Schüchtern und glücklich in der Natur 
Donnerstag, 7. November 2019 - Lebensart
Sie sind eher schüchtern, hängen oft in der Sauna ab und im zweiten Jahr in Folge die glücklichste Nation der Welt. Die Rede ist von den Finnen und bescheinigt wird ihnen ihr Glück vom World Happiness Report. In einem Bericht des Deutschlandfunks wird deutlich, was eine mögliche Quelle dieser tiefen Zufriedenheit ist: die Natur. "Es mag sich vielleicht nach einem Klischee anhören, aber unsere Naturverbundenheit spielt eine große Rolle. Egal, was du machst, egal, wo du lebst: Innerhalb kürzester Zeit bist du draußen. In der Natur. Kannst abschalten", erklärt ein Finne in dem Beitrag. Und viele der weiteren befragten Vorzeige-Finnen stimmen ihm hier zu. Ich frage mich, ob das nur persönliches Empfinden ist, oder ob es nicht auch eine Rolle spielt, dass die Finnen sich hier kulturell sehr einig sind, denn neben dem Saunabesuch scheint das Draußensein für viele Finnen eine wesentliche Rolle zu spielen. Vielleicht bringt es insgesamt mehr Balance in ein kulturelles Feld, wenn man nicht allein immer wieder im Alltag nach kleinen Auszeiten suchen muss, sondern wenn dieses Relaxen fester Bestandteil einer gemeinsamen Kultur ist.
Das glücklichste Land der Welt, Deutschlandfunk 4.11.19

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Unmittelbare Bedürfnisbefriedigung hat oft gute Gründe 
Donnerstag, 7. November 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien
Jetzt sparen und an später denken oder das Stück Kuchen lieber liegen lassen, um nicht dick zu werden? Das Aufschieben der Befriedigung von Bedürfnissen oder gar der gänzliche Verzicht werden gerne mit innerer Stärke gleichgesetzt und mit intelligenter Lebensplanung. Doch unter bestimmten Umständen kann es vielleicht klüger sein, sich unmittelbar etwas zu gönnen. Eine neue Studie zeigt: Menschen ziehen kurzfristige Vorteile vor allem dann vor, wenn sie glauben, dass ihre Situation in der Zukunft ungünstiger sein wird. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass es aus der Sicht von sozial schlechter Gestellten oft sehr sinnvoll erscheint, das bisschen Geld, das sie haben, gleich auszugeben, oder früher Kinder zu bekommen. Denn wenn das eigene Leben als sehr fragil empfunden wird und die Zukunftsaussichten als wenig rosig, weiß man zumindest im Moment, was man hat.
Was vernünftig ist, ist relativ, spektrum.de 28.10.19

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Haben Sie noch ein Gespür für Ihre "Naturzeit"? 
Mittwoch, 6. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wann wir morgens aufstehen oder abends ins Bett gehen, ist uns oft von äußeren Faktoren vorgegeben, bei denen, die einer Arbeit nachgehen, vor allem von den regulären Arbeitszeiten. Wir mögen uns daran stoßen, dass wir morgens vielleicht noch nicht so recht wach sind oder, wenn wir zu den Frühaufstehern gehören, Meetings am frühen Abend lieber vermeiden, aber meist sind wir uns nicht bewusst, was diese Fremdtaktung wirklich für Körper, Geist und Seele bedeutet. Wir hechten einfach einer Anforderung nach der anderen hinterher. "Der menschliche Körper ist ein rhythmisches Instrument. Er repräsentiert Zeit, indem er mir anzeigt, wann ich aufnahmefähig und aktiv bin und wann müde. Die Uhr ist hingegen ein Taktinstrument und die Umstellung auf die Winterzeit bringt uns sozusagen aus dem Takt. Man könnte sie aber auch als eine Chance sehen, um wieder in den natürlichen Rhythmus zu kommen, den wir in den vielen Jahren, in denen wir nach der Uhr gelebt haben, verlernt haben", erlärtt der Zeitforscher Karlheinz Geißler in einem Interview mit der SZ. Doch selbst, wenn vieles an unserem Tagesrhythmus von außen vielleicht vorgegeben ist, können wir immer noch auf der Mikroebene wieder sensitiver werden für die Feinheiten unseres ganz persönlichen Zeitempfindens. Ein kleines Nickerchen, wenn man zwischendurch müde wird, kann da ebenso helfen, wie die Mahlzeiten auf Phasen zu verschieben, in denen man wirklich hungrig ist. Auch mit dem Schlafengehen ist das so eine Sache. Mal Hand aufs Herz - gehen Sie abends immer zeitnah ins Bett, wenn Sie sich müde fühlen? Oder ist der Krimi im Spätprogramm dann gerade so spannend, dass es noch ein halbes Stündchen länger sein muss ...Karlheinz Geißler rät dazu, sich mehr auf die Zeit der eigenen Natur zu fokussieren, denn: "Wenn ich von der Uhrzeit zur Naturzeit komme - also zu einem Rhythmus, der von meiner eigenen inneren Natur ausgeht oder der äußerlichen Natur - dann ist die Chance am größten, dass ich zufrieden bin."
"Den Einfluss der Uhr zurückdrehen", SZ 26.10.19

