Wenn Chancen auf einen Aufstieg fehlen 
Dienstag, 11. März 2008 - Arbeit
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung analysiert in einem Beitrag das wachsende gesellschaftliche Ungleichgewicht in Deutschland. Dabei wird deutlich, dass nicht nur die wachsende Ungleichheit bei der Einkommensverteilung bei einem großen Teil der Bevölkerung für Unmut sorgt. Vielmehr sind es die fehlenden Aufstiegschancen, die zu steigendem Verdruss führen. Während in den 90-er Jahren noch 46 Prozent der unteren Einkommensschicht innerhalb von vier Jahren aus dieser Einkommensgruppe aufstiegen, waren es Anfang des neuen Jahrtausends nur noch rund ein Drittel. Ähnlich ungünstig sieht es in der Mittelschicht auf. Zwar konnten hier zwischen 2002 und 2006 rund elf Prozent Aufsteiger verzeichnet werden, mit 14 Prozent liegt die Zahl der Absteiger jedoch deutlich höher - eine Dynamik die großen Teilen der Bevölkerung schlicht Angst bereitet. Optimismus war noch nie eine Leidenschaft der Deutschen, doch Zahlen wie diese tragen zum gefühlten Unbehagen der Bevölkerung wesentlich bei. Während die Aufwärtsmobilität in Ländern wie den Vereinigten Staaten den Traum vom Tellerwäscher zum Millionär immer wieder für Einzelne Wirklichkeit werden lässt, sind die Positionen in Deutschland gefühlt zementiert. Studien über die Aufwärtsmobilität im Bildungssystem zeigen wiederum, dass an diesen Gefühlen viel dran ist, denn eine Schlussfolgerung aus Pisa ist, dass so genannte Bildungsarmut sich vererbt und auch nachfolgende Generationen eher auf der Stelle treten oder absteigen statt ihre Chancen zu verbessern. Ein Teufelskreis, aus dem es allerdings Auswege gibt - sei es durch eine bessere Bildungspolitik, aber auch durch individuelle Anstrengungen, die dem allgemeinen Pessimismus ein Schnippchen schlagen.
"In Deutschland stimmt die Balance nicht mehr", FAS 9.3.2008


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Neues Portal - Der ehrbare Kaufmann 
Montag, 10. März 2008 - Wissenschaft
Die zahlreichen Verfehlungen von Top-Managern, die durch die Medien geistern, erwecken bisweilen den Eindruck, als ginge es in der Wirtschaft zu wie im wilden Westen. Dass es darüber hinaus auch Leitbilder gibt, die für ein Wirtschaftsverständnis der Achtung und Authentizität stehen, wird indes leicht vergessen. Diplom-Kaufmann Daniel Klink vom Institut für Management der Humboldt-Universität Berlin hat es sich zum Ziel gesetzt, das ursprüngliche Ideal der Betriebswirtschaftslehre, das Bild des ehrbaren Kaufmanns, wiederzubeleben. Auf seinem neu gegründeten Web-Portal Der ehrbare Kaufmann sammelt er Informationen und Forschungsbeiträge, die das Thema Rechtschaffenheit in der Wirtschaft aufgreifen. In einem Fachartikel, der auf der Webseite des Instituts heruntergeladen werden kann, beschreibt er darüber hinaus, wie sich die Idee des ehrbaren Kaufmanns im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat und warum sie gerade heute als neues Leitbild für Bemühungen in Fragen einer neuen Corporate Social Responsibility dienen kann.
Download Fachartikel "Der ehrbare Kaufmann"


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Das Problem der Moral ist der Zeitgeist 
Freitag, 7. März 2008 - Management
Der Wirtschaftsethiker Professor Peter Ulrich betrachtet die gegenwärtigen Verwerfungen innerhalb der Wirtschaftselite als logische Folge eines Zeitgeistes, der eine Vorteilsmaximierung propagiere. "Der neoliberale Zeitgeist hat nun seit etwa 20 Jahren den Leuten das Credo der Gewinnmaximierung eingehämmert. Wenn nur jeder seinen eigenen Vorteil maximiere, so sorge die unsichtbare Hand des Marktes dafür, dass dies für alle gut sei. Dieses Denken fungiert als ideologische Entlastung von moralischen Ansprüchen der Rücksichtnahme auf andere. Wer so tickt und Skrupel gegen knallharte Geschäftsmethoden im Umgang mit Mitarbeitenden, Lieferanten und öffentlicher Hand ablegt, der bringt 'Leistung' und macht Karriere", so Ulrich in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Die aktuellen Steuerskandale sind dabei einerseits Ergebnis dieser tief verwurzelten Haltung, andererseits zeigen sie auch, dass selbst die Kontrollorgane anscheinend auf beiden Augen blind sind, denn, so Ulrich, seit etwa 1990 zeige sich, obwohl gerade die Manager-Einkommen deutlich gestiegen seien, ein dramatischer Rückgang bei den erklärten Einkommensteuern. Der kleine von nebenan scheint dagegen wenig kriminelle Energie an den Tag zu legen, denn obwohl die mittleren und unteren Einkommen seit Jahren stagnieren, nahm der Anteil der Lohnsteuer am Steueraufkommen zu.
"Der Ansehensverlust der Wirtschaftselite ist massiv", WiWo 21.2.2008


