Algorithmen sind nicht besser als Menschen 
Montag, 12. Februar 2018 - Bewusstsein, Studien
In vielen Lebens- und Arbeitsbereichen kommen längst Algorithmen zum Einsatz, um Entscheidungsprozesse zu verbessern. Was wir auf Facebook zu sehen bekommen, welche Artikel uns von Amazon empfohlen werden, aber auch welche Bewerber Personalabteilungen zu einem Gespräch einladen - all dies und noch viel mehr geschieht inzwischen unter Zuhilfenahme computergestützter Bewertungsprozesse. Studien im Personalwesen haben bereits gezeigt, dass Algorithmen zum Teil Vorurteile transportieren und verfestigen. Eine Studie aus den USA zeigt nun, dass Software, die zur Prognose der Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern genutzt wird, keine besseren Voraussagen liefert, als wenn unbedarfte Internetnutzer ihre Einschätzung abgeben. Selbst wenn den Testpersonen deutlich weniger Datenmaterial zur Verfügung gestellt wurde als das, welches für die Berechnungen verwendet wurde, waren ihre Prognosen mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von rund zwei Dritteln mindestens genauso gut (man könnte auch sagen schlecht) wie die Vorhersagen der Software. Für die Forscher wirft das die Frage auf, ob Algorithmen überhaupt einen Mehrwert bringen in Entscheidungsprozessen. Mich wundern die Ergebnisse dieser Untersuchung nicht. Denn Algorithmen sind von Menschen geschaffen, bilden also zwangsläufig auch deren Denkweisen ab. Es wird zwar viel davon gesprochen, dass Algorithmen auch lernen können und so ihre Kapazitäten erweitern. Doch wird in der Wissenschaft - zumindest so weit öffentlich bekannt ist - wohl noch viel zu wenig daran geforscht, welche Möglichkeiten und auch Beschränkungen beim Anlegen von Algorithmen durch den Faktor Mensch als Programmierer in solche Rechenprozesse Einzug halten. So wenig perfekt, wie wir Menschen sind, so wenig sind es dann auch die Algorithmen.
Wenn Algorithmen in der Jury sitzen, Bild der Wissenschaft 17.1.18

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Warum Resilienz-Trainings Standard werden sollten 
Freitag, 9. Februar 2018 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Die Studie ist schon ein wenig älter, aber interessant - die Bertelsmann Stiftung untersuchte mit weiteren Forschungspartnern, wie Führungskräfte die Resilienz ihrer Mitarbeiter verbessern können. Die Untersuchung mit rund 560 Teilnehmern zeigt, dass Mitarbeiter mit hoher psychischer Widerstandsfähigkeit ihre Arbeit mit großer Gewissenhaftigkeit erledigen, sich mit anderen Menschen besser verstehen, neugieriger sind und als emotional stabiler wahrgenommen werden. Vorgesetzte können zur Resilienz ihrer Mitarbeiter beitragen, indem sie ihnen Orientierung vermitteln und Kontrolle über ihre Arbeitsbereiche geben. Auch wie authentisch, ehrlich, vorbildlich und sinnvermittelnd ein Chef ist, trage zur Zufriedenheit und Gesundheit der Angestellten bei. "Folgt man den Ergebnissen der Studie, sollten Trainings, die die Resilienz steigern, bald zum Standardangebot des betrieblichen Gesundheitsmanagements in den Betrieben gehören. Davon können dann sowohl Mitarbeiter und Führungskräfte als auch Unternehmen profitieren", sagt Detlef Hollmann, Projekt-Manager der Bertelsmann Stiftung.
Studie der Bertelsmann Stiftung


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Smileys sind gut für die Büro-Kommunikation 
Donnerstag, 8. Februar 2018 - Studien, Arbeit
Im Arbeitsleben haben sie einen eher schlechten Ruf, denn die Verwendung von Emoticons in beruflichen E-Mails gilt gerne als unprofessionell und zu privat. Zu Unrecht, wie eine Untersuchung des Wirtschaftsinformatikers Claus-Peter Ernst zeigt. Er fand heraus: "Glückliche und ironische Emoticons schwächen die negativen Assoziationen einer Nachricht auf den persönlichen Ebenen ab. So verändern sie zum einen die Wahrnehmung auf der Ebene der Selbstoffenbarung, also die Interpretation der Empfängerin oder des Empfängers bezüglich dessen, was die Absenderin oder der Absender in der E-Mail über sich selbst preisgibt, wie beispielsweise ihre oder seine gegenwärtigen Emotionen. Zum anderen findet auch eine Wahrnehmungsveränderung auf der Beziehungsebene statt, das heißt, auch die wahrgenommene Einstellung des Gegenübers zu einem selbst wird verändert." Man könnte auch sagen: Ein Smiley macht es für den Empfänger einer kritischen Botschaft leichter, nicht zu verzagen. Und gleichzeitig fördert er die Beziehung zwischen Kritiker und Kritisiertem. In der Untersuchung mit 230 Probanden zeigte sich auch, dass der Einsatz von Emoticons die Kritik nicht negiert. Die Grinsebildchen erhöhen eher deren Akzeptanz.
Ein Smiley mehr hilft sehr, FAZ 30.1.18

