Nur jeder Dritte schaltet im Urlaub völlig ab 
Freitag, 6. Juli 2018 - Studien, Arbeit, Management
Im Urlaub völlig offline gehen und für die Belange der Arbeit nicht erreichbar sein? Laut einer Umfrage des Online-Netzwerks Xing tut das nur jeder dritte Befragte. Jeder Zehnte ist im Urlaub hingegen immer erreichbar. 17 Prozent checken gelegentlich, ob für den Job was zu tun ist, 37 Prozent sind in Ausnahmefällen ansprechbar. Erreichbarkeit, das bedeutet für zwei Drittel, dass sie mindestens ein Mal am Tag ihre Mails checken, ein gutes Drittel macht das sogar mehrmals. Na dann, schöne Ferien!
Zwei von drei Mitarbeitern sind für die Firma erreichbar, Manager Magazin 18.6.18

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Licht und Schatten des Psychobooms 
Donnerstag, 5. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wie sehr die Psychologisierung der letzten 50 Jahre unser Selbstverständnis heute prägt, ist wohl den wenigsten wirklich bewusst. Mal schnell zum Coach gehen, um eigene Schwächen zu analysieren und zu überwinden, oder zum Psychologen, wenn unsere Gemütsstimmung über längere Zeit düster ist, das ist für viele heute ganz alltäglich. Noch ein, zwei Generationen früher wäre das nicht denkbar gewesen. Der Psychoboom der letzten Jahrzehnte hat viel in unserem Menschsein geöffnet. "Verfahren des Psychobooms schließen in ihr Vorgehen Existenz- und Sinnfragen mit ein. Spiritualität ist in den meisten Ansätzen der humanistischen Therapien ein wichtiges Thema. Auch in der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie ist in den letzten Jahren ein 'spiritual turn' zu bemerken", heißt es in einem Dossier der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Doch diese verstärkte Zuwendung zur Tiefendimension unseres Daseins hat auch Kehrseiten: "Der Psychoboom hat durch die Ideologisierung therapeutischer Methoden zu einer teilweise übertriebenen Therapeutisierung des Alltags geführt. Störungen wie Depression, posttraumatische Belastungsstörung, Burn-out oder Narzissmus scheinen sich epidemieartig verbreitet zu haben und werden zum Teil immer noch eilfertig und undifferenziert diagnostiziert." Im Territorium zwischen oft notwendiger Heilung und Heilsversprechen wird der Boden leicht dünn. Ich finde es spannend, sich zu vergegenwärtigen, dass der Siegeszug des Psychischen uns einerseits als Menschen wachsen lässt, aber auch die Gefahr des übertriebenen Selbstbezugs in sich birgt. Und dass die Beziehung zu unserer Innenwelt uns für Größeres wie Spiritualität öffnen kann, uns aber auch anfällig dafür werden lässt, diese Dimension des Unverfügbaren mit unseren ganz persönlichen, kleinen Wünschen zu vermengen.
Dossier Psychoboom

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Die Gefahren unserer technologiegetriebenen Selbstüberschätzung 
Mittwoch, 4. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
"Wir werden zu Göttern", sagt der Historiker Yoval Harari, aber das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk spricht er über die neue Reichweite, die unser menschliches handeln durch Technologie erreicht: "Götter schaffen normalerweise das Leben, so ist es in den ersten Kapiteln der Bibel. Und das haben wir uns jetzt angeeignet. Und im 21. Jahrhundert schaffen wir plötzlich Körper, Gehirne und Seelen. Das heißt, wir stellen menschliche Wesen her, ob das nun Tiere sind, Menschen oder ganz neuartige Wesen, die es bisher auf der Welt noch gar nicht gab." Harari sieht dabei nicht nur die Gefahr, dass wir, was unsere Verantwortungsfähigkeit angeht, dieser neuen Macht vielleicht nicht gerecht werden. Er warnt auch davor, dass wir vielleicht schon kurz vor einem Umkehrpunkt stehen, an dem unsere Schöpfungen beginnen könnten, über uns zu herrschen. "Und wir sind sehr nahe dran, dass uns gewisse Algorithmen besser kennen, als wir Menschen uns selber kennen. Und dann verschiebt sich die Kontrolle des menschlichen Lebens von Menschen auf Algorithmen", sagt er. Das mag wie Science Fiction klingen, doch liegt ein wunder Punkt auch in der Tatsache, dass wir in vielen alltäglichen Lebenshandlungen schon unsere Eigenverantwortung an Technologie delegieren: "Wir Menschen haben ja schon sehr viele Dinge outgesourct sozusagen, übergeben an Algorithmen, sehr viele Fähigkeiten, die wir früher selbst ausgeübt haben. Wenn es beispielsweise darum geht, sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden, also was die ganzen Navis angeht. Heute schauen wir auf unser Handy oder auf einen Navi, und nur noch so bewegen wir uns durch die Welt." Dort, wo wir immer weniger aus eigenen Kräften schöpfen, liegt es natürlich im Bereich des Möglichen, dass diese Kräfte irgendwann stärker sind als wir selbst. Ich finde den umgekehrten Blickwinkel spannend - zu erkennen, dass wir unsere menschliche Freiheit allein dadurch wahren können, dass wir in Freiheit handeln.
"Wir werden zu Göttern, aber zu sehr unverantwortlichen", Deutschlandfunk Kultur 27.6.18

