Wenn das Digitale das Leben übernimmt 
Montag, 27. August 2018 - Bewusstsein, Lebensart
Menschen unter 30 sind im Schnitt täglich vier Stunden online. Man kann sich fast fragen, wie viel Zeit da noch für das "richtige" Leben bleibt. Vielleicht sollten wir uns aber auch öfter fragen, was aus diesem analogen Leben eigentlich wird, wenn wir ihm immer mehr vermittelt durch digitale Tools begegnen. In einem Interview mit der Zeit erklärt der Computerwissenschaftler David Levy, wie selbst im Silicon Valley immer mehr Skeptiker der Tech-Blase das Wort ergreifen und auf die Gefahren des überdigitalisierten Lebens hinweisen. In Zeiten, in denen Apps bewusst so programmiert werden, dass sie möglichst süchtig machen (Unternehmen würden eher sagen, dass sie eine starke Nutzeraffinität erzeugen), geht es aber um mehr als Technologie-Kritik. Niemand zwingt uns, all diese Tools zu nutzen. Und doch leben viele in dem Gefühl, ohne sie nicht zu können. "Wir sollten uns nicht länger nur über die neuesten Features des iPhones begeistern oder darüber, was man alles Tolles mit seinem Telefon anstellen kann. Stattdessen sollten wir uns fragen: Was macht ein erfülltes Leben aus? Technische Geräte können uns in mancher Hinsicht dabei helfen, ein solches zu führen. Sie können uns aber auch daran hindern", sagt Levy. Es braucht allerdings auch eine gewisse Seelenstärke, um das eigene Leben weniger an den digitalen Welten auszurichten, denn diese sind längst wesentlicher Teil des Soziallebens. "Es ist ein häufig übersehener Aspekt, dass der Entschluss, weniger online zu sein, auch soziale Auswirkungen hat. Darüber muss man seine Freunde entweder aufklären, oder es bedarf einer Vereinbarung. Wir treffen Entscheidungen über unser digitales Verhalten nämlich nicht in einem Vakuum, es geht nicht nur um unser persönliches Verhältnis zu unseren Geräten. Veränderungen haben stets auch Auswirkungen auf unser Umfeld", erklärt Levy. Meine Generation hat noch ein Gefühl für die Unterschiede, die die Digitalisierung ins Leben bringt, denn wir kennen noch die Zeit "davor". Wie mag es den so genannten Digital Natives gehen, die mit der Möglichkeit zu permanenter Kommunikation und ständigem Inhaltskonsum aufwachsen? Es ist Zeit für eine größere kulturelle Diskussion ...
"Erstmals geben Tech-Leute zu: Wir haben ein echtes Problem", Zeit.de 17.7.18

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Auch Selbstorganisation folgt Regeln 
Freitag, 24. August 2018 - Arbeit, Management
Selbstorganisation mag für viele Führungskräfte ein Schreckgespenst sein, wenn sie hinter dem Prinzip vor allem eine subtilere Form der Anarchie vermuten. Ein Beitrag in der FAZ zeigt, dass auch agile Führung nicht auf Regeln verzichtet - sie setzt allerdings andere und schafft andere Umgebungen als hierarchische Führung. Autorität wird dann zum Beispiel "verteilt" und liegt in einzelnen Fragen bei denjenigen, die die momentane Kompetenz im jeweiligen Kontext haben. Transparenz ersetzt Kontrolle, mit dem Hintergedanken, dass alles, was in die gemeinsame Sichtbarkeit kommt, auch in diesem größeren Rahmen ausbalanciert wird. Außerdem lebe Selbstorganisation von "evolutionärem Lernen". Statt langfristiger Prognosen und festgezurrter Routinen wird jede Arbeitserfahrung zum Input für einen Lernprozess und entwickelt so die Fähigkeiten innerhalb des Arbeitssystems weiter. Dann spielt noch der Zweck der Organisation eine wesentliche Rolle. Damit meinen die Vertreter des Ansatzes nicht unbedingt Börsenwerte oder Bilanzen, sondern auch den Sinn, den ein Unternehmen stiftet. Und dieser Sinn entsteht auch im kollektiven Aushandeln. In der Gesamtschau wird deutlich, wie viel Selbstorganisation dem Einzelnen und dem System im Ganzen abverlangt. Wo die frühere Top-Down-Führung vor allem durch starre Regeln und nicht selten Verordnungen geprägt und auch gehalten ist, setzt Agilität sehr viel mehr gelebte und intrinsisch gewachsene Verantwortlichkeit voraus. Allein diese Voraussetzung zu schaffen, ist schon ein Projekt für sich.
Selbstorganisation braucht klare Regeln, FAZ 16.7.18

