Zu viel Arbeit macht unproduktiv 
Freitag, 18. Mai 2018 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Produktivität hat Grenzen, vor allem wenn es um die menschliche Arbeitskraft geht. Morten Hansen, Managementprofessor an der Universität von Kalifornien in Berkeley, untersuchte, mit welchem Arbeitspensum am Produktivsten sind. Fünf Jahre lang betrachtet der die Arbeitsweise und Leistung von 5.000 Beschäftigten. Die Erkenntnisse seiner Untersuchung sind eine klare Absage an 80-Stunden-Wochen und Dauerpräsenz am Arbeitsplatz. In seiner Studie zeigte sich, dass Menschen, die gewöhnlich 30 bis 50 Stunden pro Woche arbeiten, kurzfristig durch Mehrarbeit, beispielsweise weil besondere Projekte diese erfordern, tatsächlich produktiver werden können. Bei Menschen, die regelmäßig bis zu 60 Stunden in der Woche arbeiteten, stagnierte die Produktivität hingegen. Ab einer Wochenarbeitszeit von 65 Stunden wurde die Produktivität sogar rückläufig.
Warum weniger arbeiten mehr bringt - und wie es gelingt, WoWo 8.5.18

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Zerstört das Internet unser Leben? 
Donnerstag, 17. Mai 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft
Hunderte E-Mails oder Whatsapp-Nachrichten rauschen jede Woche durch unsere Smartphones. Hier schnell etwas googeln, in der Mediathek die neuesten Nachrichten schauen, regelmäßig checken, was in den sozialen Netzwerken los ist. Wohl jeder hat bisweilen das Gefühl, dass das alles zu viel ist. Uns rauscht der Kopf und es fällt nicht leicht, in dieser Flut der digitalen Bewegung noch den Überblick zu behalten. Der Mediziner und Hirnforscher Manfred Spitzer gehört zu den großen Kritikern dieser Digitalisierungs-Verwerfungen. Mit seinen Büchern über digitale Demenz und Cyberkrankheit erzielt er einen Publikumserfolg nach dem anderen - weil das, was er sagt und schreibt, die Wahrnehmung vieler bestätigt. Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung geht nun sehr kritisch auf Spitzers Arbeiten ein. Der Beitrag zeigt, dass Spitzer wissenschaftliche Erkenntnisse recht freihändig und im eigenen Sinne deutet. Daten, die seine Thesen nicht unterstützen, lässt er anscheinend außen vor. Das Fazit des Beitrages: Anscheinend ist alles gar nicht so schlimm, wie Spitzer behauptet. Womöglich ist Spitzer tatsächlich nicht so wissenschaftlich, wie er sich gibt. Und vor populistischen Zuspitzungen schreckt er ganz sicher nicht zurück. Die Problematik zeigt aber auch: Wissenschaftliche Fakten haben keine Aussagekraft für sich, sie bedürfen eines Kontextes und einer Deutung. Und hier kommen sehr schnell Weltbilder und Absichten ins Spiel. Vielleicht ist die Spitzer-Euphorie auch der Tatsache geschuldet, dass viele Fachpublikationen immer neue Tipps geben, wie wir mit der Digitalisierung unseres Lebens doch noch zu Rande kommen können. Wer versucht, am Ball zu bleiben, merkt dann oft schnell, dass dies ab einem bestimmten Punkt kaum noch möglich ist. Manchmal hilft nur das Abschalten der Geräte, um etwas Ruhe zu finden. Spitzer schreibt auch gegen den Zeitgeist an, das "Immer höher, immer schneller, immer weiter". Viele Menschen spüren, dass der Mensch eine Grenze der Anpassungsfähigkeit zu erreichen scheint - und sie haben einfach keine Lust mehr, sich immer mehr an die Zumutungen der Technik anzupassen. Dieses Phänomen könnte man sicher mit wissenschaftlichen Fakten belegen, wenn jemand mal Studien dazu machen würde. Spitzer dreht den Spieß vielleicht einfach rum - er erkennt das Phänomen und bastelt sich seine Beweise aus der Forschung, die schon gemacht wurde. Das ist vielleicht nicht immer wissenschaftlich redlich. Aber es deutet gleichermaßen auf eine Realität.
Über einen, der aus Ängsten Geld macht, SZ 8.5.18