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Von kleinen Leuten und stecken gebliebenen Fahrstühlen 
Donnerstag, 6. März 2008 - Arbeit
Zukunftsforscher Matthias Horx geht im aktuellen Zukunftsletter des Zukunftsinstituts auf den Ausklang des industriellen Mega-Booms und die damit verbundene wachsende soziale Unsicherheit ein, die seiner Meinung zum neuen Linksruck in der Gesellschaft führen. Ein Jammern über soziale Ungerechtigkeit ist für Horx Ausdruck dafür, dass die Versprechen der industriellen Ära - der Aufstieg für viele - sich überholt haben. Die gegenwärtig wahrgenommene Lücke werde nun vor allem mit linken Gerechtigkeitsfloskeln gefüllt. "Was uns heute fehlt, ist Aufwärtsmobilität. Soziale Ungleichheit ist gerecht, wenn sie von vielen als persönliche Herausforderung begriffen wird, die eigene Situation zu verbessern. In der Berufswelt von heute fühlen sich aber viele Menschen wie in einem stecken gebliebenen Fahrstuhl, der noch nicht einmal mehr mit der Handkurbel zu bewegen ist. Auch ob die Notbremsen halten, ist ungewiss", so die Diagnose von Horx. In der gerade erst sich entwickelnden Wissensökonomie zählen nach Ansicht des Zukunftsforschers alle industrielle Tugenden wie Verlässlichkeit, Fleiß und Loyalität nicht mehr, sondern Eigensinn, Kreativität und Flexibilität. Diesen mentalen Paradigmenwechsel habe das deutsche Bildungssystem bisher noch nicht einmal in Ansätzen bewältigt, so Horx.
Zukunftsletter


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Immer mehr Manager lassen sich coachen 
Mittwoch, 5. März 2008 - Management
Coaching wird in vielen Unternehmen längst als Mittel gesehen, um die Führungskompetenz von Managern zu stärken, so das Ergebnis einer Untersuchung, die die Unternehmensberatung Kienbaum zusammen mit dem Harvard Business Manager durchführte. Befragt wurden 200 Topmanager und Personalverantwortliche aus deutschen Konzernen und dem Mittelstand. 81 Prozent der Unternehmen verbinden mit Coaching das Ziel, aktuelle Führungs- und Managementprobleme zu klären und Lösungsstrategien zu erarbeiten, 77 Prozent gehen davon aus, dass sich durch Coaching die Selbstwahrnehmung und das Selbstbild der gecoachten Personen verbessert. 75 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich durch Coachings die soziale und emotionale Kompetenz steigern lässt. Mit 86 Prozent sind es vor allem die Führungskräfte des Topmanagements, die von Coachings profitieren. Auf der Ebene der Projektleiter kommen lediglich 39 Prozent in den Genuss persönlicher Beratung. Hier sehen die Forscher noch Nachholbedarf, denn gerade im Projektmanagement stellten sich schwierige Führungs- und Managementaufgaben. Insgesamt betrachten 76 Prozent der Befragten Coaching auch für die Zukunft als wichtiges Entwicklungs- und Unterstützungsinstrument.
Kienbaum-Studie "Coaching von Top-Managern"


