Das ewige Dilemma der schwindenden Mitte 
Dienstag, 27. Mai 2008 - Arbeit
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wirft einen Blick auf die Problematik der in Deutschland stetig schrumpfenden Mittelschicht. Gehörten 1986 noch 63 Prozent der Bevölkerung zu denjenigen, die ein Einkommen zwischen 70 und 150 Prozent des Medians aller Einkommensschichten erlangen konnten (das ist aus wirtschaftlicher das Kennzeichen der Mittelschicht), waren es 2006 nur noch 54 Prozent. Im selben Zeitraum stieg die armutsgefährdete Schicht um vier auf 25 Prozent, die einkommensstarke von 17 auf 21 Prozent. Gerade der schwierige Arbeitsmarkt macht es Absteigern besonders schwer, sich wieder im Mittelfeld zu etablieren. Sie brauchen meist vier bis fünf Jahre, um sich wieder in die Mittelschicht hochzuarbeiten. Eines bleibt bei dieser Betrachtung jedoch leicht außen vor: Die Zahl der Absteiger in die untere Schicht liegt gegenüber 1986 genau so hoch wie die Zahl derjenigen, die in die einkommensstarke Schicht aufgestiegen sind - unter dem Strich scheint es also auch für einen Teil der Bevölkerung neue Chancen zu geben. Über die spricht in Deutschland aber kaum jemand.
"Mitten in Deutschland", FAS 18.5.2008


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Neid als wirtschaftlicher Problemfaktor 
Montag, 26. Mai 2008 - Arbeit
Die zunehmenden sozialen Unterschiede innerhalb der Bevölkerung beschäftigen die Politik seit Monaten verstärkt. Einerseits geht es vielen Deutschen heute materiell betrachtet besser denn je, andererseits fließt viel Energie in eine Neiddiskussion - denen, die mehr haben, als man selbst, gönnt man es schlicht nicht. Die neuere ökonomische Forschung zeigt einmal mehr, wie stark aufgeprägt diese Neidgefühle inzwischen sind. Bei einem Experiment boten Forscher den Probanden eine Verbesserung ihres Einkommens um 500 Euro an, während die anderen Teilnehmer leer ausgehen sollten, oder sie konnten 1.000 Euro erhalten, sollten dafür aber in Kauf nehmen, dass die anderen das Doppelte erhalten. Die meisten Teilnehmer entschieden sich für die 500 Euro. Da stellt sich doch die Frage: Können wir nur glücklich sein, wenn wir mehr haben als andere? Wie wenig zielführend diese durch das Experiment wieder einmal belegte Grundhaltung ist, zeigen dagegen die weltweit zunehmenden Glücksstudien, denn hier kristallisiert sich immer wieder heraus, dass mehr Geld, sind die Grundbedürfnisse einmal befriedigt, nicht wirklich glücklicher macht - eine Erkenntnis, die der Forscher Abraham Maslow auch mit seiner Bedürfnispyramide belegte. Wir leben also in einem Paradox, indem wir nach dem streben, was uns nicht wirklich befriedigt, und sind lieber bereit, im Stillstand zu verharren.
"Warum brauchen wir Belohnungen, um uns anzustrengen?", FAS 18.5.2008


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Manager sitzen auf gepackten Koffern 
Freitag, 23. Mai 2008 - Studien
Top-Führungskräfte scheinen gegenwärtig keine besonders hohe Bindung gegenüber ihrem Arbeitgeber aufzuweisen. Die Düsseldorfer Personalberatung LAB Lachner Aden Beyer & Company befragte 900 Manager der 1. bis 3. Hierarchieebene und kommt zu dem Ergebnis, dass fast die Hälfte von ihnen quasi auf gepackten Koffern sitzt. 38 Prozent der Top-Manager können sich vorstellen, mittelfristig den Job zu wechseln. 37,5 Prozent finden sogar eine Kündigung in den nächsten Wochen vorstellbar. Die hohe Wechselbereitschaft liegt sicherlich nicht zuletzt an der in den vergangenen Monaten wieder gestiegenen Nachfrage nach Fach- und Führungskräften. Unternehmen sollten allerdings vielleicht hinterfragen, warum ihre Top-Kräfte schon in die Ferne schielen, denn bekanntlich sind es immer die besten Mitarbeiter, die sich selbst neue Herausforderungen suchen - wenn's sein muss, anscheinend auch bei der Konkurrenz.
"Kündigung im Hinterkopf", WiWo 13.5.2008


