Mitgefühl in der Wirtschaft 
Donnerstag, 18. Juni 2015 - Bücher
Die renommierte Neurowissenschaftlerin Tania Singer hat gemeinsam mit dem buddhistischen Mönch Mathieu Ricard ein Buch herausgegeben über die positive Wirkung von Mitgefühl in der Wirtschaft. In dem Sammelband zeigen internationale Forscher, welche Effekte sich durch Empathie einstellen können. Der Psychologe Richard Davidson etwa verweist darauf, dass Kooperation das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviere, so dass mehr Miteinander auf diese Weise auch dem Einzelnen zugute komme. Eine ökonomische Studie betrachtet, dass selbst einander fremde Menschen bereit sind, einander Geld zu leihen. Wird eine Belohnung in Aussicht gestellt, wächst diese Bereitschaft. Wird die Hilfsbereitschaft ausgenutzt, sinkt sie. Kooperation scheint damit im Menschsein angelegt zu sein und durch ein Miteinander sogar zuzunehmen. Altruismus bedeute in diesem Kontext nicht zwingend, ganz von sich selbst und den eigenen Bedürfnissen abzusehen. So verweist der Dalai Lama in dem Sammelband darauf, dass eine ichbezogene Sicht nicht verwerflich sei - im Gegenteil: Wer mit sich selbst im Reinen sei, schiele auch weniger auf Geld und Besitz.
Warum Mitgefühl gut für die Wirtschaft ist, Der Freitag 10.6.15

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Die Subjektivität des Entscheidens 
Mittwoch, 17. Juni 2015 - Studien
Als rationale Menschen leben wir in dem Eindruck, ebenso rationale Entscheidungen zu treffen. Eine Studie der ETH Zürich wirft Zweifel an dieser Selbsteinschätzung auf. Die Forscher analysierten mehr als 106.000 Entscheidungen von 412 amerikanischen Asylrichtern und stießen dabei auf einen bedenklichen Zusammenhang. Wurde einem Ersuch stattgegeben, erhöhte dies die Wahrscheinlichkeit, dass ein Richter das folgende Gesuch ablehnte. Psychologen nennen dieses Phänomen Spielerfehlschluss. Unbewusst scheinen wir uns an einer Vorstellung von Balance zu orientieren. Ähnlich wie beim Münzwurf. Kommt zweimal hintereinander Kopf, gehen wir davon aus, dass nun sehr wahrscheinlich die Zahl kommen müsste. Doch die Wahrscheinlichkeit ändert sich gerade nicht. Diesem Fehlschluss kann man nur durch besondere Achtsamkeit vorbeugen. In der Studie zeigte sich beispielsweise, dass Personen mit langer Berufserfahrung seltener in die Falle tappten und rational nachvollziehbarere Urteile fällten.
Warum wir unfair handeln, WiWo 7.6.15

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Schlauer werden, dümmer werden 
Dienstag, 16. Juni 2015 - Studien
In der Intelligenzforschung gibt es den so genannten Flynn-Effekt - eine Zunahme des durchschnittlichen Intelligenzquotienten innerhalb der Allgemeinbevölkerung über die Zeit. Forscher der Universität Wien wiesen nun in einer Auswertung von 271 Untersuchungen aus dem Zeitraum von 1909 bis 2013 nach, dass im Schnitt alle zehn Jahre der IQ um 3 Punkte zulegt. Verantwortlich dafür scheinen Faktoren, die der frühkindlichen Entwicklung dienlich sind wie bessere Ernährung, Hygiene, medizinische Versorgung und eine verbesserte schulische Ausbildung. Statistisch lässt sich ebenfalls nachweisen, dass in Zeiten, in denen diese Randbedingungen schlechter sind, beispielsweise in Europa zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges, der IQ-Zuwachs geringer ausfällt. Gleichzeitig deutet sich auch an, dass in den letzten Jahrzehnten die IQ-Zuwächse insgesamt geringer ausfielen. Dies könnte daran liegen, dass die IQ-fördernden Faktoren inzwischen ihren maximalen Effekt erreicht haben. Ob wir mit höherem IQ heute klüger sind als unsere Vorfahren vor hundert Jahren, lässt sich nur schwer sagen. Fest steht, dass sich die kognitiven Fähigkeiten selbst verändert haben über die Zeit.
IQ-Zuwachs in den letzten hundert Jahren? wissenschaft.de 1.6.15

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Warum Schimpfen nichts bringt 
Montag, 15. Juni 2015 - Management
Wer kennt das nicht: Eine Aufgabe so richtig vermasselt und der Chef tobt ... Dieses klassische zur Rechenschaft Ziehen ist im Business weit verbreitet. Weil viele Führungskräfte glauben, sie müssten ihren Mitarbeitern deren Verantwortlichkeit für Fehlschläge noch verdeutlichen. Ein Beitrag im Harvard Business Manager zeigt, warum solche Reaktionen kontraproduktiv sind. Mitarbeiter wissen meist nur zu genau, wenn sie etwas vermasselt haben oder hinter dem von ihnen Erwarteten zurück geblieben sind. Zu rüde Kritik treibt sie nur noch weiter in dieses Gefühl des Versagens. Wenn es Chefs indessen gelingt, in solchen Momenten Ruhe zu bewahren, wächst die Chance, dass sie auch eine Möglichkeit finden, Wege zum Bessermachen aufzuzeigen. Während das typische Abkanzeln demotiviert, kann es hilfreicher sein, einfach gemeinsam nach nächsten konstruktiven Schritten zu suchen. Dann handelt nicht die Angst, sondern die Kompetenz.
Schreien ist keine Lösung, HBM 2.6.15

