Ungleichheit bewegt die Menschen 
Montag, 9. März 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Drei Viertel aller Deutschen empfinden die Verteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland als ungerecht. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Befragung von 5.000 Menschen im Auftrag des Spiegel. Interessant daran: Statistisch betrachtet ist die Einkommensungleichheit im EU-Durchschnitt eher unauffällig und im Vergleich zu den OECD-Staaten insgesamt sogar unterdurchschnittlich. Die Gefühlslage der Deutschen spricht hingegen eine andere Sprache. Vor allem unter den Wählerinnen von SPD, Linken und Grünen ist dieses Ungerechtigkeitsempfinden besonders stark ausgeprägt. Hinzu kommt, dass drei Viertel der Befragten das Gefühl haben, dass die Ungleichheit in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Rund 57 Prozent finden, dass Leistung sich in Deutschland nicht mehr lohnt - unter den Wähler*innen der AfD sind es sogar gut 80 Prozent (Linke: 64 Prozent, FDP: 61 Prozent, Grüne/SPD/CDU/CSU jeweils um die 40 Prozent). Bei einer solch starken Stimmungslage fragt man sich natürlich, warum nicht mehr Menschen aktiv für Veränderungen eintreten. Womöglich ist ein Grund, dass das Erleben dieser Ungerechtigkeiten sich vor allem auf Distanz abspielt, denn 44 Prozent nehmen sie vor allem durch die Medien zur Kenntnis. 30 Prozent sehen sie im Freundes- und Bekanntenkreis, 25 Prozent in benachbarten Stadtteilen oder Orten.
Bürger empfinden Deutschland als extrem ungerecht, Spiegel.de 5.3.20

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Keine Lust auf Arbeit? Schuld ist der Chef ... 
Freitag, 6. März 2020 - Studien, Arbeit, Management
Nur jede zweite Arbeitnehmer geht gerne in die Firma, jeder dritte hat schon über Kündigung nachgedacht - und schuld daran sind die Chefs. Das zeigt eine Umfrage unter rund 1.000 Angestellten des Meinungsforschungsinstituts Forsa und des Beratungsunternehmens Porsche Consulting. In den Augen ihrer Mitarbeiter versuchen die Chefs zu viele Dinge gleichzeitig zu tun (45 Prozent), sind häufig gestresst (32 Prozent), loben zu selten (28 Prozent) oder behalten wichtige Informationen für sich (27 Prozent). Interessant ist auch - laut der Umfrage kommen weibliche Führungskräfte bei den Mitarbeitern besser weg als ihre männlichen Kollegen. Bei ihnen sind die beklagten Aspekte seltener so ausgeprägt.
Kündigungsgrund Chef – Die größten Fehler deutscher Führungskräfte, Welt.de 28.3.20

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Bei Führungskräften ist Land unter 
Donnerstag, 5. März 2020 - Studien, Arbeit, Management
Viele Führungskräfte hadern mit ihrem Job, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung (RMI) an der Universität Witten/Herdecke zeigt, für die knapp 1.000 Manager befragt wurden. 30 Prozent klagen über eine hohe Führungsbelastung, 20 Prozent finden, sie werden den eigenen Ansprüchen nicht gerecht, und 25 Prozent gehen so weit, dass sie glauben, als Mitwirkender eines Teams mehr beitragen zu können als in der Rolle des Chefs. Bei weiteren 25 Prozent der Befragten sind diese drei Aspekte zwar nicht so virulent, aber in Teilen auch gegeben. Die Studie zeigt auch: Je stärker belastet sich Führungskräfte fühlen, umso mehr sinkt ihr Vertrauen in ihre Mitarbeiter, was wiederum deren Demotivierung nach sich zieht. Ein Teufelskreis. Doch Belastungen offen anzusprechen oder gar um Abhilfe zu bitten, ist in der Führungsetage anscheinend nach wie vor ein Tabuthema.
Ein Drittel aller deutschen Manager steckt in der Krise, spiegel.de 28.2.20

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Die Angst der Väter vor dem Karriereknick 
Mittwoch, 4. März 2020
Lippenbekenntnisse gibt es viele, doch das Handeln spricht eine andere Sprache, wenn es darum geht, wie Paare sich die Elternzeit aufteilen. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov zeigt: Wenn es nach dem Idealbild von Eltern ginge, würden beide gerne möglichst viel Zeit in den ersten Lebensmonaten mit dem Nachwuchs verbringen. In der Realität sind es aber 91 Prozent der Frauen, die den längsten Teil der Elternzeit in Anspruch nehmen. 76 Prozent der Frauen gehen 12 Monate in Elternzeit und ihre Männer begnügen sich mit zwei Monaten, durchschnittlich kommen die Männer immerhin auf drei Monate. Der höhere Verdienst des männlichen Partners wird immer wieder als Grund genannt. Ein weiterer ist die Angst der Männer vor dem Karriereknick. Ein wunder Punkt ist sicher auch, dass sowohl Frauen als auch Männer diese vermeintlichen Zwänge immer wieder hinnehmen.
Väter fürchten Elternzeit als Karrierekiller – zu Unrecht, WiWo 27.2.20

