Was bedeutet eigentlich Scheitern? 
Dienstag, 9. August 2016 - Management
In regelmäßigen Abständen wird in den Wirtschaftsmedien die Diskussion aufgerollt, dass wir eine neue Kultur des Scheiterns brauchen. So auch jüngst im Handelsblatt. "Nur etwa jeder Zweite steht nach einer repräsentativen Umfrage der Universität Hohenheim dem unternehmerischen Scheitern positiv oder überwiegend positiv gegenüber. Geschäftliche Misserfolge werden dabei deutlich kritischer eingeschätzt als Fehlschläge im sonstigen Leben", so die Zeitung. Gerne wird dann mit dem Vorbild Amerika argumentiert - dort sehe man das Scheitern wesentlich entspannter, stehe einfach auf und mache weiter. Die Schlussfolgerung: Wir brauchen eine Kultur des Scheiterns, die Fehlschläge nicht verdammt. Ich würde lieber einmal fragen: Was bedeutet es eigentlich zu scheitern? Eine Firma in den Sand zu setzen, Ziele nicht zu erreichen, bei einer Aufgabe zu versagen? All diese Beispiele beinhalten etwas, dass wir nur schwer in den Blick nehmen: eine Vorstellung davon, wie die Dinge sein sollten. Einen Normalfall, an dem wir messen. Was aber, wenn wir das Leben einmal als das nehmen, was es ist? Als einen in großen Teilen unberechenbaren Prozess. Woran ließe sich hier noch ein Scheitern messen? Gar nicht! Es geht nicht darum, Ziele oder Ambitionen völlig aufzugeben. Eher darum zu erkennen, dass in dem Moment, wo etwas nicht funktioniert, das Leben zur weißen Leinwand wird. Dann grämen wir uns vielleicht weniger über das, was schief gelaufen ist - und richten unsere Energie ganz darauf, welches Bild auf der Leinwand als nächstes gemalt werden könnte ...
Neue Chance nach der Pleite, HB 30.7.16

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Gefangen im Kapitalismus 
Montag, 8. August 2016 - Arbeit
"Das ganze System basiert auf Ausbeutung – Ausbeutung von Menschen und von Natur. Kaum etwas im Kapitalismus ist nachhaltig, auch wenn das ein neues Modewort ist. Selbst aus Subkulturen und Kapitalismuskritik entstehen noch neue Produkte", beklagt der Philosoph Patrick Spät in einem Interview mit der Zeit. Es scheint, als wären wir gefangen. Wissenschaftler und Aktivisten überbieten sich mit klugen Analysen, was am System falsch ist, nicht funktioniert - und organisieren Proteste. Doch irgendwie scheinen wir gefangen in diesem System, das sich selbst erhält, gleich was wir tun. "Krisen sind ja auch ein Geschäftsmodell, seit 2008 hat die Anzahl der Millionäre weltweit rapide zugenommen. Es gehört zu den Wesensmerkmalen des Kapitalismus, immer neue Verwertungspotentiale zu finden. Oder alte Verwertungspotentiale wieder zu nutzen – oft mit wahnsinnigen Renditen. Nach der Krise 2008 etwa hat eine Rückbesinnung auf reale Güter stattgefunden. Seither nehmen Land- und Watergrabbing weltweit stark zu", beschreibt Spät. Es scheint, als könnten wir keinen Schritt tun, der uns über die Grenze des Bestehenden hinausführt. Im Gegenteil: Viele Vorstöße lassen das, wogegen sie sich richten, sogar hochkochen. Arbeiter demonstrieren? Mal schauen, welche Jobs ohnehin von Robotern gemacht werden können ... Doch wie überwindet man ein System, in dem wachsende Vermögensungleichheit und damit Machtkonzentration den Normalzustand darstellen? Wir leben in einer Zeit, in der wir schmerzlich feststellen, dass das Erkennen von Problemen nicht unbedingt auch Lösungen hervorbringt. Im Gegenteil. Der Mindestlohn beispielsweise kommt scheinbar denen, die zu wenig haben, zugute, doch unterstützt er die Konsumstrukturen, die den äußeren Rahmen für die Ungleichheiten, die überwunden werden sollen, schaffen. Vielleicht sitzt der Schmerz über all die Sackgassen, die dieses System für so viele bereit hält, noch nicht tief genug. Vielleicht schmerzt es einfach noch nicht genug, dass wir immer wieder an diese Grenzen stoßen. Wie wäre es, wenn wir einfach nicht mehr mitspielen? Nicht als Lösung, als Versuch herauszufinden, was dann geschehen kann ...
"Das Bedingungslose Grundeinkommen wird uns nicht retten", Zeit online 29.7.16

