Geschichten des Gelingens 
Donnerstag, 9. Februar 2012 - sonstiges
Veränderung braucht konkretes Handeln, so der Sozialpsychologe Harald Welzer. Mit seiner Stiftung Futurzwei will er Vorreiter des Wandels zeigen, die zum Nachahmen motivieren. "Aus der Sozialpsychologie weiß man, dass Wissen und Einsicht allein nicht reichen, um unsere Lebenspraktiken und die Infrastrukturen des Alltags zu verändern. Man weiß, dass das stärkste Moment der Veränderung einer Praxis die Praxis selbst ist. In Gesellschaften wie unserer, die jede Menge Freiräume anbieten, gibt es auch jede Menge Labore einer anderen, nachhaltigeren Wirklichkeit", so Welzer. Die Geschichten des Wandels, die er auf der Stiftungswebseite sammelt, sollen es nicht bei Kritik am Bestehenden bewenden lassen: "Die Akteure, von denen wir erzählen, tun etwas Unerwartbares. Dass wir zu viel Dreck, Mobilität, Emissionen, Ungerechtigkeit hervorbringen, finden wir ja alle bedenklich. Aber in der Regel erschöpft sich das Unzufriedensein darin, dass man mit anderen darüber spricht. Futurzwei interessiert sich für die Leute, die sagen: Ich mache das jetzt anders." Das Wichtigste für ihn: "Menschen verstehen sich in diesem Medium als Handelnde, nicht als Opfer."
Wir sind nicht nett, Die Zeit 20.1.12

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Wirtschaft muss sich grundlegend ändern 
Mittwoch, 8. Februar 2012 - Studien
51 Prozent aller Deutschen finden, die gegenwärtige Wirtschaftsordnung müsse sich grundlegend ändern, so das Ergebnis einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD. 50 Prozent meinen, die soziale Marktwirtschaft funktioniere nicht mehr - 49 Prozent hingegen sind von ihr überzeugt. 77 Prozent bemängeln, dass Arme immer ärmer und Reiche immer reicher würden. 79 Prozent der Deutschen befürchten, dass uns in Sachen Euro-Krise das Schlimmste noch bevor steht. Und 51 Prozent zeigen sich um ihre eigene wirtschaftliche Zukunft besorgt.
Mecker-Deutsche zweifeln an sozialer Marktwirtschaft, Spiegel online 3.2.12

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Erreichbarkeit hat Grenzen 
Dienstag, 7. Februar 2012 - Arbeit
Die ständige Erreichbarkeit via Handy oder E-Mail setzt Beschäftigte unter Druck, denn wer stets verfügbar sein soll, kann kaum einmal abschalten. In Brasilien wurde nun ein Gesetz erlassen, demzufolge die Bearbeitung von Mails außerhalb der regulären Arbeitszeit wie Überstunden honoriert werden muss. Die Süddeutsche Zeitung hat im Gespräch mit Arne Gattermann, beim Bitkom zuständig für Personal- und Arbeitsrecht, eruiert, welche Regelungen in Deutschland diesbezüglich bestehen. Gattermann verweist vor allem auf das Arbeitsrecht und die geschlossenen Arbeitsverträge - beide regeln sowohl die Wochenarbeitszeit als auch die vom Arbeitnehmer zu gewährende Verfügbarkeit. Grundsätzlich müssten Arbeitnehmer, wenn es keine expliziten Regelungen im Arbeitsvertrag gibt, nicht außerhalb der Arbeitszeiten auf Handyanrufe oder E-Mails reagieren, meint der Experte. Der Arbeitsrechtler kritisiert die ständige Habachthaltung rund um die Uhr: "Das hat zur Folge, dass keiner mehr abschalten kann, weil man immer damit rechnet, dass man sich zu einer Frage äußern muss oder jemand einen erreichen will." Das Brasilien-Modell hält er für wenig zielführend, denn: "Das neue Gesetz in Brasilien, also eine höhere Bezahlung, senkt den Stressfaktor auf jeden Fall nicht. Geld nimmt Mitarbeitern nicht den Stress von den Schultern. Da wäre es sinnvoller aufzuzeigen, dass man einfach nicht ständig erreichbar sein muss. Das Modell von VW, eine Art E-Mail-Stop, ist insofern sinnvoll, weil man die Mails dann einfach nicht bekommt, auf die man vielleicht noch reagieren könnte. Klare Regeln, die die Erreichbarkeit zeitlich begrenzen, wären aber ebenso effektiv.‬" Der wunde Punkt: In vielen Unternehmen hat sich - ohne vertragliche Regelungen - der permanente Präsentismus bereits eingebürgert und ist zum Teil der Unternehmenskultur und des Selbstverständnisses leistungsbereiter Mitarbeiter geworden. Wer sich hier ausklinken möchte bzw. sich auf die Regelungen des Arbeitsvertrages beruft, gerät nur allzu leicht als "schwarzes Schaf" ins Abseits.
"Eine höhere Bezahlung senkt nicht den Stressfakto!", SZ 2.2.12