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Was das Leben lebenswert macht 
Mittwoch, 16. Mai 2018 - Bewusstsein, Lebensart
In den letzten Jahren hat sich in der Wohlstandsdiskussion ein Perspektivwechsel gezeigt. Längst sind es nicht mehr allein monetäre Faktoren, die in der politischen und öffentlichen Diskussion betrachtet werden, wenn es um das Wohlergehen von Bevölkerungen geht. Länder wie Bhutan haben hier wesentliche Impulse gesetzt, denn die Idee des Bruttosozialglücks richtet den Blick auf konkrete Lebensfaktoren, die Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden haben. Die Triodos Bank betrachtet in ihrem Blog einige dieser Faktoren, die nicht zwingend alle einen direkten Bezug zu Geld oder der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit haben. Bhutan erkundet beispielsweise das psychische Wohlbefinden der Bevölkerung und fragt nach Empfindungen wie Eifersucht, Frustration oder Selbstbezogenheit, aber auch um Großzügigkeit, Mitleid und Gelassenheit. Auch die Bedeutung von Meditation und Spiritualität ist hier ein Thema. Beim Thema Zeit betrachten sie, wie viel Zeit den Bürgerinnen und Bürgern auch für Soziales, Religiöses und Kulturelles zur Verfügung steht. Neben regulärer Arbeit werden auch unbezahlte Tätigkeiten wie Hausarbeit oder Pflege erfasst, um ein Gesamtbild aller notwendigen Aktivitäten zu bekommen. Ebenfalls auf der Agenda - das Gemeinschaftsleben. Wie steht es um Vertrauen und Zugehörigkeit? Welche Beziehungen werden gepflegt? Gesundheit, Ökologie, Lebensstandard und gute Regierungsführung sind ebenfalls Fragen, mit denen sich der Staat auseinandersetzt. Betrachtet man die Vielfalt der Aspekte, kommt einem die westliche Politik erstaunlich flach vor, werden doch in den Industrienationen die eher grundsätzlichen Lebensthemen zumeist bürokratisch-strukturell als Mängelverwaltung gedacht oder durch den Filter des wirtschaftlich Möglichen. Die Herangehensweise von Bhutan lädt ein zum Nachdenken und Weiterdenken und dazu, sich wieder zu fragen, was Menschsein wirklich ausmacht. Das Bruttosozialprodukt dürfte da den Wenigsten in den Sinn kommen.
Bhutan im Glück, Triodos Blog 3.5.18

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Fluides Führen will gelernt sein und braucht Empathie 
Dienstag, 15. Mai 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Die Digitalisierung macht das Arbeitsleben schneller und unüberschaubarer. An die Stelle von Hierarchien und der Möglichkeit der Kontrolle treten fluide Prozesse, Teamarbeit und permanente Bewegung. Das verändert die Aufgaben und Möglichkeiten von Führungskräften radikal. In einer Stepstone-Umfrage gaben sechs von zehn Fachkräften an, dass sie nicht den Eindruck haben, ihre Chefs seien diesem Paradigmenwechsel gewachsen. "Pläne, Aufgaben und Projekte, die bislang eher langfristig ausgelegt waren, erfordern nun immer häufiger eine kurzfristige Nachjustierung. Führungskräfte müssen die Fähigkeit besitzen, kurzfristige Änderungsprozesse ausreichend zu moderieren und kommunikativ stark aufzutreten. Ein permanenter Dialog mit Mitarbeitern wird unumgänglich, um sich ständig wechselnden Rahmenbedingungen anzupassen und schnelles Feedback zu erhalten. Gleichzeitig wird der Dialog künftig zur vielleicht größten Herausforderung für Führungskräfte. Denn mit der Digitalisierung werden auch die Möglichkeiten flexibler Arbeitsplätze zunehmen. Managern wird der unmittelbare Zugriff auf ihre Mitarbeiter dadurch erschwert", beschreibt Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von Stepstone, die aktuellen Herausforderungen in der Wirtschaftswoche. Führungskräfte müssten die Fähigkeit zu einer "Shares Leadership" kultivieren, Aufgaben und Verantwortung delegieren können, und zahlreiche ineinandergreifende Arbeitsprozesse und Team eher navigieren und moderieren denn bestimmen. Empathie sei hier ein wesentlicher Anker, damit die Komplexität nicht auseinanderfalle. "Persönlichkeit lässt sich nicht digitalisieren", so Dettmers. Und womöglich wird die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit künftig immer mehr zu einer zentralen Führungsaufgabe.
Der alte Führungstyp hat ausgedient, WiWo 2.5.18