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Helfen Rituale bei der Verhaltensänderung? 
Donnerstag, 23. August 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Es klingt bizarr, stimmt aber: Wer sein Essen, bevor er es zu sich nimmt, klein schneidet, symmetrisch auf dem Teller anordnet und anschließend dreimal mit Messer und Gabel auf die Speisen klopft, nimmt anschließend weniger Kalorien zu sich als jemand, der sich einfach nur vornimmt, achtsam zu essen. Was klingt wie ein magisches Experiment, war Teil einer Studie von Wissenschaftlern der Shanghai University of Finance and Economics, die die Wirkung von Ritualen auf Verhaltensänderungen untersuchten. Das schräge Beispiel legt nahe, dass selbst solche eher sinnfreien rituellen Vorgehensweisen etwas im menschlichen Bewusstsein zu verändern scheinen. Untersucht wurde allerdings nicht, ob es bestimmte Formen von Ritualen gibt, die effektiver sind als andere. Mir kommt bei dieser Untersuchung in den Sinn, dass Rituale, selbst wenn sie so absurd sein mögen wie in diesem Beispiel, schlicht übliche und damit unbewusste Routinen durchbrechen. So öffnet sich womöglich ein Achtsamkeitsfenster, in dem es leichter wird, neue Verhaltensweisen zu erproben.
Rituale stärken die Selbstkontrolle, spektrum.de 18.7.18

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Veggie für alle? 
Mittwoch, 22. August 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Wo die Grünen vor einigen Jahren noch mit einem Sturm kollektiver Entrüstung zu kämpfen hatten, als sie die Einführung eines vegetarischen Tags in Deutschlands Kantinen auf ihre Agenda setzten, zeigt der CoWorking-Space Anbieter WeWork nun, wie das geht. In einer E-Mail verkündete das amerikanische Unternehmen seinen 6.000 Mitarbeitern, dass sie, wenn sie künftig Fleisch essen möchten, dies selbst bezahlen müssten, und es auch bei Firmenveranstaltungen nur noch vegetarisches Essen geben werde. Begründet wird der Schritt auch damit, den CO2-Fußabdruck des Unternehmens reduzieren zu wollen. "Zum Produkt von WeWork gehört ein bestimmter Lebensstil und dazu passt die fleischlose Ernährung, mit der die Umwelt geschützt werden kann, sehr gut", so die Arbeitsoziologin Kendra Briken in einem Interview mit Zeit online. Zwar kritisiert sie den typischen Top-Down-Ansatz, mit dem die Idee durchgesetzt wird, sieht aber auch, dass in kulturellen Umfeldern, die solchen Ideen gegenüber positiv eingestellt sind, ein Vorstoß wie dieser auch in einen fruchtbaren Kontext fällt: "Die Mitarbeiter, wie auch die Kunden, auf die WeWork zielt, sind Teil einer hochqualifizierten, urbanen Elite. Man kann davon ausgehen, dass sie sich sowohl mit der eigenen Ernährung als auch mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen. In diesem Fall kann so eine Top-Down-Entscheidung sich sogar positiv auswirken. Mitarbeiter wie Kunden identifizieren sich mit dem Unternehmen und sagen: Wir arbeiten für eine gute Firma; wir nutzen einen ethisch wertvollen Service. Es motiviert Mitarbeiter, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Unternehmen gute Werte vertritt. Nach außen wirkt diese Entscheidung als Employer Branding: Wer sich jetzt bei WeWork bewirbt, bewirbt sich dort auch, weil er die fleischlose Kantine gut findet." Und doch schwingt in ihrer Einschätzung auch eine darüber hinausgehende Perspektive mit, denn Aktionen wie vegetarische Kantinenverpflegung sind einfach umzusetzen und verlangen Unternehmen vergleichsweise wenig ab. Ein bisschen Populismus mag also durchaus im Spiel sein. Interessant ist aber auch, dass Briken darauf verweist, wie sehr sich die Kultur seit dem gescheiterten Vorstoß der Grünen in den letzten Jahren verändert hat. Heute ist Vegetarismus schon viel salonfähiger. Die Frage der Bevormundung liegt natürlich in der Luft, zumal zwischen Angestellten und ihrem Arbeitgeber ein Abhängigkeitsverhältnis besteht. Ich bin da auch hin- und hergerissen. Fleischkonsum wird immer mehr zu einem eher unverantwortlichen Lebensstil - und doch würde ich mir wünschen, dass Vegetarismus mehr aus der Einsicht heraus um sich greift als von oben verordnet. Und doch trägt die Initiative von WeWork auch dazu bei, das Thema weiter in der breiteren Öffentlichkeit zu etablieren.
Für immer Veggie-Day, Zeit online 19.7.18