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Zufriedenheit im Job ist für viele ein Fremdwort 
Mittwoch, 21. Mai 2008 - Studien
Die Motivation der deutschen Arbeitnehmer ist in diesem Jahr wieder ein Stückchen weiter in den Keller gerutscht. Das Arbeitsklima-Barometer des Markt- und Sozialforschungsinstituts IFAK aus Taunusstein zeigt: Nur noch 12 Prozent der Beschäftigten fühlen sich ihrem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet und sind mit Motivation und Engagement bei der Arbeit (Vorjahr: 15 Prozent). 64 Prozent dagegen machen Dienst nach Vorschrift (Vorjahr: 63 Prozent), und satte 24 Prozent haben innerlich schon gekündigt (Vorjahr: 22 Prozent). Jeder siebte Arbeitnehmer würde seinem Chef am liebsten kündigen. Diese Motivationsfalle hat deutliche betriebswirtschaftliche Auswirkungen. Während engagierte Mitarbeiter im Durchschnitt pro Jahr auf 4,3 Fehltage kommen, sind es bei denen mit geringer Bindung hingen 10 Tage. Alleine durch diese erhöhten Fehlzeiten verursachen unmotivierte Mitarbeiter den deutschen Unternehmen jährliche Ausfälle in Höhe von 22,4 Milliarden Euro. Auch die Innovationsfähigkeit von Unternehmen leidet unter der Frustration der Mitarbeiter. Während motivierte Mitarbeiter laut IFAK-Barometer in den letzten 12 Monaten im Schnitt 17,5 Ideen und Vorschläge zu Verbesserungen und Innovationen einbrachten, waren es bei den Mitarbeitern ohne Bindung nur 8,4.
IFAK Arbeitsklima-Barometer


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Gestresste Chefs stressen die Mitarbeiter 
Dienstag, 20. Mai 2008 - Studien
Sind die Chefs überlastet, färbt dies auf die Mitarbeiter ab, so das Ergebnis einer Studie des Personaldienstleisters OfficeTeam, der 1445 Office-Fachkräfte und Personal Assistants aus kleinen, mittelständischen und großen Unternehmen in Europa befragte. Chefs, die zu viele Aufgaben zu bewältigen haben, neigen der Studie zufolge vor allem in Deutschland dazu, ihren Assistenten viele der eigenen Aufgaben zu übertragen. Das macht deren Jobs spannender, doch wenn dem Chef alles zu viel wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Assistenten übermäßig rotieren. In solchen Überlastungsphasen sind für 44 Prozent der Assistenten Überstunden an der Tagesordnung, und 17 Prozent opfern ihr Wochenende. Für 15 Prozent ist dann sogar der Verzicht auf Urlaub selbstverständlich. Obwohl eine solche Erweiterung ihres Aufgabenbereiches durch die Koordination von Projekten und weitere Herausforderungen, die sonst eigentlich dem Chef vorbehalten sind, den eigenen Job durchaus anreichert, sind die wenigsten Assistenten mit ihrer Rolle zufrieden. 52 Prozent finden nämlich, dass sie für diese Tätigkeiten nicht angemessen entlohnt werden, und 41 Prozent erwägen sogar einen Jobwechsel, wenn die Überlastungsphasen länger andauern.
"Überlastete Chefs stressen Mitarbeiter", FTD 16.5.2008