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Wissenschaftliches Interesse fördert den Realitätssinn 
Montag, 14. Mai 2018 - Bewusstsein, Studien
In unserer komplexen Welt ist es nicht immer einfach, zwischen der Realität und Versuchen, diese zu manipulieren, zu unterscheiden. Womöglich hat die beobachtbare Wahrnehmung, dass manche Menschen das, was nicht in ihr Weltbild zu passen scheint, allzu leicht als Fake-News abtun, damit zu tun. Für den Klimawandel gibt es inzwischen unzählige wissenschaftliche Belege, und doch gibt es auch eine nennenswerte Zahl von Menschen, die das Phänomen immer noch bestreitet. Eine amerikanische Studie hat nun untersucht, jene, die der Wissenschaft vertrauen, von den Menschen unterscheidet, die ihre Erkenntnisse anzweifeln und ignorieren. Dazu werteten die Forscher Daten einer Längsschnitt-Studie aus, in der Highschool-Schüler vor 24 Jahren zu verschiedenen Haltungen und Interessen befragt worden waren. Ihnen stellten die Wissenschaftler zum Vergleich heute Fragen, die sich um das Vertrauen in die Klimawissenschaften drehten. Dabei zeigte sich, dass insbesondere ein Faktor das Vertrauen in die Wissenschaft stark fördern dürfte, nämlich das eigene Interesse an Wissenschaft und Forschung in jungen Jahren. Diejenigen, die sich schon in der Schule dafür interessierten, zeigten ein deutlich höheres Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse als jene, die das nicht taten - und das gänzlich unabhängig davon, welche politischen Überzeugungen sie heute vertreten. Vielleicht ist es ja so, dass Dinge, die uns fern sind und die wir nicht zu durchschauen vermögen, eine gewisse Ablehnung in uns hervorrufen. Gerade wenn es um sehr komplexe Sachverhalte geht, könnte Leugnen dann eine Antwort sein auf dieses Unverständnis. Wer sich hingegen für Wissenschaft interessiert, bekommt womöglich ein Gespür dafür, dass selbst hochkomplexe Phänomene sich ergründen lassen, was vielleicht eine empfundene Hilflosigkeit dämpft und es erleichtert, sich der Realität zu stellen, wie sie ist. Aber das sind nur meine Spekulationen...
Klimaforschung: Die Wurzel des Vertrauens, wissenschaft.de 24.4.18

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Dem Zickzack-Kurs des Lebens gerechter werden 
Freitag, 11. Mai 2018 - Bewusstsein, Arbeit
Ein geordneter Sozialstaat lebt von einer gewissen Geradlinigkeit. Wir betrachten, wie das Leben üblicherweise funktioniert, schauen auf die Sonderfälle, in denen das nicht klappt, und diese versuchen wir, sozial abzufedern? Was aber, wenn der Normalfall, von dem wir dabei ausgehen, längst keiner mehr ist? Die FDP macht mit ihrem Arbeitsmarktkonzept einen Vorstoß, dieser Frage gerecht zu werden. Sie kritisiert, dass viele unserer Vorstellungen und Regularien rund um das so genannte Normalarbeitsverhältnis - die Festanstellung in Vollzeit - längst überholt sind. Weil viele Menschen dem nicht gerecht werden (können oder wollen), aber auch, weil die Rahmenbedingungen der Arbeitswelt (die man vielleicht selbst gar nicht mehr so nennen sollte) immer poröser werden. Zu den FDP-Forderungen gehört es beispielsweise, die Möglichkeit des Übergangs zwischen verschiedenen Beschäftigungsformen stärker ins Kalkül zu ziehen. Heute ist man entweder angestellt oder selbstständig, ein fluider Wechsel zwischen den Formen wird durch systemische Zwänge meist erschwert. Wer selbstständig wird, zahlt bei der Kranken- und Rentenversicherung einen hohen Preis. Umgekehrt haftet der Selbstständigkeit aus Arbeitgebersicht immer noch die Aura an, es hier mit absoluten Solo-Playern zu tun zu haben, die eher nicht teamfähig sind. Ich finde es gut, dass die FDP hier versucht, eine Diskussion anzustoßen. Es sollte aber eine werden, die nicht allein in ökonomischer Verwertungslogik denkt, sondern auch berücksichtigt, dass Leben sich frei entfalten möchte. Welche Lebensläufe wir wohl hätten, wenn wir nicht mehr in Kategorien wie Angestelltenverhältnis oder Selbstständigkeit denken? Wenn es nicht primär um Geldverdienen geht, sondern darum, unser Leben zu gestalten?
Zickzack-Lebensläufe werden Normalität, FAZ 3.5.18

