Feedback-Kultur oder totale Überwachung? 
Freitag, 29. November 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Manche sprechen von 360-Grad-Überwachung, andere von "Stasi-Methoden" - das beim Online-Versand Zalando eingesetzte Feedback-System Zonar beschwört öffentliche Diskussionen herauf. Eine Studie der Berliner Humboldt-Universität im Auftrag der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung zeigt, dass das System, mit dem 5.000 Vorgesetzte und Mitarbeiter von Zalando sich gegenseitig bewerten, bei vielen ein Gefühl von Überwachung, Leistungsdruck und Stress erzeuge. "Im Kern geht es darum, Beschäftigte permanent zu bewerten, zu kontrollieren und zu sanktionieren", heißt es in der Studie. Zalando ist da sicher kein Einzelfall, denn all die technischen Möglichkeiten zur Erfassung von Meinungen machen Daten transparent, die ansonsten eher in der Gerüchteküche oder dem Flurfunk im Diffusen verbleiben. Die Bewertung von Leistung und sozialem Verhalten lässt Mitarbeiter in dem Gefühl zurück, nicht mal mehr einen schlechten Tag haben zu dürfen. Eine interne Zalando-Umfrage zeigt - immerhin 67 Prozent der Beschäftigten würden das Unternehmen anderen als Arbeitgeber empfehlen. Und für Zalando selbst ist das Tool schlicht ein Mittel zur Leistungskontrolle. "Wir glauben, dass wir den Mitarbeitern mit Zonar sehr entgegenkommen", so Personalchefin Astrid Arndt.
Kritik an Software zur Personalbewertung bei Zalando, welt.de 20.11.19

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Wie die Kirche zum Individualismus der Moderne beitrug 
Dienstag, 26. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Mit Religion verbinden wir zumeist auch so etwas wie einen tieferen Zusammenhalt in etwas Größerem. Das Göttliche als Schoß der Menschheit, in dem alles gehalten ist. Eine neue Studie zur Bedeutung kirchlicher Regeln und Institutionen für unsere menschliche Entwicklung kommt hier jedoch zum einem eher überraschenden Schluss. Gerade die Dogmen der katholischen Kirche scheinen in besonderem Maße zur heute immer deutlicher wahrnehmbaren menschlichen Individuation und auch Isolation beigetragen zu haben. Das für moderne westliche Kulturen so zentrale Streben nach Unabhängigkeit könnte nicht zuletzt durch kirchliche Regularien wie das Verbot der Verwandtenehe befördert worden sein. Die Wissenschaftler verglichen in ihrer Forschung 440 Regionen in 36 europäischen Ländern. "Westeuropäer und ihre kulturellen Abkömmlinge in Nordamerika und Australien neigen dazu, individualistisch, unabhängig, analytisch denkend und gegenüber Fremden prosozial zu sein. Gleichzeitig zeigen sie eine geringere Konformität, Bereitschaft zur Unterordnung und Loyalität gegenüber der eigenen Gruppe und auch weniger Vetternwirtschaft", zitiert wissenschaft.de Jonathan Schulz von der George Mason University in Fairfax und seine Kollegen. Es scheint, als habe die katholische Kirche wesentlich dazu beigetragen, verwandtschaftsbasierte Strukturen aufzulösen, so dass heute in Regionen, die schon lange christianisiert sind, vor allem eher loser Zusammenhalt die sozialen Strukturen prägt. Starker Individualismus, wenig Konformität und Gehorsam sowie ein Bedürfnis nach Unabhängigkeit sind die Ergebnisse, die bis heute wirken.
Wie die Kirche unsere Psyche prägte, wissenschaft.de 12.11.19

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Wenig Schlaf, mehr Angst 
Donnerstag, 21. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Schlaf dient nicht nur der Erholung, er reguliert auch den menschlichen Umgang mit Ängsten. Eine amerikanische Studie zeigt nun: Bei Menschen, die zu wenig schlafen, kann sich das Angstniveau um rund 30 Prozent erhöhen. Grund dafür ist der Studie zufolge, dass in unausgeschlafenem Zustand beim Menschen Gehirnareale, die für die Angstregulation zuständig sind, weniger aktiviert werden. Besonders wichtig sei der Tiefschlaf, denn in diesen Phasen regenerieren sich die natürlichen Bremsmechanismen des Gehirns, die die emotionale und physiologische Reaktivität senken und damit das sich Hochschaukeln von Ängsten verhindern. Die Wissenschaftler bemängeln, dass insbesondere bei der Therapie von Angststörungen noch zu wenig Augenmerk auf eine Verbesserung der Schlafqualität gelegt werde. Aber auch für Gesunde sind die Studienerkenntnisse wesentlich, denn wer möchte schon überängstlich durchs Leben gehen?
Wie Schlafmangel ängstlich macht, wissenschaft.de 7.11.19

