Testlauf für 6-Stunden-Tag in Schweden 
Freitag, 23. Oktober 2015
Das Göteborger Altenheim Svartedalens testet gegenwärtig, was es bringt, wenn Krankenschwestern und Pfleger statt der bisher üblichen acht Stunden nur noch sechs Stunden täglich im Einsatz sind. Für das Experiment, das auf einen Vorstoß der Linkspartei im Stadtrat zurückgeht, wurden 14 neue Mitarbeiter eingestellt, bei Kosten von 860.000 Euro. Ende 2016 sollen die Erkenntnisse dann ausgewertet werden. Schon jetzt gegen die Mitarbeiter an, deutlich ausgeruhter und zufriedener bei der Arbeit zu sein. Die Krankmeldungen gingen im Sommer zurück. Erkenntnisse des Stockholm-Projekts, bei dem Mitarbeiter, die Senioren, Kinder oder geistig Behinderte betreuten, hatten bereits vor 20 Jahren mit 6-Stunden-Tagen experimentiert. Damals zeigte sich, dass durch geschickte Organisation nur jede zweite Stunde, die das Stammpersonal weniger arbeitete, durch zusätzliche Arbeitskräfte ausgeglichen werden musste. Das Projekt wurde allerdings vom konservativen Stadtrat wieder eingestellt. Eine Toyota-Werkstatt in Göteborg, die ebenfalls auf 6-Stunden-Tage reduzierte, steigert im ersten Jahr ihren Profit um 25 Prozent. Vielversprechende Beispiele, die zeigen, dass es lohnenswert sein kann, langjährig festgefahrene Gewohnheiten zu überdenken.
Sechs Stunden sind genug, SZ 10.10.15

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"Eine Welt im Dialog" - die neue Ausgabe von evolve ist am Kiosk 
Donnerstag, 22. Oktober 2015 - Medien
Heute mal wieder eine Nachricht in eigener Sache: Die neue Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur ist ab sofort erhältlich, dieses Mal mit dem Titel "Eine Welt im Dialog - Begegnungen mit uns selbst". Wenn ich versuche zu erklären, was evolve für ein Magazin ist, nenne ich es gerne das "GEO des Bewusstseins". Dieses Mal ist der Vergleich auch, was das Design des Hefts angeht, sehr naheliegend, denn Dank der Unterstützung des Ethnologen und Fotografen Wade Davis von der National Geographic Society, der uns zahlreiche seiner Bilder zur Verfügung stellte, ist das Bildmaterial einfach unglaublich. Unser Anliegen mit dieser Ausgabe ist es, neue Wege aufzuzeigen, wie fruchtbare Dialoge über kulturelle Grenzen hinweg entstehen können. Gert Scobel betrachtet im Interview die jüngeren Entwicklungen im Westen. Der Berater und Aktivist Raul Quiñones-Rosado erklärt, wie wir Fremdheit konstruieren, was die politischen und gesellschaftlichen Folgen sind und wie wir nicht zuletzt in unserem Geiste neue Perspektiven für ein Miteinander auf Augenhöhe entwickeln können. Ein integraler Blick auf Entwicklungszusammenarbeit des Projekts Integral without Borders sensibilisiert dafür, wie kulturelle Verschiedenheit in Entwicklungsprozessen angemessen eingebettet werden kann. Die bei den Vereinten Nationen tätige Beraterin Monica Sharma und die spirituelle Lehrerin Annette Kaiser gehen in einem Gespräch der Frage nach, wie radikaler Respekt, der aus dem Bewusstsein von Verbundenheit schöpft, für ein globales Miteinander öffnen kann. Mein Redaktions-Kollege Mike Kauschke hat bei einer Reise durch Griechenland hinter die Vorurteile, mit denen gängige Betrachtungen der Krise behaftet sind, geblickt. Und ich selbst ergründe in meinem Artikel, wie wir uns kulturell wie individuell für ein Zusammensein in größeren Kulturzusammenhängen öffnen können. Wirklich sensationell sind unsere Stimmen aus aller Welt, bei der Aktivisten und spirituelle Vorreiter aller Kontinente ihre Visionen für ein globales Miteinander teilen. Alles in allem ist das Heft wieder mal ein Must-Read! ;-)