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Funktioniert Leben ohne Geld? 
Mittwoch, 9. Mai 2018 - Lebensart, Arbeit
Die Zeit hat in einem spannenden Beitrag Menschen portraitiert, die versuchen, ohne Geld zu leben. Gerade in der jungen Generation zeigt sich hier seit einigen Jahren ein Umdenken. Der Lebensstandard der Eltern oder der Mehrheit der Gesellschaft wird für viele Junge nicht mehr automatisch zum Maßstab dessen, was sie erstreben. Und ihre Lebensexperimente sind nicht allein eine Absage an Arbeit, Geldverdienen oder den Kapitalismus. In den Beweggründen der Menschen, die die Zeit vorstellt, kommt auch zum Ausdruck, dass sie das Leben selbst von neuen Seiten aus denken. Was möchte ich gerne tun? Was möchte ich erleben? Mit welchen Menschen möchte ich zusammensein? Fragen wie diese stehen oft am Anfang der Entscheidung, das eigene Leben nicht mehr hauptsächlich von der Notwendigkeit des Geldverdienens aus zu zu denken. Das Interessante an diesem Perspektivwechsel: Das, was wirklich notwendig ist, sei es ein Dach über dem Kopf, ein Platz zum Schlafen, Kleidung oder das tägliche Essen, lässt sich auf vielen Wegen erreichen. Ich finde Biographien, die von solch einer anderen Seite kommen, immer spannend, weil sie den Schleier des zutiefst Gewohnten lüften. Wenn ich mich frage, wie ich an eine warme Malzeit komme, ohne sie selbst zu kaufen, wird mein Leben weiter, weil meine Phantasie gefragt ist. Ich möchte die Experimente aus dem Zeit-Artikel keinesfalls glorifizieren. Aber mir wird bewusst, wie spannend es ist, einfach mal, uns sei es zunächst vielleicht nur im Geiste, die ausgetretenen Pfade zu verlassen.
Geld? Brauch ich nicht! zeit.de 1.5.18

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Sind wir auf dem Weg in eine Techno-Sklaverei? 
Dienstag, 8. Mai 2018 - Bewusstsein, Arbeit
Die Digitalisierung durchpflügt unsere Vorstellungen der Arbeitswelt und lässt keinen Stein auf dem anderen. Das schafft viele neue Chancen, aber auch Ängste. Der DGB äußerte kürzlich wieder Bedenken zur sich ausweitenden "Plattformökonomie". Laut Gewerkschaft verdienen sich schätzungsweise zwei Millionen Deutsche bereits durch von digitalen Plattformen vermittelte Jobs ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise. So entsteht ein neuer Arbeitsmarkt, der sich den Reglementierungen des Arbeitnehmerschutzes entzieht, schlicht weil für diese neuen Konstellationen keine passenden Gesetze existieren. Der DGB fordert deshalb, hier nachzuregulieren, um die Crowdworker besser zu schützen. Vielleicht ist aber auch eine wesentliche Frage, die öfter gestellt werden sollte, wie wir insgesamt faire Lebensverhältnisse möglich machen können. Das übliche Regulierungsdenken versucht oft schlicht, Strukturen aufrechtzuerhalten, die man vielleicht besser gleich mit hinterfragt. Was wäre, wenn wir kein Geld verdienen müssten, um unsere Existenz zu sichern? Das ist keine Frage, die nach einer endgültigen Antwort strebt. Sie öffnet vielmehr unser gewohntes Denken. Arbeitsverhältnisse müssten dann nicht mehr reguliert werden, weil sie mit einer menschlichen Freiheit konfrontiert wären, die dieser Art des Schutzes nicht bedarf. Vielleicht zeigt sich hier der Unterschied zwischen politischem Denken und der Fähigkeit zur Vision. Und damit auch ein Dilemma von Politik, wenn sie nur im Gegebenen denkt, nicht aber darüber hinaus.
DGB-Chef warnt vor "moderner Sklaverei", zeit.de 28.4.18

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