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Solidarität wieder tiefer verankern 
Mittwoch, 20. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In christlichen Kontexten gilt der Heilige Sankt Martin als Inbegriff von Nächstenliebe. Doch wie steht es um diese Solidarität in unserer Gegenwartskultur? In einer Zeit, in der immer mehr Menschen das Gefühl haben, jeder kümmere sich vor allem um seine Angelegenheiten. Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche (EKD), findet: "Was es braucht, sind institutionelle Ordnungen. Das sind in Deutschland insbesondere die Institutionen des Sozialstaates, die dafür sorgen, dass Solidarität über gesetzliche Regelungen vernünftig verankert wird." Gleichzeitig betont er aber auch, wie viel Solidarität sich bereits durch zivilgesellschaftliche Initiativen entfalte, beispielsweise die Tafeln, die Hospizbewegung oder das Engagement in der Flüchtlingshilfe von vielen Privatpersonen. Für Wegner ist hier auch ein Wandel insofern zu erkennen, dass es heute nicht mehr um einzelne Helden, wie Sankt Martin einer war, gehe, sondern darum, wirklich gemeinsam etwas zu machen.
Solidarität braucht eine gesetzliche Verankerung, Deutschlandfunk 11.1.19

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Aufmerksamkeit ist ein Politikum 
Montag, 18. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Der Achtsamkeits-Hype lässt immer mehr Menschen darüber nachdenken, wie sie im Alltag ein bisschen mehr entspannen und ihre Resilienz fördern können. Womöglich gehen individuelle Initiativen aber an den eigentlichen Herausforderungen vorbei. Die Autorin Lisa Herzog jedenfalls findet, dass Aufmerksamkeit eigentlich ein Politikum ist. In der Zeit schreibt sie: "Die Verantwortung wird dem einzelnen Individuum zugeschoben. Wer heute sein Humankapital optimal vermarkten will, hat eben auch die eigene Aufmerksamkeit und Erholung selbst zu managen! Aufmerksamkeit – und damit auch ihre digitalen Feinde – sind aber keine rein individuelle Angelegenheit, sondern eine gesellschaftliche, und, in gewissem Rahmen, auch eine politische." Einerseits deutet sie darauf, dass immer mehr vor allem digitale Geschäftsmodelle unsere menschliche Aufmerksamkeit kommerzialisieren. Das mache es schwer, noch wirklich persönliche Lebensentwürfe zu entwickeln. Darüber hinaus würden die Aufmerksamkeitsräume zunehmend privat, beispielsweise wenn ich meditiere oder ich dafür sorge, dass ich nicht durch mein Handy gestört werden. Herzog findet, es fehlen heute zunehmend Räume einer geteilten Aufmerksamkeit, solche, in denen beispielsweise auch "spontane Begegnungen mit anderen Menschen stattfinden können". Sie fragt: "Wer weiß, wie viele andere Veränderungen möglich würden, wenn durch ein bisschen weniger digitalen Aufmerksamkeitsklau neue Freiräume für das Weiterdenken spontaner Ideen oder für neue Begegnungen mit Mitmenschen entstünden!" Es geht ihr um mehr als nur ein bisschen mehr Miteinander, denn mit der Frage, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und mit wem wir sie teilen, ist sehr Grundsätzliches verbunden. "Was dabei auf dem Spiel steht, ist die Art und Weise, wie wir arbeiten, aber auch, wie wir leben, in einem sehr existenziellen Sinn", so Herzog.
Für Ihre Erholung müssen Sie schon selbst sorgen!, zeit.de 31.10.19