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Die Schattenseite der Positiven Psychologie 
Dienstag, 5. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, weiß der Volksmund. Die so genannte Positive Psychologie befeuert diesen Gedankengang. Unzählige Selbsthilfebücher weisen uns den Weg in ein glücklicheres Leben. Doch geht es hier längst nicht allein um unser privates Wohlergehen. Eher um ein Politikum. Das meint zumindest die Soziologin Eva Illouz. In einem Interview mit der NZZ deutet sie darauf, wie diese Fokussierung auf das Positive und die Betonung von Selbstverantwortlichkeit uns aus größeren Zusammenhängen herauslösen und anfällig machen für Manipulation. "Viele Arbeitgeber nutzen Methoden der Positiven Psychologie. Es ist ein effektiver Weg, um Leute zu kontrollieren und sie produktiver zu machen. Wenn die Leute für sich selbst und für alles verantwortlich gemacht werden, gibt es keinen Grund, warum sie bessere Arbeitsbedingungen fordern sollten", erklärt sie. Ähnlich kritisch sieht sie die sich wandelnde Rolle des Staates in diesem Spiel, denn privatisierte Glücksverantwortlichkeit führe da leicht in eine Selbstisolation: "Der Staat spielt nicht länger die Schlüsselrolle, indem er die Bürger befähigt, ihr Glück zu suchen, wie es in der amerikanischen Verfassung steht, sondern die Bürger müssen das allein tun, wie wenn kein Kontext und keine Institutionen existieren würden. Dieser Ansatz ist sehr erfolgreich und beeinflusst auch die Politik." Hinzu komme, dass der inhärente Zwang zum positiven Denken auch in eine seelische Abwärtsspirale münden könne: "An der Positiven Psychologie kritisiere ich, dass sie dazu führt, dass man sich für negative Gefühle schämt. Depression, Wut und Angst werden zu Gefühlen von Verlierern. Den Leuten wird vermittelt: Wenn ihr verletzt werdet, stimmt etwas nicht mit euch. Ihr müsst die Bedingungen eurer mentalen Gesundheit selbst schaffen. Glückspsychologie schafft ein neues Erfolgsmodell, das von der Fähigkeit zu positivem Denken abhängt." Interessant am Gesamtbild ist, wie man hier sehen kann, dass die positiven Seiten der Individualisierung so leicht in ihr Gegenteil kippen können.
"Glück ist ein Statussymbol geworden", NZZ 25.10.19

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Linke fordert Anti-Stress-Verordnung 
Montag, 4. November 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Stress ist inzwischen zur Krankheitsursache Nummer 2 geworden und damit häufiger als eine Erkältung. Eine Anfrage der Fraktion der Linken brachte zutage, dass psychische Leiden und Verhaltensstörungen seit 2008 um 144 Prozent zugenommen haben. Die Zahl der Krankheitstage stieg im gleichen Zeitraum um 71 Prozent. Auch andere Erkrankungsarten haben in ähnlichem Umfang zugenommen. Am Häufigsten erkranken Arbeitnehmer immer noch am Muskel-Skelett-System. Für die Linke deuten diese Zahlen daraufhin, dass wir dringend eine Anti-Stress-Verordnung brauchen, um diesem Negativtrend Einhalt zu gebieten. Sie möchte darauf hinwirken, dass Arbeitgeber verbindliche Richtlinien an die Hand bekommen, wie sie Stress eindämmen können. Gefährdungsbeurteilungen zur psychischen Belastung der Mitarbeiter seien wichtig, um Abhilfe zu schaffen. Man kann die Aufschreie der Arbeitgeber schon hören und ihre Angst vor Produktivitätsverlusten, wenn Menschen bei der Arbeit vielleicht künftig mehr geschont werden müssten. Wie unproduktiv hingegen heutige Arbeitskulturen gesamtgesellschaftlich sind, steht außer Frage. Die immer wieder wachsenden Defizite der Krankenkassen liefern hier handfeste Zahlen. Vom Verlust an menschlichem Wohlbefinden und Lebensqualität mal ganz zu schweigen.
Zahl der Krankentage in Deutschland stark gestiegen, welt.de 23.10.19