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Schlechte Arbeit geht auf die Gesundheit 
Freitag, 12. Juni 2015 - Studien
Das Bundesarbeitsministerium ließ 5.000 sozialversicherungspflichtige befragen, wie es um die von ihnen gewünschte und um die real erlebte Arbeitsqualität steht. Die Befragten konnten dabei auf einer Skala jeweils 0 bis 100 Punkte vergeben. Guter Lohn ist den Deutschen sehr wichtig (91 Punkte), doch die Zufriedenheit mit der Bezahlung hat Spielraum nach oben (64 Punkte). Im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stehen Wunsch und Wirklichkeit im Verhältnis 87 zu 67 - wobei jede zweite Frau hier dem Wunsch 100 Punkte gab. Das Familienbewusstsein der Arbeitgeber wird gerade mal mit 50 Punkten bewertet. 17 Prozent der Befragten bemängeln, dass sich Arbeits- und Freizeit zunehmend überschneiden, unter den Führungskräften sogar 29 Prozent. Wie wichtig positive Arbeitsqualität ist, zeigt der Blick auf die Gesundheit. Lediglich 14 Prozent derjenigen, die unter schlechten Bedingungen arbeiten, betrachten ihre Gesundheit als sehr gut. Unter denen mit guten Arbeitsbedingungen sind es 42 Prozent.
Die Problemzonen der Arbeitnehmer, Spiegel online 3.6.15

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Zwischen digitaler Erleichterung und Stress 
Donnerstag, 11. Juni 2015 - Studien
Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos ging mit der Befragung von 13.600 Angestellten aus 14 Ländern der Frage nach, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Arbeitswelt hat. 47 Prozent finden, dass sich durch die Digitalisierung die Eigenständigkeit bei der Arbeit verbessert hat. In den Augen von 45 Prozent verbessert sie die Zusammenarbeit und 43 Prozent empfinden durch sie auch eine bessere Lebensqualität. Doch es gibt auch Kehrseiten. 74 Prozent werden durch die digitale Erreichbarkeit auch in der Freizeit mit Arbeitsaufgaben kontaktet. Der gefühlte Stresslevel liegt auf einer Skala von 1 bis 10 bei 6,6.
Was die Digitalisierung mit uns macht, WiWo 2.6.15

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Reiche geben 
Mittwoch, 10. Juni 2015 - sonstiges
Bei den Großverdienern in den Vereinigten Staaten scheint sich ein neuer Trend zu entwickeln - Spenden wird zum Sport der Begüterten. Letzte Woche machte Apple-Chef Tim Cook Schlagzeilen, weil er 50.000 seiner Apple-Aktien im Wert von mehr als 6,5 Millionen Dollar spendete. Bekannt wurde die Spende, da die Weitergabe solcher Aktienpakete von der US-Börsenaufsicht dokumentiert wird, unbekannt ist hingegen, an wen sie ging. Cook deutete bereits an, sein gesamtes Vermögen spenden zu wollen, wenn er die College-Ausbildung seines heute zehnjährigen Neffen finanziert habe. Cook wurden bei seinem Antritt 2011 eine Million Apple-Aktien bis 2021 in Aussicht gestellt - seinerzeit ein Wert von 380 Millionen Dollar, heute aufgrund des höheren Kurses der Apple-Aktie 900 Millionen Dollar. Auch Pimco-Gründer Bill Gross gehört zu den Großspendern. Er stiftete kürzlich 700 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke und plant, auch sein verbleibendes Vermögen von zwei Milliarden Dollar noch zu spenden. Zeichnet sich hier bei den Superreichen ein grundlegender Einstellungswandel ab? Vielleicht. Aktionen wie diese werfen die Frage auf, welchen Sinn Systeme machen, die erst Ungleichgewichte herstellen und die Akteure, die dazu beitragen, dass diese entstehen, dann wieder versuchen, sie zu beheben.
Tim Cook spendet Apple-Aktien, HB 31.5.15

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Macht Misstrauen ärmer? 
Dienstag, 9. Juni 2015 - Studien
Verdienen misstrauische Menschen weniger Geld als vertrauensvolle, weil ihnen Vertrauen fehlt, oder sind sie misstrauisch, weil sie weniger verdienen? Diese Frage stellt die Wirtschaftswoche in Anbetracht einer Studie von Sozialpsychologen der Universität Köln. Die Forscher hatten die Daten von 16.000 Menschen aus dem Sozioökonomischen Panel für die Jahre 2003 und 2012 miteinander vergleichen und kamen zu der Feststellung, dass diejenigen, die ihre Mitmenschen für aufrichtig halten, in dem Zeitraum ihr Gehalt um durchschnittlich 240 Euro steigern konnten, während jene, die ihren Mitmenschen misstrauten, deutlich geringere Gehaltszuwächse verbuchen konnten. Der Einwand der WiWo: Die "Vertrauensseligen" verdienten im Schnitt 1.000 Euro mehr als die "Misstrauischen". Man könne daraus auch schließen, dass die, die schon viel haben, auch mehr bekommen. Oder dass jene, die finanziell besser ausgestattet sind, einfach ihre Mitmenschen positiver wahrnehmen. Ein schönes Beispiel dafür, dass statistische "Beweise" immer nur so gut sind wie ihre Begründungszusammenhänge.
Bekommen misstrauische Menschen weniger Geld? WiWo 31.5.15

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