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Meditation als Lichtblick in Krisen und Kriegen 
Mittwoch, 7. Februar 2018 - Bewusstsein
Die Zeit berichtet in einem Interview mit dem indischen Guru Sri Sri Ravi Shankar darüber, wie Meditation in Kriegs- und Krisengebieten Menschen dabei helfen kann, mit den erlittenen Traumata besser zurechtzukommen. Seine Organisation "The Art of Living" ist in 155 Ländern aktiv. Gegenwärtig unterrichtet sie beispielsweise 16.000 Menschen in Flüchtlingscamps in Jordanien, Libanon und Syrien in Meditation. "Diese Menschen sind vor dem Krieg geflohen. Sie sind traumatisiert. Gibt man ihnen etwas zu essen, bekommen sie es nicht hinunter. Stellt man ihnen ein Bett auf, können sie nicht einschlafen. Sie sind viel zu aufgewühlt. Wir bieten ihnen in den Kursen eine geistige Zuflucht. Helfen ihnen, zur Ruhe zu kommen. Dank der Meditationen sind die Geflüchteten ihren Gefühlen nicht mehr so stark ausgeliefert. Das gibt ihnen Hoffnung, dass sie auch ihr Leben wieder in den Griff bekommen", erklärt Shankar. Ihm geht es nicht allein darum, eine Methode zu vermitteln, die hilft. Wesentliches Anliegen ist ihm, einen Beitrag zu mehr wechselseitigem Respekt und Toleranz zu leisten. Dabei helfe die spirituelle Dimension der Meditation. "Wir sind doch alle gestresst. Möchten getröstet werden, Ängste, Anspannung und Unsicherheit loswerden. Meditation ist eine Technik, mit der man sich auf die eigene innere Stärke besinnt. Das macht gelassener, zugänglicher. ... Alles, was Frieden bringt, was Menschen befähigt mehr Liebe für sich, andere und ihre Umwelt zu empfinden, ist Spiritualität. Sie ist die Grundlage der Weltreligionen – das, was sie alle verbindet. Man könnte auch Humanismus dazu sagen: Menschlichkeit, Freiheit, Toleranz, Respekt", sagt er.
"Jeder möchte getröstet werden", Zeit online 30.1.18

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Alleinsein kann der Kreativität dienlich sein 
Dienstag, 6. Februar 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit
Kreativität verbinden wir leicht mit äußerer Stimulation, zwischenmenschlichem Austausch und Extroversion. Eine amerikanische Studie zeigt nun, dass auch das Alleinsein die Kreativität unterstützen kann. Die Wissenschaftler untersuchten bei 300 Studierenden, ob und aus welchen Gründen sie häufiger sozial zurückgezogen sind und welche Gefühle sie damit verbinden. Außerdem betrachteten sie, als wie kreativ die jungen Menschen sich betrachteten. Dabei wurde deutlich, dass diejenigen, die schlicht kein großes Bedürfnis nach viel sozialem Miteinander hatten, mit dieser Haltung aber im inneren Einklang waren, sich tendenziell eher kreativ fühlten. Studenten, die aus Schüchternheit oder anderen Gründen soziale Kontakte vermieden und dabei Gefühle der Aggression oder auch Einsamkeit empfanden, fühlten sich hingegen deutlich weniger kreativ. Alleinsein per se ist damit kein Kreativitäts-Booster. Wohl aber zeigt sich, dass Menschen, die sich auch in Situationen ohne soziale Stimulation wohlfühlen, in ihrer Kreativität profitieren können, wenn sie dieser inneren Neigung treu bleiben.
Can Solitude make you more creative? Greater Good Magazine 26.1.18