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Hauptsache groß 
Mittwoch, 21. Oktober 2015 - Management
Wahrscheinlich war es schon immer ein Mythos, dass in der Start-up-Szene vor allem spritzige neue Ideen zählen. In einem Bericht auf die Gründerkonferenz IdeaLab der Hochschule WHU in Vallendar jedenfalls wird deutlich, dass heute mehr denn je Größe gefragt ist bei Gründungen - und zwar nicht im Hinblick auf den Gehalt der Idee, sondern schlicht was die Skalierbarkeit angeht. "Denke groß und vergeude deine Zeit nicht mit einer kleinen Idee", gab der Chef der Start-up-Schmiede Rocket Internet Oliver Samwer den anwesenden Gründungswilligen mit auf den Weg. Seine wesentliche Frage bei den Pitches: "Wie werde ich mit deiner Idee groß?" 450 Studierende der Privatuniversität lauschten ihm, der Leidenschaft für das Business zwar durchaus als hilfreich betrachtet, aber letztlich ganz auf Rationalität setzt. Am Ende des Tages zählt dann halt doch nur eines - der mögliche finanzielle Gewinn.
Oliver Samwer: "Ist die Idee groß genug?" WiWo 9.10.15

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Blinder Fleck emotionale Intelligenz 
Dienstag, 20. Oktober 2015 - Management
Was bringt Top-Manager zum Scheitern? Neben fachlichen Schwächen sind es oft die Soft Skills, die zu Stolpersteinen werden, beschreibt der Unternehmensberater Ulrich Jordan in einem Beitrag für die Zeit. Eitelkeit, mangelnde Kritikfähigkeit, Ignoranz - eine zwischenmenschliche Beziehung zu ihren Mitarbeitern aufzubauen, scheint vielen Führungskräften schwer zu fallen. "'Ich kann mich nicht verbiegen.' – 'Ich will meine Ecken und Kanten nicht verlieren.' – 'Ich möchte authentisch bleiben.' So oder ähnlich formulieren Führungskräfte, die nicht lernen wollen. Sie weigern sich auch deshalb, weil es nicht selten wehtut, liebgewonnene Werte und Verhaltensweisen infrage zu stellen und zu verändern", stellt Jordan fest. Der Berater plädiert dafür, emotionale Intelligenz in Führungsjobs ernster zu nehmen. Er rät zu mehr Selbstreflexion, zu einem Selbstmanagement, das Führende nicht zu Gefangenen der eigenen Gefühle werden lässt, zu gelebter Hingabe, die andere motiviert, zu Empathie, die bedeute, sich wirklich für andere zu interessieren, und zum Aufbau von Bindungen, die gerade in Krisensituationen wirklich belastbar sind.
Woran scheitern Manager? Zeit online 9.10.15

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Preiswürdige Kooperation 
Montag, 19. Oktober 2015 - sonstiges
Kooperation und Ko-Kreation sind gegenwärtig gerne bemühte Begriffe, wenn es darum geht, Lösungswege für die immer komplexer werdenden Fragestellungen unserer Zeit zu entwickeln. Die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises zeigt, was durch eine solche Gemeinsamkeit möglich wird. Das Nobelpreis-Komitee zeichnete eine tunesische Dialoggruppe aus, die im Demokratisierungsprozess des Landes eine tragende Rolle gespielt hat. Das Quartett, bestehend aus einer Gewerkschaft, einem Verband für Industrie, Handel und Handwerk, der Liga für Menschenrechte und dem Nationalen Anwaltsverein, hatte sich 2013 in Zeiten sozialer Unruhen und Mordanschläge gebildet. Dem Quartett sei es gelungen, da es verschiedene Bereiche und Werte der tunesischen Gesellschaft vertrete, eine entscheidende Rolle als Mediator im Demokratisierungsprozess einzunehmen, so die Begründung des Nobelpreis-Komitees.
Friedensnobelpreis geht an Dialoggruppe in Tunesien, Spiegel online 9.10.15

