Wie Stille erschüttern kann 
Montag, 28. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Vielleicht hat der eine oder die andere seinerzeit den Film "Die große Stille" von Philip Gröning im Kino gesehen, ein phantastischer dreistündiger Epos, der einen tief hineinzieht in den Frieden und die Offenheit, die sich auftun, wenn Räume zwischen einmal nicht ständig mit etwas gefüllt werden. Psychologie heute sprach mit Gröning über seine Erfahrungen, die er während der Dreharbeiten in dem Kloster machte. Seine Antworten zeigen: Stille kann uns zutiefst erschüttern - und das fühlt sich anfangs nicht immer gut oder gar wunderbar an. "Am Anfang war da eine ziemliche Verzweiflung. Man ist ja wahnsinnig gewohnt daran, zu kommunizieren und viele Dinge aufzunehmen. Da war bei mir erst einmal eine große innere Leere und auch eine große Trauer. Und dann, nach ein paar Wochen, hat sich die Wahrnehmung geöffnet für das, was eigentlich das Wunderbare der Gegenwart ist: Wie ist das Licht, wie verändern sich kleine Pflanzen, wie sind die Wolken?", erzählt der Regisseur. Über die Zeit erlebte Gröning einen fundamentalen Perspektivwechsel: "Die Stille wurde mir immer wichtiger. Ich war immer dankbarer für die Momente, in denen ich weder drehen noch zu einer Messe musste, sondern einfach nur da sein konnte und sehen, wie die Zeit vergeht. Das Irre an der Stille ist die Veränderung der Wahrnehmung. Du kommst in die Lage zu sagen: Durch diesen Stein, den du beim Spazierengehen gefunden hast, kannst du hindurchsehen bis zur Schöpfung der Welt." Es ist eine neue Intimität mit dem Leben, die hier aufscheint - und die uns im so geschäftigen Alltag schlicht entgeht. Mich hat an dem Interview berührt, wie weit unsere menschliche Wahrnehmung werden kann. Es ist eine Einsicht in das Leben jenseits aller Vorstellungen, eine Einsicht, die sich nicht "machen" lässt. Meditation kann einen Weg in diese Weitung ebnen, aber nicht auf Knopfdruck. Ich erlebe manchmal in längeren Retreats ähnliches - nach Tagen des Sitzens in Stille bricht etwas auf. Man erblickt etwas, das immer schon da war, aber irgendwie auch unzugänglich. Und man ahnt, wie klein man das Leben gewöhnlich hält. Manchmal würde ich mir wünschen, dass der gegenwärtige Achtsamkeits-Hype sich auch diesen Dimensionen mehr zuwendet. Das ist allerdings unbequem, denn es braucht Zeit und Hingabe. Und doch scheint gerade, wenn man sich der Stille wirklich intensiv zuwendet, das Leben erst so richtig auf.
"Sehen, wie die Zeit vergeht", Psychologie heute 12.12.18

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Meditations- und Bewusstseinsforschung online 
Freitag, 25. Januar 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Wissenschaft
Im Kontext des Kongresses Meditation & Wissenschaft, der seit 2010 bereits fünf Mal in Berlin stattgefunden hat, ist eine umfangreiche Dokumentation zentraler Entwicklungen der Bewusstseinsforschung entstanden, die nun auch komplett online zugänglich ist. Beiträge von Vorreitern wie Jon Kabat-Zinn, Richard Davidson, Tania Singer, Thomas Metzinger, Thilo Hinterberger, Harald Walach, Ulrich Ott, Stefan Schmidt und vielen anderen, die die Wirkung von Meditation in Medizin und Therapie sowie der Arbeitswelt beleuchten, sind hier als Einzeldownloads oder Kollektionen erhältlich. Die Beiträge des ersten Kongresses 2010 stellen die Veranstalter auf ihrer eigenen Webseite zum kostenlosen Download bereit, außerdem ist der Vortrag von Gert Scobel zum Thema »Paradoxien der Meditation - Über Weisheit und Wissenschaft, säkulare Ethik und Fiktion« vom Kongress 2018 frei erhältlich.
Video-Archiv zum Kongress Meditation & Wissenschaft