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Die Kunst anzuhalten 
Freitag, 5. August 2016 - Medien
Asus, Hersteller von Notebooks, hat bereits einige Produkte mit dem Label "Zen" im Programm - nun veröffentlicht das Unternehmen auch ein ZenMag, eine Kundenzeitschrift, die sich neben dem Produktportfolio von Asus auch Wesentlichem widmen möchte. In der aktuellen Ausgabe gibt es beispielsweise einen Beitrag über "Die Kunst anzuhalten". „Zen ist ein Weg, sich selbst zu erforschen und aus dem Lärm der äußeren Welt in die Welt der Ruhe und des Seins zu finden. Er entwickelt sich aus der täglichen Praxis, die Disziplin und Ernsthaftigkeit erfordert. Neben Konzentration und Kraft soll jedoch genauso Freude, Offenheit und Leichtigkeit in unserem Leben Platz finden“, erklärt dort Dr. Fleur Sakura Wöss, Leiterin des Zen Meditationszentrum Misho-an (“Tempel des Lächelns”) in Wien, den Begriff des Zen. Für die Zen-Lehrerin geht es bei der Meditation weniger um Selbstverbesserung als eher darum, wieder in Kontakt zu kommen mit dem, was ist. „Wer sich zu viel zumutet und nicht regeneriert läuft Gefahr krank zu werden. Der Körper reagiert schnell auf Symptome, die letztendlich durch eine geistige oder seelische Überlastung hervorgerufen werden. Zen hilft, wieder auf die Stimme des Körpers zu hören“, so Fleur Sakura Wöss.
Asus ZenMag

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Jeder Dritte fühlt sich durch ständige Erreichbarkeit gestört 
Donnerstag, 4. August 2016 - Studien
Permanent online zu sein, ist längst kein Freizeitphänomen mehr. Fast jeder Zweite liest in der heutigen Zeit auch nach Dienstschluss noch seine Arbeitsmails, so die Ergebnisse einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Nachrichtenagentur dpa. Anrufe nach Feierabend gehören für etwa 20 Prozent zum Business und ein Drittel der Befragten schaut schon auch mal im Urlaub nach den Mails. "Diese erweiterte Erreichbarkeit kann sich negativ auf die Leistungsfähigkeit und auf die Gesundheit auswirken – selbst wenn sie von den Beschäftigten freiwillig gewählt ist, positiv empfunden oder als notwendig angesehen wird", so die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) in einem Report. Laut YouGov-Umfrage empfindet gut jeder Dritte die ständige Erreichbarkeit als "eher" oder "sehr belastend". Etwa jeder Fünfte fühlt sich dadurch in den Schlaf- und Erholungszeiten beeinträchtigt, jeder Dritte betrachtet die Erreichbarkeit als Störung von Familienleben und Freizeitaktivitäten.
Jeder Zweite liest abends Dienstmails, WiWo 25.7.16

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Empathie ist auch Kopfsache 
Mittwoch, 3. August 2016 - Studien
Sich in die Gefühlslage anderer Menschen hineinzuversetzen, werden wohl die meisten Menschen intuitiv als eine emotionale Kompetenz betrachten. Eine Studie der Harvard University mit 900 Probanden zeigt indes, dass Empathie auch Kopfsache ist. Die Probanden wurden in Zweiergruppen eingeteilt und sollten ein fiktives Bewerbungsgespräch führen. Anschließend wurden sie mittels Fragebogen befragt, wie sich das jeweilige Gegenüber dabei gefühlt habe. In weiteren Tests untersuchten die Forscher, ob die Probanden eher emotional oder rational tickten, durch Trickfragen wie auch Reflektionen, die entweder stärker nach Gefühlen oder nach Logik fragten. Dabei zeigte sich, dass jene Probanden, die einen guten Zugang zur analytischen Dimension hatten, ihre Gegenüber jeweils treffender einschätzten als jene, die eher auf ihr Bauchgefühl setzten.
Wenn das Bauchgefühl trügt, spektrum.de 22.7.16