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Betriebsklima wichtiger als Geld 
Freitag, 16. Oktober 2015 - Studien
Die Hochschule Niederrhein ging in einer Untersuchung mit 475 Berufstätigen der Frage nach, was für die Beschäftigten die Attraktivität eines Arbeitgebers ausmacht. An der Spitze rangiert eindeutig das Betriebsklima, wobei dies den Arbeitnehmern bis 30 Jahren noch etwas wichtiger ist als den Älteren. Aspekte wie Unternehmensgröße, Gesundheitsförderung oder Internationalität sind den Befragten indes weniger wichtig. Die Forscher untersuchten auch, in welchem Verhältnis der Anspruch der Arbeitnehmer zur Wirklichkeit steht. Die größte Lücke zeigte sich hier beim Thema "angemessenes Gehalt" - ein Unterschied von beinahe eineinhalb Schulnoten lag zwischen dem, was die Befragten verdienen, und dem, was sie gerne bekommen würden. Auch im Hinblick auf Aufstiegsmöglichkeiten, Arbeitsabläufe und die Unternehmensleitung zeigten sich größere Diskrepanzen. Doch insgesamt ist die Zufriedenheit groß - 86,9 Prozent der Befragten sahen ihre Ansprüche an die Attraktivität des Unternehmens mit der Realität in Einklang.
Harmonie ist wichtiger als Geld, FAZ 7.10.15

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Achtsam Wirtschaften als Weg 
Donnerstag, 15. Oktober 2015 - sonstiges
Das buddhistisch orientierte Netzwerk Achtsame Wirtschaft hat einen kleinen Leitfaden herausgegeben, der "Grundlagen einer angewandten, buddhistisch inspirierten Wirtschaftsethik" vermittelt. Das kostenlos zum Download zur Verfügung stehende Büchlein erklärt, was Achtsamkeit bedeutet, formuliert Leitsätze und ein Menschenbild achtsamer Wirtschaft und beleuchtet, wie sich achtsamer arbeiten, mit Geld umgehen und konsumieren lässt. In der zur Zeit hochkochenden McMindfulness-Diskussion liefert die Broschüre wohltuend geerdete Impulse, die zum Nachdenken und Ausprobieren einladen. Auf der Webseite des Netzwerkes stehen außerdem zahlreiche weitere Texte und auch Anleitungen für Achtsamkeitsübungen zur Verfügung.
Download "Achtsam Wirtschaften als Weg"

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Einfach mal abschalten 
Mittwoch, 14. Oktober 2015 - Arbeit
Vielleicht ist der Kampf gegen Burnout leichter, als wir es uns vorzustellen wagen. Die FAZ sprach in einem Interview mit dem Medizin-Nobelpreisträger und Neurowissenschaftler Thomas Südhof, wie wir der permanenten Erreichbarkeit und Rund-um-die-Uhr-Kommunikation konstruktiv begegnen können. Südhof selbst hat für sich eine sehr einfache Methode gefunden: Einfach mal abschalten. Seine elektronischen Geräte haben von 20 Uhr bis nach dem Frühstück Sendepause. Ende der Durchsage. Interessant an dem Gespräch ist, dass Südhof sich nicht in komplexen Erklärungen und daraus abgeleiteten Lösungsvorschlägen ergeht, sondern einfach mal den gesunden Menschenverstand bemüht: "Mein normaler Menschenverstand sagt mir: Es kann auf Dauer nicht gut sein, so zu arbeiten, wie viele es heute tun. Wir sind über die Smartphones nie mehr unerreichbar, nie außer Dienst. Wir stehen per Mail quasi minütlich im Kontakt zu unserer Arbeit, zu unserer Familie. Diese Dauerbelastung führt zu chronischem Stress, der den Menschen und sein Gehirn verändert. Dauerhaftes Leben auf der Überholspur kann nicht gutgehen." Ja, so ist es. Und wir wissen es. Fragt sich also nur, wann wir anfangen, nach dieser Erkenntnis auch zu leben.
"Dauerstress schädigt das Gehirn", FAZ 3.10.15

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