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Zu wenig Schlaf wird schon in der Jugend antrainiert 
Donnerstag, 24. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Das Schlafbedürfnis ist etwas sehr Individuelles. Manche Menschen sind bereits nach nur fünf Stunden Bettruhe wieder fit (allerdings realistischerweise deutlich weniger, als dies von sich behaupten), andere brauchen neun Stunden Schlaf pro Nacht, um ausgeruht zu sein und gesund zu bleiben. Eine Studie der DAK über den Schlaf von Schülern lässt ahnen, wohin die Reise gesellschaftlich und kulturell geht, wenn wir von der Bedeutung des Schlafs sprechen. Die Erhebung zeigt, wie schon junge Menschen in wenigen Jahren Muster des zu wenig Schlafens entwickeln. Fünftklässler verbringen noch 9,4 Stunden pro Nacht im Bett, bei den Zehntklässlern sind es nur noch 7,3 Stunden. Freizeitbeschäftigungen wie (digitaler) Medienkonsum sind hier nicht unschuldig. Wohin aber führt es, wenn schon in diesem Alter das natürliche Schlafbedürfnis ignoriert wird? Studien zeigen immer wieder, dass kontinuierlich zu wenig Schlaf auch die Gesundheit beeinträchtigt. Und das Schülerdasein mit seiner Pflicht zum frühen Aufstehen ist ja nur der Anfang, denn in der Arbeitswelt setzt sich dieser Trend fort. Vielleicht bin ich bei diesem Thema so sensibel, weil ich zu jenen gehöre, die dauerhaft nur mit mindestens acht Stunden Schlaf pro Nacht wirklich in Form sind - und weil ein Großteil meiner Umgebung anderen Gepflogenheiten nachgeht, ist es für mich immer besonders schwer, zu diesem Bedürfnis zu stehen und ihm auch nachzukommen. Ich würde mir wünschen, dass wir unser Leben mehr unter dem Gesichtspunkt betrachten (und natürlich leben!), was uns insgesamt auf Dauer gut tut - und weniger von dem ausgehen, was grundsätzlich möglich, aber auf Dauer eben auch schädlich ist. Mich würde zum Beispiel einmal sehr interessieren, welchen ursächlichen Zusammenhang es zwischen kontinuierlichen Schlafdefiziten und psychischen Erkrankungen, Erschöpfung und Depression gibt. Diese Probleme einfach als "psychisch" zu betrachten und damit in gewisser Weise rational begründbaren Kausalitäten zu entziehen, könnte Teil einer kulturell nicht dienlichen Entwicklung sein.
Deutschlands Schüler schlafen zu wenig, FAZ 16.1.19

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Machen gelebte Werte uns humorlos? 
Mittwoch, 23. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Humor ist, wenn man trotzdem lacht - wer kennt ihn nicht, diesen Spruch? Humorlose Menschen betrachten wir dagegen gerne als etwas moralinsauer. Was sagt uns das über die Werte, denen wir uns verbunden fühlen? Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine Studie der Universitäten in Singapur und Washington, bei der untersucht wurde, in welcher Beziehung der Humor von Menschen zu ihren Werten steht. Die Untersuchung zeigt: Menschen finden Witze immer dann besonders lustig, wenn sie moralische Tabus berühren. Anders ist das jedoch bei jenen, deren Wertesystem besonders tugendhaft ist. Sie finden, über solche Tabubrüche solle man nicht lachen - und sie tun es selbst auch nicht. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass diese Gruppe insgesamt eher humorlos zu sein scheint, da es ihr auch nicht liegt, tabufreie Witze zu machen. Was mich an dem Beitrag unangenehm berührt hat, ist, wie er gegenüber dieser Humorlosigkeit stichelt. Das ist von "Auto-Spaßbefreiung" die Rede und von "ethischen Spaßbremsen". Im Umkehrschluss legt das nahe, dass wir nur lustige, fröhliche Menschen sein können, wenn wir gezielt Werte verletzen und unseren Spaß auf Kosten anderer haben. Der Artikel schließt mit dieser Folgerung: "Wer an sich selbst hohe ethische Standards anlegt, wandelt als impliziter moralische Vorwurf an alle anderen durch das Leben. Das provoziert Aversion, was sich durch ein paar grenzwertige Witze vielleicht aufbrechen ließe - wenn man denn darüber lachen könnte." Mein Einwand wäre, einfach mal nach anderen Wegen zu suchen, zu lachen. Und da gibt es viele, die ethisch einwandfrei sind.
Ethische Spaßbremsen, SZ 12.1.19

