöstere Stimmung der Deutschen zu verbreiten sucht, fast schon zynisch ...
Eine Entwicklung beunruhigt die zuversichtlichen Deutschen, welt.de 5.9.19

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Unehrlichkeit gräbt sich ins Leben ein 
Donnerstag, 15. August 2019 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
Manchmal ein bisschen Flunkern, aber eigentlich ist man doch ehrlich? Viele Menschen dürften genau dieses Selbstbild von sich haben. Ich erinnere mich an eine Übungsaufgabe aus einem Buch des Beraters Lance Secretan, in der sich diese Lebenshaltung gut einfangen lässt. Er legte den Teilnehmenden seiner Kurse Fragenkataloge vor, bei denen sie ihre Selbsteinschätzung auf einer Skala von 0 bis 10 machen sollten. Eine der Fragen: Ich sage stets die Wahrheit. Die große Mehrheit der Kursteilnehmer machte hier ihr Kreuz im Bereich von 8 oder 9. Den Wenigsten war hingegen bewusst, dass der Wortlaut ein absoluter war - und man entweder mit 0 oder 10 hätte antworten können, während die Zwischenstufen schlicht Schönfärberei sind. Eine Studie mit den Daten eines gehackten Portals für Seitensprünge zeigt, wie tief sich Unehrlichkeit ins Leben graben kann. Die Wissenschaftler verglichen die Daten von 11.000 der registrierten Fremdgeher mit Datensätzen der Normalbevölkerung und fanden heraus, dass die, die Seitensprünge suchten, auch im Berufsleben deutlich öfter betrogen - die Wahrscheinlichkeit dafür war bei ihnen nahezu doppelt so hoch. Ehrlichkeit ist irgendwie ein ganz oder gar nicht Bereich - und wenn die Grenzen löchrig werden, ist man schnell auf der anderen Seite.
Wer privat fremdgeht, betrügt auch im Job eher, Manager Magazin 9.8.19


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Natürliche Unnatürlichkeit 
Mittwoch, 14. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Was empfinden wir in unserer modernen, vielerorts größtenteils von Menschenhand gestalteten Umwelt als natürlich? Dieser Frage ging eine Studie nach, für die 1.400 britische Parkbesucher befragt wurden. Die Naturliebhaber wurden dabei in ganz unterschiedliche Grünanlagen geschickt - manche urwüchsig-wild, andere dezent gestaltet, wieder andere klar ersichtlich die Schöpfung ambitionierter Gartenbauer. Dort, wo die Gärten sehr architektonisch angelegt waren, empfanden die Besucher*innen sie eher als unnatürlich. Ob ein Areal besonders wildwüchsig, also kaum von Menschenhand gezügelt war, oder dezent, aber doch deutlich wahrnehmbar gestaltet wurde, machte hingegen kaum einen Unterschied - beide Gestaltungsformen wurden von den Studienteilnehmenden als natürlich empfunden. Kritischer zeigten sich lediglich die Gebildeteren unter den Befragten, sie schätzten die Natürlichkeit der Parks generell deutlich niedriger ein. Es ist interessant, wie sehr wir anscheinend fast schon automatisch mit Grün auch Natürlichkeit verbinden. Ich fühle mich da sehr an einen Besuch in San Francisco erinnert. Die Stadt viele sehr, sehr schöne Parks. Ich begann mich seinerzeit jedoch schon nach kurzer Verweildauer irgendwie unwohl zu fühlen. Vielleicht, weil etwas in mir, und wahrscheinlich nicht nur der wissende Intellekt, spürte, dass vieles zwar natürlich aussah, aber eben doch sehr gezähmte Natur repräsentierte.
Ganz natürlich, Psychologie heute 10.7.19


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Pessimismus ist gut fürs Sparen 
Montag, 12. August 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wem es gut geht, der nicht an mögliche schlechte Zeiten. So könnte man die Erkenntnisse von sieben Studien mit rund 4.000 Teilnehmenden aus Israel und den Niederlanden einordnen. In ihren Experimenten brachten die Wissenschaftler die Proband*innen in Situationen, die ihrem Selbstbild gut taten oder es ankratzten und testeten danach deren Bereitschaft, für ihre Zukunft durch Sparen vorzusorgen. Dabei zeigte sich der größte Sparwille bei den Studienteilnehmenden, an deren Selbstwertgefühl die vorhergehenden Tests besonders genagt hatten. Die Sparbereitschaft jener, die in den Tests gut abgeschnitten hatten, sank hingegen.
Optimisten sparen nicht gern, Psychologie heute 10.7.19

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