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Verbote sorgen für seelische Entlastung 
Mittwoch, 13. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In der Klimadiskussion geraten die Befürworter von Verboten und die Verfechter der Freiheit immer wieder aneinander. Der Kölner Psychologe Stephan Grünewald findet: Verbote machen uns das Leben leichter. "Überall, wo die Gesellschaft für Verhaltensänderungen auf Freiwilligkeit und Gebote mit bloßem Empfehlungscharakter setzt, führt das dazu, dass sich die Menschen dauernd selber in den Hintern treten müssen. Dann doch lieber eine klare Ansage, an die sich alle halten müssen. Psychologisch tragen Verbote somit dem Wunsch nach Entlastung Rechnung", sagt er. Hinzu komme, dass insbesondere in Fragen des Klimawandels immer mehr Bürger*innen das Gefühl hätten, dass die Industrie Narrenfreiheit genieße, während sie selbst - siehe die Diskussionen über Fleischkonsum oder Dieselautos - sich beschränken sollen. Mehr Verbote, die die Lage grundsätzlich justieren, könnten hier auch ein Ausdruck von Gerechtigkeit sein, so Grünewald. Der Markt- und Sozialforscher möchte damit allerdings nicht einem alles regulierenden Staat das Wort reden, sieht jedoch durchaus auf der psychologischen Ebene auch ein Bedürfnis vieler Menschen, einer "entfesselten Beliebigkeit" zu entkommen.
Die neue Lust am Verbot

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Unmittelbare Bedürfnisbefriedigung hat oft gute Gründe 
Donnerstag, 7. November 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien
Jetzt sparen und an später denken oder das Stück Kuchen lieber liegen lassen, um nicht dick zu werden? Das Aufschieben der Befriedigung von Bedürfnissen oder gar der gänzliche Verzicht werden gerne mit innerer Stärke gleichgesetzt und mit intelligenter Lebensplanung. Doch unter bestimmten Umständen kann es vielleicht klüger sein, sich unmittelbar etwas zu gönnen. Eine neue Studie zeigt: Menschen ziehen kurzfristige Vorteile vor allem dann vor, wenn sie glauben, dass ihre Situation in der Zukunft ungünstiger sein wird. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass es aus der Sicht von sozial schlechter Gestellten oft sehr sinnvoll erscheint, das bisschen Geld, das sie haben, gleich auszugeben, oder früher Kinder zu bekommen. Denn wenn das eigene Leben als sehr fragil empfunden wird und die Zukunftsaussichten als wenig rosig, weiß man zumindest im Moment, was man hat.
Was vernünftig ist, ist relativ, spektrum.de 28.10.19

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Haben Sie noch ein Gespür für Ihre "Naturzeit"? 
Mittwoch, 6. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wann wir morgens aufstehen oder abends ins Bett gehen, ist uns oft von äußeren Faktoren vorgegeben, bei denen, die einer Arbeit nachgehen, vor allem von den regulären Arbeitszeiten. Wir mögen uns daran stoßen, dass wir morgens vielleicht noch nicht so recht wach sind oder, wenn wir zu den Frühaufstehern gehören, Meetings am frühen Abend lieber vermeiden, aber meist sind wir uns nicht bewusst, was diese Fremdtaktung wirklich für Körper, Geist und Seele bedeutet. Wir hechten einfach einer Anforderung nach der anderen hinterher. "Der menschliche Körper ist ein rhythmisches Instrument. Er repräsentiert Zeit, indem er mir anzeigt, wann ich aufnahmefähig und aktiv bin und wann müde. Die Uhr ist hingegen ein Taktinstrument und die Umstellung auf die Winterzeit bringt uns sozusagen aus dem Takt. Man könnte sie aber auch als eine Chance sehen, um wieder in den natürlichen Rhythmus zu kommen, den wir in den vielen Jahren, in denen wir nach der Uhr gelebt haben, verlernt haben", erlärtt der Zeitforscher Karlheinz Geißler in einem Interview mit der SZ. Doch selbst, wenn vieles an unserem Tagesrhythmus von außen vielleicht vorgegeben ist, können wir immer noch auf der Mikroebene wieder sensitiver werden für die Feinheiten unseres ganz persönlichen Zeitempfindens. Ein kleines Nickerchen, wenn man zwischendurch müde wird, kann da ebenso helfen, wie die Mahlzeiten auf Phasen zu verschieben, in denen man wirklich hungrig ist. Auch mit dem Schlafengehen ist das so eine Sache. Mal Hand aufs Herz - gehen Sie abends immer zeitnah ins Bett, wenn Sie sich müde fühlen? Oder ist der Krimi im Spätprogramm dann gerade so spannend, dass es noch ein halbes Stündchen länger sein muss ...Karlheinz Geißler rät dazu, sich mehr auf die Zeit der eigenen Natur zu fokussieren, denn: "Wenn ich von der Uhrzeit zur Naturzeit komme - also zu einem Rhythmus, der von meiner eigenen inneren Natur ausgeht oder der äußerlichen Natur - dann ist die Chance am größten, dass ich zufrieden bin."
"Den Einfluss der Uhr zurückdrehen", SZ 26.10.19

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