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Gut Ausgebildete immer unzufriedener mit Lohn 
Montag, 19. Mai 2008 - Studien
Die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrem Lohn wird immer geringer, so das Ergebnis einer Studie des Berliner Ökonomen Jürgen Schupp und des Duisburger Soziologen Stefan Liebig, die in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zitiert wird. Im vergangenen Jahr waren nur noch 61 Prozent der westdeutschen und 50 Prozent der ostdeutschen Arbeitnehmer mit ihrem Einkommen zufrieden. 2005 lagen diese Werte in Westdeutschland noch bei 75 Prozent, in Ostdeutschland bei 58 Prozent. Vor allem Menschen mit tendenziell hohen Bildungsabschlüssen sind tendenziell unzufrieden mit ihrem Einkommen, was die Forscher darauf zurück führen, dass sich diese Gruppe von ihrem im Vergleich hohen Bildungsinvestment eine entsprechende "Rendite" erwartet.
"Immer mehr Arbeitnehmer unzufrieden mit Entlohnung", Spiegel Online 10.5.2008


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Wer sich nicht traut, vergeudet seine Lebenszeit 
Freitag, 16. Mai 2008 - Management
In einem Interview mit der Wirtschaftswoche erklärt der Profi-Kletterer Thomas Bubendorfer, warum es Sinn macht, Risiken einzugehen, um sich beruflich zu bewegen. Wer beruflich in einer ungeliebten Position verharre, nur weil er sich nicht traue, einen Schritt ins Unbekannte zu wagen, vergeude wichtige Lebenszeit, so Bubendorfers Credo, denn: "Diese Nummer sicher gibt es nicht. Da sitzt man Jahre in einem tollen Unternehmen – und dann wird die Belegschaft reduziert. Nur, wer von vorneherein etwas aufgibt, kann etwas gewinnen. Wenn ich einen 150 Meter langen, gefrorenen Wasserfall hinaufgehe, gehe ich ein Risiko ein. Aber ich kann nicht gleichzeitig unten bleiben und oben ankommen. Wer sich fünf Jahre nicht bewegt und im Hinterkopf hat 'eigentlich sollte ich doch', verspielt Lebenszeit." Von engen Zielfixierungen hält der Sportler wenig und findet es wichtiger, sich auf die Gegenwart und ihre Möglichkeiten zu konzentrieren: "Was zählt, ist die Gegenwart, in der ich den Grundstein für den Erfolg von morgen lege. Nur neue Wege zu gehen erzeugt eine Spannung. Dadurch entsteht Bewegung und Motivation. Erfolgreich ist, wer einen Weg geht und sich von der absoluten Zielfixierung freimacht. Man kann nur glücklich oder erfolgreich sein, man kann es nicht werden."
"Wir haben nur jetzt!", WiWo 4.5.2008


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Sicherheit ist für die Deutschen wichtiger als Freiheit 
Donnerstag, 15. Mai 2008 - Studien
Die Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco legte kürzliche eine europaweite Studie zum Thema Zukunftssorgen und Zukunftswerte vor. Zu den größten Zukunftsängsten der Deutschen gehören die Angst vor Kriminalität (71 Prozent), vor Aggressivität (59 Prozent), sozialer Kälte und Herzlosigkeit (58 Prozent), Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit (45 Prozent) und Egoismus (44 Prozent). Weitere typische Sorgenthemen sind Orientierungs- und Perspektivlosigkeit (32 Prozent), Isolierung und soziale Ausgrenzung (32 Prozent) und eine materialistische Lebenseinstellung (29 Prozent). Analog zur empfundenen Verunsicherung durch immer mehr als unkontrollierbar empfundene Lebensumstände wünschen sich die Deutschen mehr Verlässlichkeit (78 Prozent), Freundschaft (75 Prozent), soziale Gerechtigkeit (72 Prozent) und Hilfsbereitschaft (70 Prozent). Pflichtbewusstsein (typisch deutsch?) steht ebenso hoch im Kurs (62 Prozent), während Freiheit nur für 57 Prozent der Befragten ein wichtiger Wert ist.
Studie der Stiftung Zukunftsfragen


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