Corona überstanden und fix und fertig 
Mittwoch, 3. Februar 2021 - Studien
Eine Frage, die immer mehr Psychologen beschäftigt, ist, wie sie Menschen helfen können, die nach einer Corona-Erkrankung zwar genesen sind, aber unter erheblichen Erschöpfungssyndromen leiten. "Die häufigsten Spätfolgen scheinen Depres­sion und Erschöpfung zu sein. Die Patien­ten und Patientinnen sind anhaltend erschöpft, können sich schlecht konzentrieren, häufig schlafen sie schlecht. Manche leiden unter Ängsten oder ungewohnten depressiven Verstimmungen", beschreibt Martin Walter, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena, die Situation. Der gegenwärtigen Forschung zufolge könnten die psychischen Probleme Folge kleinster molekularer Veränderungen im Körper sein. "Wir müssen davon ausgehen, dass einige psychische Symptome, wie sie etwa auch bei neurologischen Erkrankungen auftreten, wie Müdigkeit, Depression oder Schlafstörungen, wirklich etwas mit einer Veränderung auf der Ebene kleinster Gefäße zu tun haben", erklärt Walter. Studien zeigen außerdem, dass die intensivmedizinische Behandlung Folgen zeitig wie "Verwirrung, depressive Verstimmungen, Angstzustände, Gedächtnisstörungen und Schlaflosigkeit, Flashbacks oder sogar eine posttraumatische Belastungsstörung". Wenige Erkrankungen zeigen so deutlich wie diese, wie eng Körper, Geist und Psyche miteinander verknüpft sind. Die dadurch notwendige Corona-Nachsorge dürfte uns noch längere Zeit beschäftigen, denn viele der inzwischen Genesenen sind auch noch Monate nach der Corona-Erkrankung nicht wieder in der Lage, ein normales Leben zu führen oder gar zu arbeiten.
„Postvirale Fatigue“, Psychologie heute 8.1.21

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Vergessliche Multitasker 
Dienstag, 2. Februar 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Wir wissen längst, dass Multitasking unserem geistigen Befinden nicht gut tut. Eine neue Studie offenbart Details über einen Zusammenhang zwischen der Neigung, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, und Vergesslichkeit. Jungen Erwachsenen, die nach eigenen Aussagen zum Multitasking neigten, wurden auf dem Computer Bilder von Objekten präsentiert. Nach einer 10-minütigen Pause bekamen sie erneut Bilder gezeigt und sollten angeben, welche davon sie zuvor bereits gesehen hatten. Überwacht wurde der Test durch Eye-Tracking und per Elektroenzephalografie (EEG). Dabei zeigte sich: Die Multitasker konnten sich seltener daran erinnern, welche Motive ihnen eigentlich bekannt sein sollten. Im EEG zeigte sich, dass sie weniger aufmerksam waren als die Nicht-Multitasker und bei ihnen Hirnaktivitätsmuster, die mit dem episodischen Gedächtnis in Zusammenhang stehen, geringer ausgeprägt waren. Die Studie kann zwar nicht erklären, ob Multitasker eher dazu neigen, per se unaufmerksam zu sein oder ob das Multitasking zur Abgelenktheit führt, doch wird deutlich, dass Fokussierung und ständig schweifende Aufmerksamkeit sich anscheinend nicht vertragen.
Multitasking und Vergessen hängen zusammen, spektrum.de 25.1.21

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Anspruchsdenken verleitet zu Ignoranz 
Montag, 1. Februar 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wer glaubt, selbst etwas besseres verdient zu haben als andere, scheint eher dazu zu neigen, die Auswirkungen der Pandemie zu verharmlosen oder zu ignorieren. Dies liegt eine neue psychologische Studie nahe, in der untersucht wurde, wie persönliches Anspruchsdenken und die Reaktionen auf die Krise zusammenhängen. In drei Erhebungen wurden die Beteiligten nach Parametern des Anspruchsdenkens und entsprechenden Persönlichkeitsmerkmalen befragt und sollten Auskunft geben über verschiedene Einschätzungen zur Pandemie. Dabei zeigte sich sehr deutlich, dass Menschen mit hohem Anspruchsdenken stärker dazu neigen, die Krise zu verharmlosen, für sich selbst und andere eher geringere Risiken zu sehen und das Krankheitsrisiko insgesamt zu unterschätzen.
Coronapandemie Leichtsinnige Anspruchsdenker, Psychologie heute 7.1.21