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Geld als wesentlicher Antrieb im Job 
Dienstag, 2. August 2016 - Studien
Spannende Aufgaben, Selbstentfaltung, nette Kollegen - in vielen Umfragen werden diese Faktoren als besonders wichtig im eigenen Job genannt, oft noch vor den Verdienstaussichten. Doch auch das liebe Geld ist wieder im Kommen, so das Meinungsforschungsinstitut Toluna, das im Auftrag der Credit Plus Bank 1020 Erwachsene zum Thema befragte. In der Umfrage hatte das Geld jedenfalls die höchste Priorität - 27 Prozent gaben an, dass der Job für sie nur Gelderwerb sei oder ihre Motivation vor allem darin bestehe, ihr Einkommen zugunsten eines höheren Lebensstandards zu verbessern. für 24 Prozent zählen vor allem Arbeitsinhalte, weil es ihre wesentliche Motivation ist, Aufgaben zu meistern und Ergebnisse zu liefern, auf die sie stolz sein können. Für 17 Prozent hat der Job viel mit einem abwechslungsreichen Alltag zu tun. Für 13 Prozent ist die Hauptmotivation, den Tag mit Kollegen zu verbringen und im Team zu arbeiten. Die Anerkennung vom Vorgesetzten ist nur für 6 Prozent maßgeblich.
Das Geld wird den Arbeitnehmern wieder wichtiger, FAZ 22.7.16

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Meditation hilft, den Blick auf die Welt zu verändern 
Montag, 1. August 2016 - Arbeit
Der Focus erinnert seine Leser wieder einmal daran, wie gut es doch sein kann zu meditieren. In einer Kolume erklärt die Hypnosetherapeutin Kim Fleckenstein: "Meditation kann Ihnen dabei helfen, Ihren Blick auf Situationen und Menschen zu verändern. Sie lernen, Umstände zu akzeptieren, die Sie nicht ändern können. Und erkennen, was Sie stattdessen sinnvoller bewegen sollten." Fleckenstein beruft sich auf Studien, denen zufolge bereits drei Meditationseinheiten à 20 Minuten pro Woche ausreichen, "um das eigene Wohlbefinden zu steigern und ungenutzte Ressourcen zu aktivieren". An Tipps wie diesen ist natürlich etwas dran, denn wer selbst regelmäßig meditiert, weiß um die positiven Wirkungen. Zu meditieren, um etwas zu erreichen, ist allerdings auch eine zweischneidige Angelegenheit. In den spirituellen Traditionen steht dabei immer eine Überwindung der Ich-Bezogenheit im Mittelpunkt - und genau diese verändert den Blick auf die Welt und das Leben. Ob ein starkes Ich, das durchs Meditieren noch stärker werden will, einen ähnlichen Prozess durchläuft, ist eher fragwürdig.
Drei Mal pro Woche 20 Minuten: So macht Meditation glücklich und erfolgreich, Focus 20.7.16


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Zukunft jenseits des Normalfalls 
Freitag, 29. Juli 2016 - Wissenschaft
Thomas Straubhaar, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg, wirft in einer Kolumne für die Welt einen Blick darauf, wie der immer schneller werdende Wandel und die wachsende Unberechenbarkeit von Ereignissen an den Grundlagen der Ökonomik rütteln. "Es war immer schon riskant, aus der Geschichte für die Zukunft lernen zu wollen. Denn eigentlich wiederholt sich Vergangenes nicht wirklich", räumt Straubhaar ein - die ökonomischen Modelle und Vorhersagen haben allerdings schon immer genau das versucht. Die Globalisierung wie auch die permanente Gleichzeitigkeit von Entwicklungen, die sich dank Internet geradezu in rasender Geschwindigkeit verbreiten, durchkreuzen diese Pseudo-Berechenbarkeit. "Was aber, wenn es keinen Normalfall mehr gibt, an dem sich die Zukunft verankern lässt? Wenn die Gesetzmäßigkeiten der Vergangenheit unwirksam werden, weil nichts mehr sein wird, wie es war?", fragt der Ökonom. Die Möglichkeit, die vorherrschende Dynamik wenn schon nicht kontrollieren zu können, so doch wenigstens für sie gewappnet zu sein, will Straubhaar nicht gänzlich negieren, weshalb er rät: "Für die wirtschaftspolitische Praxis folgt, dass sie weniger auf Prognosen und mehr auf Szenarien setzen sollte, die allerlei Brüche und radikale Umwälzungen durchspielen müssten. So, dass beim Scheitern eines Plan A in der Realität nicht nur ein Plan B, sondern auch ein aus heutiger Sicht wenig wahrscheinlich eintretender Plan C oder D rasch Orientierung bieten." Statt Vorhersage also eher eine neue Form des sich Einstellens auf Unwägbarkeit. Damit müsste auch eine neue Agilität in der Wirtschaftspolitik Einzug halten: "Wenn die Zukunft weniger denn je vorhersehbar ist, sollten wirtschaftspolitische Maßnahmen nicht ein für allemal perfekt für die Ewigkeit geplant werden, sondern brauchbar, rasch umsetzbar und flexibel veränderbar sein."
Die Vergangenheit taugt nicht mehr als Kompass, Die Welt 20.7.16

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