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Wenn Fachkräfte fehlen, liegt es vielleicht auch am Geld 
Dienstag, 3. März 2020 - Studien, Arbeit
Immer wieder beschäftigt der Fachkräftemangel die unterschiedlichsten Branchen. Eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt allerdings auch - gerade in den Berufen, in denen viele Kräfte zu fehlen scheinen, wird oft besonders schlecht bezahlt. Von den 52 Berufsgattungen, die die Bundesagentur untersuchte, trifft dies auch die Hälfte zu. In ihnen liegt das Durchschnittseinkommen unter dem, was Fachkräfte insgesamt im Schnitt verdienen. Fußpfleger kommen in Vollzeit beispielsweise gerade einmal auf einen Monatslohn von 1.800 Euro - drei Viertel von ihnen verdienen nur einen Niedriglohn. In der Fleischverarbeitung sieht es ähnlich aus mit einem Bruttoverdienst von 2123 Euro und 54,4 Prozent Arbeitnehmern im Niedriglohnbereich. Oft sind es gerade jene Branchen, beispielsweise auch die Pflege, die für viele Menschen sehr relevant sind, aber dennoch schlecht zahlen. Vielleicht sollten wir bei diesem Thema nicht nur über den Mangel sprechen, sondern auch über unseren Geiz, der zu diesen Zuständen führt.
Kaum gefragt und schlecht bezahlt, FAZ 24.2.20

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Spiritualität kann bei der Heilung helfen 
Montag, 2. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die traditionelle Psychologie macht oft einen Bogen um Spirituelles. Dabei können spirituelle Bezüge insbesondere Menschen, die krank sind, helfen. Der Harvard-Professor David H. Rosmarin hat nun an einem Krankenhaus das Programm SPIRIT ins Leben gerufen, nachdem er in einer Studie darauf gestoßen war, dass 80 Prozent der befragten Patient*innen religiöse Bezüge als sehr hilfreich empfanden, um mit ihrem krankheitsbedingten Stress umzugehen. Bereits 1.500 Patient*innen haben inzwischen an dem Programm, das während des Krankenhausaufenthalts Gesprächsrunden zu spirituellen Themen anbietet, teilgenommen. Die positivste Wirkung hatte das Programm bisher für Menschen, die selbst einen Bezug zu religiösen Themen haben, aber auch für Menschen, die das nicht von sich behaupten, könne das Programm psychische Unterstützung bieten.
Psychology’s new openness to religion, The Harvard Gazette 5.12.19

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Lieber länger frei als mehr Geld 
Freitag, 28. Februar 2020 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Der jüngste Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie stellt manche Arbeitgeber vor große Herausforderungen und zeigt zugleich, was Arbeitnehmenden immer wichtiger wird: mehr freie Zeit. Der Abschluss hatte den Beschäftigten die Wahl zwischen acht Tagen Urlaub und einer Sonderzahlung gelassen und viele Arbeitnehmer entscheiden sich nun für die zusätzliche Freizeit. Die Welt stellt eine Studie vor, derzufolge viele Arbeitgeber mit dieser Entwicklung überfordert sind. Sicher, sich auf ein solch neues Gefüge einzustellen, erfordert viele Anpassungen - und stellenweise sicherlich auch mehr Mitarbeiter. Interessanter aber ist vielleicht, dass das Votum der Belegschaften auch ein Signal ist. Es zeigt: Wenn Menschen es sich halbwegs finanziell leisten können, wollen sie schlicht nicht rund um die Uhr im Hamsterrad stecken. In der Metallbranche tritt das nun zutage, weil hier manche Menschen nun eine Wahl haben. Aber dahinter steckt eigentlich auch die Frage, wie es möglich werden könnte, dass insgesamt weniger gearbeitet werden muss.
Freizeit-Stress in der „Luxusbranche“, welt.de 19.2.20

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Das Leistungsprinzip hinterfragen 
Donnerstag, 27. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft, Arbeit
Leistung ist in gewisser Weise das, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Ohne all die Menschen, die tagtäglich in Berufen arbeiten, die der Allgemeinheit dienen, ginge hier - gar nichts. Doch wenn es um Leistungsgerechtigkeit geht, bleiben all die Krankenschwestern, Polizisten, Feuerwehrleute und Putzmannschaften eher außen vor, denn honoriert in Euro und Cent kommen ihre Leistungen deutlich schlechter weg als jene von Menschen in Berufen, die sogar oftmals dem Gemeinwohl eher schaden. Der Spiegel hat eine ganze Story der "Mär von der Gerechtigkeit" gewidmet. Man erfährt, dass Leistungsgerechtigkeit, auch wenn der Begriff der Leistung zu so etwas wie einer "Basisnorm" unserer Kultur geworden ist, noch nie wirklich vorhanden, aber eben auch nicht wirklich messbar war. Manch einer spricht sogar davon, dass Leistung längst eine Ideologie ist, die man hinterfragen und durchbrechen sollte. Vielleicht liegt hinter dem Unbehagen, dass viele Menschen viel Geld verdienen mit Dingen, die eher schaden als nutzen, und jene, die den Laden Gesellschaft am Laufen halten, oft leer ausgehen, auch einfach eine Frage, die wir uns viel öfter stellen und vielleicht sogar zum Maß machen sollten: Was ist uns wertvoll? Was dient Menschen? Und wie können wir dazu beitragen, das sich davon mehr in der Welt zeigt?
Leistung lohnt sich eben nicht, spiegel.de 16.2.20

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