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Nur 30 Prozent der Manager folgen einer höheren Moral 
Dienstag, 4. März 2008 - Management
Die Nachwehen des VW-Skandals und die in den letzten Wochen offenbar gewordenen Fälle von Steuerhinterziehung zeigen: Moral in der Wirtschaft bleibt ein ambivalentes Thema. Diese Perspektive untermauert auch Prof. Eugen Buß, Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie an der Universität Hohenheim in Stuttgart, mit einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, in dem er einen näheren Blick auf die moralischen Einstellungen im deutschen Management wirft. Basierend auf einer zusammen mit der Düsseldorfer Identity Foundation realisierten Studie, für die Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende sowie Vorstände der 100 größten Unternehmen in Deutschland befragt wurden, kommt er zu dem ernüchternden Schluss, dass nur jeder dritte Spitzenmanager der Ansicht ist, Moral spiele in der Wirtschaft generell eine große rolle. Die Antworten eines weiteren Drittels der Befragten legen nahe, dass für sie moralische Fragen in der täglichen Business-Praxis ein eher geringes Gewicht haben. Und: "Jeder Achte glaubt, Moral gehöre gar nicht zur Wirtschaft, im Gegenteil: Die Wirtschaft erfordere sogar ein Mindestmaß an Amoralität", so Eugen Buß. Zwänge, "unmoralische Selbstverständlichkeitsriten" oder auch bewusste Opfer im Sinne einer größeren Wirtschaftlichkeit führen anscheinend dazu, dass viele Manager zwar über ein persönliches moralisches Referenzsystem verfügen, es aber in der Praxis damit dann doch nicht so genau nehmen. "Eine insgesamt relativ niedrige Einstufung moralischer Fragen, wenig Bereitschaft, Entscheidungen stets auch unter ethischen Gesichtspunkten zu prüfen und sich nach Maßgabe moralischer Ideale sachkundig zu machen und zu engagieren - diese Befunde der Studie stützen die These, dass ethische Prinzipien in Deutschlands Chefetagen kein Wert an sich sind", so das Fazit von Eugen Buß.
"Man überlebt nicht, wenn man die Moral hochhält", FAZ 26.2.2008


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Die weltbesten Companies und was sie auszeichnet 
Montag, 3. März 2008 - Studien
Das jährliche Ranking der weltweit besten Unternehmen, das vom Fortune Magazine und der Hay Group veröffentlicht wird, hat es wieder einmal in sich. Bestes deutsches Unternehmen auf Platz 9 ist BMW, gefolgt von BASF (Platz 41), Siemens (43) und Lufthansa (48). Die geringe Präsenz deutscher Firmen in dem internationalen Ranking liegt unter anderem daran, dass zu den Voraussetzungen für das Voting ein Jahresumsatz von mindestens zwölf Milliarden Dollar gehört. Die Liste der "Most Admired Companies" wurde nach einer Befragung von 16.000 Top-Managern und Analysten aus 26 Ländern zusammengestellt. Unangefochtener Spitzenreiter wurde die amerikanische Technologie-Schmiede Apple, die für ihre besondere Innovationskraft ausgezeichnet wurde. Was die Beliebten anders machen als ihre Konkurrenten, analysiert die Hay Group wie folgt: 82 Prozent der Most Admired Companies stimmen ihre Vergütungsprogramme regelmäßig mit ihren Beschäftigten ab, während dies bei der Vergleichsgruppe nur bei 64 Prozent der Firmen der Fall ist. 41 Prozent sind der Ansicht, dass es ihrem Management gelingt, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen (Vergleichsgruppe: 21 Prozent). 41 Prozent sind der Ansicht, dass ihre Vergütungsprogramme fair sind (Vergleichsgruppe: 27 Prozent).
Fortune-Liste der 50 Most Admired Companies
Analyse der Hay Group

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Bezahlung nach Leistung untergräbt die intrinsische Motivation 
Montag, 3. März 2008 - Management
Im Zuge der öffentlichen Diskussion um die Höhe von Managergehältern und die Sinnhaftigkeit bzw. Produktivität hoher Vergütungen führt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in ihrer Rubrik "Der Sonntags-Ökonom" einige interessante Aspekte ein. Der Beitrag stellt verschiedene Studien vor, die zu teils erstaunlichen Ergebnissen kommen. Da sich in der Forschungsliteratur Hinweise darauf finden, dass mit einer steigenden Bedeutung der leistungsabhängigen Bezahlung sich die betrügerischen Praktiken in Unternehmen mehren, kommen die Ökonomen Bruno S. Frei und Margit Osterloh zu dem Schluss, dass Manager vielleicht besser wie Bürokraten bezahlt werden sollten. Ihre Idee: In einem Unternehmen können Erfolge nicht einem Einzelnen zugeordnet werden. Das Dilemma: In Gruppen kann es immer vorkommen, dass Einzelne weniger Energie investieren als andere und damit der Gesamtperformance schaden. Ihre Lösung: Wer die soziale Einstellung aller Mitarbeiter fördert, also die Verbundenheit mit dem großen (Unternehmens-)Ganzen, fördert die Gesamtleistung. Die beiden Ökonomen stellen einige Begründungen leistungsabhängiger Bezahlung in Frage, denn sie weisen darauf hin, dass Menschen nicht nur egoistische Nutzenmaximierer sind, sondern auch von intrinsischer Motivation, also inneren Überzeugungen, angetrieben werden. Ein rein materiell orientiertes Rahmensystem kann dabei sogar diesen inneren Antrieb negativ tangieren. Aus diesem Grund sei es viel wichtiger, das soziale Gewissen aller Beteiligten zu adressieren als alleine ihren Wunsch nach möglichst hohem ökonomischem Nutzen.
"Bezahlt Manager wie Beamte", FAS 24.2.2008


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