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Unsere Freiheit liegt in unseren Fehlern 
Dienstag, 22. Januar 2019 - Bewusstsein, Wissenschaft
In einem spannenden Interview mit dem Deutschlandfunk bringt der Philosoph Markus Gabriel neue Perspektiven in die Diskussion über Transhumanismus und künstliche Intelligenz. Gabriel plädiert dafür, menschliche Intelligenz nicht allein als Funktion von Logik zu betrachten. "Die Art und Weise, wie wir denken, besteht ja darin, dass wir häufig auch logische Fehler begehen. Das ist übrigens unsere evolutionäre Stärke, dass wir nicht perfekte logische Maschinen sind, sondern emotional abweichen und nur auf diese Weise überhaupt Relevanzkriterien in unser Leben bringen können. Die Logik ist eine normative Disziplin, die beschreibt, wie wir unter idealisierten Bedingungen denken sollten. So denken wir aber nicht. ... Unsere Abweichung von einem Ideal der Rationalität ist der Quotient unserer Intelligenz. Das heißt, ein IQ-Test misst, wenn man so will, gerade das Gegenteil von Intelligenz", sagt er. Dem steten Hang zur Optimierung, der durch die Digitalisierung befördert wird, hält er das Moment der menschlichen Freiheit entgegen. "Frei sind wir ja immer im Licht der Möglichkeit, dass wir auch anders handeln könnten. Freiheit hat ja etwas damit zu tun, dass wir von Normen abweichen können. ... Die Normabweichung ist die Manifestation unserer Freiheit. Ohne diese Abweichung, ohne den Bruch der Regel gäbe es gar keine Freiheit. Das heißt, unsere Fehler sind der Ort, an dem sich unsere Freiheit manifestiert", erklärt Gabriel. Die Argumentation macht offensichtlich, dass der Wahn zum digitalen Perfektionismus quasi versucht, ein wesentliches Merkmal des Menschseins auszuschalten, nämlich das Nichtperfekte, das Eigenwillige. Heute ist vieles in der Diskussion um künstliche Intelligenz bereits ein Akt der Selbstverteidigung des Menschlichen. Wir sollten endlich einen Schritt weiter gehen und ganz bewusst darüber sprechen, welche menschlichen Fähigkeiten und Wesenszüge wir als Unverfügbar, als Unantastbar setzen wollen. Ansonsten passen wir uns scheibchenweise einer Maschinenrealität an.
Ohne Bewusstsein keine Intelligenz, Deutschlandfunk Kultur 12.1.19