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Mehr Geld macht glücklicher als gedacht 
Freitag, 29. Januar 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Geld macht glücklich, aber ab einem bestimmten Betrag (etwa 75.000 Dollar bzw. 62.000 Euro, die einem Haushalt jährlich zur Verfügung stehen) wächst das Glücksgefühl nicht mehr - so bisher die einhelligen Befunde der Forschung. Eine neue Studie aus den USA, die ein verfeinertes Instrumentarium zur Messung verwendete, kommt hingegen zu einem anderen Schluss. Ihr zufolge nimmt die allgemeine Lebenszufriedenheit weiter zu und mit ihr auch das tägliche emotionale Wohlbefinden. Die neue Studie befragte ihre 33.000 Probanden, von denen rund 1,7 Millionen Einzeldaten ausgewertet wurden, in regelmäßigen Intervallen per App, wie sie sich fühlen. In den üblichen Studienszenarien hingegen erfolgt diese Einschätzung ausschließlich retrospektiv. Außerdem maßen die Wissenschaftler das Wohlbefinden mit einer breiten Skala, anstatt wie sonst häufig üblich nur zwischen gutem und schlechtem Befinden zu unterscheiden. Dabei wurde deutlich, dass Glück und Zufriedenheit sich bis weit über die 80.000 Dollar-Marke hinaus immer noch verbessern. Man muss also wohl sagen, dass mehr Geld glücklicher macht, als bisher angenommen.
Macht noch mehr Geld noch glücklicher? spektrum.de 20.1.21

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Einsamkeit ist ein Politikum 
Donnerstag, 28. Januar 2021 - Lebensart, Psychologie, Wissenschaft, Arbeit, Management
Die mit den Lockdowns verbundene Isolation der Menschen hat in den vergangenen Monaten bereits viele Psychologen auf den Plan gerufen. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Noreena Hertz geht in ihrer Betrachtung von Einsamkeit und ihren Folgen noch weiter - für sie liegt auf der Hand, dass dies auch ein politisches Thema ist, das so noch viel zu selten wahrgenommen wird. So zeige sich in Studien in Ländern wie den USA, Frankreich oder auch den Niederlanden, dass Rechtspopulisten unter Menschen, die wenige soziale Kontakte haben, auf besonderen Zuspruch stoßen. In den Vereinigten Staaten bezeichnen sich drei von fünf Menschen als "allein", in Großbritannien kennen 60 Prozent der Menschen nicht die Namen ihrer Nachbarn. Was sich hier abzeichnet, scheint nicht weniger als eine Vereinsamung und menschliche Entfremdung im großen Stil zu sein. "Diese Einsamkeit stellt ein sehr kostspieliges Problem dar: Allein in den Vereinigten Staaten schätzt man die damit verbundenen physischen und psychischen Folgen auf sieben Milliarden Euro pro Jahr für die amerikanische Gesundheitsversorgung und zwei Milliarden für die britische. Andererseits ist die Einsamkeit aber auch nützlich, da sie die Menschen für erzählte Traditionen oder auch den Gemeinschaftssinn, die gerade die populistischen Bewegungen verkörpern, besonders empfänglich macht. Viele der Menschen, die ich interviewt habe, erzählten mir, dass ein Besuch bei einer Kundgebung von Donald Trump oder einem Festival der Lega zu den wenigen Momenten gehörte, in denen sie sich einer Gemeinschaft zugehörig fühlten", so Hertz in einem Interview mit welt.de. Die Ökonomin weist auch darauf hin, wie das soziale Miteinander im Alltag zunehmen erodiert: "Diese Bürger, die in der realen Welt kaum noch mit anderen interagieren, empfinden die Auβenwelt als feindseliger und bedrohlicher als andere Personen Soziale Netzwerke und Internet, die auf der thematischen Zwanghaftigkeit ihrer Algorithmen beruhen, treiben die Positionen dieser Menschen noch mehr ins Extreme, vor allem deshalb, weil ihre 'Gemeinschaft' mit anderen nicht real ist, sondern nur online stattfindet." Nur über die durch die Pandemie hervorgerufene Einsamkeit zu klagen, greift also viel zu kurz. Und man kann nur hoffen, dass das Thema auch in Zukunft mehr Beachtung findet.
„Einsamkeit ist ein sehr kostspieliges Problem“, welt.de 19.1.21