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Erfolg braucht auch Glück 
Montag, 5. Februar 2018 - Arbeit, Bücher
Unsere Leistungsgesellschaft lebt von vielen Mythen. Einer davon ist, dass Erfolg hauptsächlich das Ergebnis persönlichen Einsatzes ist. Das ist nicht nur ein Trugschluss im Hinblick auf das eigene Selbstbild, es hat auch Konsequenzen für die Gesellschaft im Ganzen. In seinem neuen Buch "Ohne Glück kein Erfolg: der Zufall und der Mythos der Leistungsgesellschaft" beschreibt der amerikanische Ökonom Robert H. Frank, dass es häufig ganze Ketten eher unwahrscheinlicher Ereignisse sind, die Menschen mit ihren Anliegen erfolgreich sein lassen. Er leitet daraus ab, dass wir Leistung überschätzen und dabei den Zufall unterschätzen. Wer glaubt, durch eigene Anstrengung zum Ziel gelangt zu sein, erwartet auch von anderen diese vermeintliche Selbstverantwortung. In der Welt der Ökonomie kann das dazu führen, dass erfolgreiche, reiche Menschen ausblenden, dass sie es gerade nicht alleine geschafft haben - und sich deshalb anderen kaum verpflichtet fühlen. Dieser Rückzug auf das Selbst trägt in den Augen von Frank zu einer Verfestigung der Schieflage zwischen Arm und Reich bei und sei auch Ausdruck eines gesellschaftlichen Versagens. In einer gerechten Welt, in der der Kontext der Geburt, Zugang zu Bildung und andere Aspekte, die das individuelle Fortkommen unterstützen, die Erfolgschancen nicht förderten oder einschränkten, dürfte die eigene Leistung vielleicht für Erfolge ausschlaggebend sein. Frank deutet darauf, dass wir jedoch in einer solchen Welt nicht leben.
Wider den Zufall, HB 25.1.18

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Was Meditation wirklich bewirkt 
Freitag, 2. Februar 2018 - Psychologie, Studien
Das Magazin GEO widmet den Schwerpunkt seiner aktuellen Ausgabe dem Thema "Die Kraft der Meditation". In einem großen Interview mit der Neurowissenschaftlerin Tania Singer wird das ReSource-Projekt vorgestellt, bei dem die Forscherin über 9 Monate die Wirkung verschiedener Meditationstechniken an 241 Probanden untersuchte. Mit ihrem Forschungsdesign ist es Singer gelungen zu zeigen, dass verschiedene Meditationsarten auch unterschiedliche Fähigkeiten fördern. "Unsere Studie zeigt, dass die Module tatsächlich jeweils andere Stärken haben, also verschiedene Fähigkeiten selektiv verbessern", so Singer. Im Modul "Präsenz" wurden Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Körpergewahrsein geschult. Im Modul "Affekt" lernten die Teilnehmenden, Mitgefühl für sich selbst und andere zu entwickeln. Im Modul "Perspektive" wiederum wurde die Wahrnehmung dafür geschult, aus welchen Rollen heraus man handelt und wie man sich besser in andere Menschen hineinversetzen kann. Erstaunt waren die Forscher darüber, dass nicht alle Methoden grundsätzlich positiv im Hinblick auf das Stressempfinden wirken. "Dazu haben wir vor und nach der Prüfung im Blut das Stresshormon Cortisol gemessen, einen der bekanntesten Marker für eine soziale Stressreaktion. Bei jenen, die zuvor in den sozialen Modulen 'Affekt' oder 'Perspektive' Mitgefühl oder Perspektivenwechsel trainiert hatten, war die hormonelle Stressreaktion im Vergleich zur Kontrollgruppe tatsächlich um rund 50 Prozent niedriger. Aber bei denen, die gerade das Modul 'Präsenz', also Atemmeditation und Bodyscan, hinter sich hatten, war sie unverändert hoch. Das hat uns sehr überrascht", so Singer. Ihre Schlussfolgerung: "Bei achtsamkeitsbasierten Aufmerksamkeitsübungen konzentrieren sich Teilnehmer nur auf sich selbst. Das ist offenbar nicht wirklich effizient, um sozialen Stress zu reduzieren."
Meditation: Welche Übungen wirken am besten gegen Stress? GEO Januar 2018

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Vorübergehend kann Multitasking die Leistung steigern 
Donnerstag, 1. Februar 2018 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Multitasking hat einen schlechten, denn unser Geist scheint nicht für das Nebeneinander verschiedener Aufgaben gemacht zu sein. Der österreichische Neurowissenschaftler Bernd Hufnagl etwa hat errechnet, dass Multitasker für Aufgaben 60 Prozent mehr Zeit benötigen und dabei 40 Prozent mehr Fehler machen. Eine neue amerikanische Studie wiederum kommt zu dem Schluss, dass Multitasking zumindest vorübergehend auch leistungssteigernd wirken kann. Das bloße Empfinden, dass man erfolgreich mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältige, könne den Output verbessern. Menschen fühlen sich dann aktiver, wenn sie glauben, große Leistungen zu vollbringen - und das fördert ihr Durchhaltevermögen. Wie lange diese Motivation anhält, haben die Forscher indes nicht untersucht. Die Frage ist auch, wann Menschen womöglich die Grenze überschreiten, ab der sie sich einfach nur noch auspowern - und dann nur noch deutlich geringere Leistungen erbringen können. Unter dem Strich dürfte das ein Nullsummenspiel sein ...
Gefühltes Multitasking stachelt zu höherer Leistung an, WiWo 25.1.18

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