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Starker Ich-Bezug kann Zeichen für Labilität sein 
Dienstag, 3. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Ein starker Ich-Bezug wird gewöhnlich vor allem mit eher narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen assoziiert. Er kann allerdings auch auf die Labilität eines Menschen hindeuten. Eine amerikanische Studie mit knapp 4.800 Probanden zeigt: Menschen, die in persönlichen Berichten besonders häufig Pronomen der ersten Person benutzen (also ich, mein, mir, mich), sind psychisch labiler und depressiver als jene, die weniger dieser Bezüge knüpfen. Die Probanden hatten in der Untersuchung die Aufgabe, eine sehr emotionale und psychisch herausfordernde Situation in ihrem Leben zu beschreiben. Die Wissenschaftler ziehen aus den Ergebnissen ihrer Studie den Schluss, dass häufiges Ich-Sagen auf eine Neigung zu Ängsten, Unzufriedenheit und Unsicherheit hinweisen könne. Vielleicht ist es aber auch andersherum. Wer in herausfordernden Momenten vor allem das eigene, gebeutelte Ich als zentralen Bezugspunkt sieht, versinkt natürlich sehr leicht in Leid. Und das selbstbezügliche Vokabular verstärkt diesen Teufelskreis. Nur so ein Gedanke ...
Wer häufig "ich" sagt, ist labiler, spektrum.de 20.6.18

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25 Prozent machen einen Unterschied 
Montag, 2. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wo liegt die kritische Masse, bei der Minderheitenmeinungen auf einmal damit beginnen, Mehrheiten zu verändern? Eine Frage, die die Wissenschaft seit langem beschäftigt. In verschiedenen Studien hat sich bereits gezeigt, dass der Wert irgendwo zwischen 10 und 40 Prozent liegt - allerdings wurden hier gesellschaftliche Umschwünge immer erst retrospektiv analysiert. Eine amerikanische Studie mit experimentellem Setting, an der 200 Personen beteiligt waren, zeigt nun: Die Mehrheitsmeinung beginnt dann zu wanken, wenn 25 Prozent der Beteiligten eine andere, neue Perspektive vertreten. Das Experiment kann zwar die enorme Komplexität der gesellschaftlichen Realität nicht abbilden, gibt jedoch Hinweise darauf, dass Normen zu bröckeln scheinen, wenn ein Viertel der Menschen einer Gruppe einen Wandel propagiert.
Wann werden Minderheitsmeinungen mächtig? wissenschaft.de 7.6.18

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Führungskräfte arbeiten auch nur wie Normalangestellte 
Freitag, 29. Juni 2018 - Studien, Arbeit, Management
Top-Manager sind auch nur Menschen, zumindest wenn es darum geht, wie viel sie arbeiten. Eine Studie der Harvard Business School hat das Arbeitspensum von 27 großen und überwiegend börsennotierten Unternehmen untersucht und kommt zu dem Schluss, dass die großen Bosse auch nicht so viel mehr tun als viele Angestellte. Sie kamen an Wochentagen auf eine durchschnittliche Arbeitszeit von 9,7 Stunden (arbeiteten allerdings an den Wochenenden auch etwa vier Stunden pro Tag). Das funktioniert anscheinend vor allem deshalb, weil die Management-Ebenen unter ihnen die Racker-Jobs machen. Die Chefs jedenfalls hatten laut Studie genügend Muße, um auf sieben Stunden Schlaf zu kommen. Den werden sie auch brauchen, bei durchschnittlich 37 Meetings pro Woche.
Top-Manager opfern auch nicht mehr als andere, SZ 22.6.18

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Mut zur Lücke im Kalender 
Donnerstag, 28. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Zeitmanagement ist etwas für Anfänger, möchte man meinen, wenn man dem Marketing-Strategen und Publizist Ryan Holiday zuhört. Durchgetaktete Tage (oder gar Wochen und Monate) sind ihm ein Graus. Und so tut er alles, um Termine zu vermeiden. "Man kann nur eine gewisse Anzahl an Stunden seines Tages anderen Menschen überlassen, bis keine mehr übrig sind. Selbst wenn ein paar Minuten übrig bleiben, kann es sein, dass man die Klarheit, die Energie und die Fähigkeit verloren hat, sie zu nutzen", sagt Holiday. Er lebt nach der Devise der "Kalendermagersucht", was heißt, dass er zu fast allen Angeboten, die seine Zeitautonomie beanspruchen, einfach Nein sagt. Dabei ist er nicht faul oder unproduktiv. "Wenn ich gefragt werde, wie es mir gelingt, so viel zu schreiben, ist meine Magersucht die Antwort. Auch wenn es darum geht, wie ich es schaffe, eine gesunde Beziehung zu führen, Sport zu treiben und zu lesen. Anders wäre es für mich nicht möglich, mich in meine Arbeit zu vertiefen und kreativ zu sein", erzählt er. Selbstbestimmung kann eben beim Kalender anfangen.
Ich habe heute leider keine Zeit. Morgen und in einem Monat auch nicht, zeit.de 20.6.18

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Die Selbstoptimierungskultur im Hipster-Business 
Mittwoch, 27. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Cool, effizient und dabei total gechillt - so sehen sich Start-ups gerne. Ein Bericht im Business Insider hat einen Blick hinter die Kulissen des Hipster-Business Prima State geworfen. Die Firma verkauft Nahrungsergänzungsmittel und entwickelt diverse Programme zur Selbstoptimierung. Logisch, dass man da im eigenen Unternehmen gleich damit anfängt. Kollektive Kurz-Workouts stehen bei Primal State ebenso auf dem Programm wie das supergesunde, ebenfalls kollektive Mittagessen. Um die Produktivität zu boosten, gibst vor den fokussierten Arbeitsphasen noch schnell die einminütige Mikro-Meditation für alle. Ach ja, und falls die Leistungskurve zwischendurch mal sinkt, schnell einen Bulletproof Coffee tanken (mit Butter und Kokosöl). Mir kommt da eigentlich nur eine Frage in den Sinn: Geht's noch?
Ein Tag im wahrscheinlich produktivsten Büro Deutschlands, Business Insider 16.6.18

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