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Wie gehen wir mit menschlicher Verletzlichkeit um? 
Montag, 21. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die Zahl psychischer Erkrankungen ist seit Jahren im Steigen begriffen - die alljährlich höheren Zahlen, die die Krankenkassen veröffentlichen, belegen dies. Digitale Verfügbarkeit und wachsende Beanspruchungen im Arbeitskontext dürften zu den Gründen gehören, dass unsere Gesellschaft immer kranker wird. Bisher wird dies jedoch immer noch hauptsächlich als privates Problem gesehen, für das jede/r Einzelne selbst verantwortlich. Der Tagesspiegel bringt nun in einem Kommentar die breite gesellschaftliche Relevanz dieser Entwicklungen ins Spiel und macht die Entwicklungen zu einer übergreifenden Kulturfrage und zu einer Frage an die Politik. "Zwar ist die psychische Reaktion auf Umstände individuell und nicht von außen steuerbar, wohl aber sind die Umstände, die Stresserkrankungen auslösen, gesamtgesellschaftlicher und damit generalisierbarer Art – und damit gehören sie durchaus in den Verantwortungsradius der Politik", so Ariane Bemmer. Ihrer Ansicht sollte es nicht nur darum gehen, Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern. Eher müsse man ganz grundsätzlich fragen, wie die Gesellschaft im Ganzen den wachsenden Bedarfen an Selbstoptimierung, die an die Menschen herangetragen werden, konstruktiv begegnen könne. "Es scheint noch immer die klammheimliche Einstellung in dieser dem Bekunden nach am individuellen Wohl und Wesen orientierten Gesellschaft vorzuherrschen, dass, wer psychisch krank wird, eben zu schwach war, um mitzuhalten. Ein Weichei, bedauernswert, aber – tja, so isses. Diese Herablassung trifft nun ausgerechnet die Seele, also das, was den einzelnen Menschen viel mehr ausmacht als sein Skelett, seine Muskeln oder seine Innereien. Deren Erkrankungen aber wird mit Respekt begegnet und einem Hilfesystem, das breit aufgestellt und schnell verfügbar ist. Das ergibt eine Pointe, die eine beträchtliche Eiseskälte offenbart – die vermutlich niemand wirklich will", warnt Bemmer.
Die Politik reagiert hilflos auf die kranke Gesellschaft, Tagespiegel.de 2.1.19

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Auch die Stars meditieren fleißig 
Freitag, 18. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Der Meditations-Hype hat längst auch die Promi-Szene erreicht. In einem Artikel zum Thema "Glück kann man lernen" listet Gala gleich eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten auf, die meditieren, darunter Naomi Watts, Herzogin Meghan und Jessica Alba. Viele der Stars schwören auf Transzendentale Meditation. Man kann spekulieren, warum das so ist. Vielleicht schafft die Tatsache, dass man in TM nur von ausgewählten Lehrern eingewiesen wird und ein vermeintlich persönliches Übungsmantra erhält, einen Hauch von Exklusivität, der dem Habitus dieser Zielgruppe entspricht. Der Gala-Beitrag listet noch eine ganze Reihe von Luxus-Ressorts auf, in denen man sich, das entsprechende Kleingeld vorausgesetzt, in die Stille zurückziehen kann. Dort sind dann letztlich wieder alle gleich ...
Glück kann man lernen, Gala 6.1.19

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Sozialunternehmen sind sehr innovativ 
Donnerstag, 17. Januar 2019 - Arbeit, Management
Bei Sozialunternehmen denken viele immer noch mehr an den typischen Gutmenschen und weniger an Innovatoren. Eine Untersuchung der Förderbank KfW zeigt nun, dass die Start-ups, die mit ihrer Geschäftstätigkeit auch soziale Entwicklungen anzustoßen versuchen, sogar innovativer sind als konventionelle Start-ups. Ein Viertel der rund 154.000 Social Entrepreneurs, die untersucht wurden, entwickelte eigene technologische Innovationen bis zur Marktreife. Nur jeder achte Start-up mit konventionellem Geschäft kann das von sich sagen. Knapp ein Drittel der Sozialunternehmen bietet in ihrem Arbeitsfeld Marktneuheiten an. Die Untersuchung zeigt, dass soziales Unternehmertum nicht nur eine gesellschaftlich-kulturelle Dimension hat, die bemerkenswert ist. Beim Thema Innovation sind die Social Entrepreneurs ebenfalls in mancherlei Hinsicht dem konventionellen Business überlegen.
Unternehmen mit sozialem Schwerpunkt sind innovativer, Zeit 6.1.19

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