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Pandemie verändert Risiko-Blick der Unternehmen 
Mittwoch, 27. Januar 2021 - Studien, Arbeit, Management
Die Pandemie verändert den Blick vieler Unternehmen auf die möglichen Risiken, denen sie ausgesetzt sind. So zeigt das aktuelle Risiko-Barometer der Allianz, für das mehr als 2.700 Experten aus 92 Ländern, darunter Geschäftsführer, Vorstände, Risikomanager und Versicherungsfachleute, dass mit dem Corona-Jahr die Pandemie-Gefahr mit all ihren gesundheitlichen Folgen im Risikoranking von Platz 17 im Vorjahr auf den 2. Platz nach oben geschossen ist. An Platz 1 stehen nun Betriebsunterbrechungen, die zur Zeit ja auch Pandemie-bedingt sind. Die Gefahr von Hackerangriffen, im letzten Jahr noch Spitzenreiter, rückte an die die dritte Stelle. Weitere Bedrohungsszenarien sind: Marktveränderungen, makroökonomische Entwicklungen und politische Gewalt. Der Klimawandel landete auf Platz 9 (nach Platz 7 im Vorjahr). Das Risiko-Barometer geht davon aus, dass vor allem klimatische Großereignisse auch in Zukunft die Firmen beschäftigten werden - und dass sie den Klimawandel, wenn die Pandemie durchgestanden ist, wieder stärker in den Blick nehmen werden.
Manager halten Pandemien für gefährlicher als den Klimawandel, spiegel.de 19.1.21

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Scheitern hängst nicht allein an den Führungskräften 
Dienstag, 26. Januar 2021 - Studien, Arbeit, Management
Eine neue Studie der Universität Gießen mit 94 Controllern und Finanzvorständen hat untersucht, was dazu beitragen kann, dass Projekte seltener scheitern. Schaut man auf Projekt-Desaster wie den BER oder die Elbphilharmonie, sind vor allem die Stimmen laut, die Führungskräften ein Versagen anlasten. Die Gießener Studie hingegen blickt weiter. Sie zeigt, dass in komplexen Arbeitsabläufen weniger Fehler geschehen, wenn Mitarbeiter es sich erlauben können, Risiken einzugehen und bei Fehlschlägen nicht im Vordergrund steht, wer an ihnen schuld ist, sondern eher gefragt wird, was ein Unternehmen daraus lernen kann. Auch ein respektvolles Miteinander könne dazu beitragen, dass Mitarbeiter geneigter sind, Fehler einzugestehen und mit Kolleg*innen daraus Lehren zu ziehen. Auch gemeinsame Gespräche darüber, woran ein Projekt scheitern könnte, tragen laut Studie dazu bei, dieses Scheitern zu vermeiden.
Wie Manager Fehler vermeiden können, FAZ 19.1.21

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Krise verändert Blick auf Arbeitslosigkeit 
Montag, 25. Januar 2021 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Seinen Job zu verlieren, ist hierzulande immer noch mit einem Stigma behaftet. Eine Umfrage des Netzwerkes LinkedIn unter rund 2.000 Menschen, die arbeitslos sind - 500 davon durch die Pandemie -, zeigt, wie die Entlassungen aufgrund der aktuellen Krise das Bild, das Menschen von Arbeitslosen haben, zu wandeln scheint. 82 Prozent der Befragten bestätigten zwar das Stigma des Jobverlusts, doch glauben auch 70 Prozent, dass krisenbedingte Entlassungen sich weniger auf den Ruf einer Person auswirken. 53 Prozent der nun Arbeit Suchenden glauben nun, die Situation von Arbeitslosen besser zu verstehen. 28 Prozent räumten ein, vor dem eigenen Jobverlust auf Menschen ohne Arbeit herabgeschaut zu haben. Und 24 Prozent hielten Arbeitslose zuvor schlicht für faul, 17 Prozent unterstellten ihnen geringere Fähigkeiten und 21 Prozent eine schlechtere Qualifikation. Je ein Drittel der Befragten äußerte, dass die neue Situation in ihnen Ängste auslöse beziehungsweise dass ihre Entlassung sie deprimiere.
Coronakrise verringert Vorurteile gegenüber Arbeitslosen – zumindest ein bisschen, WiWo 15.12.20

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