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Wider die Gehirnwäsche in den Wirtschaftswissenschaften 
Montag, 6. Februar 2012 - Wissenschaft
In einem Meinungsartikel der VDI Nachrichten beklagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Silja Graupe die "Realitätsferne, geistige Verarmung und das Ausblenden alternativer Denkansätze" in den ökonomischen Studiengängen. Die gegenwärtige Krise sei auch eine des ökonomischen Denkens, das sich durch eine gewisse "geistige Sturheit" und einen einseitigen Bezug auf Neoklassik hervortue. Graupe bemängelt eine "Monokultur des Denkens", da Theoriegeschichte, Methodenlehre und Einführungen in alternative Sichtweisen an den Hochschulen zu kurz kämen und Studierende damit unterschwellig dazu verleitet würden, "wie berechenbare Rädchen im Wirtschaftsgetriebe" zu agieren. "Denken in seiner Vielfalt und Beweglichkeit zu lehren, zur kritischen Reflexion der eigenen Menschen- und Weltbilder sowie zur Verantwortung für das eigene Handeln zu befähigen, das galt einst als Bildungsideal", mahnt Graupe.
Monokultur des Denkens hemmt den Fortschritt, VDI Nachrichten 13.1.12

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Je mehr Arbeit, umso mehr Depression 
Freitag, 3. Februar 2012 - Studien
Eine Langzeitstudie mit mehr als 2.000 Angestellten britischer Behörden zeigt: Je mehr Überstunden Arbeitende pro Tag leisten, umso stärker wächst die Gefahr, dass sie an einer Depression erkranken. Ausgewertet wurden die Daten von 1.626 Männern und 497 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren - über einen Zeitraum zwischen 3,8 und 7,2 Jahren. Bei einer Voruntersuchung wurden psychische Vorerkrankungen ausgeschlossen. Insgesamt entwickelten 3,1 Prozent der Befragten im Untersuchungszeitraum eine schwere Depression - bei den Personen, die 11 bis 12 Stunden pro Tag arbeiteten, lag der Anteil deutlich höher. Intervenierende Faktoren wurden herausgerechnet, so dass unter dem Strich die Depressionswahrscheinlichkeit bei den Vielarbeitern doppelt so hoch lag wie bei den Personen mit normaler Wochenarbeitszeit.
Viele Überstunden machen depressiv, Die Zeit 25.1.12

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Selbstbewusstsein durch Modeaskese 
Donnerstag, 2. Februar 2012 - sonstiges
Eine ungewöhnliche Idee und ein Zeichen der besonderen Art: Die FAZ berichtet in einem Beitrag über die 17-Jährige Rebecca Berker, die ein Jahr lang mit Konsumverzicht für ökologische Belange eintrat. Die Schülerin trug 365 Tage lang das gleiche T-Shirt - mit der Aufschrift "i am challenge" (na gut, sie hatte 10 Exemplare davon, denn ab und zu durften die Shirts auch mal gewaschen werden) und wollte damit zeigen, dass man auch anders leben kann: "Für mich sind Klamotten eben nicht so wichtig, sondern Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit." Der Umweltaktivistin gelang es zwar nicht, Mitschüler zum Mitmachen zu bewegen, doch werden ihr zahlreiche Wetten einige Spenden für ihr Umweltengagement einbringen. Für die junge Frau sprang neben diesem greifbaren Ergebnis viel Selbsterfahrung heraus: "Heute kann ich sicher sagen, dass meine Freunde mich nicht nur aufgrund meiner Klamotten mögen. Mir ist es auch egal, was andere darüber denken. Außerdem habe ich ein anderes Verhältnis zu materiellem Eigentum aufgebaut."
Modeaskese als Selbsterfahrung, FAZ 24.1.12

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Gewerkschaft fordert aktiven Schutz vor Stress 
Mittwoch, 1. Februar 2012 - Arbeit
Die IG Metall hat bei der Vorstellung ihres Jahrbuchs "Gute Arbeit" konkrete Forderungen erhoben, wie Arbeitnehmer besser vor Stress geschützt werden könnten. So fordert die Gewerkschaft, Taktzeiten in der Produktion am Band, die kürzer als 90 Sekunden ausfallen, als gesundheitsschädlich zu deklarieren. Für das Projektmanagement in Unternehmen wird vorgeschlagen, Regeln wie eine Begrenzung der Anzahl parallel laufender Projekte für Arbeitnehmer einzuführen und den Betriebsräten Einfluss auf Projektlaufzeiten zu gewähren. Wie enorm die Folgen von Stress sind, zeigt die Statistik. Fast 40 Prozent aller Frührentner scheiden aufgrund psychischer Erkrankungen aus dem Erwerbsleben aus. Das Statistische Bundesamt schätzt, dass die Behandlung solcher Erkrankungen pro Jahr rund 27 Milliarden Euro kostet.
Mehr Muße für Arbeiter, taz 24.1.12

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Anzeichen von Selbstkritik 
Dienstag, 31. Januar 2012 - Wissenschaft
In den Wirtschaftswissenschaften mehren sich die Anzeichen, in Anbetracht der anhaltenden Krise zur Selbstkritik anzusetzen. Star-Ökonom Kenneth Rogoff etwa verweist darauf, dass bisherige Modelle sich nun als wertlos erweisen: "Die Grundüberzeugung hinter diesen Modellen, dass Märkte perfekt funktionieren und staatliche Eingriffe nur zu schlechteren Ergebnissen führen können, ist widerlegt. Nun ist die Zeit für mehr Experimente gekommen, für die Erforschung der Unvollkommenheit von Märkten." Er verweist jedoch zugleich auf die Größe der Aufgabe: "Es wird viel leichter sein, das bestehende System zu attackieren, als ein solides, neues System aufzubauen". Mit der Konferenz "Ökonomie neu denken", die das Handelsblatt zusammen mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft veranstaltete, wurde jedenfalls ein erster Anlauf genommen, um auf einer neuen Basis nach Lösungen Ausschau zu halten.
Neuorientierung der Wirtschaftswissenschaften, HB 22.1.12

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