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Warum Blender und Narzissten leichter Chefs werden 
Freitag, 1. November 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Es gibt unzählige Studien, die international darauf hinweisen, wie inkompetent viele Führungskräfte sind, nicht zwingend auf der fachlichen Seite, wohl aber, wenn es um den Umgang mit Mitarbeitenden geht. In einem Interview mit der Zeit erklärt der Psychologe Tomas Chamorro-Premuzic, dass dies unter anderem daran liege, dass wir ein falsches Verständnis von Führung haben. "Wenn jemand ein übermäßig großes Selbstbewusstsein hat und derjenige auch charismatisch ist, vielleicht sogar narzisstische Züge hat, trauen wir dieser Person Führungspotenzial zu. Das Problem ist, dass genau das die Eigenschaften sind, die jemanden zu einem schlechten Chef machen. Er handelt nach seinem eigenen Nutzen, verfolgt nur seine Ziele und sieht seine Fehler nicht", sagt er. Und deutet darauf, dass in Bewerbungsgesprächen eher darauf geachtet werden sollte, welche "Lernfähigkeit, emotionale Intelligenz, soziale Kompetenz und Integrität" Kandidaten mitbringen. "Ein kompetenter Chef ist jemand, der einen Haufen Menschen dazu bringt, ihre persönliche Agenda beiseitezulegen, um etwas zu erreichen, das sie alleine nicht schaffen könnten. Kompetente Führungskräfte sorgen dafür, dass sich die Teammitglieder vertrauen, alle sich einbringen und zusammen Leistungen bringen, mit denen sie andere Teams übertreffen", so Chamorro-Premuzic.
"Narzissten trauen wir Führungspotenzial zu", zeit.de 21.10.19