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4-Tage-Woche stärkt Work-Life-Balance und Produktivität 
Dienstag, 21. August 2018 - Studien, Arbeit, Management
Weniger arbeiten, mehr Freizeit haben - für viele Beschäftigte ist das durchaus ein Wunsch, allerdings einer, der sich nur schwer erfüllen lässt. Doch immer mehr Experimente von Arbeitgebern zeigen, dass Verkürzungen der Arbeitszeit sich selbst bei vollem Lohnausgleich in mehrfacher Sicht lohnen könnten. Die Fondsgesellschaft Perpetual Guardian aus Neuseeland etwa testete mit ihren 240 Angestellten, was geschieht, wenn die Mitarbeiter nur vier statt bisher fünf Tage arbeiten. Ein Forscherteam begleitete den Versuch. Dabei kam Überraschendes zu Tage. Trotz geringerer Arbeitszeit gab es keinen Rückgang in der Produktivität. Hatten sich vor dem Experiment 54 Prozent der Angestellten zufrieden mit ihrer Work-Life-Balance gezeigt, waren es während des Experiments 78 Prozent. Die Fondsgesellschaft möchte deshalb das Experiment zum dauerhaften Arbeitssetting werden lassen.
Unternehmen will Vier-Tage-Woche dauerhaft einführen, welt.de 18.7.18

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Ein bisschen LSD und es läuft im Job? 
Montag, 20. August 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Seit einiger Zeit geistert ein neuer Trend durch Internet und Arbeitswelt - das so genannte Microdosing mit LSD. Arbeitende nutzen Minimal-Dosen der psychogenen Substanz, um im Job wacher, kreativer und kommunikativer zu sein. Die Zeit beispielsweise veröffentlichte kürzlich einen Erfahrungsbericht eines LSD-Users. "Ich kann befreiter denken", sagt er. Und: "Mit Microdosing hörte das Grübeln auf. Man macht einfach mal, ist fokussierter und motivierter." Aber es sind nicht nur diese nutzenorientierten Effekte, die Anwender schätzen. "Ich wurde wacher und glücklicher. Es hat sich belebend angefühlt", heißt es in dem Zeit-Bericht. LSD in Microdosierungen scheint ein Versprechen in sich zu tragen. Anscheinend geht es Usern nicht nur um Selbstoptimierung im Dienste der um sich greifenden Leistungskultur, sondern sie sind auch auf der Suche nach einem Wohlgefühl, zu dem sie auf eher konventionellen Wegen nicht zu finden scheinen. Dahinter scheint eine größere kulturelle Frage zu stehen, nämlich wie wir Zugang zu diesen tieferen Schichten unseres Menschseins bekommen können, von denen etwas in uns anscheinend auch, wenn sie abwesend sind, weiß, dass sie existieren. LSD mag diese Erfahrung auf Knopfdruck zugänglich machen. Womöglich gibt es aber auch andere Wege, die sich auftun, wenn wir die Sehnsucht nach Erfahrungen wie diesen ernst nehmen und mit anderen teilen.
"LSD macht mir den Kopf frei", Zeit online 16.7.18

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Sommerzeit - Ferienzeit 
Montag, 30. Juli 2018 - sonstiges
think.work.different macht Ferien. Ab 20. August sind wir wieder mit frischen News für Sie da! Wir wünschen Ihnen eine schöne Sommerzeit!

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Tiefere Beziehung zur Arbeit entscheidet über Stress 
Freitag, 27. Juli 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
In Anbetracht einer Flut von Stress-Studien und zunehmender psychischer Erkrankungen stellen immer mehr Experten die Frage, ob es nicht besser wäre, Arbeitszeiten zu verkürzen. Andere Studien weisen indes darauf hin, dass es oft gar nicht die Menge der Arbeitsstunden ist, die Angestellte in die Knie zwingt, sondern die tiefere Beziehung, die sie zu ihrer Arbeit haben. Eine kanadisch-amerikanische Studie, die die Befindlichkeit von mehr als 700 Arbeitenden untersuchte, beispielsweise kommt zu dem Schluss, dass es jenen im Job am Schlechtesten geht, die ihn eigentlich gar nicht mögen. Betrachtet wurden für die Studie gesundheitliche Faktoren, die geleistete Arbeitszeit sowie die innere Beziehung, die Menschen zu dem, was sie tun, haben. Wer sich gefühlsmäßig im Job nicht wohl fühlt, profitiert demnach auch nicht davon, wenn er seine Arbeitszeit reduziert. Umgekehrt stemmen jene, die das, was sie machen, lieben, auch ein hohes Arbeitspensum ohne psychische oder körperliche Einbußen.
Stress ist Ansichtssache, WiWo 11.7.18

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