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Arbeit einfach ein bisschen Aufhübschen 
Donnerstag, 31. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Im gestrigen Beitrag zum Thema Burn-out ist es bereits angeklungen, wie die ganz grundsätzlichen Prinzipien der Arbeitswelt geradezu dazu beitragen, dass Menschen sich über die Maßen verausgaben und schließlich zusammenbrechen. Am anderen Ende der Skala (wenngleich womöglich mit ähnlichem Ergebnis) spielt sich der New-Work-Trend ab. Da ist dann viel die Rede von sinnhafter Arbeit und Strukturen, die etwas ermöglichen sollen. Und auch der Hype-Begriff Agilität schwingt hier immer wieder mit, denn immer mehr Unternehmen haben Angst davor, von der Konkurrenz abgehängt zu werden, wenn sie nicht "agil genug" sind. Welches unterschwellige Dilemma sich hier zusammenbraut (man könnte auch sagen, welche Schönfärberei gerne betrieben wird), kam mir in einem Interview entgegen, das die Wirtschaftswoche mit dem Interimsmanager Bodo Antonic führte, der den New-Work-Trend eher kritisch sieht. "Wie kann Arbeit produktiv und kapitalismustauglich bleiben und gleichzeitig doch Verbesserungen im Sinne der New-Work-Ideen beinhalten, ohne dass nur gelabert wird?", fragte die WiWo. Und was allein in dieser Frage steckt, ist beachtlich, denn all die üblichen Annahmen, auf denen Management heute basiert, werden durch die Frage dezent bestätigt, so dass New Work zum Sahnehäubchen wird. Im Kern soll alles so bleiben, wie es ist, nur vielleicht noch ein bisschen schneller und dabei auch ein bisschen besser werden, aufgehübscht eben. Antonic ist da sofort dabei und antwortet: "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Arbeit Arbeit bleiben darf und sogar muss. Die ganze Diskussion, die Arbeit mit Sinn – man sagt ja jetzt purpose – aufladen will, unterstellt ja, dass Arbeit jetzt nicht wirklich gut sei. Das sehe ich aber nicht so. Dass ein Job mal mehr und mal weniger Spaß macht, finde ich nicht problematisch. Dass ein Unternehmen produktiv sein muss, finde ich auch nicht problematisch. Die Frage ist eigentlich nur, wie gestalten wir die acht Stunden, die wir im Betrieb sind, so, dass wir ein gutes Miteinander haben. Als Praktiker störe ich mich an der Formulierung, Arbeit müsse ganz neu gedacht werden." Und in diesem Stil geht das Interview weiter. Auf die Frage "Wo fängt die Utopie an, wo der Antikapitalismus?", legt Antonic nach: "Eine gängige Aussage von New-Work-Romantikern ist: Wir müssen Arbeit so organisieren, dass sie den Purpose des Mitarbeiters befriedigt. Damit wird Arbeit degeneriert zu einer Lustbefriedigung des Arbeitenden. Das geht vorbei am Sinn und Zweck von Unternehmen, die ihre Kunden bedienen wollen. Und dafür muss gearbeitet werden. Es geht nicht um eine Sinnbefriedigung der Mitarbeiter. Wenn so ein antimaterialistischer, antikapitalistischer Arbeitsansatz in unserer Gesellschaft auf den betriebswirtschaftlichen Rahmen prallt, der sich im Kapitalismus bewegt, dann klatschen da einfach zwei Welten aufeinander, das kann nicht gutgehen. ... Aus Sicht des Unternehmens ist es völlig egal, ob es Spaß macht oder nicht. Wichtig ist, dass die Arbeit gemacht wird." Es geht auch nicht. Die kapitalismuskonformen Implementierungen einer falsch verstandenen New Work werden nämlich leicht zur Burn-out-Maschinerie - nur dass das Klagen darüber immer schwerer fällt, wenn mit smartem, inspirierten Vokabular eine Schicht des schönen Scheins darüber gelegt wird, dass immer mehr Menschen an den Anforderungen im Business verzweifeln. Antikapitalismus wird leicht als Killerphrase genutzt, um all die, die immer noch daran glauben, dass Arbeit wirklich menschendienlich sein kann, mundtot zu machen. Wir haben hier ein massives kulturelles Problem. Darüber möchten aber die Wenigsten ernsthaft nachdenken oder gar reden.
„Bei Arbeit geht es nicht um eine Sinnbefriedigung der Mitarbeiter“, WiWo 20.10.19

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Burn-out als Dilemma der Leistungsgesellschaft 
Mittwoch, 30. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Kraftlos sein, nicht mehr können - das ist ein Gefühl, das immer mehr Menschen im Berufsleben mit sich herumschleppen. Seit es den Burn-out-Begriff hat dieses Phänomen einen Namen. Doch Erschöpfung den Status einer Krankheit zuweisen zu können, macht die Dinge nicht leichter. Denn das, was Menschen auslaugt, ist nicht nur ein vielleicht überhöhter Leistungsanspruch an sich selbst, sondern oft auch die grundsätzlichen Bedingungen in der Arbeitswelt. In einem Interview mit der Zeit geht der Psychologe Rainer Hellweg davon aus, dass etwa die Hälfte der Arbeitgeber nicht unbedingt optimal reagiert, wenn Beschäftigten der Job zu viel abverlangt. "Nach außen hin zeigen sie sich oft verständnisvoll. Letztlich sind viele Vorgesetzte aber daran interessiert, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hundert Prozent oder mehr leisten. Einigen geht das über die Gesundheit der Leute. Ausnahmen gibt es aber, in denen Führungskräfte sehr verständnisvoll waren und sind: zum Beispiel, wenn sie selbst bereits etwas Ähnliches erlebt haben wie der Betroffene. Oder wenn sie den Ausfall einer Arbeitskraft durch eine andere vergleichsweise gut kompensieren können", sagt er. Wie tiefgreifend dauerhafte Erschöpfung ist und Menschen zusetzt, wird deutlich an der Behandlung, die Hellweg empfiehlt. Bei Menschen, die noch nicht zu tief in der Erschöpfungsspirale festhängen, sei es oft mit 20 Therapiestunden getan, sagt er. Das ist nicht gerade wenig. Und letztlich lernen die Betroffenen in der Therapie, selbst besser mit den zu hohen Anforderungen, die vielen heute auferlegt werden, umzugehen. Eigentlich bräuchte unsere Kultur eine Therapie ...
"Meistens trifft es Menschen, die sich für unverzichtbar halten", zeit.de 16.10.19

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